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Interview

English VersionInterview mit Dismember (01.07.2005)

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Logo Dismember

Dismember gehören zu den Urvätern des melodischen Death Metals und sind auch heute noch eine der autentischsten und markantesten Bands des Genres. So verwundert es nicht, dass der Dismember-Backkatalog irgendwann vergriffen war und die Scheiben und Demos nur noch schwer erhältlich waren oder man im Falle der Demos einen stolzen Preis bezahlen musste, wenn man in die Vergangenheit der Schweden eintauchen wollte.
Als man dann Anfang des Jahres bei Regain Records einen neuen Deal an Land zog, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann das alte Material in neuem Gewand erneut das Licht der Welt erblicken sollte. Dass das auch für Gesprächsstoff sorgt, war klar und so stellte sich Sänger Matti Kärki unseren Fragen.

HH: Hi Matti, wie geht's dir?

Matti: Mir geht's gut, ich entspanne mich gerade, gebe Interviews und trinke Bier.

HH: Hört sich gut an, vor allem der Teil mit dem Bier. Und wie läuft die Promo-Tour gerade?

Matti: Die läuft gut. Unser Schlagzeuger Fred hat letzte Nacht schon eine Menge Interviews gegeben. Ich helfe ihm heute weil es mit diesen ganzen Interviews ziemlich spät wird. Er hat so viel geredet, dass er zu mir gesagt hat: "Bitte hilf mir!"

HH: Du hast dann wohl einen langen Tag hinter dir?

Matti: Nein, eigentlich war es ziemlich cool, ich habe bisher erst drei Interviews gegeben, das hier ist das dritte. Ich bin mir nicht sicher, aber Fred gibt heute auch drei, also ist dieser Tag heute sehr ruhig; aber vielleicht stehen morgen und zum Ende der Woche mehr Interviews an.

HH: Regain Records hat jetzt die Rechte an den bisherigen Alben, richtig? Wessen Idee war es eigentlich diese Re-Releases zu machen?

Matti: Eigentlich haben wir darüber schon eine ganze Weile nachgedacht, weil außer dem ersten Album, da hat Nuclear Blast die Rechte, gehören alle Dismember Alben uns. Wir hatten schon immer die Lizenzen dafür. Also haben wir darüber nachgedacht, sie wieder zu veröffentlichen nachdem Nuclear Blast keine neuen Alben mehr fordern und uns die Leute immer wieder bei Shows gefragt haben, wo man denn unsere Alben kaufen kann. Wir mussten leider immer sagen, dass es sie nicht mehr gibt, dass wir sie aber wieder veröffentlichen werden und jetzt sind sie draußen! Endlich!

HH: Das stimmt allerdings, die alten Sachen sind kaum zu kriegen.

Matti: Ja, aber hoffentlich können wir jetzt die vielen neuen Fans glücklich machen, die wir durch unsere ganzen Auftritte gewonnen haben, weil sie jetzt unsere Alben kaufen können.

HH: Aber von Like An Everflowing Stream gibt es keine Neuveröffentlichung.

Matti: Nein und wenn ich genau nachdenke, hat nicht Nuclear Blast die Rechte an dem Album, sondern Karmageddon. Das Musikgeschäft ist schon ziemlich abgefahren. Aber ich weiß nicht genau, seitdem wir die Plattenfirma gewechselt haben, haben wir mit Guido (Heijnens, zusammen mit Peter van Ool Labelboss von Karmageddon - Lord Obirah) kaum noch Kontakt, weshalb wir nicht so recht wissen, was er damit anstellen wird. Vielleicht veröffentlicht er es auch noch einmal, jetzt wo die alten Sachen wieder erhältlich sind. Vielleicht wartet er auch noch ein wenig und bringt das Album dann raus, um noch ein wenig Geld damit zu verdienen. Ich weiß es nicht. Wir haben ihn ein paar mal gefragt, was der denn zu tun gedenkt, weil wir die Rechte für das Album wollten, weil es unser Zeug ist. Aber bisher hat er nur gesagt: "Nein, ich will es behalten." Vielleicht ergibt sich später was.

HH: Wer hatte denn die Idee, die Scheiben als Digi-Packs zu veröffentlichen? Die schauen nämlich verdammt gut aus.

Matti: Ich schätze das war Regains Idee. Ich hatte mit der Gestaltung nichts zu tun im Gegensatz zu Fred, der da viel gemacht hat. Ich weiß nicht, wer sie gemacht hat, aber wir haben immer wieder E-Mails bekommen, dass dies und jenes gut aussieht und solche Sachen. Ich schätze mal, dass da ein Büromensch seine Arbeit gut erledigt hat. Ich habe die CDs noch nicht gesehen, ich habe zwar die Covergestaltung gesehen, die Booklets und all das Zeug, ab das fertige Produkt habe ich noch gar nicht in Händen gehalten.

HH: Wenn ich mir eure Cover so anschaue, hat das Indecent & Obscene Album das brutalste Cover aller eurer Alben, dieser offene Torso mit dem Dismember-Logo auf dem Gedärm. Bei den folgenden Alben habt ihr sowas aber nie wieder verwendet.

Matti: Nein. Zum ersten Mal haben wir das bei Pieces gemacht, das Cover mit den Köpfen und danach Indecent & Obscene. Danach waren wir der Meinung, dass dieses Thema etwas ausgelutscht ist. Wir dachte, ok, jetzt haben wir das, was kommt jetzt? Wenn du ein drittes Album mit diesem Thema machst, erwartet jeder, dass das vierte Album auch so wird. Aber wir wollten Dismember nicht dieses Gore-Image aufdrücken. Die Texte auf dem ersten Album sind ziemlich blutig aber danach haben wir uns von diesem blutigen Dingen wegbewegt. Wir wollten nicht, dass Dismember mit diesem und jenem verknüpft werden. Stattdessen dachten wir uns: "Ok, lasst uns einige ganz andere Cover machen!"

HH: Aber das war nicht, weil ihr Probleme mit Zensur und solchen Geschichten hattet?

Matti: Nein, nicht bei Indecent. Wir hatten in England Probleme wegen "Skin Her Alive". Danach war es sehr ruhig, nichts. Ich bin darüber auch froh, weil das ganze "Skin Her Alive" Ding einfach nur dumm war. In der gleichen Warenlieferung wie der unsrigen waren Alben von Pungent Stench!! Pungent Stench sind zehn, nein 100 mal schlimmer als Dismember. Aber da geschah nichts, nur bei Dismember. Hoffentlich bleibt der Zoll diesmal cool, weil sowas einfach nur bescheuert ist. Natürlich ist das gute Presse in den Zeitungen, aber ich mag es, wenn es keine großen Wirbel darum gibt und ich mich nicht dauernd vor Gericht rechtfertigen muss. So ist es einfacher!

HH: Vor kurzem habt ihr auf den Walpurgis Metal Days als Headliner gespielt. Wie war das für dich?

Matti: Es war ziemlich gut. Die Anreise war die Hölle, wir musste sehr früh losfliegen usw. aber die Show war glaube ich großartig. Was die Sache mit den Festivals betrifft, normalerweise hat man einen miesen Monitorsound, wenn man auf die Bühne geht und man weiß nie, wie man über die PA klingt. Aber hier war es wirklich gut, gute Organisation und es hat sehr viel Spaß gemacht.

HH: Auf einer Skala von eins bis zehn, wobei zehn am besten ist, wie würdest du die Organisation bewerten?

Matti: Acht! Ich war sehr zufrieden mit der Show und dem ganzen Festival drumherum.

HH: Wenn ich mich nicht irre waren ca. 1000 Besucher pro Tag anwesend.

Matti: 1000 Leute sind für mich ziemlich viel! Ich bewerte alles über 100 als ok! Ich meine, hey, 1000 Leute, perfekt!

HH: Hast du dich danach noch unter die Fans gemischt oder musstet ihr gleich wieder los?

Matti: Nun, nach der Show nicht, weil wir mit der ganzen Fahrerei einen langen Tag hatten. Wir haben uns dann backstage bei einigen Bier und ein paar Wodka entspannt und sind danach zurück ins Hotel um noch ein wenig zu schlafen, weil wir am nächsten Tag ziemlich früh wieder raus mussten. Ich habe also nicht so viele Leute getroffen aber normalerweise mische ich mich nach einer Show schon unter die Leute und sage hallo zu allen, die mich begrüßen. Aber diesmal waren wir nach der Show so müde, dass wir danach zurück sind und uns erholt haben.

HH: Das war dann einer dieser bestimmten Tage!

Matti: Haha, ja! Manchmal ist das einfach so, manchmal hat man einfach nicht die Energie.

HH: Während der Show hast du den Song "On Frozen Fields" vom Massive Killing Capacity Album eurem Heimatland Schweden gewidmet. Was war der Anlass dafür?

Matti: Ich fand es einfach witzig, das zu sagen. Nichts Ernstes, ich bezog mich nur auf unsere Stadt auf gefrorenem Boden. Erst vor kurzem haben wir in Schweden richtiges Sommerwetter bekommen. Schweden war viele Monate fest in der Hand des Winters. Es war eigentlich nur ein Spaß. Normalerweise widme ich keine Lieder irgendwelchen Ländern, außer dieses Mal!

HH: Ich habe kürzlich gelesen, dass ihr an Songs für ein neues Album arbeitet. Stimmt das?

Matti: Ja!

HH: Und wie ist der aktuelle Stand?

Matti: Haha, der aktuelle Stand ist, dass wir schon elf oder zwölf Songs fertig haben. Im August gehen wir für sechs Wochen ins Studio. Das Album wird dann hoffentlich Ende des Jahres oder nächstes Jahr im Januar veröffentlicht. So sieht der Plan aus.

HH: In welchem Studio nehmt ihr auf?

Matti: Im gleichen Studio wo wir auch schon Ironcrosses aufgenommen haben, die Sami Studios in Stockholm. Wir mochten das Studio sehr bei unseren Aufnahmen zum Ironcrosses Album, deswegen gehen wir das wieder hin. Dort ist es wirklich ruhig und die Ausstattung ist gut, ebenso wie die Atmosphäre.

HH: Gibt es schon einen Titel für das Album?

Matti: Nein, noch nicht.

HH: Stell dir mal vor, euer neues Album ist ein Tier. Was für ein Tier wäre das und warum?

Matti: Uff! Schwere Frage, lass mich überlegen! ... Etwas wirklich Wildes... pfff... ahmmm... Wolverine!

HH: Wolverine ist cool!

Matti: Ja, er ist eine Tötungsmaschine. Ich würde die neuen Lieder mit Wolverine vergleichen, er ist wirklich brutal. Er ist schnell, wild und kennt keine Gnade.

HH: Hättest du dir eigentlich träumen lassen, dass Dismember so lange im Musikgeschäft überleben?

Matti: Nein, nicht wirklich. Ich war damals einfach nur glücklich. Zuerst haben wir ein Album mit Carnage gemacht. Das war mein erstes volles Album. Ich war überwältigt, es fühlte sich so großartig an. Das war kurz vor oder nachdem Michael Amott Carnage dann Richtung Carcass verlassen hat und Carnage sich auflösten. Wir wussten nicht so recht, was geschah. Dann kam Fred und sagte: "Ok, ich erwecke Dismember wieder zum Leben, willst du mitmachen?"
Ich sagte, ja, natürlich will ich! Wir fingen dann an, etwas Material zusammen zu stellen und wir hatten richtig Glück. Vielleicht kennst du die Geschichte, aber da war ein Typ aus Spanien, der für ein Magazin schrieb. Er war hier im Urlaub und wollte die ganzen Undergroundbands kennen lernen. Er hat unser Demo genommen. Einer seiner nächsten Stopps war Deutschland und er spielte das Demo den Leuten von Nuclear Blast vor. Kurz darauf riefen Nuclear Blast bei uns an und boten uns einen Plattenvertrag an.
Zu dem Zeitpunkt dachte aber keiner, dass wir 15 Jahre später immer noch hier sind und brutalen Metal machen. Wir hatten viele schwere Zeiten, aber auch viele gute Zeiten und die guten Zeiten spornen uns an, immer noch weiter zu machen. Wir genießen es zu spielen, all die Leute auf den Shows zu treffen, gute Gigs zu spielen und ja, wir genießen einfach das Leben.

HH: Bist du überrascht, dass es Dismember immer noch gibt?

Matti: In gewisser Weise schon. Es war glaube ich 1997 als Black Metal richtig groß wurde und wir viele Probleme mit der Plattenfirma hatten. Es war einfach ein großer Haufen Müll. Wir haben unser Management verloren, Touren wurden abgesagt und so weiter und so fort. Dann haben wir angefangen, das Death Metal Album aufzunehmen. Uns war damals alles ziemlich egal, wir wollten unser Album machen und wir wollten es brutal machen. Wir wollten allen zeigen, dass es uns egal ist und dass wir unseren Weg gehen.
Zu der Zeit war ich aber auch ein wenig besorgt. Nach dem Death Metal Album hat Richard die Band verlassen und wir haben uns drei Monate ziemlich hängen lassen. Wir haben uns nicht mal mehr angerufen, bis Fred und ich anfingen uns zu unterhalten. Er rief mich eines Tages an und wollte wissen, wie es weitergeht, ob wir die Sache hier begraben oder ob wir weitermachen sollten. Ich wollte zu dieser Zeit nicht aufhören, weil ich diese Band liebe. Ich liebe es, live zu spielen, ich liebe es, Musik zu machen und ich will nicht damit aufhören. Fred dachte das Gleiche und wir sagten uns, scheiß drauf, wir machen es einfach! Seitdem geht es immer weiter. Ok, wir waren nie die produktivste Band und wir hatten eine lange Pause zwischen Hate Campaign und Where Ironcrosses Grow, aber wir haben uns ums Geschäft gekümmert, um unser Leben und unsere Familien und jetzt sind wir hier. Die Zeit verfliegt unglaublich schnell, wenn man eine gute Zeit hat. Das Death Metal Album ist auch eines meiner Lieblingsalben. Als wir es aufnahmen, wollte uns jeder erzählen, dass wir uns verändern müssten, dass wir das nicht mehr machen könnten, dass Death Metal tot sei, dass wir kommerzieller sein müssten, das wir dies tun müssten und das, aber wir haben einfach gesagt: "Fuck You! Wir gehen unseren Weg, wir machen unsere Musik!" Wir haben an uns geglaubt, auch wenn Black Metal groß und Power Metal gerade wieder im Kommen war. Aber wir haben gesagt, nein, nein, da draußen sind genügend Death Metal Fans, die sich darüber freuen, wenn wenigstens eine Band das bleibt, was sie ist.

HH: Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war, als das erste Dismember Album raus kam?

Matti: Oh, ich war wirklich glücklich und aufgeregt. Wir waren damals wirklich jung, ich war 17, 18 Jahre alt zu der Zeit und ein Traum wurde wahr. Wir waren aufgeregt und konnten es kaum erwarten, auf Tour zu gehen. Das Carnage Album war mein erstes Album, zusammen mit Fred und David war es unser erstes vollständiges Album, aber es hat sich bei weitem nicht so gut angefühlt wie Like An Everflowing Stream, weil Carnage nicht unsere Band war sondern die von Michael Amott. Ich habe mich da mehr wie ein Gastmusiker gefühlt, weil sie mich zwei Wochen vor den Aufnahmen gefragt haben, ob ich den Gesang übernehmen könnte und ich ja gesagt habe. Es hat sich nicht wie mein Album angefühlt, aber als wir dann Like An Everflowing Stream hatten, war ich zu Hause. Mann, es war einfach gut.

HH: Und wie waren die Gefühle bei Ironcrosses?

Matti: Unglaublich gut! Wir waren ein wenig nervös, weil wir solange nichts von uns haben hören lassen. Wir haben auch nicht viel getan, kaum geprobt, einige Shows hier und da, aber bevor wir anfingen, neue Lieder zu schreiben, wussten wir nicht so recht, wie es laufen sollte. Wir haben die Plattenfirma gewechselt, von einer Großen zu einer Kleineren, weil wir mit Nuclear Blast einfach nicht weiter arbeiten konnten. Wir waren richtig nervös. Als wir uns das Album nach den Aufnahmen dann angehört haben, war es wirklich gut. Jeder mochte es. Wir waren zufrieden mit der Produktion und wie sich die Songs entwickelt hatten. Ich war auch mit meinem Gesang total zufrieden. Aber wir wussten nicht, wie die Leute drauf reagieren würden. Nachdem es aber draußen war und wir anfingen Interviews zu geben, war jeder einfach nur glücklich: "Oh, das Album ist großartig! Danke, dass ihr euch treu geblieben seid! Wir dachten zuerst, Dismember würden etwas anderes machen, aber wenn man den ersten Song hört, weiß man sofort: Perfekt, das ist Dismember!"
Ich bin wirklich zufrieden mit Ironcrosses.

HH: Welches Dismember Album ist dann euer Bestes deiner Meinung nach?

Matti: Mein Lieblingsalbum von all denen, die wir gemacht haben, muss Death Metal sein. Vor allem, weil die Leute dachten und uns erzählen wollten, dass wir uns verändern müssten und wir diesen ganzen Ärger hatten. Die ganze Atmosphäre des Album ist: Fuck off, wir machen das, was wir wollen! Aber ich mag auch diese ganze Zeitspanne, viele gute Erinnerungen, viele schlechte Erinnerungen aber immer noch in der Lage ein Killeralbum zu veröffentlichen. Die Gefühle, als wir das Album aufnahmen, sind nur gute Erinnerungen. Wir fühlten uns stark, um gegen den Strom zu schwimmen und jedem zu beweisen, das wir das tun können, woran wir glauben.

HH: Ok, Matti, die Zeit ist vorbei. Danke für deine Zeit und viel Erfolg für die Zukunft!

Matti: Alles klar, viel Glück auch für euer Magazin! Danke dir!

Lord Obirah

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