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Konzert-Bericht

Christmas Metal Symphony

Eventhalle Airport Obertraubling, Obertraubling 20.12.2013

Jedes Jahr zur 'staden Zeit' lässt sich das Christkindl etwas Besonderes einfallen, um selbst jenen die Feiertage zu versüßen, die es mit der Besinnlichkeit vielleicht nicht ganz so genau nehmen. Dieses Jahr nennt sich das Geschenk Christmas Metal Symphony und bedeutet, dass eine eigens zusammengestellte Band gemeinsam mit einem 30-köpfigen Orchester und sechs namhaften Metalsängern deren bekannteste Hits und noch ein paar mehr zelebrieren. Klingt doch interessant! Also auf nach Obertraubling, gleich neben Regensburg, wo man in der Eventhalle am sogenannten Airport besagtes Ereignis bestaunen darf.

Der Laden scheint die meiste Zeit des Jahres als Diskothek genutzt zu werden und verfügt neben einer beachtlich großen Bühne über einen recht übersichtlichen Zuschauerraum, so dass es am Ende doch relativ eng zugeht. Um Punkt 20:00 Uhr, wie angekündigt, nehmen die Musiker des Magnum Opus Orchestra ihre Plätze ein. Die Herren der metallischen Fraktion stehen ebenfalls bereit und gemeinsam eröffnen sie den Abend mit einer eigens dafür komponierten Hymne, in der die Symphoniker ihre ganze Kraft entfalten. Gänsehaut pur, zum ersten Mal an diesem Abend!

Sogleich betritt die schwergewichtige Thrash-Legende und Testament-Frontmann Chuck Billy das Podium, hat die Biker-Kutte gegen ein Sakko eingetauscht und startet mit "More Than Meets The Eye" den Reigen an Metalklassikern an diesem Abend. Ein bisschen Ernüchterung macht sich allerdings schon breit, als man feststellen muss, dass die Bassdrums des Schlagzeugers einen großen Teil des Orchesterklangs regelrecht auffressen. Zum folgenden "Souls Of Black" muss man außerdem erkennen, dass die Symphoniker nicht zu jedem heute gespielten Stück einen Beitrag leisten. Wäre vielleicht doch zu aufwändig gewesen, für alle gebotenen Songs im Rahmen dieser Tour eine orchestrale Begleitung zu komponieren. Die nächste Überraschung: Chuck Billy verlässt uns schon wieder... nach nur zwei Songs! Vorher lässt er es sich aber nicht nehmen uns den nächsten Vokalisten anzukündigen: Michael Kiske, Ur-Sänger von Deutschlands Exportschlager Helloween, hatte sich ja längere Zeit aus der Metal-Gemeinde zurückgezogen, zeigt sich heute aber bestens gelaunt. Dumm nur, dass der Mann am Schlagzeug gleich in die Vollen geht, als Kiske gerade zu einer Ansprache ausholen will. Also erst mal das geniale "March Of Time" gezockt, das dank Orchester richtig dick aus den Boxen kommt, und dann das Versäumte nachgeholt. Gesundheitlich ist der kahl geschorene Hamburger zwar schlecht beinander, hat sich einen ordentlichen Schnupfen eingefangen, scherzt aber trotzdem mit den Fans in der ersten Reihe und lässt uns wissen, dass es die folgende Nummer noch niemals live zu hören gab. "Longing" vom 1993er Chameleon ist für den heutigen Abend schon deshalb prädestiniert, weil es bereits damals fürs Album mit einem Orchester eingespielt wurde. Dann noch etwas Schnelles zum Abschädeln, nämlich "I Want Out", das Kiske sogleich auch körperlich in die Tat umsetzt und sich verkrümelt. Zuvor kündigt er aber noch mit großen Worten den nächsten Interpreten an, obwohl man gerade ihn im Grunde genommen gar nicht mehr vorzustellen braucht: Udo Dirkschneider hat seine Hits "They Want War" und "I'm A Rebel" im Gepäck, die von den Fans geradezu frenetisch abgefeiert werden. Dann holt er mit "Metal Heart" inklusive Orchester zu einem ganz großen Streich aus, in dem man definitiv eines der großen Highlights des Abends sehen darf. Super!
Schließlich kommt doch noch einmal Chuck Billy zurück auf die Bühne und mahnt uns "Practice What You Preach", ehe wir die Halbzeit erreicht haben.

Ein ausgiebiges Interludium, das abschnittsweise glatt aus der Feder von John Williams stammen könnte, markiert die Halbzeit und rollt den roten Teppich aus für Floor Jansen. Die große Holländerin erscheint im glitzernden Minikleid auf der Bühne, überragt ihre männlichen Kollegen um einen guten halben Kopf und lässt sie damit glatt wie Zwerge aussehen. Die frisch gebackene Nightwish-Sängerin hat ihre Feuertaufe auf dem diesjährigen Wacken:Open:Air bereits mit Bravour bestanden und ist somit wohl der neue Stern am Metalhimmel. Zunächst reist sie mit uns jedoch in ihre Vergangenheit bei der Band After Forever und singt uns das orientalisch anmutende "My Pledge Of Allegience", ehe sie mit "Alone" einen Song ihrer Lieblings-Rockband Hurt zum Besten gibt. Richtig opulent wird es dann noch einmal mit "Nemo" von Nightwish, das selbstverständlich wieder vom Magnum Opus Orchestra richtig dick in Szene gesetzt wird.

Auch Joacim Cans, seines Zeichens Frontmann der schwedischen Powermettler von Hammerfall, hat sich heute in Schale geschmissen und erscheint in weißem Hemd und elegantem Gehrock. Er hat uns seine Hits "Hearts On Fire" und "Last Man Standing" mitgebracht, die beim Publikum großen Anklang finden und brav mitgesungen werden. Danach macht er jedoch schon Platz für den letzten Star des Abends, nämlich Joey Belladonna von Anthrax. Der überrascht uns zunächst mit dem epischen Black-Sabbath-Everblack "Heaven And Hell", der in seinem orchestralen Gewand eine ganz vortreffliche Figur macht, und heizt die Stimmung im Saal mit seinen eigenen Hits "Antisocial" und Madhouse" dann noch weiter an. Schließlich läutet er mit seinem AC/DC-Tribut "Highway To Hell" das Finale ein, zu dem noch einmal jede Stimme im Publikum gefragt ist.

Aber halt! Es geht noch weiter. Joacim Cans kommt nochmal zurück und mit ihm Floor Jansen. Gemeinsam geben sie Andrew Lloyd Webbers "Phantom Of The Opera" im Nightwish-Style und spielen uns einen theatralischen letzten Akt. Ganz großes Klangkino! Und eine Zugabe gibt es ebenfalls. Mit Textblättern bewaffnet stoßen Udo und Chuck zu ihren Kollegen und Herr Dirkschneider sagt uns, dass man sich darauf verständigt habe, doch wenigstens einen Weihnachtssong zu singen. Gesagt, getan. Inmitten einer Halle voller heidnischer Metalheads singen sie doch glatt "Silent Night" - gut, Chuck Billy starrt eher konzentriert auf das Textblatt - und natürlich nimmt es ihnen niemand übel.

So endet auf ungewöhnliche Weise ein ungewöhnlicher Abend. Leider war das Spektakel mit knapp zwei Stunden etwas kurz bemessen. Spaß gemacht hats trotzdem, was man von der nun folgenden Autofahrt durch dicken Nebel und auf glatten Straßen nicht gerade behaupten kann. Aber das soll uns die Eindrücke nicht vermiesen. In diesem Sinne: frohe Weihnachten!

Dagger


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