4 Headbänga online
20.08.2020 Montreal
27.08.2020 Triddana
03.09.2020 Sündenklang
04.09.2020 Tenside
06.09.2020 Impericon 2020
07.09.2020 Semblant
Reviews (10130)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Slayer

Interview:
Chris Caffery

Live-Bericht:
Job For A Cowboy

Video:
Susperia
RSS RSS
Atom Atom
In eigener Sache

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

Valid RSS

Valid Atom 1.0

 

Konzert-Bericht

Behemoth, Aborted, Helrunar & Sworn

Feierwerk, München 24.09.2007

Na endlich!
Die Sommerpause neigt sich dem Ende entgegen und die Konzertsaison beginnt. Was gäbe es für einen besseren Einstieg ins Konzertgewühl als eine grundsolide Packung an Death, Black, Pagan und Grind? Kaum einen, deswegen rein in den leichten Pit-Anzug und ab ins Auto. Das Ziel ist das Feierwerk, genauer gesagt das Hansa 39, in dem den nach Unterhaltung dürstenden Metal-Fan eine Packung von vier Bands erwartete: Sworn aus Norwegen (die für Disparaged eingesprungen waren), Helrunar aus Teutonien, die Belgier von Aborted und als Headliner natürlich Polens (nach oder mit Vader) bekanntesten Extrem-Metal-Export Behemoth.
Schicke Packung, unterschiedlich genug, um verschiedene Geschmäcker zufriedenzustellen, aber nicht so inkonsistent, dass man den Kopf ob der Zusammenstellung schütteln müsste. Kurz nach acht waren wir dann auch vor Ort und sahen, dass sich schon eine erkleckliche Besuchermenge vor den Toren versammelt hatte. Befürchtungen, dass wegen des Termins am Montag Abend das Event vor leeren Rängen stattfinden müsste, waren also schnell zerstreut.
In der Halle angekommen, wurde erstmal der Merch-Stand einer näheren Begutachtung unterzogen. T-Shirt für 15 Euro, Longsleeves für deren 20 und Zipper für 30 Tacken, das geht meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Gut, noch schnell ein Bierchen erworben (2,60 Euro für die Halbe ist auch recht zivil) und schon ging's gegen Viertel nach acht los mit Sworn.

Für mich eine völlig unbekannte Band, ich kannte sie nicht mal vom Namen her. Aber ich muss sagen, die Mucke der fünf Jungs (ja, die "Herren" scheinen wirklich noch sehr jung zu sein) war gar nicht übel. Black Metal der keyboardlosen Art, aber mit viel Gespür für Melodien. Nicht übel und sehr unterhaltsam. Einzig die Stimme von Neusänger Max Wilson war nicht unbedingt dazu angetan, mir Freudentränen in die Augen zu treiben, zu eindimensional hörte sich sein Kreischen an. Aber ansonsten war das ein sehr gelungener Opening-Act, der schon mal für die ersten rotierenden Köpfe in der Menge sorgte.

Nach nicht mal fünf Minuten Umbaupause gaben sich dann die Herren von Helrunar die Ehre. Ich hatte ja schon auf dem Summerbreeze das Vergnügen, ihrem Auftritt beizuwohnen und war da ein wenig enttäuscht, weil ich live einfach keinen Zugang zu dieser Musik gefunden hatte. Vielleicht wird's ja jetzt anders, Clubgigs unterscheiden sich ja bekanntlich von denen auf großen Festivals. Aber auch an diesem Abend ging der Auftritt der vier Pagan-Metaller ziemlich an mir vorbei. Irgendwie nimmt der amelodische Sprechgesang sämtlich Energie aus den Stücken, was auf CD nicht weiter schlimm ist, dadurch wird ja eine ganz besondere Atmosphäre erzeugt. Aber live sorgt diese Mischung beim Berichterstatter nur für ein Stimmungstief. Das soll aber den Auftritt von Helrunar nicht entwerten, es waren genügend Pagan-Jünger im Publikum, denen der Auftritt gefallen hat, wenn ich die Reaktionen der Meute richtig gedeutet habe. Nicht wirklich mitreißend, aber auch kein echter Durchhänger; nennen wir es mal solide.

Als nächstes waren die Goregrinder von Aborted an der Reihe und wieder dauerte der Umbau keine fünf Minuten; großes Lob an dieser Stelle dafür. Dieser Auftritt war dann schon eher was für meines Vaters Sohn (nein, ich habe keinen Bruder). Von Anfang an spürte man hier Energie und Spielfreude und das übertrug sich auch sofort aufs Publikum. Ok, von einem echten Moshpit konnte nicht die Rede sein, dafür war die zur Verfügung stehende "Mosh-Fläche" einfach zu groß, da bildete sich trotz mehrerer Versuche leider kein dauerhaftes Handgemenge. Aber dafür war dann genug Platz, seine (in meinem Fall nicht vorhandene) Matte zu schütteln und sich auf diese Art zu verausgaben. Über den musikalischen Wert von Grindcore lässt sich ja trefflich streiten, über den Unterhaltungswert aber keinesfalls. Es tat der Stimmung keinerlei Abbruch, dass ich kein einziges Stück der Belgier wirklich kannte, die Sache hat auch so verdammt viel Spaß gemacht. Ja, sehr schick, hat mir gar fein gefallen.

So, jetzt aber war Zeit für den Headliner, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Konnte ja nicht mehr lange dauern, bis Behemoth auf der Bühne erschien, so kurz, wie die Pausen zwischen den Gigs bisher waren. Doch weit gefehlt! Was die Vorbands an Schnelligkeit beim Aufbau ihres Sets in die Waagschale werfen konnten, wurde von den Polen gleich dreimal wieder zunichte gemacht. Gefühlte 40 Minuten dauerte der Umbau (wahrscheinlich waren es in Wirklichkeit "nur" 25, aber das ist unerheblich) und während dieser Zeit war nicht viel auf der Bühne zu sehen oder hören. So was muss doch nicht sein, bei allem Perfektionismus, den ich durchaus begrüße, muss man sich nicht wundern, wenn man nach einer solchen Megapause auf ein etwas unterkühltes Publikum trifft. Und genau das passierte dann folgerichtig auch. Die Zuschauerreaktionen auf die ersten Titel waren recht zurückhaltend, dabei gab's am dargebotenen Liedgut wirklich nichts zu bemängeln: mit "Antichristian Phenomenon", "As Above So Below", "From The Pagan Vastlands" und anderen Stücken wurden der Zuhörerschaft ein Kracher nach dem anderen um die Ohren gehauen. Während der ersten 20-30 Sekunden jedes Stückes war dann auch die Menge am Toben, aber eben nur am Anfang der Songs. Nach einer halben Minute ließ dann die Energie beim Publikum ganz deutlich nach, was auch bei Frontmann Nergal nicht unbemerkt blieb. So versuchte er auch mit seinen Ansagen, die Meute mehr in den Gig mit einzubeziehen ("Hey, das ist kein Begräbnis, das ist ein Heavy Metal-Konzert" oder "Ich weiß, dass ihr morgen früh wieder arbeiten oder in die Schule müsst, aber hier und jetzt könnt ihr ruhig mehr Einsatz zeigen!"), was aber nur teilweise gelang. Erst ab der zweiten Hälfte des Gigs, beginnend mit "Slaves Shall Serve", sprang dann der Funke doch zumindest zeitweise über und Titel wie "Decade Of Therion" und "Cristians To The Lions" erhielten die Würdigung, die sie auch verdienten. Zwar gab's immer noch den ein oder anderen kurzen Durchhänger, aber das konnte man gut verschmerzen. So wurde aus diesem Auftritt dann doch noch ein befriedigendes Erlebnis, das nach der einzigen Zugabe "I Got Erection" dann auch zu Ende war.

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, woran es liegt, dass die Auftritte von Behemoth nicht wirklich herausragend sind. Sind sie einfach keine Live-Band? Liegt's an der Diskrepanz zwischen der absolut humorlosen Art der Band und ihrer doch leicht "unterhaltsamen" Art der Maskerade? Oder liegen die Gründe ganz woanders? Wie dem auch sei, schlecht war der Gig beileibe nicht (das war eine ganze Ecke besser als beim No Mercy im Frühjahr), nur eben nicht ganz so durchschlagend, wie ich es bei einer Band diesen Kalibers erhoffe.
Sei's drum, das Konzert als Ganzes hat mir recht gut gefallen und da war ich mit Sicherheit nicht der Einzige...

Tarnele & Hannes

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de