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Billy Idol - Devil's Playground

Billy Idol - Devil's Playground
Stil: Hard Rock
VÖ: 21. März 2005
Zeit: 54:25
Label: Sanctuary Records
Homepage: www.billyidol.com

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Als der dritty Indiana-Jones-Film in die Kinos kam, da hatte man sich dafür einen klasse Spruch ausgedacht: "Der Mann mit dem Hut ist zurück. Und dieses Mal bringt er seinen Vater mit." Der Vater, das war Sean Connery, und der sorgte dafür, dass der dritte Indy der beste wurde. Mit kleinen Abwandlungen gilt das alles auch für diese völlig unerwartete, völlig krasse Scheibe: Der Mann mit der Lippe ist zurück. Und dieses Mal bringt er endlich wieder seinen Kumpel mit! Die Lippe, die ist bekannt: das Markenzeichen, voll beweglich. Der Kumpel, der heißt Steve Stevens, und den braucht Billy Idol, um so gut zu sein, wie er sein kann. Wie gut das ist, das sehen wir hier.

Andeutungen davon gab es schon in einer der sehr, sehr wenigen guten Sendungen auf dem Hüpfdohlen-Kanal MTV: bei "Storytellers" (eigentlich produziert für VH-1) spielen diverse Stars auf und beantworten zwischen den Songs Fragen aus dem Publikum. Da saß im Jahr 2001 der gute Billy, lange hatten wir ihn nicht gesehen. Kein bisschen müde wirkte er, ganz im Gegenteil, frisch und amüsant erzählte er da, wie er in den USA in der Disco plötzlich "Dancing With Myself" hörte und merkte, dass er erfolgreich war; auch was es mit dem "Rebel Yell" auf sich hatte, darüber parlierte er entspannt. Aber viel wichtiger war, dass er nach langen Jahren seinen Gitarristen Steve Stevens wieder dabei hatte, und als diese beiden Herren Klassiker wie eben den besagten "Rebel Yell" oder "Flesh For Fantasy" rüberbrachten, da merkte man, wie gut dieser alte Hund eigentlich war. War? Nein, ist! Denn er meldet sich zurück, und das verdammt eindrucksvoll. Mehr als zehn Jahre war nix Neues von ihm zu hören, abgesehen vom Sprechen für Zeichentrickfilme (Heavy Metal FAKK 2, 2002, da macht er uns den Bösewicht - was sonst). Und jetzt das. Auf Devil's Playground kümmert er sich einen Dreck um die poppigen Ausflüge, die ihn seit Whiplash Smile vom Weg der Tugend abgelenkt haben. Mit Stevo an der Seite geht er viel mehr zurück zu den Wurzeln, und das ist der punkig angehauchte Gitarrenrock, zu dem seine unvergleiche Stimme so gut passt. Vom ersten Moment ab, wo er ansatzlos etwas vom Devil's Playground ins Mikro bellt, bevor Meister Stevens ein hinterntretendes Rock'n'Roll-Riff abschießt, geht die Reise in Richtung Rock mit erheblichem Dreckfaktor. Leck mich, heißt das, ich mache jetzt wieder das was mir Spaß macht. "World Comin' Down" liefert einen weiteren Losgeh-Rocker allererster Güte mit massivem Punk-Schrubb-Faktor. Mann, der Kerl hat Feuer, davon könnten sich viele leidende Jünglinge aber eine massive Scheibe abschneiden. Seht her, Blinks und Konsorten, so geht das! Keine Spur von altem Herrn - und so sieht er auch nicht aus: sein Gesicht hat zwar mehr Furchen als der Mond Krater, aber fit ist er, dass es einen gruselt. Weiter geht's mit "Rat Race", und hier zeigt sich, dass Billy und seine Freunde vielseitig sind: es kommt wohliges "Eyes Without A Face"-Feeling auf, ohne dass der Klassiker platt kopiert wird. Prospekt! "Sherri" bringt wieder tanzbodentaugliches Rock'n'Roll-Flair, bevor "Plastic Jesus" ganz relaxt, aber vibemäßig groovend daherkommt. Mit "Scream", der Single-Auskopplung, reibt man sich dann die Augen, denn in diesem Mörder-Rhythmus-Rocker klingt er wie er von der Leine gelassener Köter - wer da still sitzt, der sollte seinen Kreislauf checken lassen. Hau zu! Das ist schon jetzt ein Klassiker. Und so geht das munter weiter: bei "Yellin' At The Christmas Tree" (muss ich sagen, dass es munteres E-Saiten-Geschrubbe gibt?) amüsiert nicht nur die punkige Attitüde, sondern auch der Text, bei dem sich der gute Billy zu einer ehrwürdigen englischen Tradition bekennt. Denn bei den Inselbewohnern, zu denen er ja zählt, ist Weihnachten nicht das Fest der stillen Einkehr, sondern ein willkommener Anlass, eine Pappkrone aufzusetzen und zu saufen. Und jedes Jahr das gleiche Spiel: die Mutter schmückt den Baum, Vadder läßt im Pub die Pints rein, kommt heim, schreit den Baum an und fällt dann hinein. Lustiger als Stille Nacht, oder? Gegen Ende hin, da offenbart die Scheibe allerdings noch eine gänzlich andere Bandbreite: bei "Evil Eye" lässt es der Meister etwas ruhiger angehen, und vor allem "Lady Do Or Die" glänzt mit einer herausragenden country-lastigen Gitarrenlinie und einem Gesang, der Johnny Cash zur Ehre gereicht hätte. Und das ist bitte absolut positiv aufzufassen. "Sherri" überrascht mit feiner Akustik-Klampfe, bevor uns dann "Summer Running" mit kunstvollen Gitarrenmelodien aus dieser wunderbaren Welt entlässt.

Repeat. Sofort wieder. Das ist Qualität, so was gibt's doch kaum noch. So langsam kommt die musikalische Welt doch wieder in Ordnung: Maiden als Headliner auf den großen Festivals. Metallica gut wie nie. Und jetzt noch diese Wiedergeburt einer Legende. Er kommt auf Tour, im Dezember. Da spielt er dann "White Wedding" für uns. Wir sind dort.

Ach ja, und zurück zum "Rebel Yell": das ist ein Whisky, den er in New York mal von Keith Richards kredenzt bekam - und der meinte, das sei doch ein cooler Titel für das aktuelle Album des Jungspunds. Da wollen wir ihm nicht widersprechen, oder? Und bei "Eyes Without A Face" singt die Frauenstimme übrigens "Les Yeux Sans Visage" - der Titel des französischen Horrorfilms, von dem er diesen Titel geklaut hat. So, jetzt wisst ihr's.

Holgi

6 von 6 Punkten

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