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Konzert-Bericht

Orden Ogan, Mob Rules & Human Fortress

Backstage, München 09.07.2017

Der letzte Besuch, den die melodischen epischen Folkmetaller unserer kleinen Metropole abstatteten, bot bekanntlich zu wahren Begeisterungsstürmen Anlass. Daher lassen wir uns natürlich weder von äquatorialer Hitze, tropischen Stürmen noch von verschwundenen Parkplätzen aufhalten, wenn Orden Ogan mit uns die Veröffentlichung ihres aktuellen Albums feiern wollen. Die Gunmen sind in der Stadt!

Piff! Paff! Es kommt nicht alle Tage vor, dass man von zwei Schaufensterpuppen beschossen wird. Genau das aber passiert hier und heute beim titelgebenden Track des neuen Werks der Institution des höchst melodischen Metalls aus dem beschaulichen Sauerland. Klar, die Munition besteht aus Konfetti, der Rückstoß haut die Kollegen fast aus den Plastiklatschen - egal: ein bisschen Show muss sein, und das lassen wir uns sehr gerne gefallen, auch wenn Fronter Sebastian da oben fast dahinschmilzt und sich mehr Wasser über den Kopf gießt als er trinkt.

Dabei stand die Release-Party-Tour für das neue Orden Ogan-Album Gunmen unter gar keinem guten Stern: weil ein paar Outlaws (passt hier ja irgendwie) in Hamburg eine seltsame Form von "Protest" praktizierten, musste das ausverkaufte Konzert im Hafenklang aus Sicherheitsgründen erst mal abgeblasen werden (man sagte eine Neuansetzung zu). In unseren Breitengraden hingegen fallen die organisatorischen Kalamitäten milder aus: der ehemalige Parkplatz des Backstage ist komplett in der Baustelle versunken, man findet nun Zuflucht auf einer eher spärlichen Wiese. Der Einlass in die Halle findet heute über den Nebeneingang statt, was nach einigen Anlaufschwierigkeiten dann auch gelingt, so dass wir zumindest noch die letzten Töne des ersten Anheizers mitbekommen.

Wobei das Heizen doch eigentlich gar nicht nötig wäre: selbst das mittlerweile obligatorische kurze Beinkleid rettet nicht vor dem Höllenatem, der einen seit einigen Tagen offenbar in jedem geschlossenen Raum, wahlweise auch Festzelt, ereilt. Aber davon lassen sich die Hannoveraner (Sprachfreunde laben sich an der Ortsbezeichnung samt wunderbarem "v") Human Fortress keinesfalls verdrießen, deren aktuelles Album Thieves In The Night ja niemand anders als Ordensbruder Levermann himself produziert hat. Nach wechselhafter Historie mittlerweile quasi wieder in Urbesetzung unterwegs, liefern Torsten Wolf, Volker Trost, Andre Hort, Dirk Liehm und Apostolos Zaios ihre Rückbesinnung auf die reinen, powermetallischen Wurzeln der Band mit Gusto ab. Shouter Gus Monsanto, im Nebenberuf Saatguthersteller, scheint die Temperaturen aus dem heimischen Brasilien gewöhnt, turnt mit Wollmütze über die Bretter und schmettert "Rise Or Fall" beherzt hinaus. Eigentlich wäre das Set an dieser Stelle schon beendet, aber die schon beachtliche Menge verlangt lautstark nach mehr, was in Form des alten Reißers "Defenders Of The Crown" dann tatsächlich auch folgt. Runde Sache, meine Herren!

Wir schauen uns um, die Halle ist durchaus ordentlich gefüllt, die Tagespresse (also wir) spricht später von ungefähr 500 Zuschauern. Im vorderen Drittel steigt die Temperatur immer weiter, aber das ist irgendwann nur noch nachrichtlich, zumal es jetzt mit einem feschen gregorianischen Choral aus der Dose auch schon weitergeht. Stampfend, mächtig steigen Mob Rules in ihr Set ein, das mit "Black Rain" gleich ein Ausrufezeichen setzt.
Mikroschwinger Klaus Dirks scheint seinerseits den Hitzetest machen zu wollen und tritt erst einmal im langen schwarzen Mantel an - ob das gut geht? An seinen vokalistischen Künsten ist einstweilen nichts zu deuteln, sowohl optisch als auch stimmlich denken wir hier gerne mal an einen gewissen Herrn Cans in den Diensten von Hammerfall, wobei der gute Klaus zwischendurch immer wieder mal leicht verstrahlt blickt und dreinschaut wie Catweazle persönlich. Bei der zweiten Nummer "On The Edge" fliegt der Mantel aber endgültig in die Ecke, während Sven Lüdke und Markus Brinkmann in einem für einen Support-Slot mehr als beachtlichen Sound die melodisch-rhythmischen Strippen kunstvoll ziehen. Am Tastenbrettchen schlägt auch Jan Christian Halfbrodt haartechnisch in die 70er-Kerbe und kommt daher wie eine Mischung aus Superfly und Paul Breitner, aber den Soundteppich legt er astrein strahlend. Nach der schmackigen neuen Single "Somerled" stellt Herr Dirks klar, dass man heute schon zum dritten Mal mit dem aktuellen Album Tales From Beyond hier gastiere, aber das tut der allgemeinen Begeisterung keinen Abbruch: Fäuste und Haare fliegen durch die Gegend und die Luft, als man mit "My Kingdom Come" fröhlich weiter durchs powermetallische Gehölz jagt.

Die ausgereichten Promotion-Zettel eignen sich im Übrigen prima als Fächer, wobei Klimaforscher Sebbes auf die Bühnen-Scheinwerfer weisend treffend feststellt: "Und die haben auch noch Heizstrahler da oben!" Herr Dirks lässt sich denn auch bisweilen auf dem Boden nieder und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Pulle des Mineralwasserhändlers seines Vertrauens, erlaubt es gerne auch mal dem norddeutschen Akzent durchzuscheinen (immerhin stammt man aus Wilhelmshaven, und wieder haben wir ein "v" für die Sprachfraktion) und führt nun mit "Astral Hand" weiter durchs Programm. Wunderbar episch wird es dann bei "In The Land Of Wind And Rain", in das wir uns kurzzeitig gerne wünschen würden - musikalisch sicherlich das Highlight des Sets, mit magischen Melodien und fettem Refrain. Mit dem Titeltrack des Hollowed Be Thy Name-Albums von 2002 feuern sie dann noch eine ordentliche Speed-Granate ab, bevor man sich vollkommen aufgeweicht verabschiedet und zu Recht abgefeiert wird. So, und ich habe es tatsächlich geschafft, keinen Mops-Witz zu machen ("ein Leben ohne Power Metal ist denkbar, aber..." etc.) oder vom Wischgerät zu faseln!!

Die nun folgende Umbaupause zieht sich dann doch ein wenig arg in die Länge. Erst wollen die zwei Gewehrmänner rechts und links der Bühne (siehe die Ausführungen oben) nicht ordentlich stehenbleiben, dann aber fangen die Augen an zu leuchten, und der Kopf dreht sich hin und her. So ähnlich dürfte das bei "Eddie the ‘ead" in seligen Maiden live im Marquee-Tagen auch gewesen sein. Kurz vor zehn stehen die Zeichen dann aber endgültig auf Sturm, mit "To New Shores Of Sadness" greifen Orden Ogan gleich mal tief in die Historie und fegen alles um. Passend zum Motto der Gastspielreise anlässlich der Veröffentlichung der "Gunmen"-Scheibe treten Seeb (nicht Sebb, der gehört zu uns) und seine Freunde nicht in selbst gebastelten Fantasy-Kostümen, sondern in knielangen Kitteln an, die jedem Gringo am Rio Grande (also da, wo auch schon Fernando weilte) beste Dienste getan hätten.

Soundtechnisch scheinen sich die Probleme fortzusetzen, Herrn Levermanns Stimme geht im Unterschied zu seinem Vorgänger doch etwas unter, auch insgesamt fehlen die Feinheiten, aber der Meute ist das herzlich egal: "Die Ogan-Fans feiern immer!", hält Kulturhistoriker Sebbes fest, und Recht hat er: zum populären Reißer "We Are Pirates" setzt es eine fulminante Mitsing-Attacke. Das klingt natürlich, als ob Running Wild eine Nummer von Blind Guardian spielen, aber das ist eben mittlerweile ihr Trademark: weniger folkloristisch und orchestral wie in den Anfangstagen, sondern sehr deutscher, klassischer, melodischer Speed, das wird heute kredenzt, und zwar mit Laune. "Here At The End Of The World" bildet dann den finalen Teil der Auftakt-Trilogie: die Menge steht Kopf, und Meister Levermann mahnt uns: "Ist euch auch so heiß wie uns? Geht immer wieder mal beim Getränkestand vorbei, nicht dass noch einer aus den Latschen kippt, so wie ihr abgeht!" Am Freitag habe man das neue Album herausgebracht, führt er nun weiter aus, und für den Titelsong habe man in den USA ein Video gedreht (eine schaurige Rachesaga, die man auf den einschlägigen Sozialkanälen bestaunen kann) - und auch wenn man natürlich noch keine Textsicherheit erwarten darf, geht die Meute beim nun anstehenden "Gunman" frenetisch mit und intoniert den Refrain lauthals. "Das ist wie beim Volksfest!", analysiert Volkskundler Sebb, kurz bevor die Konfettiknarren schießen.

Ohne große Pause, fast atemlos ballern sich Orden Ogan durchs Programm, während sich Seeb ohne Unterlass mit Wasser übergießt und "Deaf Among The Blind" herausfeuert. Der Sound bessert sich nun zusehends, die gesanglichen Einsätze von Basser Niels Löffler fügen sich ein, und Zeremonienmeister Levermann lässt sich sogar zu einem "Scream for me, Munich!" hinreißen - Bruce wird's ihm nachsehen, immerhin bietet "Sorrow Is Your Tale" astreine Maiden-Melodien. Der Cheffe feuert uns nun weiter an, aber: "Auf der Bühne wird jetzt nicht mehr gegrinst! Immerhin tragen wir jetzt die Liebste zu Grabe!" Das tun wir denn auch in Form des neuen "Fields Of Sorrow", das genauso gut reinläuft wie das komplette frische Album. So, nun wird es endgültig romantisch, Licht aus, es kommt eine Ballade, bitte Feuerzeuge (hat so was noch jemand?), Taschenlampen, Handtelefone raus, alles was leuchtet - gerne auch primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, falls glühend (traut sich dankenswerterweise aber keiner) - und ab geht's mit der "sanften" Weise "F.E.V.E.R.", die mit Macht alles umhaut. Ballade, mein leuchtendes Hinterteil! "Hat's euch denn gefallen?", fragt ein triefender Seeb uns nun, denn das Ende der Darbietung naht wohl (schon?). Jetzt kann er es uns ja sagen, im Oktober kommen sie dann auf Headliner-Tour wieder nach München (und was ist das hier? Irgendetwas haben wir falsch verstanden, offenbar), aber vorher müssen wir noch ordentlich laut rufen: "...and so we are?" Klaro: "Cold, dead and gone!", das kennen wir ja schon, schließlich bietet "Things We Believe In" einen standesgemäßen Höhepunkt im Ogan-Set. Tut es auch heute wieder, und tatsächlich verschwinden die Herrschaften nun mit einem kurzen "Bis nachher!" Ist jetzt Pause, oder wie dürfen wir das verstehen? Immerhin stehen gerade mal 60 Minuten auf der Uhr.

Ein Aufbauhelfer treibt uns zu lauteren "Zugabe!"-Chören an, worauf sich die Akteure dann tatsächlich nochmals auf die Bühne trauen. Herr Levermann kündigt nun einen brandneuen Song an, der es künftig wohl immer ins Live-Set schaffen werde - "oder wir können den auch skippen und gleich gehen", feixt er uns an. Wir singen brav das nun folgende, in der Tat fulminante "Forlorn And Forsaken" mit, aber die Temperaturen fordern eben doch ihren Tribut - selbst bei den seltenen Exemplaren der scheuen Spezies des weiblichen Vokuhilas, die mit einer geschätzten vollständigen Dose 3 Wetter Taft einen Haarhelm fabriziert haben. "Das Publikum ist abgestürzt, quasi Bluescreen!", amüsiert sich Oberrevolverheld Levermann, aber dennoch geben wir bei "Mystic Symphony" natürlich nochmal alles - bzw. den Rest, der halt noch geht. Begeisterung allenthalben, man verabschiedet sich als Niels Lucky Luke Löffler und Old Shatterseeb - und dann können wir endlich ein wenig ausdampfen. Diese Schießerei war vielleicht ein wenig kurz bemessen, aber eines Wyatt Earp mehr als würdig, auch wenn in Tombstone nicht Konfetti, sondern blaue Bohnen flogen. Aber da ging es ja auch gegen die Clanton-Brüder, damals am O.K. Corral. Die waren vielleicht bessere gunmen, aber Spaß haben wir lieber mit Orden Ogan. Auch wieder im Herbst. Als Headliner, wohlgemerkt. Wird ja auch langsam Zeit.

Der Bericht erscheint auch bei Kühles Zeug.

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