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Konzert-Bericht

Billy Idol & Dough Rollers

Arena Nürnberger Versicherung, Nürnberg 21.11.2014

Über die triumphale Rückkehr des William Michael Albert Broad auf die Weltbühnen im Jahr 2005 hatten wir ausführlichst und standesgemäß begeistert berichtet - sowohl das Album Devil's Playground, mit dem er damals nach zwölfjähriger Schaffenspause wiederkehrte, als auch die begleitende Tournee unter dem Motto "An Evening with Billy Idol and Steve Stevens" verstand es, uns die Oberlippe so nach oben zu ziehen wie wir das 1985 vor dem Spiegel stundenlang geübt hatten, um es ihm gleichzutun. Danach war zumindest in unseren Breiten erst einmal eine Weile Ruhe um den immerhin den in Bestform auftrumpfenden Herrn, aber 2014 will er es dann doch noch einmal wissen, und zwar so richtig: Neu am Start hat er nämlich nicht nur sein neues Album Kings And Queens Of The Underground, sondern auch seine Autobiographie Dancing With Myself (nach dem vertrauenswürdigen Urteil eines Herren aus dem Umfeld des Cheffes, der es ja wohl wissen muss, absolut lohnend zu lesen - vor allem die Passagen, bei denen Mutter Idol entsetzt war, und zwar nicht darüber was sich zugetragen hat, sondern darüber, dass Sohnemann sich noch erinnern kann!!). Und so begab es sich, dass wir den direkten Vergleich ziehen konnten - denn die Reise als zahlender Gast nach Frankfurt Höchst in die Jahrhunderthalle war längst geplant, als sich über zutiefst vertrauensvolle Quellen noch die Chance eröffnete, auch die Ansetzung in Nürnberg mitzuverfolgen (auch "echter" Gast!).

Eins vorweg - Format und Setlist waren identisch, die Ausführung hingegen zutiefst unterschiedlich. Wir kommen im weiteren Verlauf dazu und schalten jetzt in die Nürnberger Arena, die nach einer bekannten Versicherung benannt ist und üblicherweise die Keilereien der lokalen Eishockey-Mannschaft beherbergt. Das weite Rund ist gut gefüllt, als die Vorgruppe Dough Rollers die Bühne entert und dort genau den gleichen verzichtbaren Soundbrei wie in Frankfurt fabriziert. Wenn The Cure mal ordentlich einen sitzen haben und Led Zeppelin-Covers zocken, dürfte das in etwa so klingen. Dreißig Minuten meines Lebens, die ich nicht zurückbekomme. Und das zweimal. Weiter geht's.

Billy Idol

Zu den Takten des neuen "Postcards From The Past" versammelt sich dann endlich Schlag 21 Uhr die Formation, mit der sich William heute unterstützen lässt. All eyes natürlich auf Steve Stevens, der mit auftoupierter Haarpracht (mal ehrlich Stevo, sind das deine?), Lederschlaghose und glitzerischer Guitarre wirkt als ob er grade eben den Top Gun-Soundtrack nochmal eingespielt hätte. In anderen Worten - alles bestens also, die Basis ist gelegt, und dann springt er auch schon hervor, der Meister selbst, mit schwarzer Lederjacke, ein Gesicht wie eine Mondlandschaft, Haare immer noch wasserstoffblond, aber ein wenig kürzer als früher - und stimmlich absolut auf der Höhe. Der atmosphärische Opener setzt seine vokalistischen Qualitäten bestens in Szene, eher relaxt im niederen Tonbereich angesiedelt. Das Highlight des neuen Albums, das - und hier geht der Unterschied los - in Nürnberg gleich frenetisch abgefeiert wird. Das scheint sich auf Billy zu übertragen, der ist zunehmend gut gelaunt (zuverlässige Quellen haben uns im Vorfeld berichtet, dass er in der Garderobe ein Nickerchen gehalten habe, und ach ja seine Holde ist mit dabei an diesem Abend, das hilft wohl auch...) und wirft sich beherzt ins Geschehen. Wo in Frankfurt die Audienz eisern auf den Sitzplätzen kleben blieb und auch soundtechnisch manchmal einiges nicht passte, feuert man heute Nummern wie "Cradle Of Love", das neue "Can't Break Me Down" (fällt qualitativ etwas ab und hat einen etwas überlaut eingesampelten Refrain) und vor allem "Dancing With Myself" überzeugend ab, wo doch letzteres in Frankfurt sagen wir mal nicht ganz astrein klang.

Billy Idol

Dann nimmt man den Fuß vom Gaspedal, schönes Schummerlicht glänzt, und plötzlich wirft er dann sein Leibchen von sich und schnurrt "There's a change of pace..." ins Mikro. Wie schon 2005 festgehalten, heute unverändert: mit seinen 59 Lenzen sieht der Herr immer noch besser aus als die meisten Mittdreißiger. Das ist natürlich eine vollkommene Unverschämtheit, das Leben so voll ausgekostet zu haben, dies überstanden zu haben und hier und heute seinen Men's Health-Cover-Körper vorzuzeigen (hergestellt unter anderem durch TRX-Training - das ist das mit diesen Bändern, ist eklig und tut weh - ich muss das auch mehr machen!!). Das entscheidende "Flesh" brüllt er in großer Pose treffsicher in die Arena, während Stevo erst relaxt und dann mit Schmackes die Riffs runterzockt. Sehr genial. Dann wieder auf die Überholspur mit dem Generation X-Klassiker "Ready Steady Go", bevor er sich dann selbst die Akustische umhängt und uns einmal mehr die Geschichte vom Schloss erzählt, das sich ein verschmähter Liebhaber baute, komplett mit mondförmigem Schaukelstuhl und Riesendrehscheiben aus Granit. Für was er das getan habe, das habe Billy ihn gefragt, und da kam nur zurück "I did it all for my Sweet Sixteen". Das sorgt dann für Gänsehautfaktor, und ich vergesse darüber sogar, dass die durchaus angeheiterte Dame direkt vor mir offenbar den festen Plan verfolgt bei mir einzurasten. Bayern 3-Gesindel. "Eyes Without A Face" steigert den Lounge-Faktor noch mehr, was den schönen Kontrast zu den Rock-Nummern betont und bei denen er die Samtstimme auspackt, die vor allem die holde Weiblichkeit schon immer faszinierte. Beim Doors-Cover "L.A. Woman" setzt er behende den Austragungsort ein ("Nuremberg woman", eine Woche vorher hieß es..."Frankfurt Woman" - was macht er eigentlich, wenn er in Itzehoe oder Bad Wörishofen spielt? Dann wird es hakelig), dann darf Stevo ein Flamenco-Gitarren-Solo zum Besten geben (Rauchverbot scheint auf der Bühne nicht zu gelten...), an das sich mit der nächsten Generation X-Verneigung "King Rocker" und dem neuen "Whiskey And Pills" zwei eher punkige Granaten anschließen.

Mit dem coolen Rocker "Blue Highway" biegt man dann auf die Zielgerade ein, und als Stevo das Stakkato-Gezupfe im Delay-Effekt anstimmt, das 1983 jeden, der es hörte, sofort gefangen nahm, geht's dann vollständig rund. Billy wirft das Hemd endgültig von sich und beglückt wechselseitig jeweils eine Seite der Bühne mit dieser kraftvollen Version des "Rebel Yell", und die Nürnberger machen ordentlich mit. Großes Kino - wir halten es mit the little dancer: we want more. Kurze Pause, aber das war‘s noch nicht - gemeinsam mit Stevie stellt er sich hin und fordert ihn auf: "Come on, Steve, show them what a hit song sounds like", und dann kredenzt man uns eine famose akustischen Variante des Krachers "White Wedding" - aber nur bis zur Mitte, denn nach weidlich ausgekostetem frenetischen Jubel steigt man dann doch noch auf die vollinstrumentierte Fassung um. Ganz klar der beste Moment des Abends. Wunderbar. Dagegen fällt das Tommy James-Cover über die liebe Monika dann doch wieder etwas ab, aber das macht überhaupt nichts - er war da, er war gut drauf, das zählt, Punkt.

Billy Idol

Sehr bemerkenswert, wie sehr sich die Güte von Darbietungen trotz zeitlicher und inhaltlicher Nähe unterscheiden kann. Zum folgenden Gig in Zürich müssen wir uns also nicht begeben. Aber nächstes Jahr, so hören wir, im Sommer, in Munich, da sieht man sich wieder. Yes.

Setlist Billy Idol:
Postcards From The Past
Cradle Of Love
Can't Break Me Down
Dancing With Myself
Flesh For Fantasy
Save Me Now
Ready Steady Go
Sweet Sixteen
Eyes Without A Face
L.A. Woman
King Rocker
Whiskey And Pills
Blue Highway
Rebel Yell
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White Wedding
Mony Mony

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