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Konzert-Bericht

Black Sabbath & Soundgarden

Königsplatz, München 13.06.2014

"Hello, my name is John, and I am an alcoholic!" Es dürfte kaum eine Band auf der weiten Welt geben, die ein Gastspiel mit diesem launigen Satz eröffnet. Das geht eigentlich nicht. Das darf nur einer. Der ist wundersamerweise tatsächlich hier gewesen, am Freitag den 13., sinnigerweise. Die anderen älteren Herren sind ja zuverlässig, aber ob der hier in Rede stehende John a) auftaucht und b) bei Sinnen ist, das ist ja jeweils eine ungewisse Angelegenheit. Auf dem Königsplatz jedenfalls war er anwesend, er zeigte sich zumindest über weite Strecken halbwegs auf der Höhe und sorgte durch sein Umhertapsen und wirres Grinsen des Öfteren für Heiterkeit. Aber auch das kann nur er - düstere Epen dann doch gekonnt in Szene setzen, so wie es eben nur einer kann. Black Sabbath waren hier, sie waren mächtig, und ohne Ozzy geht das nicht. Punkt.

Aber vorher gilt es noch, 45 Minuten erneut den Beweis zu durchleiden, das Grunge immer sinnlos war und das auch auf immer bleiben wird. Aus unerfindlichen Gründen für einige Jahre ein weltweites Phänomen, zeigen die Kollegen von Soundgarden auch heute wieder, dass dieses nihilistische Sound-Spektakel schon auf Konserve nichts taugt und live völlig ungenießbar ist. Einigen wenigen scheint es zu munden, die Masse wartet gelangweilt auf das Ende. Danke.

Bei angenehmen Temperaturen (gottlob, nach der sengenden Hitze der Woche war Schlimmes zu befürchten!) gilt nun: wohl dem, der sich frühzeitig am Ort des Geschehens eingefunden hatte und sich daher kraft eines eingesammelten Bändchens ins vordere Drittel des mittlerweile doch beachtlich gefüllten Platzes bewegen darf. Einbrechende Dunkelheit, klassizistische Bauten ringsum, gepaart mit einem unheildräuenden Intro - besser könnte die Atmosphäre kaum sein, als der Vorhang weggezerrt wird und die Instrumentalfraktion die ersten Stakkatos von "War Pigs" herausfeuert. Kurzer Blick zur Orientierung: Geezer Butler zupft routiniert und, wie sich im späteren Verlauf immer mehr herauskristallisiert, äußerst melodiereich, und in der Mitte verdrischt der einzige Nicht-Original-Streiter Brad Wilk mit eindrucksvoller 70er-Mähne (und Körperbau) die Felle mehr als ordentlich. Sounderfinder und Riffmeister Tony Iommi wirkt wie stets gleichzeitig entspannt und konzentriert, betont elegant in halblangem Ledermantel, die charakteristische runde Brille stets wo sie sein muss. Der Sound: mächtig, makellos - Iommi schüttelt sich die Läufe ohne Fehl und Tadel aus dem Handgelenk, die Gitarre thront mächtig über dem Geschehen, wie es sich gehört. Ach ja, einer fehlt noch, und da kommt er auch schon: Onkel Ozzy schlendert, wackelt, tapst über die Bühne, gekleidet in einen wunderlichen glitzerischen Fetzen, für den Sharon wohl keine Verwendung im Kleiderschrank mehr hatte, deutlich verschlankt wirkt er, und zumindest textlich gibt es nichts zu beanstanden. Nach ein paar Anlaufproblemen trifft er auch überwiegend die richtigen Töne, so dass der Opener mehr als gelungen ist.

Die ohnehin schon beeindruckende Soundkulisse wird unterstützt durch Videoleinwände, auf denen man wahlweise den sauber musizierenden Iommi (samt seinem Markenzeichen, den obligatorisch verklebten Fingerkuppen), das Muppet-Show-Tier Wilk, den präzise arbeitenden Ward oder eben einen Ozzy bestaunen kann, der manchmal wie in Zeitlupe drohende Gebärden macht, die für Amüsemang allenthalben sorgen. Weiter im Text mit "Into The Void" und "Under The Sun" - eine reine Greatest Hits-Show werden sie also nicht abliefern heute, und auch die obskureren Stücke entfalten im zunehmend schwarzen Nachthimmel durchaus ihre Wirkung. "Snowblind" macht Laune, die Videoeinspielungen dokumentieren eindeutig, um welche Art Schnee es hier geht, bevor Ozzy uns dann ca. 15 Mal versichert, uns alle zu lieben (ok, danke, zu gütig...), der Menge applaudiert und den ersten Song vom brachialen aktuellen Album ankündigt: "Age Of Reason" geht durchaus in Ordnung, aber 13 hat ja durchaus noch größere Reißer zu bieten. Wir warten ab. Aber Freunde, jetzt geht es zur Sache - "a song that says it all", wie Ozzy nuschelt, und in der Tat, "Black Sabbath" thront unangreifbar, mit per Beleuchtung hergestelltem Regen-Effekt, scheppernder Kirchenglocke, zäh-doomigem ersten Teil und dann abhebendem Riff-Gewitter. Kein Wunder, dass Kritiker und Bürgersleute 1970 verschreckt reagierten ob dieses Ungetüms, das auch über 40 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner Kraft eingebüßt hat. Mit "Behind The Wall Of Sleep" setzt es dann gleich noch eine Nummer vom legendären Erstling, bevor dann Geezer Butler den Fuß auf das wah-wah-Pedal setzt und ein Bass-Solo anfängt. Oh nein, sie werden doch nicht etwa diese Zeitschinderei-Schiene fahren...? Nein, keine Angst, mehr oder weniger umgehend folgt das unangreifbare Riff von "N.I.B.", und das gerät zum Triumphzug: krachig gespielt, Ozzy mittlerweile fast schon erschreckend auf dem Punkt: kollektive Verzückung bei allen Mitstreitern ist angesagt. Klar eines der Highlights des Abends.

Sprung von 1970 direkt ins Jetzt - mit "End Of The Beginning" liefern sie den Opener des aktuellen Albums (kompositorisch eine geschickte Neuauflage von "Black Sabbath") ab, wobei der gute John gesanglich nun doch das eine oder andere Mal an seine Grenzen stößt. Aber unter den gegebenen Umständen nehmen wir auch das wie es halt kommt - wie gesagt, immerhin ist er da und scheint sich darüber zu freuen wie ein Schnitzelchen. Das spaßige "Fairies Wear Boots" kommt untermalt von frechen Video-Sequenzen durchaus gut rüber, auch wenn es sicherlich nicht zur ersten Garnitur gehört, und dann setzt Mister Wilk zu einem wahrlich fetten Drumsolo an. Das braucht ja normalerweise keiner, ist aber hier durchaus spannend inszeniert und ein echter Kraftakt - und dass der Rest der Kombo mal eine kleine Pause braucht, dafür hat hier jeder Verständnis. Schließlich kommen sie ja bald wieder und kredenzen mit "Iron Man" einen absoluten Riff-Klassiker nicht nur ihres Back-Katalogs, sondern der Metal-Geschichte überhaupt. Freude dann auch allenthalben, als Ozzy verkündet, nun dürfe man sich auf "God Is Dead" einstellen - diese wird aber schnell getrübt, als gesanglich hier nun das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Das ist teilweise richtig schräg und ein bisschen schade - was hat er denn nur in der Pause gemacht? Aber nun gut, wir vergeben es ihm mal, immerhin hat er zwei Drittel mehr als achtbar hinter sich gebracht und schüttet jetzt sich und auch die ersten Reihen mit einem Wassereimer voll, wie er das schon immer getan hat. "Dirty Women" überzeugt dann eher durch die eingespielten Schweinskram-Videosequenzen, aber bei "Children Of The Grave" kriegt er dann noch mal die Kurve, zumal das Hoppel-Riff live daherkommt wie eine Dampfwalze. Sehr fein, und dann gehen (bzw. wackeln) sie weg. Gleichzeitig ruft Ozzy selbst aus der Dunkelheit "one more song!", den es dann auch noch gibt: Iommis nach meinem bescheidenen Dafürhalten brillantestes Riff klingt ins Rund, aber leider setzt es "Sabbath Bloody Sabbath" nur als Kurz-Intro vor dem unvermeidlichen "Paranoid". Da ist dann auch Ozzy wieder ganz der Alte, wir sollen alle crazy gehen (wobei nicht "extra extra crazy", das scheint für seine eigenen Tourneen reserviert), geht in Ordnung, machen wir. Yeah. Dann ists aus, wir schauen noch mal kurz ins Rund und wandern davon. Wir fassen zusammen: mächtiger Sound, nahezu alle Klassiker, ein legendärer Gitarrist, der über jeden Zweifel erhaben ist, ein Basser in seiner eigenen Liga, ein Kraftpaket an den Drums - und ein lustiger Waldschrat, der zumindest über weite Strecken beweisen konnte, das er halt nun einmal zu dieser Sause dazugehört wie kein anderer. Wer nach über 40 Jahren Bandgeschichte immer noch solche Macht entfaltet, der gehört wirklich zu den wenigen ganz Großen. Respekt.

Setlist Black Sabbath:
War Pigs
Into The Void
Under The Sun/Every Day Comes And Goes
Snowblind
Age Of Reason
Black Sabbath
Behind The Wall Of Sleep
N.I.B.
End Of The Beginning
Fairies Wear Boots
Rat Salad (Drum Solo)
Iron Man
God Is Dead?
Dirty Women
Children Of The Grave
---
Paranoid (mit Sabbath Bloody Sabbath-Intro)

Holgi

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