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Konzert-Bericht

Kim Wilde

Tollwood, München 05.07.2012

Liebe Kim,

üblicherweise tue ich das ja nicht, aber ich muss Dir jetzt einfach einmal schreiben. Ich möchte über unsere Verabredung gestern reden, über die ich ganz ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht bin. Vielleicht hatte ich wieder mal eine zu hohe Erwartungshaltung, vielleicht ist da ja normal, dass sich etwas Routine einschleicht, aber trotzdem möchte ich das einmal ansprechen.
Wir haben uns ja vor langen Jahren kennengelernt, da hingst Du oft in meinem Zimmer rum, leider nur in Form eines Posters, und ich habe mich immer gefragt was Du mir denn sagen willst wenn Du meintest wir sollen das jetzt noch ein zweites Mal angehen (was denn? He, ich war jung, ok?), und dass es in den Vereinigten Staaten jede Menge Minderjährige gibt, das hast Du auch immer erzählt, und von einem wundersamen Land namens Kambodscha, das war immer ein bisschen traurig. Wir haben uns dann ja auch mal eine Weile aus den Augen verloren, Du hast gebacken und gegärtnert und das auch im Fernsehen gezeigt, und ich war zu der Zeit ja witzigerweise auch in Deinem Heimatland, aber irgendwie ist das mit uns nie was geworden.

Aber dann hast du auf einmal gesagt, dass ich doch mal bei Dir vorbeikommen soll, Du wärst eh in der Stadt, paar Kumpels wären auch dabei, Dein Bruder, Deine Nichte und paar andere Leute noch. Tja und da bin ich natürlich hingegangen, und unser erstes Date war berauschend. Das war so gar kein seichtes Genudel, sondern extrem heftigst, ich weiß noch genau, wie "Never Trust A Stranger" so brachial rüberkam dass ichs erst am Text erkannt habe. Kurzum, ich war begeistert, und deshalb haben wir uns dann ja auch wieder gesehen, letztes Jahr, und auch das war bezaubernd und durchaus auch heftig.

Mit der dritten Verabredung wird's ja überlicherweise dann entweder ernst oder gar nichts, also war ich schon gespannt, als Du gesagt hast, ich soll doch mal zum Tollwood kommen, da bist Du auch dieses Jahr. Ok, ich mach so einiges mit wenn Du mich einlädst, aber sag mal dieses Zelt war jetzt nicht Dein Ernst, oder? Also, so was von heiß und stickig, also da darfst Du Dich nicht beschweren wenn ich schon total abgekämpft bin und nicht mehr nach Blumenwiese rieche, wenn Du - und das muss ich jetzt lobend erwähnen - Punkt acht die Bühne betrittst, die sich schon mit Deinen üblichen Mitstreitern gefüllt hat - also wie gehabt Dein Bruder Ricky, der Deine Songs schreibt, Dein Session-Schlagzeuger, der alte Kajagoogoo-Mann Nick Beggs (da muss ich leider schon einhaken, gleich), der offizielle Olaf Scholz-Imitator am Keyboard und jaaaa natürlich Deine fesche kleine Scarlett. Die war wie immer berückend, obwohl "nur" Jeans und nicht so ein feines Cocktail-Kleidchen. Aber sag der mal, die soll nicht immer so mit dem jungen Gitarristen rummachen, das fällt langsam auf, gell. Und was hast du denn mit dem Nick gemacht, der steht da auf einmal im Anzug rum, der war früher so spaßig mit seinem Lederrock und den Zöpfchen? Aber naja, der Einstieg ist gut, mit "It's Alright" legst Du gleich mit einer Nummer des aktuellen Albums Snapshots los, auf dem Du ja Cover-Versionen Deiner eigenen Lieblings-Pop-Nummern darbietest. Gleich an zweiter Stelle folgt erneut ein eben solches - nämlich "Anyplace Anywhere Anytime", das Du sogar auf Deutsch (!) halbwegs verständlich singst. Also, ich muss schon sagen, stimmlich bist Du aufgelegt, Du siehst auch wieder erfreut und gut gelaunt aus, a bissi abgenommen hast auch, und mei jünger werden wir alle nicht. Scarlett ist ja mittlerweile ein richtiger Feger, also so ein Hüftschwung, Respekt! Weiter im Text geht's dann mit "Just What I Needed", einer weiteren Snapshots-Nummer, und dem schönen Single-Hit "Lights Down Low". Alles Gut, so bitte paar alte Hits, die hast Du mir ja angekündigt, also sonst brauchen wir uns ja auch nicht zu treffen. Und dann kommt auch tatsächlich eben "Never Trust A Stranger", und jetzt muss ich schon sagen, hier ist stimmt irgend etwas nicht, das ist sehr gut gesungen aber reißt heute so gar nichts, und dann merke ich auch an was es liegt: wenn Du Deinen Bruder schon zu jedem unserer Dates mitschleifen musst, dann lass ihn doch auch wenigstens Gitarre spielen! Beziehungsweise sorge dafür dass man das auch hört. Denn egal wie der sich abmüht, die Gitarren sind heute nahezu unhörbar. Und das ist jammerschade, denn genau das hat mich doch immer so begeistert, wenn wir uns getroffen haben, und heute bringst Du mir so einen Schlagzeug/Bass/Keyboad-Pop-Sound, ach Kim, warum denn nur? Ja, ich weiß, das ist nicht Deine Schuld, das ist wahrscheinlich für die anderen Gäste, durch die Bank Bayern 3, die hätten ja Angst wenn Du ordentlich aufdrehst. Denen ist das ja auch völlig egal, die jubeln und winken mit Mützen (hast Du das auch gesehen?).

Du, ich hab mich ja wirklich gefreut, als Du dann "Water On Glass" gebracht hast, das war ja immerhin das erste Lied auf der ersten Platte die ich als Kassette hatte - aber eben anfangs warst Du ja eher rockig, und ein Rocksong ohne Gitarre, das ist wie Suppen ohne Salz, sagt der Bayer. Dann kommt noch dazu, dass einige Stückchen nicht gerade zu den größten Bringern gehören ("Can't Get Enough", "Perfect Girl"), aber ja gut, "Four Letter Word" ist schön und braucht ja kein Gitarrengewitter. A propos Gewitter, das hast Du ja selbst auf der Bühne gehört, dass da draußen fast die Welt untergegangen ist, hast Du ja gesagt, "ist das ein schlechter Sound oder hats jetzt wirklich gedonnert?". "View From A Bridge" geht ok, "Natural Way" wäre verzichtbar gewesen, die ziehst paar Mal ein anderes Gefächsel an, sehr nett von Dir danke. Ja, und dann halt wieder diese tragische Kriegsgeschichte, und nachdem du "Cambodia" akustisch bringst, passt das gottlob - also die Melodie ist wirklich unnachahmlich, endlich entsteht mal so etwas wie Magie zwischen uns. "The Second Time" lebt natürlich vom Bass, aber Nick ist auch irgendwie komisch, grinst sich zwar einen ab, aber kein Vergleich zu seinen Verrenkungen die er sonst immer gebracht hat. Ist der sauer auf Dich oder was? Aber ich krieg immer noch rote Ohren bei dem Text, das sag ich dir... ach und auch mein fast-Lieblings-Lied "Chequered Love" wird zum Pop-Song, ich glaub ich nehm mir die Platte nochmal raus um Dir zu beweisen, wie laut die Gitarren da sein müssen. Den Abschluss macht wie immer "Kids In America", und das ist leider nicht das tosende Inferno wie sonst, sondern eher ein laues Lüftchen, weil eben wie gesagt die Gitarren... aber Du sagst ja immer ich soll mich nicht wiederholen. Zugaben, "You Keep Me Hanging On" funktioniert grade so eben, und dann ist auch Ende.

Ja, Kim, was machen wir jetzt? Du hast mich zweimal wirklich überrascht, mit Energie und Freude und coolen Riffs. Und nun das - liegt es daran, dass Du Dich nicht mehr um mich bemühst, oder lag es einfach an den Umständen, dass wir uns am falschen Platz getroffen haben? Wollen wir uns überhaupt nochmal sehen? Ich habe ja noch ein wenig Zeit zum Überlegen. In der Zwischenzeit schreiben wir uns am besten nicht, damit jeder mal ein wenig nachdenken kann.

Viele Grüße

H.

Setlist Kim Wilde:
It's Alright
Anyplace, Anywhere, Anytime
Just What I Needed
Lights Down Low
Ever Fallen In Love
Never Trust A Stranger
Water on Glass
Can't Get Enough
About You
Perfect Girl
Four Letter Word
View From A Bridge
Spirit In The Sky
Forever Young
Natural Way
They Don't Know About Us
Wonderful Life
Cambodia
To France
The Second Time
Chequered Love
You Came
Kids In America Play Video
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Shame
Remember Me
You Keep Me Hangin' On

Holgi

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