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Festival-Bericht

Veldensteiner Festival

mit Subway To Sally, Letzte Instanz, Eluveitie, Feuerschwanz, Nachtgeschrei & The Sandsacks

Burg Veldenstein, Neuhaus an der Pegnitz 23. Juli 2011

(Fotogalerien: Veldensteinerfestival20110723 )

Was ist das nur für ein Sommer? Gerade der Juli präsentiert sich bislang so nass, kalt und launisch, dass ein jeder gestandener Oktober mit Recht eifersüchtig auf ihn sein dürfte. Doch unerwartet, aber wie bestellt, lässt der Himmel gerade an diesem Samstag seine Schleusen geschlossen und sogar die Sonne scheint gelegentlich durchs Wolkenmeer auf Burg Veldenstein, wo sich knapp 2.000 Teilnehmer versammeln, um das zehnte gleichnamige Festival zu feiern.

Gewandetes Volk
Als ich gegen 14:00 Uhr das Burgtor durchschreite, ist die imposante Wehranlage bereits gut bevölkert. Überall tummeln sich Metalheads, Gothics und mittelalterlich gewandete Gestalten zwischen Verkaufsbuden für Waffen, Kleider, diverse mediävale Utensilien und solchen, die das leibliche Wohl der Gäste garantieren. Staunen muss ich. Denn das Ferkel, das am Spieß gemächlich seine Runden über dem Feuer dreht, ist zu solch früher Stunde bereits ordentlich abgenagt. Gleich nebenan werden Wildsau und Hirsch auf gleichsame Weise ihrem Endzweck zugeführt, als Bratwurst, um genau zu sein. Also genau so, wie es der Franke mag. Doch auf dieses Angebot werde ich später noch zurückkommen. Aus dem Zwinger, wo die Bühne errichtet wurde, schallen bereits angenehme Klänge.

The Sandsacks
The Sandsacks aus Berlin haben eine große Menschenmenge vor das Podium gelockt und unterhalten ihre Audienz mit irisch anmutender Folksmusik. Scherzhaft drohen die Musikanten den vorderen Reihen Prügel von einer imaginären Schlägertruppe hinter der Bühne an, wenn nicht brav das Tanzbein geschwungen wird. Stücke, wie das allseits bekannte "What Shall We Do With The Drunken Sailor", aber auch allerhand eigenes Material, geben hierzu ohnehin besten Anlass und heizen die Stimmung weiter an. Ihre Rolle als Eröffnungsakt haben die Sandsacks mit Bravour gemeistert.

Nachtgeschrei
Seitdem Burgfeste und Mittelaltermärkte wie die Schwammerl nach einem warmen Herbstregen landauf landab aus den versiegelten Böden des 21. Jahrhunderts sprießen, erfreut sich auch die Zahl der so genannten Mittelalter-Rockbands einer stetigen Zunahme. Nachtgeschrei aus Frankfurt ist eine der jüngeren Bands dieses Genres, hat bislang drei Alben veröffentlicht und darf nun vor mehreren Hundert Schaulustigen ihr Können unter Beweis stellen. Lange dauert es auch nicht, da haben die Spielleute mit ihren flotten Nummern die Menge überzeugt. Ihre Musik erinnert an Szenegrößen, wie Saltatio Mortis und Subway To Sally, die wir heute auch noch sehen werden, nur dass sich im obligatorischen Instrumentarium neben Flöte, Dudelsack und Drehleier auch ein Schifferklavier befindet, das den Songs einen eigenen Charme verleiht. Ihre feinsten Stücke haben Nachtgeschrei nun für diesen Auftritt selektiert. Neben den mitreißenden Nummern "Der Meister" und "Windstill" machen sich auch das ruhigere "Niob" und das sehnsuchtsvolle "Fernweh" sehr gut im Set. Bereits jetzt muss man auch der Crew für Klang und Technik ein ausdrückliches Lob aussprechen. Der Sound vor der Bühne ist wirklich einwandfrei, transparent, druckvoll, nicht zu laut und nicht zu leise. So muss es sein und so macht Mittelalter spielen auch richtig Spaß!

Burghof
Ich nutze nun die Umbaupause für ein dunkles Landbier und Feines vom Grill, ehe ich meinen Erkundungsstreifzug durch die Burg fortsetze. Siehe einer an! Sogar der Bergfried der Burg, der so genannte Heidenturm, ist heute geöffnet. Also nichts wie hoch! Schließlich wartet dort oben ein netter Blick auf den Treiben im Burghof, ins Pegnitztal und in die Ortschaft Neuhaus. Mutig sind sie ja, die Organisatoren, dieses Bauwerk zu öffnen. Denn an- oder vielleicht sogar betrunken kommt man diese steilen Holztreppen vielleicht mit Müh' und Not hinauf, aber sicher nicht mehr unbeschadet hinunter. Das wird mir während des Abstiegs bewusst. Andererseits wäre es auch zu schade, blieben dem interessierten Besucher diese Eindrücke - sogar ein gemauertes Plumpsklo für die einstige Wachmannschaft gibt es dort oben noch in luftiger Höhe zu sehen - verwehrt.

Feuerschwanz
Doch nun zurück vor die Bühne. Um 16:45 Uhr steht dort die nächste Band auf dem Programm. Der Name Feuerschwanz dürfte den meisten Anwesenden bekannt sein, so oft wie diese Truppe während der letzten Jahre im Billing diverser Festivals zu lesen war. Ähnlich wie ihre Kollegen, die Grailknights, setzen auch diese Erlanger Herren in Ritterrüstung auf Klamauk und alberne Lieder, während auf der Bühne allerhand Schabernack getrieben wird. So fahren die "Verteidiger Des Wahren Mets" für ihre Fans in den ersten Reihen eine vollautomatische Met-Abfüllmaschine auf. Zu den Klängen dieser "Metmaschine" reichen zwei hübsche Damen nun den besonders durstigen Probanten den Plastikschlauch, durch den sobald das süße Rauschmittel gepumpt wird.

Eluveitie
Nach dieser Klangkomödie, angereichert mit diversen Tanzspielchen, darf es nun ruhig wieder etwas ernster werden und wird es zum Glück auch. Für alle, die es auch gerne härter mögen, bieten Eluveitie nun die richtige Abwechslung. Mit ihrer originellen Mixtur aus keltischer Folklore, melodischem Death Metal und den weitgehend in helvetischem Gallisch verfassten Texten konnten die acht Schweizer Musiker während der letzten Jahre die Herzen der Pagan-Fans im Sturm erobern und befinden sich nun schon seit eineinhalb Jahren auf Welttournee. Leider kann nach so langer Dauerbelastung die gute Anna ihre Drehleier wegen einer Sehnenscheidenentzündung nicht bedienen, steht dafür aber Sänger/Multiinstrumentalist Christian tatkräftig zur Seite und animiert die Audienz zu gallischen Singspielen. Auf diese Weise können wir alle in ihren Hit "Slanias Song" mit einsteigen. Nach einigen ruhigeren Momenten verkündet schließlich Christian, dass der Rest des Sets ganz im Zeichen des Metals steht, fordert einen Moshpit zu "Kingdom Come Undone" und eine amtliche Wall Of Death nach Braveheart-Manier zu "Dominion", was von den Fans auch brav erfüllt wird.

Letzte Instanz
So wie die Sonne beginnt nun auch die Temperatur gemächlich, aber spürbar zu sinken. In der Zeit des Umbaus findet vor der Bühne eine Art Schichtwechsel statt. Die Metalheads verkrümeln sich und Gothics drängen bis nach vorn. Der Grund: Letzte Instanz stehen nun auf dem Plan. Und lange dauert es auch nicht, da haben die energiegeladenen Gesellen um Frontmann Holli das Publikum fest im Griff und erste Crowdsurfer bahnen sich ihren Weg in Richtung Bühne. Nach einschlagenden Nummern, wie "Dein Gott", "Neue Helden" oder "Flucht Ins Glück" widmet die Band das Stück "Mein Todestag" der heute Mittag verstorbenen Amy Winehouse und lässt uns alle kurz darauf niederknien vor den Veranstaltern und der Crew des Festivals, die an diesem Tag wirklich einen tollen Job gemacht haben. Schließlich mogeln sich sogar noch unerwartete Klänge von Europes "Final Countdown" und sogar "Fight For Your Right" von den Beastie Boys ins Set der Dresdner Düsterrocker, was die Stimmung weiter schürt. Nach 75 Minuten Spielzeit haben Letzte Instanz ihre ausgezeichneten Livequalitäten einmal mehr bewiesen.

Subway To Sally
Der Abend neigt sich seinem Ende. Grimmig kalt ist es mittlerweile, aber nach wie vor trocken. Zu ihrem zehnjährigen Bestehen haben sich die Veranstalter einen ganz besonderen Fisch, nämlich den Eric und seine Spielleute von Subway To Sally an Land gezogen. Die Szene-Vorreiter des Mittelalter-Rocks sind bekannt für ihre opulenten Bühnenshows. So werden wir während der folgenden zwei Stunden wiederholt zum fulminanten Einstieg mit "Henkersbraut" und inhaltlich geeigneten Stücken der Marke "Feuerland" oder "Meine Seele Brennt" von Pyroeffekten und Feuerwerken überrascht. Schließlich schwenkt der Eric sein Feuerzepter zu "Sag Dem Teufel" und bindet das Publikum mit ein, wenn wir alle unsere Feuerzeuge zur Ballade "Maria" erheben sollen. Herrlich auch seine Erinnerung an ein wohlbekanntes Ritual der Metalszene, wenn er die Audienz befragt "Ein Moshpit... ihr Gothics, ihr Mittelalter-Freaks, wisst ihr, was das ist?" Seine Weste wirft er nun ins Zentrum jenes Kreises, den er vor der Bühne bilden ließ. "Dass die mir ja niemand anfasst, solange ich nicht das Zeichen zum Rennen gebe!" Das Zeichen folgt mit den Takten der passenden Nummer "Besser Du Rennst" und ab geht auch schon die Post. Ich glaube ein Typ namens Jens konnte die Schlacht um das begehrte Kleidungsstück für sich entscheiden. Nach "Falscher Heiland" und dem allseits bekannten Hit "Veitstanz" - erneut mit Feuerwerk illuminiert - verschwinden die Potsdamer, kehren aber sehr schnell für ihre Zugabe auf die Bühne zurück. Nach vier weiteren Nummern, dabei auch der Erfolgshits "Sieben", ist das Spektakel endlich zu Ende.

Allmählich begeben sich nun alle in Richtung Burgtor, treten die Heimreise an oder verkriechen sich auf den Zeltplatz im nahe gelegenen Ort Finstermühle. Zehn Jahre Erfahrung in der Organisation hat man diesem Event angemerkt. Das Veldensteiner Festival war eine rundum gelungene Angelegenheit in gemütlicher, familiärer Atmosphäre. Alle Beteiligten, einschließlich die Bands haben ihr Bestes gegeben und ein dickes Lob verdient. Gerne wird man daher im nächsten Jahr wieder vor Ort sein.

Dagger

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