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Konzert-Bericht

W.A.S.P. & Shadowside

Return To Babylon-Tour

LKA-Longhorn, Stuttgart (Wangen) 01.12.2010

In der Tat. Es ist schon eine ganze Weile her, dass der Rezensent in metallischer Mission den Weg in die Daimler- und Spätzles-Stadt auf sich nahm. Was haben wir Ulmer Kiddies früher für Parties in der Rofa Ludwigsburg, in der legendären Röhre und allen voran im LKA, im Longhorn in Stuttgart-Wangen gefeiert. Ohne den Münchnern, Augsburgern oder Nürnbergern zu nahe treten zu wollen, zählen die drei oben genannten Venues meines Erachtens immer noch zu den Top-Adressen im süddeutschen Bereich, wenn es darum geht, einen launigen Heavy Metal-Abend unter Gleichgesinnten zu verbringen (leider macht die Röhre demnächst dicht). So auch an diesem 1. Dezember, an dem mein Brüderchen und ich, trotz Schneesturm, pünktlich vor den Toren des LKA ankamen, in freudiger Erwartung, was Blackie Lawless und seine Mannen an Gepäck mit über den großen Teich geschippert hatten.

Nach kurzen Irritationen am Einlass ("Ihr Name steht leider nicht auf der Gästeliste."), die sich aber schnell im Gespräch mit dem zuständigen und äußerst charmanten Kassen-Fräulein in Wohlgefallen auflösten, enterten wir also das bereits zu gut zwei Dritteln gefüllte Longhorn. Die Klasse der letzten beiden W.A.S.P.-Outputs - Dominator (2007) und Babylon (2009) - und die allgemein und stetig ansteigende Form des Gesetzlosen und Co. in den letzten Jahren hatte augenscheinlich ihre Spuren hinterlassen und so tummelten sich im Publikum nicht nur die Die Hards, die (wie der Rezensent) bereits zu Headless Children- und The Crimson Idol-Zeiten frenetisch die Fäuste gen Hallendach reckten, sondern auch etliches Jungvolk, das Anfang der 80er, als Blackie und (the real Animal) Chris Holmes mit ihrer Blut- und Fleisch-Show die amerikanische PMRC wöchentlich auf den Plan riefen, noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt hatte. Gut so. Nachdem wir dem Merchandiser einen kurzen Besuch abgestattet hatten - T-Shirts bei 20 Euronen, Baseball- und Hockey-Shirts bei 45 - und ich dort einen raren Pin mit dem Live... In The Raw-Logo ergattern konnte, galt es, sich einen gemütlichen Platz im vorderen Bereich an der LKA-Endlos-Theke zu sichern, um dem sich ankündigenden Treiben auf der Bühne die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.

Denn: mit dem brasilianischen Quartett Shadowside hatten sich W.A.S.P. einen richtig, richtig starken Support-Act ins Boot geholt, dessen Mix aus traditionellem Heavy und Melodic Power Metal mehr als zu gefallen wusste. Zwei Alben - Theatre Of Shadows (2006) und Dare To Dream (2009) - hat die Formation rund um Blickfang und Frontröhre Dani Nolden bisher unters Bangervolk gebracht, wovon es im leider nur 35-minütigen Set solche Perlen zu hören gab wie "Hideaway", "Highlight" (ein unwiderstehlicher Ohrwurm, den man bereits beim zweiten Refrain mitsingen konnte) oder das exzellente "Baby In The Dark", mit einem Gitarren-Solo seitens Raphael Mattos, das sich gewaschen hatte. Schade, dass unsere lautstarken Rufe nach dem Überhit "Vampire Hunter" nicht erhört wurden; allerdings versprach uns die zuckersüße Sängerin, die auf der Bühne zum Derwisch mutierte und deren kraftvolle Stimme mehr von Zak Stevens oder Vic Hixx (Shok Paris) hat, denn von der vorderen Damenriege a'la Tarja Turunen, Amanda Sommerville oder Liv Kristine, später am Merchandise-Stand, dass der Song beim nächsten Besuch in deutschen Landen wieder ins Set aufgenommen wird. We'll see.

In der ca. halbstündigen Umbaupause veränderte sich das Bühnenbild insofern, als dass von den emsigen Roadies gigantische Screens auf die Bretter gekarrt wurden, die letztlich den rechten und linken Stage-Rand einnahmen. Anstelle eines Backdrops zierte eine nochmals um einiges mächtigere Leinwand den Hintergrund und so war der Boden schnell bereitet für das diesjährige W.A.S.P.-Spektakel im Zuge der zweiten Promotion-Reise, der "Return To Babylon"-Tour durch Europa. Das verstörende Intro, in dem Band-Schnipsel aus den letzten Jahrzehnten sich audiovisuell zu einem Bild- und Geräusch-Chaos steigern, war uns schon seit Wacken bekannt und leitete formidabel über zur ersten Zeile des Openers: "Dancin' with danger, right until dawn." Schön laut und ohne die schon oft erlebten, soundtechnischen Anfangsprobleme donnerten W.A.S.P. mit "On Your Knees" los. Dass Mr. Lawless einige Kilo Lebendgewicht weniger auf den Rippen hat als beispielsweise noch zu The Neon God-Zeiten, fiel schon auf der Dominator-Tour auf und so wirkte der ehemalige Staatsfeind No.1 (in US-amerikanischen Gefilden) recht agil und umtriebig. Für noch mehr Bewegung sorgte allerdings einmal mehr Basser Mike Duda, der nun schon seit Kill, Fuck, Die (1997) zum lawlessschen Aufgebot gehört. Weiter ging's mit dem immer wieder gern genommenen The Who-Cover "The Real Me", bevor sich bei "L.O.V.E. Machine" erstmals ein ordentlicher Moshpit in den vorderen Reihen bildete. Zwei Songs, so kündigte Lawless an, sollte es heute vom neuen Album zu hören geben, von denen der erste dann das ganz hervorragende "Crazy" sein sollte. Dennoch fragte wohl nicht nur ich mich schon an dieser Stelle "Nur zwei?" Überraschenderweise wurde der zweite fragliche Song gleich danach in Form von "Live To Die Another Day" nachgeschoben, was insofern (zumindest in meinem Fall) positives Staunen hervorrief, da die Band in Wacken noch "Babylon's Burning" zum Besten gegeben hatte. Den Publikumschören nach zu urteilen war das neue Material den meisten Anwesenden durchaus bekannt und so fügten sich die beiden Nummern nahtlos ins Gesamtset ein. Bei "Wild Child" zeigte sich Lawless anschließend in bester stimmlicher Verfassung und am Ende des folgenden "The Idol" wurde (wie schon auf dem WOA) deutlich, dass Doug Blair und seine mit Blinklichtern bestückte Kreissägen-Gitarre einen ordentlichen Anteil am Aufschwung der Band in den letzten Jahren haben. Was ein Solo! Absolute Oberliga.
Tja, und dann hieß es tatsächlich schon "I Wanna Be Somebody"! Alle im Publikum gingen steil, sangen enthusiastisch mit und feierten als gäbe es kein sprichwörtliches Morgen. Die Crux: danach war erstmal Schicht im Schacht und die verblüffte Frage meines Bruders, ob die denn überhaupt schon eine Stunde gespielt hätten, war mehr als legitim. Als Besucher aller W.A.S.P.-Tourneen in den letzten zwanzig Jahren war ich auf die kurze Spielzeit zwar vorbereitet, was aber noch lange nicht heißt, dass einem das mittlerweile nicht mehr sauer aufstößt. Sei's drum. Auf alle Fälle hatte die Band mit der Power Ballade "Heaven's Hung In Black" (genial!) noch eine Zugabe im Köcher, die so nicht erwartet werden konnte, und da ich "Blind In Texas" seit der Neon God-Tour auch nicht mehr live gehört hatte, versöhnte der Abschluss.
Man mag (berechtigterweise) an der kurzen Performance herum nörgeln, aber ich möchte auch zu Bedenken geben, dass W.A.S.P., ganz im Gegenteil zu anderen US-amerikanischen Acts, Europa und auch Deutschland (mit seinen exorbitanten "Künstler"-Steuern) in den letzten Jahren kontinuierlich und ausgiebig betourt haben; manchmal gar zweimal im Jahr. Außerdem wird selbst der Gesetzlose nicht jünger, was jedoch an der stimmlichen Darbietung bis dato keine großartigen Verschleißerscheinungen hinterließ.
So ging zwar kein historischer, aber dennoch ein Abend zu Ende, der viel Freude bereitete und mit einigen Überraschungen aufwarten konnte. Ich warte zwar immer noch darauf, dass "The Headless Children" endlich wieder integriert wird, aber wer weiß, vielleicht wird's beim nächsten Mal was, wenn es da wieder heißt: We Are Sexual Perverts.

Setlist W.A.S.P.:
On Your Knees
The Real Me
L.O.V.E. Machine
Crazy
Live To Die Another Day
Wild Child
The Idol
I Wanna Be Somebody
---
Heaven's Hung In Black
Blind In Texas

Fuxx

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