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Konzert-Bericht

Hellsingland Underground

Max Wirtshaus, Halfing 27.10.2010

Hellsingland Underground

Es grenzt ja schon an Irrsinn, wie viele CDs irgendwelcher Bands, von denen man noch nie etwas gehört hat, Monat für Monat in unserer Redaktion eingehen. Doch gelegentlich kommt es auch tatsächlich vor, dass man zwischen all dem austauschbaren Material auf eine echte Perle stößt, auf die man vermutlich nie aufmerksam geworden wäre, hätte man nicht einen Artikel darüber zu verfassen. Hellsingland Underground aus Nordschweden ist so eine Perle. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich mir ihr kürzlich erschienenes Zweitwerk Madness & Grace mittlerweile angehört habe, aber so richtig satt von diesem Sound bin ich bis heute nicht. Da erschien es wie ein kleines Wunder, davon lesen zu dürfen, dass die sechs Musiker für eine kleine Tournee mit 16 Konzerten nach Deutschland kommen und ein Austragungsort sogar mitten im Chiemgau, also nicht allzu weit von meinem gegenwärtigen Wohnort, ausgesucht wurde: Max' Wirtshaus, unweit des Chiemsees, im Niemandsland zwischen Bad Endorf und dem kleinen Dorf Halfing direkt an der Staatsstraße gelegen. Ich kenne diesen Ort, da dort erst im Sommer das Bavarian Battle Open Air ausgetragen wurde. Aber ich muss zugeben, dass ich nicht damit gerechnet hatte, in dieser beschaulichen Stätte so schnell noch einmal einzulaufen.

Hellsingland Underground
Es ist also Mittwoch, der 27. Oktober - draußen ist es schon richtig kalt und in den Bergen liegt bereits der erste Schnee - als ich gemeinsam mit einem Kompagnon besagtes Wirtshaus um kurz nach 20 Uhr betrete. Einige misstrauische Blicke müssen wir von den Gestalten ernten, die wohl schon seit Menschen Gedenken an jenem Tresen in der Wirtsstube festgewachsen sind. Sie kennen jeden, der hier ein- und ausgeht. Und uns beide haben sie hier drin noch nie gesehen. Viel ist ja auch nicht gerade los, vielleicht zehn Leute. Im Nebenzimmer mit der Bühne ist die Band bereits fleißig damit beschäftigt, ihr Equipment aufzubauen und den Sound zu testen. Also genehmigen wir uns noch ein schönes Dunkles, dem Bayernkönig gewidmet, und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Hellsingland UndergroundDann, kurz nach halb neun, versammeln sich die Musikanten auf der kleinen Bühne und begrüßen die wenigen Fans, die sie in dieser Gegend haben. Ich muss sagen, solch eine Situation durfte ich in all den Jahren meiner regen Konzertreisen noch nicht erleben. In dem Raum halten sich in diesem Moment tatsächlich mehr Schweden auf, als Bayern. Doch von dieser ein wenig bizarren Situation lassen sich die Mannen aus Ljusdal nicht entmutigen. Band-Chef Charlie Granberg nimmt es mit Humor. "Sind alle anwesend?" fragt er noch mit einem Augenzwinkern und dann steigen Hellsingland Underground mit "Full Buck Moon" in ihr heutiges Programm ein. Live klingt ihr wunderbarer Southern Rock bzw. Northern Rock mit all den Einsprengseln aus Blues und 70er-Feeling gleich um eine ganze Ecke knackiger als auf CD! Die Musiker entpuppen sich als echte Virtuosen an ihren Instrumenten, versprühen ein Höchstmaß an Spielfreude und spielen sich regelrecht den Allerwertesten ab. Wirklich sagenhaft! Wir paar Anwesende - acht an der Zahl!!! - sind begeistert und daher applaudieren wir auch als wären wir zwanzig. Weiter geht's im Set mit "Shuffle Day To Day" und "Forever Damned", beide auch vom aktuellen Album Madness & Grace, mit dem die Jungs in ihrer Heimat immerhin auf Platz sechs in die Charts eingestiegen sind. Dazwischen erzählt uns Charlie immer ein wenig über den Inhalt des jeweiligen Stückes. Überhaupt herrscht eine familiäre und angenehme Atmosphäre im Raum. Die meisten gespielten Songs stammen von erwähntem Madness & Grace, darunter auch die Herzschmerzballade "A Short Time In The Sun" oder das Stück "Vera", das Ljusdals ältester Einwohnerin mit 103 Jahren gewidmet ist (die angeblich zu ihrem 97sten noch in High Heels über den Tanzboden fegte). Auch betagteres Material bekommen wir zu hören, "Slipping Through The Hands Of Time" beispielsweise oder den "Ljusnan Riverside Jam", zu dem Charlie sich unter uns mischt und die Bühne ganz seinen Kollegen übergibt. Besonders die beiden exzellenten Gitarreros Mats Olsson und Peter Henriksson zeigen nun, was in ihnen steckt und spielen sich - scheinbar telepathisch mit einander verbunden - die Riffs zu, dass es eine wahre Pracht ist. In Punkto Stage-Acting kann sich ohnehin manch eine Kapelle eine dicke fette Scheibe von den Schweden abschneiden. Man glaubt nicht, was da oben ständig an Bewegung herrscht. Das steckt natürlich an und so lassen auch wir uns zu den Rhythmen gehen, woraufhin Charlie meint, wir wären das bislang euphorischste Publikum auf dieser Tour, die in zwei Tagen ja zu Ende sein wird. Klar, denk ich mir noch. Diesen Spruch erzählt er doch sicher jeder Audienz. Die gute Stimmung vor und auf der Bühne lockt schließlich sogar den einen oder anderen Tresen-Veteran von seinem Stammplatz nebenan in unser Zimmer, wo sich die Herrschaften eher skeptisch und latent grantig auf die Stühle in den letzte Reihen setzen, dann aber doch alsbald zumindest mit dem rechten Fuß beginnen, im Takt zu wippen. Einige Lieder noch und schließlich endet nach etwa 70 Minuten die Show mit dem Hit "Northern Country Boy" vom Debütalbum, das den Namen der Band trägt.

Hellsingland UndergroundKaum sind die letzten Töne verklungen, steigt Mr. Granberg auch schon zu uns herunter, um sich mit uns zu unterhalten. Als er nun abermals und voller Ernst erzählt, dass wir das bislang beste Publikum waren, beginne ich ihm zumindest ein wenig zu glauben. Er selbst kann wiederum kaum glauben, dass wir extra von Salzburg bis hierher gefahren sind. Schließlich entpuppt sich auch der Rest der ganzen Truppe als angenehme Zeitgenossen. So dauert unser Plausch noch eine ganze Weile, ehe die Wirtin den Musikanten ihr redlich verdientes Abendessen serviert. Nur noch schnell das Debütalbum erworben und signieren lassen, dann verabschieden wir uns. Halb elf ist es mittlerweile und wir haben auch noch eine ordentliche Autofahrt vor uns. Ich für meinen Teil habe den Abend sehr genossen. Ich hoffe, die Schweden bald wieder einmal sehen zu dürfen und drücke die Daumen, dass ihnen beim nächsten Mal eine breitere Zuhörerschaft vergönnt ist.

Tags darauf kann übrigens folgendes Statement von Charlie auf der Facebook-Seite der Band nachgelesen werden: "Yesterday in Halfing was really cool. Few in the audience but the ones that were there should get an award for being the most enthusiastic crowd ever! They had travelled from Austria and all over to see us..."

Setlist Hellsingland Underground:
Full Buck Moon
Shuffle Day To Day
Forever Damned
Slipping Through The Hands Of Time
A Short Time In The Sun
God Only Knows
Church Bells Through The Valley
The Spark That Never Dies
Ljusnan Riverside Jam
Stickin' With You
Vera
Northern Country Boy

Dagger

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