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Konzert-Bericht

Red Hot Chilli Pipers & Los Paperboys

Circus Krone, München 24.04.2010

"Bitte beachten Sie: es handelt sich hier NICHT um die Red Hot Chili Peppers", so warnte groß ein Vermerk bei einem Veranstaltungshinweis. Ja, so ganz unbegründet ist das nicht, schließlich ist auch der Schreiberling selbst bei der freudigen CD-Anmeldung zunächst auf diesen Trugschluss aufgesessen - allerdings nur, um dann festzustellen, dass es keineswegs Funk Rock aus Los Angeles, sondern Schottenrock im besten Wortsinne zu bestaunen gibt.
Die Pipers servieren eine gekonnte Variante zum üblichen Dudelsack-Folk - sie vergreifen sich nämlich völlig unbeschwert an mehr oder weniger großen Klassikern der Rockmusik und interpretieren diese gänzlich neu - so eine Art moderne Umdeutung eines klassisch traditionellen Instruments.

Dass das auf Konserve gut klappt, das haben wir schon anlässlich des Albums Bagrock To The Masses festgestellt, und deshalb pilgern wir heute auch gerne in das feine Rund des altehrwürdigen Circus Maximus, um uns auch live ordentlich verschottenhammeln zu lassen.

So richtig gut gefüllt ist die Arena zu Beginn allerdings keineswegs, mit Wohlwollen kann man etwa die Hälfte der Kapazität als erreicht betrachten, als die Los Paperboys den Job des Anheizers antreten. Das machen sie allerdings richtig gut, die drei Herren und das eine Mädel aus Vancouver, Canada - nachdem man sich geehrt zeigt, auf der gleichen Bühne wie die Beatles, Rolling Stones und AC/DC musizieren zu dürfen, kredenzt die Kombo für ca. 45 Minuten eine fesche Mischung aus Folk und lateinamerikanisch angehauchten Merengue-Klängen, die mit Fiedel, akustischer Gitarre, Banjo und Flöte die durchweg gelungenen Songs bestens in Szene setzt. Belohnt werden die Herrschaften mit respektablem Szenenapplaus für Nummern wie "Rain Down On Me" und "America", bevor der flotte Folk dann noch von einigen Bluegrass-Elementen oder wahlweise mexikanischen Instrumentals angereichert wird.

Nach einer überschaubaren Umbaupause - in der sich der Zirkus dann doch noch zu guten drei Vierteln gefüllt hat - springen nach kurzer Ansage die eigentlichen Protagonisten auf die Bühne. Und wie schon bei Springsteens E Street Band hört man irgendwann zu zählen auf: da tummeln sich sage und schreibe drei Dudelsäckler, zwei Percussionisten, ein Drummer, ein Keyboarder, ein Gitarrist (fehlt nur noch ein Plattenspieler und ein Abendessen mit Rudi Carrell) auf der Bühne. In dieser mächtigen Formation ziehen die Pipers eine choreographierte Machtdemonstration in Sachen Folkrock ab, die sich gewaschen hat. In durchaus nicht unerheblicher Phonstärke pfeffern sie erst mal ein paar eher traditionelle Nummern ins Rund ("Crooked Bridge", "Celtic Bolero"), bevor es dann den ersten metallischen Watschntanz setzt. Der überzeugte Irokesen-Träger und selbstbekennende Verrückte an der Gitarre G-Man leistet sich ein Duell mit einem dudelsackbewehrten Mitstreiter, bevor er mächtig das Riff zu "Smoke On The Water" einzimmert, gefolgt vom ja nicht unbedingt dudelfähigen "Thunderstruck" von Airb... äh AC/DC. Spätestens jetzt wird jedem ein Scheitel gezogen, der nicht genau weiß, auf was man sich hier eingelassen hatte: vom Military Tattoo in Edinburgh sind wir da so weit entfernt wie Ralph Siegel vom nächsten Grand Prix-Sieg. Die Massenchoreographie würde allerdings zur großen Parade in Schottland passen, auch wenn es mit dem "Jazz Badger" dann in eine etwas andere, aber nicht weniger spannende Richtung geht. Das Rezept ist eigentlich immer das gleiche: die bekannte Nummer wird - mehr oder weniger treffend - auf dem Säckchen nachgespielt, bevor die Chose sich dann in eher freier Dudelei auflöst. Womit wir auch schon beim einzigen Problem wären: wie schon der Ringsgwandl über den Bruze sagte, "eigentlich ist der Typ ja ned verkehrt, aber nach dem dritten Song, da hod si ois gleich oghört". Aber nachdem die Jungs auf der Bühne jede Menge Gaudi veranstalten - so etwa parliert G-Man sehr passables Deutsch, immerhin sei er bei seinem Buch "Deutsch in drei Tagen" nach einer Woche schon auf Seite 2 - und gute Laune versprühen, ist der Ermüdungsfaktor doch gering. Coldplays "Clocks" passt zum Dudelsack sogar recht gut (wobei, Freunde, Bayern 3-Glump bleibt Bayern 3-Glump!!), und nach einem kurzen Hinweis auf den Merchandise-Stand ("Wir sind Schotten, wir sind geizig. Wir haben gehört, ihr seid großzügig. Also kauft unsere CDs und T-Shirts!") geht es dann in eine 20minütige Pause.

Das ist für ein Konzert natürlich immer ein kleines Problem, aber mit einem schmackigen "Let Me Entertain You" reißen sie den Level dann doch recht problemlos wieder hoch. Und dann folgt etwas, an das ich eigentlich nicht mehr geglaubt hätte. Ihr wisst ja: ein Schlagzeugsolo ist selbst dann unnötige Zeitschinderei, wenn es vom Papst für eine Arme tanzender Pinguine dargeboten wird. Aber die Pipers schaffen hier die Ausnahme: was die beiden Percussionisten und der Mann am Drumset abliefern, ist recht passend zur Arena, denn das ist weniger ein Solo als eine artistische Aufführung. Man duelliert sich, jongliert mit Stöcken (einmal geht's schief, gut dass Ersatz im Socken steckt), es folgt ein Fechtkampf, bis schließlich die ganze Posse wieder die Bühne erobert. Nach "Lost Of The Band Road" erklärt der Bandcheffe dann, dass sich halt doch am besten Songs dudeln lassen, die schon im Original eben jene Elemente aufweisen, und als Beweis gibt es dann den alten 80er-Reißer "You're The Voice" von John Farnham. Stolz verweist man auch darauf, dass man das folgende Stück sogar schon für Paul McCartney himself in London spielen durfte, und veranstaltet mit einer doch arg mutierten Version von "Hey Jude" einen Mordsmitsingteil.
Bei "100 Pipers" machen wir dann noch ein spaßiges Hüpfspiel (jeder sitzt und springt dann auf), bevor der bewährte Block "We Will Rock You" und "Eye Of The Tiger" das reguläre Set beendet. Nach nicht allzu langem Bitten erscheinen die Herren dann noch zu einem fröhlichen "Rory McLeod" und natürlich der inoffiziellen Silvester-Hymne "Auld Lang Syne", dann ist endgültig Schluss.

Was sagen wir dazu? So richtig traditional ist das nicht, dem mit mir angereisten Geschmacksmenschen sagte die Vorgruppe denn auch besser zu - aber für uns raubeinige Gesellen, die ordentlich verrockte Instrumentals und verdudelte Rocker schätzen, war das Ganze eine schöne Sause, nach der man allerdings dann erst mal keine Bagpipes mehr braucht. Gefehlt hat eigentlich nur das schöne "Flower Of Scotland". Hut ab vor der instrumentellen Kompetenz und der einstudierten Choreographie - und vor der spaßigen Stimmung, die von der Bühne wehte.

Setlist Red Hot Chilli Pipers:
Crooked Bridge
La Boum
Celtic Bolero
Smoke On The Water
Thunderstruck
Tag Team Jigs
The Jazz Badger
Clocks
Pig Jigs
Hills Of Argyll
---Pause---
Let Me Entertain You
Sexy Lexy
Kelsey's Reel
Drum Fanfare
Highland Cathedral
The Lost
You're The Voice
Hey Jude
100 Pipers
We Will Rock You
Eye Of The Tiger
---
Rory McLeod
Auld Lang Syne

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