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Konzert-Bericht

In Extremo

Tranquillo Akustik Tour

Alte Kongresshalle, München 21.12.2009

(Fotogalerie)

Da waren sie wieder in München, die sieben Spielleute von In Extremo und zwar auf den Tag genau ein Jahr nach ihrem letzten Besuch in der Landeshauptstadt. Die Location allerdings hat sich geändert, sie ist kleiner und zugleich auch feiner geworden, denn wo im Zenith vor Jahresfrist noch typische Rock- und Metal-Konzertstimmung herrschte, war in der edlen Alten Kongresshalle von solch wildem Flair wenig zu merken, hier gab es vornehmlich gelassene Kammerspiel-Atmosphäre zu spüren. Das war schon an den vornehm gekleideten Einlass-Kontrolleuren festzumachen, viel mehr aber natürlich noch am bestuhlten Saal und der ebenso gestalteten Empore. Auch die Bühne war mit dem zentral positionierten Sofa und vielen gemütlichen, gar wohnlichen Accessoires eher ungewöhnlich eingerichtet für das Septett. All diese kleinen Bausteine sollten sich als dem Anlass angemessen erweisen, denn In Extremo war diesmal nicht in Sachen Mittelalter-Rock unterwegs, sondern erging sich getreu dem Tour-Motto in einer akustischen Version des eigenen Liedgutes. Diese ungewöhnliche Darbietung zog denn auch äußerst unterschiedliches Publikum an, vom Kutten- bis zum Anzugträger war die ganze Palette des Publikums vertreten, wobei alles komplett harmonisch zusammenpasste.

Harmonisch ist auch der passende Ausdruck für die Show, die dann kurz nach 20:00 Uhr begann, denn die ganze Band um Sänger Michael Rhein erweckte den Eindruck, diese neue Herangehensweise ans In Extremo'sche Liedgut zu genießen. Hauptanteil an diesem Eindruck hatte natürlich Das Letzte Einhorn, der sich in seiner Rolle als nonchalanter Conferencier sichtlich wohl fühlte und das Publikum immer wieder mit in die Show einbezog. Aber auch den anderen Musikern konnte man ansehen und -hören, dass sie einen Heidenspaß an der Sache hatten. Gewandet in ein Bühnenoutfit, welches deutlich in Richtung der 20er und 30er Jahre tendierte, zelebrierten Dr. Pymonte, Yellow Pfeiffer und all die anderen ihre Songs auf eine Art und Weise, die jegliche Kritik im Ansatz zu ersticken wusste. Auch das krankheitsbedingte Fehlen von Stamm-Schlagzeuger Morgenstern wurde durch den kurzfristigen Einsatz von "Herrn Otto", welcher normalerweise zur Backcrew zählt, problemlos ausgeglichen, auch wenn dieser zumindest von der Gewandung her nicht ganz ins Abendprogramm passte; aber hinter den Kesseln sieht man das ja eh kaum. Dazu kam eine absolut überragende Ausleuchtung der Bühne, die mit ihren warmen Farbtönen und ihrem abwechslungsreichen Lichterspiel die von den Liedern erzeugte Stimmung noch wesentlich verstärkte.

Und egal, wie gut die Rahmenbedingungen sind, ein Konzertabend steht und fällt mit dem gebotenen Liedgut. Dass dies bei In Extremo durchgehend hochklassig ist, weiß man ja schon länger, aber dass eine wegen der Thematik des Abends im Vergleich zu einem normalen Gig doch an einigen Stellen veränderte Setlist so einschlagen würde, habe auch ich nicht erwartet. Das Fehlen von Standards wie "Spielmannsfluch" wirkte sich überhaupt nicht negativ auf die Atmosphäre im Saal aus, ganz im Gegenteil, sowohl Publikum als auch Band schienen es zu genießen, einmal Stücke zu hören bzw. spielen, in deren Genuss sie sonst nicht kommen würden. So wurde beispielsweise "Unter Dem Meer" angestimmt, das normalerweise nicht zur Standard-Setlist eine In Extremo-Abends gehören würde. Der Löwenanteil des Programms bestand aus Stücken der letzten beiden Alben, aber auch ältere Lieder wurden mit den "Merseburger Zaubersprüchen" und der "Lebensbeichte" gespielt. Ein besonderes Highlight der gut zweistündigen Show (die auch eine 20-minütige Pause nach etwa einer dreiviertel Stunde beinhaltete) stammte allerdings nicht aus der Feder der Spielleute selbst, gab es doch mit der zweiten von vier Zugaben eine Akustik-Version des AC/DC-Klassikers "It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)" zu bestaunen, das allerdings von der darauf folgenden Version von "Herr Mannelig" sogar noch in den Schatten gestellt wurde, was die Stimmung in der Bude betraf. Gegen halb elf war dann ungeachtet der anhaltenden "Zugabe"-Rufe aber endgültig Schluss und die glückliche Zuhörerschaft wurde in die kalte Münchner Nacht entlassen, konnte sich dabei aber an der Erinnerung an einen grandiosen Konzertabend wärmen. In dieser Form sind In Extremo eine Macht auf der Bühne, die sich auch vor ihren normalen Shows keineswegs verstecken muss.

Setlist In Extremo (ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder korrekte Reihenfolge):
Mein Sehnen
In Diesem Licht
Merseburger Zaubersprüche
Ave Maria
Lebensbeichte
Frei Zu Sein
Nymphenzeit
---
Pause
---
Vollmond
Die Gier
En Esta Noche
Nur Ihr Allein
Poc Vecem
Unter Dem Meer
Flaschenpost
Sieben Köche
Auf's Leben
---
Zugaben:
Mein Rasend Herz
Its A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)
Herr Mannelig

Hannes

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