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Konzert-Bericht

Overkill, Exodus, Torture Squad & Gama Bomb

Spectrum, Augsburg 05.03.2009

Pünktlich um kurz vor 20:00 Uhr betrete ich das Spectrum und darf mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass Gama Bomb aus Nordirland ihren Set bereits beendet haben. Mist, ausgerechnet Gama Bomb, deren beiden Scheiben regelmäßig meine Trommelfelle massieren. Wie in letzter Zeit sehr häufig, kann man sich auf angegebene Anfangszeiten kaum verlassen. Nach Jahren leidvoller Erfahrungen sollte man es besser wissen, aber selbst schuld, wenn man sich in einem nahe gelegenen Gasthof mit einigen Augsbangers die Zeit bei Poser-Plausch und Bier vertreibt und der zeitlich vorgegebenen Agenda des heutigen Abends vertraut.

Nachdem der erste Ärger ob der eigenen Blödheit verraucht ist, erstmal zum Getränkestand geschlendert und bei der feschen struweligen Blondine eine Hopfenkaltschale geordert. Kurz ein paar Bekannte begrüßt, sich am Merch-Stand über die doch zivilen Preise mit den Fans gefreut und auf Torture Squad gewartet. Drei Schlucke später geht das Licht aus, die vier Südamerikaner betreten die Bühne und böllern von der ersten Sekunde an los, als wäre der Thrashteufel hinter ihnen her. Der Thrash der Brasilianer klingt frisch und bietet pro Song neben klassischem ufta-ufta-Tempo einen ordentlichen Groovepart. Frontheuler Vitor Rodrigues sucht immer den Kontakt zum Publikum, das es ihm mit den ersten Reihen wohlwollend dankt und sich freudig zu den Riffs im Takt bewegt. Mit viel Applaus der ersten Reihen werden die vier jungen Herren verabschiedet.

So, ein Blick in die Runde zeigt, dass die Damen und Herren gesetzten Alters ihren Weg nach vorne suchen. Jetzt wird mit einem weiteren Gerstensaft oder einer Cola light sich auf die "guad'n oid'n" Zeiten eingestimmt. Exodus kommen nach einer gefühlten Ewigkeit auf die Bretter und steigen mit einem fulminanten "Bonded By Blood" ein. Ist das schön! Brüllwürfel Rob Dukes mimt die meist grimmige Frontsau, verhunzt aber die alten Songs nicht so schlimm wie befürchtet. Die Songauswahl ist okay, jedoch hätte sich der eine oder andere mehr Stücke älteren Datums gewünscht. Nach dem überlangen "Children Of A Worthless God" und der auch schon fünf Jahre alten "Blacklist" ist dann bei "A Lesson In Violence" Propellerbanging und extremst Fistrecking angesagt. Wenn man die Stimme ausblendet, plättet dieser olle Schinken alles nieder. Aber was heißt hier alt? Zeitloser Speed/Thrash eines nie mehr zu toppenden Juwels in Form des killenden 85er Debüts. "War Is My Shepherd" kündigt Rob mit der Frage, ob die "German troops" auch im mittleren Osten für Ruhe sorgen, an. Ähem. Zwei Fans nehmen dies im Moshpit zum Anlass, den ganzen Song über mit ausgestrecktem Mittelfinger dem frohlockenden Herrn auf der Bühne zuzuwinken. Als noch einer von ihnen "fuck you Gary Holt" Richtung Bühne brüllt, zeigt der Herr Altus am linken Bühnenrand, dass dieser "liberal piece of shit" sich mal gefälligst verpissen oder zu ihm auf die Bühne kommen soll. Der angesprochene Gary H. sieht das weniger schlimm, blickt kurz ins Publikum und rifft die ersten Takte vom toxischen Walzer. Zum Abschluss bekommt Augsburg ein famoses "Strike Of The Beast" der Gary Holt Band auf die Glocke, danach ist Feierabend. Gary Holt Band? Ja, bis auf den Riffgott war kein Originalmitglied dabei. Tom Hunting fehlte, war gemäß seines frontenden Brülltattoos Dukes "anywhere in Mexico drinking". Als Ersatz durfte Nick Barker (Ex-Cradle Of Filth, Ex-dies, Ex-das) die Schießbude vermöbeln, was er ohne Anstrengung unternahm.

Nach einer guten halben Stunde geht das Licht aus, die Nebelmaschine hüllt alles auf und vor der Bühne in dicke Rauchschwaden ein. Fünf Männer aus New York entern das Spectrum und legen mit "Deny The Cross" bewährt spielfreudig los. Mein Gott, was ist dieser Blitz doch für ein verdammt geiler Frontmann. Witz, Charisma, Charme und unbändige Hingabe zur Musik, die er seit knapp 30 Jahren mit seinem Bruder im Geiste, D.D. Verni, zockt. Blood Metal hieß das in den seligen 80ern. Yeah, das Blut bringen Blitz und Co. heute Abend reihenweise zum Kochen. Warum? Es wird Klassiker auf Klassiker serviert, kein langes Gesäusel oder Gedudel. Nein, einfach geradeaus auf die Nuss. Ihr wollt das, wir geben es euch, so das Motto der Ostküstenthrasher, die im Gegensatz zu Gary Holt und seinen Mietmusikern sympathisch familienfreundlich rüberkommen. Obwohl der Sound bretthart ins Auditorium bläst. Bei "Feel The Fire" bin ich kurz vor dem Kollabieren. Mein Schädel pocht im Sechzehntel-Takt, das wirre Grinsen will nicht mehr entweichen. Für mich DER Overkill-Song schlechthin und mit seinem eingängigen Drive ein Alltime Classic, der nicht immer zum Programm gehört. Wahnsinn, pure Gänsehaut! D.D. Verni freut sich mit uns und grinst mehrmals ungewohnt lässig ins Publikum. Die Stimmung bleibt weiter oben, denn "In Union We Stand" mit seinen schnellen Riffs und dem eigentlich langsamen Grundschlag bringt das komplette Spectrum zum Feiern. Was für eine Party geht hier ab?! Alle haben ihren Spaß und ich bin in diesem Moment der Glückseligkeit kurz davor, einige Tränen zu verdrücken. Nein, ich heule, denn "Rotten To The Core" muss mitgerifft werden. Mein Schädel rotiert jetzt im Stakkato, der Schweiß läuft in Strömen, den Orthopäden wird es freuen, den Internisten weniger. Aber alles egal, denn die Schmerzen werden einfach eliminiert, "Elimination" sei es gedankt. Nach der Bandhymne "Overkill" geht es erstmal von der Bühne, um mit dem doch etwas überraschenden "Necroshine" auf selbige zurückzukehren. Ein superschnell runter gerotztes "Fuck You" setzt dann den endgültigen Schlusspunkt unter ein famoses Erlebnis, das mir und vielen Fans ewig in Erinnerung bleiben wird. Selten hat man bei Thrash Metal so viel Enthusiasmus, Spielfreude und Lockerheit gesehen. Respekt und Hochachtung vor allen Bands, vor allem diesem Derwisch Bobby Ellsworth.

Danke an Augsburg und Spectrum, danke an die Bands, danke, dass ich das noch einmal erleben durfte. Danke an Mama und Papa, dass ihr euch kennen und lieben gelernt habt. Danke, dass ich hier diese bewegenden Momente festhalten darf und tausend Dank an Overkill, ihr seid einfach Metal. Möget ihr noch hundert Jahre spielen und spielen und spielen...

Setlist Torture Squad:
MMXII (Intro)
Living For The Kill
The Beast Within
Man Behind The Mask
Cyberwar
Pandemonium
Chaos Corporation

Setlist Exodus:
Bonded By Blood
44 Magnum Opus
Fabulous Disaster
Piranha
Children Of A Worthless God
Blacklist
A Lesson In Violence
War Is My Shepherd
The Toxic Waltz
Strike Of The Beast

Setlist Overkill:
Deny The Cross
E.vil N.ever D.ies
Hammerhead
Hello From The Gutter
Thanx for Nothin'
Feel The Fire
In Union We Stand
Rotten To The Core
Elimination
Overkill
---
Necroshine
Fuck You incl. Motörhead-Cover "Overkill"

Siebi

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