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Konzert-Bericht

Massacre, Exterminator, Denial Fiend, Ashura & Suicidal Angels

Metropolis, München 03.11.2007

Ah, welch Gelegenheit! Eine der frühen Death Metal-Bands gibt sich auf einer Reunion-Tour die Ehre, aber eben nur für diese Tour und nicht mehr. Die Rede ist natürlich von Massacre, die Anfang der 90er mit From Beyond einen Klassiker der harten Mucke veröffentlichten. Und jetzt gab es die Möglichkeit, das Liedgut dieser Band noch ein letztes Mal live zu erleben, weil Sänger Kam Lee im Zuge der Promotion seiner neuen Band Denial Fiend die guten alten Zeiten nochmal aufleben lassen wollte. Und da kann man als Schwermetaller alter Schule doch nicht nein sagen, oder?
Also flugs die Kluft angelegt und ab ins samstägliche Metropolis. 15 Euronen sind nicht übertrieben und Wochenende ist es ja auch noch, da sollten sich doch einige Metaller dazu aufraffen können, diesem Event ihre Aufwartung zu machen. Doch das war ein Trugschluss meinerseits, wie sich im Laufe des Abends herausstellen sollte. Um 19:00 Uhr war Einlass und um 19:30 Uhr sollte es offiziell losgehen. Der Beginn war allerdings auf 19:20 Uhr vorverlegt, was wohl nicht allgemein bekannt war. Ok, zehn Minuten sind jetzt nicht die Welt, aber das führte trotzdem dazu, dass die erste Band des Abends vor ca. 30 Leuten zu spielen beginnen musste.

Diesen schweren Start hatten die Jungs von Suicidal Angels, einer Thrashband aus Griechenland. Den Stil der Combo könnte man mit "Kreator meets Possessed" oder (wie ein Nebenmann meinte) "Sodom mit Mille am Mikro" umschreiben. Old School war also angesagt und dieser Begriff sollte noch des Öfteren an diesem Abend seinen Schatten über die Veranstaltung werfen. Die vier Griechen boten jetzt zwar nichts Weltbewegendes, waren aber zumindest ganz unterhaltsam. Besonders sympathisch waren die mit einer sehr interessanten Aussprache vorgetragenen Ansagen von Sänger Nick, der sich auch durch den geringen Publikumszuspruch nicht entmutigen ließ. Während des etwa halbstündigen Auftritts "schwoll" die Besuchermenge immerhin auf satte 50 Leute an, die sich alle etwas verloren vorkamen im geräumigen Metropolis. Deswegen blieb die Stimmung während des ganzen Opener-Gigs auch ziemlich dünn, um nicht zu sagen unterkühlt. Da kann aber die Band nichts für, das war einfach Pech für die junge Truppe aus Hellenien.

Eine kurze Umbaupause später gaben sich dann die Franzosen von Ashura die Ehre. Allerdings war ihre Musik, eine sehr moderne Mischung aus Death Metal und Hardcore, für dieses, auf Old School (da haben wir das Wort wieder)-Sound geeichte Publikum fast zu modern. Zwar war auf der Bühne wesentlich mehr Bewegung zu sehen als bei den Griechen davor und auch die Zuschauermassen hatten sich mit anfangs geschätzten 60 Gästen verdoppelt im Vergleich zu den Selbstmordengeln, aber wesentlich mehr Stimmung kam auch nicht auf. Die Mucke war ok, ich fand sie wirklich nicht schlecht, aber schon ein wenig unpassend. Nun, trotzdem gab die Band während ihres Auftrittes mächtig Gas und gegen Ende des gut halbstündigen Gigs waren dann auch fünf (!) Mattenschwinger vor der Bühne zu verzeichnen. Nicht der Überbringer also, aber zumindest auch kein Totalausfall.

Die nächste Band des Abends waren dann die weiter oben angesprochenen Denial Fiend. Da ich noch gar nichts von Kam Lees neuer Truppe kannte, war ich besonders gespannt, was mich hier erwartete. Und überrascht war ich schon, sprang da doch ein mit einer Mike-Myers-Gedächtnis-Maske (allerdings in Schwarz!) ausgestatteter Kam Lee wie ein Derwisch auf der Bühne hin und her. Die Maske behielt er aber nur während des ersten Songs auf, danach feuerte er das Ding ins immer noch ziemlich spärlich anwesende Publikum (geschätzte 100 Leute waren jetzt anwesend). Und da geschah auch etwas Bezeichnendes: Während bei anderen Konzerten solche Devotionalien nicht mal auf dem Boden ankommen, sondern sich immer eine ganze Meute drum balgt, blieb das Teil in diesem Fall einfach erstmal eine Zeit lang auf dem Hallenboden liegen, bis sich endlich ein Mädel erbarmte und es aufhob. Die Stimmung war also nicht gerade am Kochen, um es einmal höflich auszudrücken. Das merkte wohl auch Herr Lee und machte einen ziemlich angepissten Eindruck während dieses Gigs. Ich kann's zwar verstehen, dass einem so was auf die Laune schlägt, aber die wenigen Anwesenden konnten da genauso wenig dafür wie die Bands, es waren einfach viel zu wenig Leute da, so konnte im für dieses Event viel zu großen Metropolis nur sehr schwer die richtige Konzertstimmung aufkommen.
Die Musik von Denial Fiend war eigentlich gar nicht übel, ein Mix aus Death, Thrash und Hardcore, nicht so modern wie bei Ashura, sondern eher Crossover der alten Schule. Konnte man durchaus anhören, weltbewegend allerdings wäre der falsche Ausdruck. Für eine knappe dreiviertel Stunde Unterhaltung war's aber definitiv ausreichend.

Als Nächstes wären eigentlich die Amis von Jungle Rot dran gewesen (zumindest laut Tourplanung). Aus irgendeinem Grund ist die Band aber nicht auf der Tour mit dabei, so dass der Platz frei wurde für die belgischen Deaththrasher von Exterminator. Vor mittlerweile ca. 150 Leuten schafften sie es erstmals, so etwas wie Konzertatmosphäre zu verbreiten, natürlich auch begünstigt vom etwas dichter gewordenen Publikumsteppich (ok, auch Teile des Publikums waren wohl mittlerweile dichter geworden, was dem Stimmungsaufschwung auch entgegenkam). Nicht, dass die Mucke der Belgier was unglaublich Überragendes gewesen wäre; eine solide, wenn auch nicht besonders auffällige Mischung aus Old School Thrash und Death Metal, aber für Stimmung hat's dennoch gesorgt. Ein Teil dieses Erfolges war meiner Meinung nach auch darin begründet, dass Frontmann Alan sichtlich Spaß am Auftritt hatte, was ihn deutlich von seinen Vorgängern abhob. So was merkt auch das Publikum und in diesem Fall dankte es der Band dadurch, dass es erstmals an diesem Abend aus sich heraus ging. Na, so langsam wurde es ja doch noch was!

Solcherart aufgeheizt, fieberte das Publikum nun dem Auftritt des Headliners entgegen. Und der sorgte erstmal für Verwirrung bei vielen der Anwesenden: Standen doch immerhin vier der fünf Denial Fiend-Mitarbeiter wieder auf der Bühne, ergänzt durch einen weiteren Gitarristen. Doch das Rätsel war schnell gelöst: Mit Kam Lee und Terry Butler stehen eh schon zwei Ex-Massacre-Mitglieder in den Reihen von Lees neuer Band und der neu dazugekommenen Saitenspieler war niemand geringerer als Steve Swanson (Six Feet Under), der ebenfalls früher bei Massacre die Gitarre bediente. Also kann man doch von einer Massacre-Reunion-Tour sprechen und keinen Etikettenschwindel unterstellen.
Die angesprochene Verwirrung legte sich schnell, aber zumindest beim Berichterstatter hat's dann doch drei Songs gedauert, bis er richtig in den Auftritt rein kam (meinen Nebenleuten ging's wohl ähnlich). Dann aber wurde es richtig gut! Lee hatte seine schlechte Laune mittlerweile wohl auch in den Griff bekommen, so dass auch von der Bühne aus genug Stimmung in den Saal getragen wurde und vom Publikum gierig aufgenommen wurde. Matten wurden geschwungen und sogar einen kleinen Vierer-Pit konnten wir bilden, wenn auch für solche Aktionen immer noch zu viel Platz im Saal war. Sogar zu einer Zugabe hat es dann noch gereicht, so dass im Endeffekt die positiven Momente doch überwogen.

Sehr schade, dass nicht mehr Leute ihren Arsch hoch bekommen haben, um dieses Konzert zu besuchen, bei der tatsächlich anwesenden Zuschauermenge wäre der Gig in einer anderen Location besser aufgehoben gewesen (ich werfe mal die Begriffe Feierwerk oder Backstage Club in den Raum). Da wäre es mit Sicherheit ein bis zwei Stufen besser geworden, so bleibt es bei einem abschließenden Urteil von "ganz gut".

Hannes

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