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Konzert-Bericht

Red Hot Chili Peppers, Dinosaur Jr. & Soweto Gospel Choir

Olympiastadion, München 29.06.2007

Am Ende der Woche ist man meistens froh wenn man irgendetwas machen kann bei dem man sich am Besten auf das Wochenende einstellen kann. Und gerade wenn das Wetter eh passt, dann gibt es doch nichts Besseres als ein Open Air. Und wenn die Alternative Rock- und Crossover-Könige Red Hot Chili Peppers zur Abendandacht im gut gefüllten Münchener Olympiastadion rufen, kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen.

Um 18:30 Uhr erschallten die ersten Töne aus den Boxentürmen. Dinosaur Jr. hieß die dreiköpfige Gruppe um Sänger/Gitarrist Joseph Mascic. Für die meisten der Anwesenden (mich eingeschlossen) wird dies wohl die erste Begegnung mit den US-Amerikanern gewesen sein, die es aber bereits schon seit 1983 (noch unter dem Namen Dinosaur) gibt. Somit kann an dieser Stelle auch wenig über die Songtitel gesagt werden. Musikalisch gesehen tendieren die Dinosaurier in die Richtung Alternative-angehauchter Punk'n'Roll. Vielleicht noch am ehesten Richtung Motörhead gehend. War gar nicht mal so verkehrt, der Sound jedoch war ziemlich suboptimal, da gab's auch mal einen AC/DC-Song drüber "A Touch Too Matsch" oder so ähnlich...

Nach einer halben Stunde Umbaupause und Soundcheck gab es dann eine kleine Überraschung, denn da wo noch gerade der urwüchsige Rock durch die Boxen brezelte und man kaum etwas verstand wurde nun die Bühne frei gemacht für den Soweto Gospel Choir (ja, richtig gelesen: Gospel Chor!). Und Wunder oh Wunder, das klappt ja mit dem Sound. Okay, klar ohne Instrumente versteht man auch was, aber was das 25-köpfige Ensemble aus Südafrika hier präsentierte war wirklich gut, die Mischung aus traditionellem und modernerem Gospel kam erstaunlich gut an und dass der Gesang echt klasse war sollte selbstverständlich sein. Wird zwar bestimmt nicht jedem gefallen haben und die Platzierung wäre vielleicht anders herum besser gewesen, aber der Edwin Hawkins-Klassiker "Oh Happy Day" war ein sehr guter Abschluss eines gelungenen Auftritts.

Ja, und dann konnte es das Münchener Publikum kaum erwarten. Gerade in dem Stadion, in dem bis vor zwei Jahren noch die Bayern und die 60er gespielt haben und der Stimmungspegel teilweise sehr mau war, gerade dort ging die La Ola ein paar Runden durch das Stadion und als man dann auf der Nordtribünen-Seite sehen konnte wie zwei unauffällige schwarze Wagen zur Bühne fuhren war eh alles zu spät. Denn München kann Stimmung machen, wenn es denn will. So ähnlich sollte es im weiteren Verlauf des Abends dann aber auch noch mal geschehen.

Kurz vor 21:00 Uhr sprangen John Frusciante, Michael Balzary (aka Flea) und Chad Smith auf die Bühne und legten gleich mit einer Jam-Session los, als Sänger Anthony Kiedis seinen Platz am Mikro einnahm, ging dies nahtlos über in "Can't Stop". Das Münchener Olympiastadion glich einer einzigen Hüpfburg. Als nach einem abermals kurzen Jam "Dani California" zum Tanz bat, war diese Hüpfburg gar nicht mehr zu halten. Das was die Peppers in den ersten beiden Liedern an Spielfreude aufzeigten, zusammen mit dem für das Olympiastadion Verhältnisse schon sehr guten und relativ klaren Sound, war schon allererste Sahne. Das Publikum fraß den Chilischoten jedenfalls direkt aus der Hand. Nach ein paar Worten von Mr. Kiedis himself zeigte eben dieser bei "Scar Tissue", dass er auch in der Lage ist die Töne zu treffen. Dass der Toni nicht unbedingt der größte Sänger vor dem Herrn ist, sollte ja eigentlich bekannt sein. Nichtsdestotrotz sind seine Entertainerfähigkeiten natürlich klasse.

Die Songauswahl war logischerweise sehr stark auf die letzten drei Alben fixiert, denn schließlich schmissen die vier US-Amerikaner in den letzten zehn Jahren eine Hit-Single nach der anderen durch die Äther dieser Welt. "Fortune Faded" von der Greatest Hits-Zusammenstellung war da schon eine Ausnahme, genauso wie das von John Frusciantes gesungene "Your Pussys Glued To A Building On Fire" (ist auf seinem erstem Soloalbum Niandra Lades And Usually Just A T-Shirt enthalten). Die Stimmung zum Überkochen brachte das aus allen Ecken mitgesungene "Snow", was für ein Lied, was für eine Stadionhymne! Da war es dann auch schon gut dunkel, und was am Anfang von der Bühnenkulisse recht mager aussah änderte sich in eine tolle Lightshow ab, die von großen Videoleinwänden unterstützt wurden. Die älteren Semester werden sich gefreut haben wie ein Schnitzel als "Nobody Weird Like Me" vom genialen Mothers Milk-Album dargeboten wurde. Doch danach kam es mir vor als ob ein Schalter umgelegt worden wäre. Anstatt auf Nummer Sicher zu gehen, setzten die Peppers alles auf eine Karte und lieferten "Emit Remmus", "Right On Time" (Californication), "Don't Forget Me" (By The Way) und "She's Only 18" (Stadium Arcadium) ab. Da hätte man doch lieber "Around The World", "The Zephyr Song", "Tell Me Baby" oder vor allen Dingen "Other Side" gehört, ganz zu schweigen von alten Glanztaten der Marken "Higher Ground", "Taste The Pain", "Subway To Venus", "Blood Sugar Sex Magik", "Breaking The Girl" und "Suck My Kiss". Ein Großteil des Publikums sagte dann auch schon leise Servus. Langsam aber sicher machte dann auch schon die Stimme des Meisters schlapp, doch bei den beiden Hammersongs "Californication" und "By The Way" war das den meisten wohl egal. Die Stimmung war wieder so gut wie am Anfang. Das war wieder das was jeder hören will inklusive des Rhythmus' bei dem jeder mit muss. Der Uhrzeiger stand auf 22:20 Uhr und der Hauptteil war vorbei.

Als Erstes erklomm zum Zugabenteil Chad Smith die Bühne und schwang die Stöcke. Die Bezeichnung guter Drummer ist jedenfalls untertrieben, zusammen mit Bassist Flea bildet er wohl eine der besten Rhythmuseinheiten weltweit. Apopros Flea. Gleich im Anschluss an das Schlagzeugsolo zeigte dieser seine Künste an der Trompete. Okay, der ein oder andere Ton war da schon leicht daneben, aber dafür war es ganz unterhaltsam. Und dann, ja endlich, DER Akustik-Gitarrenanfang schlechthin: "Under The Bridge". Das Lied, das seiner Zeit einschlug wie eine Bombe und jeder zwischen fünf und 80 Jahren damals mitsummen konnte. Ganz ganz großer Song, nur die Gänsehaut, die sich bei mir bis dato immer einstellte war heute irgendwie nicht vorhanden. Die Atmosphäre im Stadion war zwar toll und auch jeder hat fleißig mitgesungen aber der Song hat mich nicht so gepackt wie sonst, irgendetwas fehlte. John Frusciante bot dann noch eine ansprechende Leistung mit dem Coversong "I Feel Love" von Donna Summer und als letztes Lied wurde dann "The Power Of Equality" zum Besten gegeben aber irgendwie sprach der Titel auch Bände, denn nach einem kurzen "Thank You, Goodbye" war dann exakt um 22:40 Uhr endgültig Feierabend. Gas weg, Vollbremsung. Was war denn da auf einmal los?

Lassen wir noch einmal Revue passieren. Der Sound war gut, die Bühnenshow ab zirka der Hälfte sehr lebendig und das bunt gemischte Publikum ging teilweise ab wie das berühmte Zäpfchen. Während der insgesamt 100 Minuten gab es überhaupt keinen Zweifel an den musikalischen Fähigkeiten von John Frusciante, Flea und Chad Smith. Das Timing war phänomenal, auch bei den tollen Chorgesängen. Anthony Kiedis hatte mit zunehmender Dauer aber anscheinend Schwierigkeiten mit seiner Stimme. Was anfangs noch wirklich gut klang, wurde gen Schluss hin eher Mittelmaß als was anderes, ganz deutlich wurde das bei "Under The Bridge". Es kam mir auch vor, als ob ihm das irgendwann egal war. Programm durchziehen, fertig. Dem MTViva-Publikum mag das zwar reichen, aber den Old School-Fans vielleicht nicht unbedingt. Wenn der werte Herr Kiedis Lust hat, dann kann er ja auch singen, ist wie mit dem bereits erwähnten Münchener Publikum.

Allein schon die Tatsache, dass von den 100 Minuten ungefähr 20 Minuten aus Jams und angespielten Liedern bestanden, ist gewissermaßen traurig, denn gerade die Red Hot Chili Peppers können auf eine wirklich großartige Auswahl an Liedern zurückgreifen. Schließlich waren sie es, die zu den Pionieren des Crossovers gehören und ca. 90% der heutigen und so genannten Nu Metal/Rock-Bewegung locker an die Wand spielen. Zwei bis drei Lieder mehr sollten da normalerweise schon drin sein. Über die Setlist kann man natürlich geteilter Meinung sein, da kann man es nicht jedem Recht machen, aber das Fehlen von "Give It Away" ist unentschuldbar, das ist wie AC/DC ohne "Highway To Hell" oder Bon Jovi ohne "Living On A Prayer". Dabei haben die Red Hot Chili Peppers so gut angefangen, doch die bereits erwähnten Kritikpunkte hinterlassen leider einen leicht bitteren Nachgeschmack auf der Zunge. Denn bei einer Band dieser Größe ist eine knappe "7" auf einer Skala von "1" bis "10" definitiv zu wenig!

Setlist Red Hot Chili Peppers:

Can't Stop
Dani California
Scar Tissue
Fortune Faded
Readymade
Throw Away Your Television
Snow
Your Pussys Glued To A Building On Fire
Nobody Weird Like Me
Emit Remmus
She's Only 18
Don't Forget Me
Right On Time
Californication
By The Way
------------------
Under The Bridge
I Feel Love
The Power Of Equality

Andi

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