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Konzert-Bericht

Magnum & Die Springer

Spectrum, Augsburg 07.05.2007

Es war endlich einmal wieder soweit. Magnum beehrten den süddeutschen Raum mit ihrer Tour zum neuen Langeisen Princess Alice And The Broken Arrow. Die Scheibe ist zwar eines der weniger guten Alben von Magnum, dies sollte jedoch das Live-Vergnügen nicht beeinträchtigen.

Beim Einlass machte sich ein seltsames Gefühl breit: Wir waren doch tatsächlich mit die Jüngsten, die im schon zu Konzertbeginn sehr gut gefüllten Spectrum anwesend waren. Ich kann's mir richtig vorstellen: "Alde, schmeiß dich in die feine Bluse mit dem Spitzenkragen und zieh den roten Janker an - und wo ist meine schmissige Lederjacke und die neue Jeans? Magnum spielen doch heute Abend!" Also alles würdevolle Leute zwischen 35 und 45, mit je zwei Handvoll Ausreißern in jede Richtung. Da fiel der doch recht happige Eintrittspreis von 27 Euros nicht so arg ins Gewicht - wenn man nur einmal im Jahr auf ein Konzert geht, darf's schon ein bisschen mehr sein. Die Preise für's Mechandise bewegten sich mit 20 Euro für Spaghettiträger-Shirt und T-Shirt am oberen Ende des Rahmens. Die 40 Euro für's Hemd fand ich aber dann doch ein bisschen zu deftig.

Die Vorband Die Springer aus Traunstein senkten den Altersdurchschnitt definitiv. Pünktlich um viertel neun (für alle die des net verstenga: viertel nach acht) betraten drei Burschen die Bühne. Ihre Geburtsjahre sind online nicht zu erfahren, aber ich schätze sie so um Ende Zwanzig, Anfang Dreißig ein. Mit ihrem deutschsprachigen Pop Rock konnten sie so einige Zuhörer begeistern - bis auf einen Vollpfosten vorne links, der ständig Buh-Rufe von sich gab. Die Springer, allen voran Sänger Guido "Joey" Wimmer, nahmen die Rolle als Anheizer sehr ernst und die drei gaben sich alle Mühe. Richtig Schwung in die Sache kam mit dem Johnny Cash-Cover "Jackson", bei dem das Publikum sich nicht lumpen ließ und fleißig "Jack-son!" mitbrüllte. Die eigenen Lieder der Springer sind zwar ganz nett, für heavyhardes-Leser jedoch viel zu harmlos. Um 21 Uhr waren die drei Traunsteiner pünktlich fertig.

Kaum vierzig Minuten später betraten die alten Herren von Magnum die Bühne und legten sofort mit dem Opener des aktuellen Albums, "When We Were Younger", los - eines der wenigen guten Lieder auf Princess Alice. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits verdammt froh über meine Ohrstöpsel - ja spinnt der Beppi, um Grünwald zu zitieren, warum zum Geier musste das so laut sein? Denken die Soundmänner, dass das Publikum aufgrund fortgeschrittenen Alters langsam taub wird? Der Sound an sich war gar nicht so übel, aber mindestens ein Drittel weniger Lautstärke wäre um Welten besser gewesen. Nach der Eröffnung war gleich Klassikeralarm angesagt: "Backstreet Kid" vom wunderbaren Wings Of Heaven-Album erfreute die Herzen. Ein Augenmerk bei der Setlist lag aber definitiv auf dem neuen Album; insgesamt fünf Titel von Princess Alice And The Broken Arrow wurden zum Besten gegeben. Die Songs versprühen live genausowenig Energie wie auf der CD; es sind einfach viel zu ruhige Stücke, so dass die zwischendrin durch die anderen Lieder aufgebaute Spannung immer wieder verflachte. Vielleicht sollte sich Magnum mal wieder an ein Akustik-Set wagen? Für sowas wären die Stücke sicherlich geeigneter.
Das überschätzte On A Storyteller's Night-Album durfte natürlich auch nicht fehlen; insgesamt vier Stücke davon landeten auf der Setlist. "Les Morts Dansant" wurde dabei regelrecht runtergerissen; eine viel zu schnelle Darbietung nahm dem Song viel von seiner epischen und dramatischen Qualität. Die restlichen Lieder waren lediglich Sprenkel in diesem ansonsten wenig farbigen Teppich: Das bereits erwähnte "Backstreet Kid", "We All Run" (ein herrlicher Song von der großartigen Brand New Morning), der Live-Klassiker "The Spirit", "Vigilante" vom gleichnamigen Album, der vorläufige Schlusspunkt "Kingdom Of Madness" und im Zugabenteil noch "Sacred Hour" - auch hier viel zu schnell vorgetragen, vor allem das Intro. Also keine Überraschungen auf der Setlist.
Die Darbietung war solide Kost, wie man sie von Magnum mittlerweile gewohnt ist. Als besonders großartig stachen wieder einmal Tonys Gitarren-Soli hervor, die er bei "On A Storyteller's Night", "How Far Jerusalem" und "Sacred Hour" zum Besten gab. Auch der neue Schlagzeuger Jimmy Copley lieferte sehr gute Arbeit ab und konnte den Liedern noch einmal eine zusätzliche Portion Wumms verpassen, die ihnen sehr gut zu Gesicht steht.

Mit dem ewig gleichen Songmaterial schlich sich jedoch ein etwas fader Beigeschmack ein. Wie ich des Öfteren erinnert wurde: Dies ist die Tour zur Princess Alice And The Broken Arrow-Promotion. Okay, das erklärt die fünf lang...samen Lieder von diesem Album. Aber warum muss das Storyteller's-Album fast ebenso oft bemüht werden? Gab's da nicht kürzlich eine komplette Tour zum 20-jährigen Jubiläum dieser Scheibe, wo sie komplett gespielt wurde? Samt anschließender DVD-Veröffentlichung? Magnum haben mit der Prinzessin ihr vierzehntes Album veröffentlicht. Da könnte man doch ein paar Lieder live spielen, die auf den letzten drei Touren noch nicht zu Tode gedudelt worden sind. Aber ich soll hier ja nicht über meine Wünsche berichten, sondern über das Konzert.

Den Meisten hat's wohl wunderbar gefallen. Der Applaus war ausdauernd, das Mitsingen war textsicher, die Stimmung war ganz okay. Begeisterungsstürme gab's nicht; ob das an der meiner Meinung nach missratenen Setlist lag oder an einer altersbedingten Reserviertheit des Publikums, möchte ich hier nicht beurteilen. Nach "Kingdom Of Madness" verließen Magnum jedenfalls um kurz vor elf die Bühne und es gab genügend Applaus und Rufe, um die Band wieder für "Thank You For The Day" und "Sacred Hour" auf die Bühne zurück zu holen. Um viertel zwölf (a.k.a. viertel nach elf) war dann endgültig Schluss.
Ich persönlich war von dem Konzert ziemlich enttäuscht. Das neue Material kann mich nicht mitreißen und langsam kann ich die Storyteller's Night nicht mehr hören. Mal sehen, was das nächste Album und die dazugehörige Tour bringen.

Setlist Die Springer:
Nimm Mich Mit
Alle Wunden Heilt Die Zeit
Vorbei
Es Ist Gut, Jetzt
Jackson
Lügen
Süße Lügen
Licht
Disco
Unser Song

Setlist Magnum:
When We Were Younger
Backstreet Kid
Out Of The Shadows
On A Storyteller's Night
Like Brothers We Stand
How Far Jerusalem
Dragons Are Real
Les Morts Dansant
We All Run
The Spirit
All England's Eyes
Vigilante
Kingdom Of Madness
---
Thank You For The Day
Sacred Hour

Kara

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