18 Headbänga online
17.07.2020 Raygun Rebels
18.07.2020 Ausverkauft
24.07.2020 Grand Massive
25.07.2020 May The Tempest
01.08.2020 Revel In Flesh
13.08.2020 Nekrovault
Reviews (10146)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Ihsahn

Interview:
Axxis

Live-Bericht:
Bang Your Head!!!

Video:
Fear Factory
RSS RSS
Atom Atom
In eigener Sache

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

Valid RSS

Valid Atom 1.0

 

Konzert-Bericht

Lordi & The Dogma

Elserhalle, München 02.10.2006

Wieder einmal musste man zwei Lektionen des Konzertgängers erneut erlernen: ein Grand Prix Sieg steigert die Popularität enorm. Daraus folgt - prüfe stets den Veranstaltungsort. Sonst kann es Dir passieren wie dem Schreiberling und seinem mitgenommenen Kumpanen: man durchkreuzt unsere schöne Landeshauptstadt bis hin zum ausgelobten Ort des Geschehens, dem Backstage, und findet dort heraus, dass das Geschehen sich "wegen der großen Nachfrage" nicht dort, sondern in der Elser-Halle abspielt. Also wieder zurückgerast zur wirklichen Location, die ironischerweise mehr oder weniger um die Ecke vom Ausgangspunkt der Reise gewesen wäre.

Aber wurscht, nachdem die Show erst um 21:00 Uhr beginnt, schaffen wir es grade noch rechtzeitig, als der Opener The Dogma die Bühne entert. Schön verhangen und drapiert sieht man da schon die Lordi-Monster-Kulisse, aber jetzt kommen erst mal die Newcomer aus Italien dran. Die Jungs aus Italien machen melodischen Metal mit orchestralem Einschlag - oh je, gibt das jetzt das übliche Drumgehoppel mit ahaaa-Gesang? Zum Teil ja, aber erfreulicherweise arrangieren die Herren um Daniele Santori das so geschickt, dass sehr brauch- und hörbare Songs dabei herausspringen. Und daneben haben sie auch eher gemächlichere Mid-Tempo-Stücke am Start, die genauso wie die schnelleren Nummern durch die Kombination eine Lead-Gitarre und ein dominantes Keyboard recht ausladend und druckvoll wirken. Das gefällt auch den angereisten Sympathisanten, die die Elser-Halle recht gut füllen und im Backstage nun denn wirklich keinen Platz gefunden hätten. The Dogma präsentieren notgedrungen fast das gesamte Material ihres vielbeachteten Debuts Black Roses, wobei vor allem "Temptation", das speedig-epische "Queen Of The Damned" und das balladeske "Waiting For The Rain" herausragen. Gesegnet mit einem erstaunlich guten Sound, ernten die Jungs nach exakt 45 Minuten Spielzeit sehr respektable Reaktionen des Publikums. Wenn Vorbands schon sein müssen, dann bitte von diesem Kaliber.

Ob das überhaupt sein muss, diese Frage stellt sich dann allerdings während der fast einstündigen (!) Wartefrist auf die eigentliche Attraktion des Abends. Das Arrangieren und Drapieren der Kulisse nimmt einige Zeit in Anspruch, aber hauptsächlich wartet man blöd rum. Es hilft auch nicht unbedingt, dass der Mixer eine CD aus Jugendtagen dabei hat und nach einem schicken Rap-Song auch noch "Touch Me" von Samantha Fox (die Älteren erinnern sich) auflegt. Als dann allerdings das Saallicht endlich ausgeht, steigt die Spannung deutlich. Lordi sind ganz offensichtlich dank ihres Überraschungscoups in Athen in größere Dimensionen vorgestoßen, im Publikum finden sich im Rundblick zwar weniger Normalos und Bayern-3-ler als erwartet, aber das weibliche Geschlecht und auch Kiddies sind durchaus häufiger vertreten als man vermuten sollte. Offensichtlich kann man die Freundin und die Eltern ab sofort zur fröhlichen Geisterstunde mitbringen. Gleich beim Intro zeigen die Finnen dann, wo ihre Wurzeln liegen: das Geisterschloss, das sie auf die Bühne gestellt haben, wird finster beleuchtet, während aus den Boxen Gene Simmons den Kiss-Klassiker "God Of Thunder" grunzt. Danach springt das Intro über zu Dee Snider, der uns wie auf der aktuellen Scheibe zur Arockalypse begrüßt, bevor dann endlich die Monster das Kommando übernehmen.

Nach einem zünftigen Drumwirbel steigen sie standesgemäß mit dem Opener des aktuellen Langeisens "Bringing Back The Balls To Rock" ein, wobei Meister Lordi selbst - gewandet in eine Art Werwolf-Umhang - als letzter durchs Burgtor stapft und dabei ordentlich ins Mikro röchelt. Helle Freude allenthalben, ein überraschend sauberer Sound, druckvoll und Laune machend. Der Zeremonienmeister lässt keine seiner gewohnten Gesten aus, blickt unheildräuend in die Runde und schwenkt erst mal ein paar abgetrennte Arme durch die Gegend (keine Angst, liebe Eltern, nur Plastik), während er auf seinen ca. einen Meter hohen Plateausohlen umherstapft. Gleich als zweites Stück legen sie mit "Get Heavy" eine ihrer besten Nummern nach, und als dann mit dem durchaus anzüglichen "Who's Your Daddy" die aktuelle Single folgt, zerrt der Chef eine (unechte) Dame durch die Gegend, die er dem Song entsprechend malträtiert, bevor er aus einer Rauchkanone auf uns feuert. Mit "Not The Nicest Guy" kommt dann noch mal das Debüt-Album zu Ehren, bevor dann bei "Pet The Destroyer" ein Song von The Monsterican Dream an der Reihe ist - und Lordi in blutiger Schlachterkutte eine Kreissäge auspackt, die zu allem Überfluss auch noch Wasser in die Menge sprüht. Das macht Spaß, die Jungs sind gut eingespielt, Lordi bringt seine Grunzvocals gut rüber - aber Kommunikation mit dem Publikum findet nicht statt. Seltsam, wo Lordi bei früheren Auftritten, wie etwa als Nightwish-Support vor vier Jahren, doch um einiges gesprächiger war. Vielleicht liegt's daran, dass die rechte Ausraste-Begeisterung, die diese Party-Musik doch eigentlich auslösen sollte, nicht aufkommt? Dass zu viele Fachfremde nur durch den Grand Prix Sieg angezogen wurden, ist unwahrscheinlich, aber zwischen den Songs bleibt ohne jede Animation - bis auf gelegentliche, bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Urlaute des Bassers - die große Reaktion des Publikums aus. Immer wieder wird die Show auch von kurzen Um-/Aufbaupausen unterbrochen, wie z.B. als eine Wiege auf die Bühne getragen wird, die dann natürlich den feinen "Blood Red Sandman" ankündigt. Offensichtlich muss man das Ganze mehr als eine Art Geisterbahnfahrt sehen, die jeden Song optisch möglichst gut untermalt. Nun gut, als solche funktioniert die Sause prächtig, und auch der einzig wirklich schlechte Song des Abends, der "Biomechanic Man", wird durch einen Cyborg-mäßigen Lordi einigermaßen gerettet. Bei der schönen Ballade "It Snows In Hell" sorgt ein Schnee-Effekt in den vorderen Reihen für schaurige Stimmung, bevor sich die Rasselbande dann kollektiv zurückzieht und nur das Drumtier übrig bleibt.
Folgt jetzt etwa der jeweils überflüssigste Konzert-Teil namens Drumsolo? Nein, vielmehr gibt's eine handfeste Überraschung: unter dem Motto "Jukebox" spielt Drummer Kita eine Handvoll Songs vom Bands an, die Lordi stilistisch und optisch als ihre Ahnen betrachten dürften. Die Erkennungs-Riffs kommen dabei jeweils aus der Büchse (oder offstage, konnte ich nicht sehen), die Drums sind live - so erleben wir feine Interpretationen von Twisted Sister ("You Can't Stop Rock'n'Roll"), Mötley Crüe ("Wild Side"), Skid Row ("Youth Gone Wild"), Accept ("Balls To The Wall"), Deep Purple ("Burn") und natürlich Kiss ("Love Gun"). Hut ab, klasse Idee, abwechslungsreich und spannend als Ratestunde, was das denn nun wieder ist.
Weiter geht's mit "The Deadite Girls Gone Wild", bei dem Lordi die arme Dame nun endgültig bis zur Bühnendecke hochsteigen lässt, und "Dynamite Tonite", bevor Mumie Amen einen großen Auftritt in Nebelschwaden hat (Karloff rules!!), was dann in ein krachiges "Devil Is A Loser" übergeht.

Als die Monster dann wieder mal verschwinden, dauert es eine Weile, bis den Anwesenden klar ist: das war der reguläre Set! Nach nicht mal ganz 75 Minuten muss man sagen - vui is ned. So richtige "Zugabe"-Stürme brechen nicht los (wahrscheinlich haben die meisten nicht mal kapiert, dass das jetzt angesagt wäre), aber angeführt von Keyboarddame Awa hüpfen sie ungetrübten Mutes nochmals hervor und bringen "They Only Come Out At Night", das Duett mit Udo, der leider aus der Konserve singt. Dann gibt's endlich den ersten Lordi-Megahit "Would You Love A Monsterman", zu dem der Meister dann auch endgültig seine Fledermausschwingen ausbreitet. Sehr schön und bestens gebracht. Wieder weg, und noch mal zurück, denn irgendwas fehlt doch noch, oder? Awa spielt das Intro an, tut so als ob man überlegen müsse was denn noch kommen könne, und nachdem der letzte Dödel verstanden hat um was es geht, kommt das Intro zum diesjährigen Europa-Schlager-Sieger-Subisong. Jetzt allerdings hüpft die Meute dann doch noch im allgemeinen Freudentaumel und feiert ein schön dargebotenes "Hard Rock Hallelujah" gebührend ab. Na also, es geht doch!
Vielleicht waren doch zu viele Antenne-Bayern-Hörer da, die sich verkleidet hatten? Man wird es nie erfahren. Uns beiden jedenfalls hats bestens gefallen, und wenn sich die Monster für ein wenig Austausch mit den nichtswürdigen Sterblichen und für ein paar Minuten mehr als nur 90 nicht zu schade wären, würde live bestimmt noch mehr gehen. Und jetzt kommt eine DVD, oder??

Holgi

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de