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Festival-Bericht

Höhlenrock

mit Doro, Blaze Bayley, Schandmaul, Subway To Sally, Alev, Papa Roach, Saeko, Wolfenmond, Orden Ogan & Fiddler's Green

Balver Höhle, Balve 15. & 16.10.2004

(Fotogalerien: Hoehlenrock2004 )

Samstag, 16.10.2005:

Noch am Freitagabend stellte ich fest, dass ich scheinbar nicht der einzige aus der Münchner Gegend war, der den Weg nach Balve auf sich genommen hatte. Gleich nebenan kampierte ein Gruppe aus der Ammerseer Gegend. Erst am Samstag konnte ich jedoch die Vorzüge dieser Begebenheit in Form von Augustiner und Andechser Bier wirklich auskosten. Das bewahrte mich auch vor dem ultimativen Anti-Bier Oettinger, das die angereisten Sauerländer vermutlich als eine irgendwie begründete Selbstbestrafung ständig tranken. Die Stimmung am Campingplatz war außerordentlich gut, vielleicht wegen der importierten Bayern, vielleicht wegen der gemütlichen Platzgröße von nicht viel mehr als 20 Zelten.

Nur kurz sah ich mir deswegen den Mittelaltermarkt an, zu dem ich ja als Höhlenrock-Gast freien Zutritt hatte. Märkte dieser Art vergleiche ich gern mit meinem Stamm-Markt in Kaltenberg, was natürlich gemein ist, weil der Markt in Balve da natürlich nicht mithalten konnte. Ein paar Buden mit teurem Tand und noch teureren Speisen, mehr war nicht! Außer natürlich den Spielleuten von Wolfenmond, quasi dem Corvus-Corax-Äquivalent. Die wussten durchaus die Menge zu unterhalten, litten aber meiner Meinung nach in Sachen Atmosphäre doch stark an dem Metallgerüst im Müllsack-Design, das sie als Bühne hatten. Der einzige Zweck war bei ihrer unverstärkten und unbeleuchteten mittelalterlichen Marktmusik wohl, Regen und Wind abzuhalten. Das wäre doch auch ein bisschen schöner gegangen!

Nach einigen weiteren Stunden des fröhlichen Beisammenseins auf dem Campingplatz war es dann auch schon wieder so weit, die Höhle rief. Vor der hatte sich an diesem Abend eine respektable Schlange gebildet. Wer jetzt nicht wie ich seine Pressekarten oder wie einige andere seine Bekanntschaften weiter vorn ausspielen konnte, hatte wohl kaum noch Chancen, die Eröffnungsband zu sehen (hören war vermutlich schon möglich).

Diese nannte sich Orden Ogan und hatte, aus der sauerländische Metropole Arnsberg stammend, wohl die kürzeste Anreise von allen Acts. Mit fackelbewehrten Kuttenträgern als Deko wurde schon zu Beginn klargemacht, dass endlich mal ein bisschen Posing auf dem Programm stehen würde. Davon gab es denn auch reichlich, genauso wie ordentlichen Power/Melodic Metal. Vermisst habe ich die von Sauerländern groß angekündigte Knüppeleinlage "Splattered In Half A Minute". Naja, vielleicht wollte man dem Mittelalter-Metal-Publikum so etwas hartes nicht zumuten. Auch der Sound war, man kann es verzeihen, für ein allgemein live eher wackeliges Klangkonzept wie schnellen Melodic Metal nicht ganz ausreichend. Als Dreingabe wurde schließlich noch das Publikum in einen "großen Power-Metal-Chor" einbezogen, und mit einem vielkehligen "Rain Keeps Falling" (wettermäßig eh sehr passend) ging der fröhliche Eröffnungsgig vorbei.

Nach dem nächsten Kurzauftritt von Jörg, der das dicht gedrängte Publikum zum Zusammenrücken aufforderte ("Draußen stehen noch 200 Leute, die wollen auch noch rein") enterten die Nürnberger Folk-Verrückten von Fiddler's Green die Bühne. Mit dem knackigen Folk-Raider-Opener "Bonnie Ship The Diamonds" starteten die Franken in eine fröhlich-fetzige Show, während der sich natürlich auch der leibhaftige Folk Raider blicken ließ. Die vogelwilde musikalische Mischung namens "Irish Independent Speedfolk" ist sicher nicht jedermanns Sache, und von mir aus hätte man auch gut und gern auf eine Reggae-Einlage verzichten können. Aber spaßig war's allemal, gerade mit den deftig interpretierten Irish-Folk-Standards.

Dass Fiddler's Green die Menge bewegt hatten, stellte Jörgs Team dann in der darauf folgenden Umbaupause fest: Auf der Tribüne, die die weiter von der Bühne weg gelegene Hälfte der Höhle erhöhte, waren, wohl durch zu heftiges Hüpfen, einige Stücke Fußboden durchgebrochen. Da war die Sicherheit auf einmal ein Thema! Bestimmt eine Stunde lang war das THW damit beschäftigt, die Konstruktion provisorisch ab zu stützen, wofür über die Hälfte des Publikums die Höhle verlassen musste. Der Bereich wurde dann sehr großzügig abgesperrt, was natürlich die Platznot nicht gerade linderte. Jörg nutzte die Zeit für einige kultige Ansagen ("Ich brauche den Jürgen mal Backstage"), inklusive eines Hüpfverbots für die Tribüne, das Publikum kanalisierte den Frust in ständige "Julia und die Räuber"-Chöre.

Schließlich war es dann doch Zeit für Schandmaul. Wegen der langen Bastelei des THW mussten die Fürstenfeldbrucker allerdings ihre Setlist verkürzen. Dass sie bereits eine Hälfte der ihrer Pech & Schwefel-Tournee hinter sich hatten, war den Jungs und Mädels schon anzumerken, die Ansagen kamen schon etwas routiniert daher. Das Kreuzzugslied "Sichelmond" wurde ganz nach al-Qaida-Interpretation mit einem deftigen "Fuck Bush" garniert, aber dass man bei "Dein Anblick" sein Herzilein ganz fest umarmen soll, ist ungefähr so alt wie das Lied selbst. Das obligatorische Hüpfen bei "Vogelfrei" durfte auch nicht fehlen, wurde für die Tribünenplätze aber in Schunkeln umgewandelt. Vielleicht schlug die unfreiwillige Setverkürzung den Schandmäulern auch auf's Gemüt. Trotzdem war's natürlich ein klasse Auftritt, wie man ihn einer der wichtigsten Bands des Genres erwarten durfte.

Setlist Schandmaul:
Geisterschiff
Teufelsweib
Drachentöter
Sichelmond
Vogelfrei
Seemannsgrab
Dein Anblick
Instrumentalstück (keine Ahnung welches)
Waldgeflüster
Instrumentalstück (wieder keine Ahnung)
Das Tuch
Walpurgisnacht
Der letzte Tanz
---
Die Herren der Winde

Die wieder anschwellenden "Julia und die Räuber"-Chöre sowie Jörg kündigten nun endlich den Headliner des Abends an: Subway To Sally. Und was soll man sagen? Die Potsdamer stellten den Rest des Festivals mühelos in den Schatten. Obwohl ebenso von schmerzhaften Einschnitten in die Setlist betroffen, ließen sie sich den Spaß nicht verderben und zauberten ein tolles Best-Of-Set, das weder Standards ausließ, noch altes oder neues Material verschmähte. Der Sound war obendrein exzellent und die Show war in Sachen Pyros und Beleuchtung denen der anderen Bands haushoch überlegen. Subway waren die einzige Band, die die Möglichkeiten der Höhle in dieser Beziehung ansatzweise ausschöpften, vor allem mit dem stimmungsvollen roten Licht bei der Akustik-Version von "Kleid aus Rosen". "Die Schlacht" widmete Bodenski dem Ordungsamt, wegen dem die Band spätestens um halb eins die Bühne zu räumen hatte. Ich komme in meiner Zählung auf zehneinhalb Subway-Schreie, die aber teilweise mit Drohungen wie "Seid laut, oder wir holen den Höhlentroll" erpresst wurden. Weil das Publikum dann nach "Falscher Heiland" natürlich keine Ruhe gab, stimmten die Sallys dann als Zugabe in das nicht enden wollende "Julia und die Räuber" mit ein.

Setlist Subway To Sally:
Hexe
Unsterblich
Knochenschiff
??
Traum vom Tod
Die Schlacht
Veitstanz
Kleid aus Rosen (akkustisch)
Haughs Of Cromdale
Hochzeit
Mephisto
Henkersbraut
Sag dem Teufel
Ohne Liebe
Falscher Heiland
---
Julia und die Räuber

Am nächsten Tag ging's dann zurück nach München, für mich zum Glück mit dem Auto. Danke an dieser Stelle nochmal :-) Und Stefan, melde dich mal bitte emailisch bei mir, ein paar Groupies aus dem Sauerland vermissen dich!

Ein kleines, eingeschobenes Fazit noch: Das Höhlenrock ist eine ganz gute Idee, aber an der Ausführung könnte man schon noch einige Dinge verbessern:
1. Etwas mehr Bands, und keinen modernen Hype-Sound-Gruppen - das steht der alten Höhle nicht.
2. Die besonderen Möglichkeiten der Höhle sollte man in den Shows besser nutzen - Subway To Sally haben es bei "Kleid aus Rosen" vorgemacht.
3. Die Bierpreise - das war ja teurer als auf der Wiesn!
4. In Sachen Sicherheit: ein etwas stabileres Tribünengerüst! Das Ding darf nicht einfach einbrechen - und vielleicht etwas strengere Kontrollen am Eingang.

Ansonsten war's aber durchaus lustig und lohnenswert - bei entsprechendem Billing gern mal wieder!

Tankred

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