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Konzert-Bericht

Xandria, Entwine & Lab

Garage deluxe, München 24.11.2004

Die Konzertwoche hatte schlecht begonnen: Samstags musste ich mit ansehen, wie sich Wespenchef Blackie im Metropolis als Meister des kurzen Auftritts profilierte. Dann Mittwochs schon wieder in den ehemaligen Kunstpark Ost, der jetzt unter dem hübschen Namen Kultfabrik firmiert. Xandria haben sich heute angesagt, sie machen als Teil ihrer Ravenheart-Tour in München Station. Und um es vorwegzunehmen - wie schon oft stellten sich die vermeintlichen "kleinen" Konzerte als die wirklichen Erlebnisse heraus. Vor dem Auftritt standen mir Lisa und Nils übrigens netterweise Rede und Antwort zur Tour, zum Album und zu musikalischen Einflüssen - mehr dazu im Interview.

Die Garage heißt nicht umsonst "Rockclub": eine bessere Kneipe ist das, in die vielleicht grade mal 200 Leute hineinpassen. Es ist die kleinste Spielstätte, die Xandria auf ihrem Tourplan stehen haben, mit einer ganz eigenen Atmosphäre: alte Autos und Straßenmeisterei-Utensilien bringen das Thema Garage auf den optischen Punkt. Die Bühne ist winzig, vor dem Auftritt fragt sich Lisa, wo sie sich denn überhaupt hin platzieren soll. In Korea haben Xandria ja schon das Wechselbad zwischen Stadion-Rock vor 30.000 Leuten und einer vertraulichen Club-Atmosphäre mit 70 Anwesenden erlebt. Nach eigenen Worten kommt es ihnen aber sowieso nicht auf die Größe der Konzerte an, sondern nur auf die Stimmung, die entsteht. Und die ist in den kleinen Spielstätten ja nicht die schlechteste. Man erlebt das Geschehen in der Garage hautnah - es gibt zwar eine kleine Absperrung, aber die ist eher symbolisch. Daher also schon mal freie Bahn für einen vergnüglichen Abend.

Den Reigen eröffnen Lab aus Finnland, die ganz locker auf die Bühne marschieren und dort eine beeindruckende Vorstellung abliefern. Im Mittelpunkt steht Sängerin Anna, die mal an Kate Bush, mal an Björk erinnert, sich auf der Bühne räkelt, verrenkt, hinlegt, aber dabei immer hinreißend singt. Sie ist höflich, kann gut deutsch und lokalisiert auch ihre Heimat gleich für uns: "Wir sind Lab aus Finnland. Nordpol - Finnland". Musikalisch kombinieren Lab die unterschiedlichsten Elemente von Gothic über Metal bis Prog, wobei Stücke wie "Danger", "Machine Girl" und "Hardcore" in erster Linie von der Stimmakrobatik der graziösen, sympathischen Frontfrau leben. Ein passender Einstieg in den Abend.

Als nächstes sind Entwine an der Reihe, die zweiten Finnen im Paket, die sich Xandria ausdrücklich als Support gewünscht hatten. Hier geht es um einiges rockiger zu Werke, aber immer in bester Rentier-Country-Manier. Ville Vallo hätte am melodisch-metallischen Sound der sechs seine helle Freude, die mit treibenden Gitarren, schönen Chorus-Teilen und treffsicher harmonischen Vocals überzeugen. Ihr letztes Album Time Of Despair hat gehörig für Aufsehen gesorgt, und mit New Dawn haben sie es in die Top Ten der finnischen Charts geschafft - nicht umsonst holten Nightwish persönlich Entwine in Oslo als Support an Bord. Am Keyboard macht Riitta Heikkonen bella figura, und Drummer Aksu Hanttu unterstützt eins ums andere Mal mit trefflichen Backing Vocals. Als Zentrum der Band feuert Sänger Mika Tauriainen - passend zur Jahreszeit mit einer Wollmütze bewehrt - Titel wie "Time Of Despair" und "The Pit" in die Runde. Die Reaktionen sind durchweg zustimmend, und mit zunehmender Spielzeit wissen Entwine immer mehr zu gefallen, so dass am Ende deutlich vernehmbare "Zugabe"-Wünsche laut werden.

Die werden jedoch nicht erfüllt, immerhin rückt der Uhrzeiger unaufhaltsam vor, und wir warten ja schließlich noch auf den Headliner höchstselbst. Die Garage ist mittlerweile auch gut gefüllt, im Publikum dominieren die finsteren Herrschaften, aber auch der eine oder andere Normalo ist dabei.
Marco und seine Mannen marschieren schließlich zum Intro über die Bühne, nur Lisa, die vorher schon kurz durch den Saal gewischt war, muss noch draußen warten. Schließlich steigen Xandria mit "Fire Of Universe" ein, und vom ersten Moment an ist klar, dass sie sich live um einiges härter geben als im CD-Regal oder auch im TV-erprobten Video. Der neue Basser Nils, beim Interview noch zurückhaltend und höflich, entpuppt sich auf der Bühne als Derwisch, der die Matte beständig kreisen läßt und auf der Bühne Sprints hinlegt, so weit es die Dimensionen eben hergeben. Band-Kopf Marco wirkt an der Gitarre immer hochkonzentriert, produziert einen druckvollen Sound und wechselt sich in Harmonie-Parts gekonnt mit Philip ab.
Aber machen wir uns mal nix vor, jetzt kommt endlich die Dame, wegen der wir ja auch hier sind: als Lisa die Bühne betritt, steht sie zumindest schon mal optisch ihren Kolleginen Tarja Turunen und Sharon den Adel in nichts nach. Stimmlich ist sie, wie sie gleich am Anfang feststellt, wegen einer Erkältung heute leider nicht ganz auf der Höhe - wir sollen nicht so streng mit ihr sein, aber das brächten wir ja sowieso nicht übers Herz. Weiter geht's mit "She’s A Nirvana" und "My Scarlet Name", wobei Xandria deutlich zeigen, dass sie ihr Live-Handwerk verstehen, und trotz angeschlagener Stimme kommen auch Lisas Parts immer absolut überzeugend rüber. Showtechnisch läßt sich außer Nils' Banging-Marathon auf der kleinen Bühne nicht viel bewerkstelligen, nicht mal den ordnungsgemäßen Drum-Riser konnte man aufstellen, aber dennoch entfalten Xandria sichtlich Spielfreude und reißen die Anwesenden zunehmend mit.
Nach "Answer" und "Drown" gibt's den ersten veritablen Hit "Ravenheart", an dem sich ja so manche Metal-Geister scheiden. Heute abend auf jeden Fall macht der Song jedem Spaß, und Lisas etwas tieferer Gesang gibt dem Ganzen noch einen interessanteren Touch. Im weiteren Verlauf bringen Xandria ein breites Spektrum von ihren beiden Alben sowie einige der neuen Songs, die auf der Eversleeping-Single zu finden sind (darunter "So Sweet"). Besonders freudig begrüßt werden Stücke wie "Back To The River", "Some Like It Cold" und natürlich "Kill The Sun", das Titelwerk des Debüts. Höhepunkt des Abends für mich ist aber klar "Eversleeping", wo Marco anstatt Balladen-Gedöns auf volle Instrumentierung umsteigt, und "Snow-White", wo Lisa eine Growl-Attacke einlegt, die sich gewaschen hat - hier kommt ihr die rauhe Stimme bestens zu statten. Noch mal jemand, der sagt, das ist nicht heavy?
Nur kurz ziehen sie sich dann zurück - "Ich hätte Euch noch ein bisschen schmoren lassen, aber draußen ist es verdammt kalt", klärt uns Lisa auf, bevor mit "Keep My Secret Well" und "Isis/Osiris" die letzten Stücke des Abends zum Zuge kommen.

Fazit: so sehr ich von meinem alten Freund Blackie enttäuscht wurde, so sehr haben mich Xandria überzeugt. Eine kraftvolle, mitreißende, hochqualitative und vor allem immer fan-nahe Band hat sich da präsentiert, die durch solche Live-Auftritte die Schar ihrer Anhänger garantiert stetig erweitern kann. Hier hat alles gepasst: Songauswahl, Bühnenpräsenz, musikalisches Können. Wenn Xandria auf diesem Weg weitergehen, können sie nächstes Jahr gerne wieder in die Kultfabrik kommen, aber dann bitte ums Eck ins Colosseum umziehen. Da ist dann Platz für 1000 Leute. Und eine größere Bühne.

Setlist Xandria:
Fire Of Universe
She's A Nirvana
Answer
Drown
Ravenheart
Mermaids
So Sweet
Casablanca
So You Disappear
The Lioness
Back To The River
Kill The Sun
Eversleeping
Some Like It Cold
Ginger
Snow-White
Black Flame
---
Keep My Secret Well
Isis/Osiris

Holgi

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