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Konzert-Bericht

Whitesnake & The Traceelords

TonHalle, München 03.09.2004

Eine "Greatest Hits"-Tour hat meistens einen faden Beigeschmack. Zu sehr hört sich das nach noch mal schnell Abkassieren vor der Rente an, wenn Bands ohne neues Material anreisen, nur um die alten Hits in's Publikum zu schmettern. Besonders schlimm, wenn die dargebotenen Songs schon auf dem Tourplakat stehen, wie es Mark Knopfler auf seiner Solo-Tour mal für nötig hielt. Die Steigerung ist dann nur noch die jetzt aber wirklich, ehrlich, ultimativ allerletzte, und dann doch wieder jährlich wiederkehrende Abschiedstournee a la Rolling Stones und Konsorten.

Ist also auch Vorsicht geboten, wenn uns David Coverdale mit Whitesnake zu seiner Variante von Melodien für Millionen einlädt? Grundsätzlich ja, aber hier liegt die Sache ein bisschen anders. Immerhin kann der Mann auf einen Back-Katalog zurückgreifen, nach dem sich andere die Finger lecken würden: von den blues-getränkten Klassikern der 70er bis hin zum auf Stadionrock getrimmten Bombast der 80er, mit dem er seine größten kommerziellen Erfolge feierte. Außerdem hat Coverdale auf einer gemeinsamen Tour mit den Scorpions in den USA letztes Jahr gesehen, dass sein erdiger Hard Rock der alten Schule wieder (oder immer noch) ankommt. Danach schaute er in München schon mal im Circus Krone vorbei und das Erstaunen war groß: keine Spur von Altersmüdigkeit, sondern ein topfitter Coverdale stand da auf der Bühne und zog ein As nach dem anderen aus dem Rüschen-Hemds-Ärmel.

So ermutigt, hat er sich jetzt also zur Rückkehr entschlossen: das Konzert in München bildet den Auftakt zur Deutschland-Tournee im Herbst, eben mit dem suspekten "Greatest Hits" im Titel. Ein bißchen verschätzt haben sich die Organisatoren aber doch: das ursprünglich vorgesehene Zenith konnte man wohl nicht ganz füllen, Ausweichgelegenheit bietet die Tonhalle, die damit wenige Tage nach dem Besuch von The Offspring schon wieder Ort rockiger Klänge ist. Die große weiße Schlange hängt schon hinter dem Schlagzeug, als Coverdales Partygäste eintrudeln. Wir sind gespannt.

Eine halbe Stunde ist aber erst einmal Mitleid angesagt, nämlich mit den Traceelords, die sich ihre Rolle als Opener bestimmt ganz anders vorgestellt haben. Eigentlich sollte der einfache, punkige Rock'n'Roll der vier aus Hagen den Abend zünftig eröffnen. Aber von Anfang an stimmt einfach gar nichts. Die Traceelords klingen wie eine Schülerband beim Proben im heimischen Keller, die Gitarren sind entweder gar nicht oder schräg zu hören, ausser Bass und Drums kommt meistens nichts rüber. Dementsprechend bleiben Publikumsreaktionen vollkommen aus. Offensichtlich von den technischen Problemen entnervt, setzen die Erwachsenenfilmer (Tracy Lords - alles klar?) jetzt auch noch auf die völlig falsche Karte. Guter Tipp: wenn bei einem Konzert in München alles schiefgeht, bringt es nichts, sich über Bayern lustig zu machen! Deutliche "Saupreiß'n"-Rufe sind der Lohn. Da hilft auch "Sex, Money, Rock'n'Roll", der Hinweis auf TV-Auftritte in Shows, die wieder keiner kennt ("Wahre Liebe"? Hä?) und auch ein schnittiges Boney M.-Cover ("Daddy Cool") nichts mehr: diesen Abend werden die Traceelords, die danach reichlich bedröppelt am Merchandise-Stand rumhängen, wohl so schnell wie möglich vergessen wollen.

Ohne Soundcheck (aha! es geht also doch auch ohne den zweifelsohne hochqualifizierten Kollegen, der mit "Yeah"-Rufen in Mikros seinen Lebensunterhalt verdient) kommen wir dann zur eigentlichen Attraktion. Coverdale tischt gleich zu Anfang gleich mehrere handfeste Überraschungen auf. Erstens: er sieht immer noch so unverschämt fit aus, dass man neidisch wird. Das Hemd ist nach wie vor bis unten aufgeknöpft, und das wirkt in keiner Sekunde peinlich, sondern einfach nur saucool. Den Mikroständer balanciert er immer noch mühelos vertikal in einer Hand, seine gute Laune ist direkt ansteckend. Der Mann freut sich, dass er hier unter Freunden ist, und das merkt man die ganzen knapp 100 Minuten über immer wieder. Zweitens: es dauert lange, bis man den Riff, den Gitarrero Doug Aldrich als Einstieg anstimmt, richtig einsortiert. Nix Whitesnake: mit "Burn" aus der seligen Deep Purple-Zeit legt Coverdale los und spätestens beim begeistert mitgesungenen Refrain ist klar, dass dies hier keine lahme Hitparade ist. Mit "Stormbringer" holt Coverdale gleich das nächste Purple-Schätzchen aus der Kiste, von seinem Projekt Coverdale/Page bringt er uns dann "Wash Away My Tears". Wenn jemand ein "Greatest Hits"-Konzert mit drei Stücken eröffnen kann, die noch nicht mal von seiner eigentlichen Band stammen und damit auch noch Begeisterung erntet, dann ist das kein Ausverkauf, sondern macht einfach nur Spaß. Das weiß auch Coverdale, der die überschwenglichen Reaktionen sichtlich genießt: "For those of you who remember", sagt er nach dem dreier-Block mit breitem Grinsen und erinnert uns dann gleich daran, wieviel Lenze er zählt: "30 years ago I had a fling with a band called Deep Purple." Mann, sind wir alt.

Danach geht es aber endgültig zur Sache. "Eeeere's a zong for ya!!", leitet Mr. Coverdale mit seinem ureigenen Slogan zum eigentlichen Programm über. "Love Ain't No Stranger" und "Gimme All Your Love" erinnern an die heftigsten Zeiten des Haarspray-Metals der ausgehenden 80er, in denen es Coverdale mit 1987 und Slip Of The Tongue bis zum Headliner der Monsters of Rock-Festivals 1990 schaffte. Der Sound ist aber weniger überproduziert und vollgeladen als zu eben diesen Zeiten, als noch Steve Vai und Adrian Vandenbergh mit Coverdale musizierten. Es geht eher zurück zu den bluesigen Wurzeln und besonders Doug Aldrich macht sich optisch und musikalisch bestens. Der oberste Schlangenbeschwörer selbst hat zwar in den ganz hohen stimmlichen Regionen seine Probleme, nimmt das Mikro oft an kritischen Stellen weg - aber er spart seine Energie wohl so auf, damit die ganz wichtigen Coverdale-Schreie, auf die jeder wartet, dann um so genauer sitzen.

In der Folge greift Coverdale noch tiefer in die Trickkiste (und sich selbst mehrmals in den Schritt - das darf sowieso nur er, der Urvater aller Poser) und bringt mit "Ready And Willin'" einen echten Whitesnake-Klassiker, der lauthals mitintoniert wird. Mit "Is This Love" kommen auch endlich alle auf ihre Kosten, die wegen der Nummern gekommen sind, die Coverdale mitunter in den Hitparaden und auf MTV platzieren konnte und die sich ab und an sogar auf die gruseligen "Kuschelrock"-Alben verirrt haben. Diese Teile des Publikums verwechseln Whitesnake auch tatsächlich mit Andy Borg und Freunden: man reicht dem verdutzten Coverdale Rosen (naja, grade noch) und Teddybären (was soll denn das sein?? - (Na so Stofftiere! ;) - Red.)) - der nimmt alles an, bedankt sich höflich, wundert sich ein bisschen und macht weiter.

So weit so gut, aber dann werden auch Whitesnake das Opfer technischer Probleme. Coverdales Knopf im Ohr funktioniert plötzlich irgendwie nicht und der Gesang beim eigentlich wunderbaren Intro zu "Judgement Day" klingt weniger nach Rock-Altmeister als nach einer Horde vom Oktoberfest. Das bleibt natürlich auch auf der Bühne nicht verborgen und nach dem Song verkrümelt sich Coverdale, um die Panne beheben zu lassen. Das macht er gar nicht übellaunig, sondern hoch professionell: ein sichtlich eigentlich für später vorgesehenes Gitarrensolo wird auf seinen Wink vorgezogen (nicht langweilig wie so oft, sondern zur Abwechslung mal gut), um die Zeit zu überbrücken. Derweil steht er am Bühnenrand und wartet ab, bis die Übertragung wieder funktioniert. Danach schließt er geschickt wieder an: "Thank your for inviting us to your Dampfbad", kommentiert er die wieder tropischen Temperaturen in der Tonhalle. Kann man da eigentlich kein Fenster aufmachen?

Mitten in "Crying In The Rain" spielt die Technik wieder einen Streich, Coverdale nimmt's weiter locker, flucht im Spaß und lässt sich zum zweiten Mal neu verkabeln. Ab dann läuft alles bestens. Die gute Stimmung lässt er sich durch den ganzen Murks nicht verderben, ganz im Gegenteil: auf einen Publikums-Zuruf bringt er uns den vielleicht besten Teil des gesamten Konzerts - eine improvisierte Darbietung von "Looking For Love". Ganz ohne Band, so singt er diesen Song fast komplett nur für die Dame, die das hören wollte. Das ist nicht alterndes Rockstar-Gesieche, sondern ein klares Signal an alle arroganten Jungstars: seht her, so wird es gemacht.

Mit einem wunderbaren "Ain't No Love In The Heart Of The City" - den Refrain muss Mr. Coverdale nicht singen, das machen schon wir - geht es in die Schlussrunde. "Take Me With You" und "Fool For Your Loving" beenden den regulären Set. Klar lässt sich der Conferencier für eine Zugabe herbeizitieren. Jetzt endlich kommt die viel zu oft auf jeder Dorfmusi gehörte, aber - wenn vom Meister selbst gegeben - immer noch hinreißende Hymne "Here I Go Again". Noch der Knaller "Still Of The Night", dann ist aber genug: "Thank you a thousand times for your hospitality", verabschiedet sich Coverdale. Vom Band gibt es noch "We wish you well" als Begleiter auf dem Hinausweg. Im Rock'n'Roll sind wirklich gute Manieren eingekehrt.

Setlist Whitesnake:
Burn
Stormbringer
Wash Away My Tears
Love Ain't No Stranger
Gimme All Your Love
Ready And Willin'
Is This Love
Judgement Day
Crying In The Rain
Looking For Love
Don't Break My Heart Again
Take Me With You
Ain't No Love In The Heart Of The City
Fool For Your Lovin'
---
Here I Go Again
Still Of The Night

Holgi

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