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Konzert-Bericht

U.D.O., Rebellion & Majesty

Alabamahalle, München 14.05.2004

Wenn Udo "The German Tank" Dirkschneider anrollt, dann weiß man, was man hat: Metal der klassischen 80er-Art satt. Hier gibt's die reine Schule zu bestaunen und das in höchster Qualität. So klingt auch das neue Album Thunderball, das mit stampfenden Grooves, typisch rostfreier Solinger Riffarbeit und Udos unverwechselbarem Reibeisen glatt als einwandfreies Accept-Album aus der besten Zeit durchgehen könnte. Mit diesem Material im Gepäck gibt sich der Udo-Zug jetzt deutschlandweit die Ehre und machte auch in München Station.

Mit nur 20 Euro überzeugt schon einmal im Vorfeld der absolut fanfreundliche Preis, und auch das geschnürte Paket mit Rebellion und Majesty ist stimmig. Vor allem letztere Band kennt man im Udo-Lager bestens: immerhin stand Udo-Mitstreiter Stefan Kaufmann bei der Produktion der Majesty-CD "Reign in Glory" (2003) persönlich am Mischpult. Besonderer Pluspunkt für die Veranstalter: mit dem Konzertticket konnte man nach der Show noch eine Metal-Disco um die Ecke besuchen. Das nennt man kundenfreundliche Planung. Die Location ist für einen Metal-Gig in München gewöhnungsbedürftig, feiern im Alabama freitags doch üblicherweise lichtscheue Gestalten nach dem Prinzip Trinken bis zum Abwinken (weil im Eintrittspreis inbegriffen). Heute leider nicht, für das Bier muss das sauer Verdiente wie üblich entrichtet werden.

Als Majesty die Bühne entern, sind vielleicht mal 150 Nasen anwesend. Eine undankbare Aufgabe also, aber die fünf Jungs lassen sich nicht verdrießen und steigen mit Energie in ihr Set ein. Majesty bieten True Metal reinsten Wassers - die Kings Of Metal lassen schön grüßen, aber das ist ja beileibe nicht schlecht. Vorgetragen mit dem nötigen Pathos und allen Posen aus dem Lehrbuch für den ManoWarrior machen melodische, eingängige Songs wie "Keep It True", "Metal To The Metalheads" und "Reign In Glory" live einfach Laune. Das überzeugt auch die nun zusehends ansteigende Schar der Anwesenden, und Majesty ernten zunehmend wohlwollenden Beifall, Kopfschütteln und Pommesgabeln. Am Ende bleibt eine ansprechende Leistung zu konstatieren - Hut ab vor so viel Spielfreude bei noch lichten Rängen.

Nach kurzer Pause geht's mit Rebellion weiter, die zwar eine ganze Ladung rabiater zu Werke gehen, aber auch um einiges sperriger daherkommen als die Vorgänger. Zwar gibt's hier musikalisch und inhaltlich einiges zu entdecken: neben Songs vom aktuellen Album Born A Rebel stammt viel Material vom Erstling Shakespeare's Macbeth - A Tragedy In Steel, der auch textlich direkt zitiert wird. Wer aber schon den Barden selbst bemüht, der sollte das doch bitte mit etwas mehr Atmosphäre tun - ein um's andere Mal wird aber genau die vom übereifrigen Sänger gestört. Der hätte sein aggressives Röhren gar nicht nötig, was er bei ruhigeren Stücken unter Beweis stellt. Dem mitgereisten Fanclub ist's egal, die feiern Rebellion hörbar ab. Pause.

Als in der mittlerweile ordentlich gefüllten Halle (500 Mann, wenig Frau, dürften es sein) dann wieder das Licht ausgeht und aus den Boxen Tom Jones mit seinem Bond-Song "Thunderball" tönt, hat man gerade noch Zeit das Toupe festzuhalten, dann ballern U.D.O. mit Macht los. Gleich beim Titelsong der neuen Platte zeigt die Band ihre Qualitäten: Stefan Kaufmann, der zu Accept-Zeiten noch die Schlagzeugstöcke schwang und jetzt die Rhythmusgitarre bedient, Fitty Wienhold (Bass), Igor Gianoli (Leadgitarre) und Lorenzo Milano (Drums) klingen tight wie Hund - die Gitarren sägen am Accept-Stahl, die Doublebass hämmert wie ein Uhrwerk. Zentrum und Blickfang ist dabei aber natürlich Meister Dirkschneider selbst: gibt er sonst den Oberkommandeur im Tarnanzug, steht Udo heute im langen Metal-Mantel und Sonnenbrille auf der Bühne, fuchtelt wütend im Takt und gibt seinem Organ die Sporen. Das zeigt auch nach all den Jahren nicht den leisesten Rostansatz: da wird geraspelt was das Zeug hält, keine Spur von "stimmlicher Unterstützung" vom Band. Würde sich einer von Deutschlands gecasteten Superstars hierher verirren, dann bekäme der von Udos Stimme allein den Hintern komplett versohlt.
"Thunderball" markiert den Auftakt zu einer mitreißenden Mischung aus neuen und älteren Songs, für die Udo zur Begeisterung der Fans gerne auch immer wieder mal in die Accept-Kiste greift. Ab dem zweiten Song dann doch im gewohnten Army-Look, feuert Udo eine Granate nach der anderen ab: "Man And Machine", von seiner ersten Solo-Scheibe "Animal House", "Pull the Trigger" stechen aus der Solo-Zeit hervor. Erfreulich: mit "Blind Eyes" bringt Udo auch einen atmosphärischen, gefühlvollen Titel vom neuen Album, und für das folkloristisch angehauchte "Trainride In Russia" packt Stefan Kaufmann sogar das Akkordeon aus. Besonders verheißungsvoll wird's sowieso immer dann, wenn der in schweren Hockey-Beinschienen antretende Kaufmann den Ton vorgibt. Dann stehen die Zeichen auf Accept, die gleich an dritter Startposition mit "Metal Heart" zu Ehren kommen. Mit "Living for Tonight", "Restless and Wild" und "Up to the Limit" kommen die Liebhaber des Teutonen-Metal weiter auf ihre Kosten, bis das von Anfang an lauthals geforderte "Balls To The Wall" den Set fürs erste beendet. Das Publikum nimmt das neue Material ebenso dankbar auf wie die älteren Nummern und lässt die Schwerarbeiter auf der Bühne hochleben. Vielleicht deshalb erweist sich Udo heute abend nicht nur als Stimmwunder, sondern auch als Konditionstier: der Zugabensatz ist so lang wie bei manch anderen Bands das ganze Konzert. Über eine unglaubliche Strecke von zweieinhalb Stunden holt Udo einen Klassiker nach dem anderen hervor, darunter auch lange nicht mehr gehörte Accept-Stücke wie das hervorragende "Princess Of The Dawn", ein wildes "Son Of A Bitch" oder der alte unverwüstliche Gassenhauer "I'm A Rebel". Ach ja, und dann darf natürlich eines nicht fehlen. "Hier in Bayern mögt Ihr ja Volksmusik!", grinst Udo, dann stimmt er "Heidiheidoheida" an: beim Speed-Metal-Prototyp "Fast As A Shark" darf man also nochmal kräftig mitbangen, bevor Udo sagt "Das wars!".

Was bleibt? Das Wissen, dass früher doch alles (ein bißchen) besser war und es gut ist, dass Udo nie etwas anderes gemacht hat. Schade, dass es keinen "Midnight Mover", kein "Russian Roulette" oder "Aiming High" gab, aber dafür hätte man drei Stunden spielen müssen. Und wir wollen ja nicht unverschämt sein.
Beim Hinausgehen sah das sich schon für die kommende Trinkdisco versammelnde Abfeier-Volk erstaunt drein: immerhin zogen da 500 begeisterte Metalheads von dannen. So etwas dürften Münchens Partygänger nicht oft sehen.

Holgi

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