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Konzert-Bericht

James LaBrie & Evergrey

Babylon, München 24.04.2005

Was für ein gelungener Abend. Abgesehen von ein paar Anlaufschwierigkeiten, die aber im weiteren Verlauf recht bald in den Hintergrund rückten: Nach einem recht verspäteten Einlass ließen erst mal Evergrey ein Weilchen auf sich warten, vorher bekam das geneigte Publikum noch eine längere Kostprobe schwedischen Soundchecks. Dann stand plötzlich die Fünfertruppe (Henrik Danhage: Gitarre, Michael Hakansson: Bass, Rikard Zander: Keys, Jonas Ekdahl: Drums und Tom S. Englund: Vocals und Gitarre) auf der Bühne und fingen - kawummm! - ohne ein einziges Wort an, zu spielen. Die schwedischen Prog-Power Metaller, komplett in schwarzer Kluft und frisch geduscht, legten sich vom ersten Lied an, passenderweise "Blinded", ein ultimativer Kracher vom Recreation Day Album, richtig ins Zeug. Schlecht war allerdings, dass die Lautsprecher recht hoch hingen und man eigentlich nur den Gesang wahrnehmen konnte, wenn man im Raum ganz hinten gestanden wäre und nicht vor einer Gitarrenwand... Da es aber keine Absperrung gab, konnte man direkt an der Bühne lehnen, die Setlist klauen und auf Kniehöhe der sonst Unberührbaren stehen. Und wahrlich: Für Tuchfühlung war während des ganzen Abends bestens gesorgt. Ich war unter Henrik Danhage, dem göttlichen Gitarristen der Immergrauen, und das ist jetzt bitte nicht falsch zu verstehen. Unter Tom S. Englund wäre ich nicht so gern gewesen, wegen der ellenlangen Haare.
So aber schüttelte mir der schöne und begabte Henrik seine Lockenpracht ins Gesicht und ich roch die ganze Dreiviertelstunde duftendes Shampoo statt Schweiß. Englund, ein richtiger Hühne, trank erst brav ein Wässcherchen, ging dann aber bald zu Bier über, na ja, die wilden Skandinavier halt. Tat dem hervorragenden Spiel keinen Abbruch.

Ein wenig mehr Kommunikation mit dem Publikum wäre nicht schlecht gewesen, die Band spielte zwar, was das Zeug hielt, wollte aber wohl ihre knappe Zeit nicht noch mit Gerede verkürzen. Zwischen zwei Stücken dann Englunds atemlose Erklärung: "We want to play as much songs as we can." Neun Songs wurden es, recht gut verteilt aus den letzten drei Alben (In Search Of Truth, 2001, Recreation Day, 2003 und A Touch Of Blessing, 2004). Man machte kurz auf die DVD aufmerksam, die im Sommer erscheinen wird. Keine Frage, die Schweden sind gut. Die vier Musiker machten einen topfitten Eindruck und freuten sich sichtlich, sich austoben zu können ¬– trotz dem relativ kleinen Publikum. Ich schätze, es waren gerade mal 200 Leute im Babylon, der Raum war nicht ganz zur Hälfte voll. Englund selbst machte einen eher gestressten und angespannten Eindruck und ich wurde das Gefühl nicht los, dass die Band unter Zeitdruck spielte und sich der Sänger verantwortlich fühlte. Vielleicht mag er sich ein wenig über die doch recht magere Zuschauermenge geärgert haben ¬– das Publikum aber unterstützte die Band dennoch mit voller Kraft, und das ist doch besser als nichts.

Vermutlich ist der Bekanntheitsgrad von Evergrey noch nicht der Beste, aber wer sie live gesehen hat, ihren schnörkellosen, ehrlichen Auftritt, der müsste jetzt eigentlich eines Besseren gelehrt sein. Ebenso unprätentiös gaben sich die Jungs dann nach der Show, wo sie zu meiner Überraschung lässig beim Merchandise-Stand lehnten, Bier tranken, Autogramme gaben und sich artig fotografieren ließen. Ein Interview aus dem Stehgreif bekam ich nicht, vielleicht müssen die Fünf erst ihre DVD-Veröffentlichung abwarten. Oder die wollten einfach mal in Ruhe ein Bierchen zischen...

Nach einer Pause dann der Auftritt des Großmeisters, dessen Solo-Projekt allerdings noch nicht bis in jeden Winkel vorgedrungen zu sein scheint, obwohl die aktuelle Platte Elements Of Persuasion schon das dritte Ohne-Dream-Theater-Ding ist, das James La Brie da dreht. Ein paar DT-T-Shirts sah man auch, wohl in der Hoffnung, er würde auch ein paar Evergreens der quasi erfolgreichsten Progessive Metaller aller Zeiten zum Besten geben. Nix da! Aber das hatte er auch schon im Voraus angekündigt: Endlich mal nicht nur als Frontmann von Dream Theater angesehen werden, sondern nur als Frontmann. Na, das ist doch auch toll! Böse Zungen behaupteten ja im Vorfeld der CD-Veröffentlichung, La Brie sei bei DT als Nur-Sänger leicht zu ersetzen und dass ein Soloprojekt wohl die einzige Möglichkeit für ihn sei, wirklich Verantwortung übernehmen zu können. Das mag ja alles stimmen. Auch, dass der Kanadier nicht gerade der größte Musiker aller Zeiten ist, sondern lieber mit dem Tamburin in der Ecke steht. Aber ehrlich: Er hat es auch gar nicht nötig, sich in selbige drängen zu lassen, denn seine ungeheure Bühnenpräsenz und seine Ausstrahlung machen mangelndes instrumentales Geschick absolut wett.

Was in den folgenden (gefühlten) zwei Stunden auf der Bühne abging, war ein Prog-Rock-Fest ohne Gleichen. Ob das an den mindestens zehn Wasserfläschchen lag, die LaBrie während des Konzerts runterstürzte? Oder am geheimen Inhalt der roten Thermoskannen? Ob's Kamillentee oder Nestle-Sprudel, wer weiß, auf jeden Fall feierte James sein ganzes neues Album (bis auf "Smashed") ab und die Leute, auch wenn sie zum Teil nicht so recht wussten, wer da auf der Bühne stand, gingen richtig mit. Vom Mullmuzzler 2 Album kamen sieben der insgesamt 21 Songs an diesem Abend, die wenigen Rest-Stücke vom ersten "Mullmuzzler".

La Brie schüttelte Hände, sprang auf der Bühne auf und ab, unterstrich in typischer Manier seine Sätze mit der freien Rechten. Vom Standmikro hielt er nichts und begnügte sich damit, das Kabel zu tragen und machte hin und wieder einen lässigen Schritt drüber, wenn man ihn schon am Boden liegen sah.
Später dann, kein Wunder bei dem Tempo, mit dem La Brie einen Song nach dem anderen ins Publikum schleuderte, kamen ein paar kleine Stimmprobleme auf. Aber die für die Tournee angeheuerten drei Musiker (Matt Guillory ¬– Keyboards, John Macaluso ¬– Drums, Marco Sfogli ¬– Gitarre, Andy DeLuca ¬– Bass) waren echte Spitzenklasse und legten das eine oder andere Instrumental ein, damit sich ihr vorübergehender Arbeitgeber erholen konnte. Ein Schlückchen aus der Thermoskanne, und schon ging's wieder.

Überhaupt: Der geliehene Bassist Andy erwies sich als wahres Naturtalent, der in einer der zwei Pausen von La Bries Auftritt die Saiten zum Glühen und sich selbst an den Rand des Kollaps brachte. Den tosenden Applaus, der darauf folgte, habe ich ihm echt gegönnt. Großzügig zeigte sich La Brie auch gegenüber seinen jüngeren Kollegen vom anderen Kontinent und pries Evergrey als "wirklich sehr gute Musiker" an. Er kann sich leisten, anderen ein Lob auszusprechen und selbiges sei hiermit auch für ihn getan: Der Abend mit Evergrey und James La Brie war ein wahres Feuerwerk echt gelungenen Progressive Metals und Prog Rocks und der minutenlange Applaus, als La Brie nach der vierten Zugabe erschöpft mit seinen Musikern von der Bühne wankte, war mehr als gerechtfertigt.

Setlist Evergrey:
Blinded
End Of Your Days
More Than Ever
I'm Sorry
Recreation Day
Mark Of The Triangle
A Touch Of Blessing
The Masterplan

Setlist James La Brie:
Crucify
Alone
Oblivious
Venice Burning
Confronting The Devil
Slightly Out Of Reach
Memories
Undecided
Pretender
Falling
Drained
Lost
Listening
Shores Of Avalon
Save Me
Freaks
A Simple Man
Encore
Stranger
In Too Deep
Invisible

Liz

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