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Interview

Interview mit Graveworm (01.03.2005)

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Seit mehr als zehn Jahren kämpfen sich die Südtiroler Graveworm mittlerweile durch den Musikzirkus. Nun, mit ihrem neuen Werk (N)Utopia sollte den Düstermetallern endgültig der Durchbruch gelingen. Frontmann Stefan Fiori stand zum bisher Erreichten, aktuellen Ereignissen und noch Geplanten Rede und Antwort.

HH: Hi Stefan. Wie geht's?

Stefan: Geht ganz gut. Danke.

HH: Sag mal, welche Frage ist Dir in letzter Zeit am häufigsten gestellt worden?

Stefan: Am häufigsten? Das is wohl die klassische Frage nach den Unterschieden zwischen dem neuen Album (N)Utopia und dem Vorgänger Engraved In Black.

HH: OK. Was sind denn die Unterschiede zwischen Eurem neuen Werk und dem Vorgänger? :-)

Stefan: Na gut. Nach dem Release von Engraved In Black hat uns unser Hauptsongwriter Steve verlassen, da er ja jetzt in Dresden wohnt und die 800 km doch ein ziemlicher Brocken sind. Wir standen dann vor dem Problem, dass wir einerseits einen neuen Gitarristen und andererseits auch einen neuen Songwriter benötigten. Für uns war auch von vornherein klar, dass mit einem neuen Bandmitglied auch ein frischer Wind durch die Band wehen würde, vor allem wenn dieser Jemand dann auch hauptverantwortlich für das Songwriting wäre. Lukas, unser neuer Gitarrist, war von Anfang an an dem Job interessiert, hat uns seine Ideen dargelegt und auch klar gestellt, wie es mit Graveworm in seinen Augen weiterzugehen hat. Nach ein, zwei Monaten hat er uns dann zwei neue Songs präsentiert und wir waren mehr als positiv überrascht, denn es war eigentlich etwas ganz anderes als das, was wir bisher gemacht hatten, aber es klang doch nach Graveworm. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Alben ist daher auch, dass die neuen Songs auf der Gitarre und nicht, wie auf Engraved In Black, auf dem Keyboard entstanden sind. Deshalb sind die Gitarren auf dem neuen Album auch sehr dominant, stehen sehr im Vordergrund und blasen auch ordentlich...

HH: Die Keys sind im Vergleich zu den alten Scheiben ja generell sehr zurückgefahren worden. Habt Ihr hier noch mehr verändert?

Stefan: Die Gesangslinien sind im Vergleich zu früher etwas anders. Da Lukas auch viele der Texte geschrieben hat, ist hier schon mehr Abwechslung in den Songs vorhanden. Aber ansonsten hat sich nicht so viel geändert.

HH: Ist Dir von Eurem Studioaufenthalt etwas im Kopf hängen geblieben?

Stefan: Ach weisst Du, das Arbeiten mit Andy im Studio ist immer sehr schön. Er ist ein sehr professioneller Typ und auch das siebte Bandmitglied, wenn wir im Studio sind. Für uns sind die Songs immer zu 100% fertig, bevor wir ins Studio gehen, aber durch ihn kommen dann halt auch andere Sichtweisen und neue Ideen rein, da er die Songs aus einem anderen Blickwinkel sieht. Er ist ein Typ, der 200% von einem erwartet und die auch rauskitzelt. Man fällt abends dann zwar todmüde ins Bett, aber letztendlich hört man auch, dass er etwas bewegt hat.

HH: Wieviel Songs schreibt ihr für ein neues Album?

Stefan: Bis jetzt haben wir immer nur die Songs geschrieben, die auch auf der CD enthalten sind. Wir wollten zwar schon öfter mit so zwei Dutzend Songs ins Studio gehen und dann zehn, elf aussuchen, aber das haben wir bisher nicht geschafft. Obwohl es sicher praktisch wäre mal ein paar Songs in der Hinterhand zu haben. Man kann ja nie wissen...

HH: Dafür habt ihr ein ziemliche Vorliebe für Coverversionen.

Stefan: Ja, das hat uns auch immer einen ziemlichen Spaß gemacht. Auf dieser CD ist mal keine dabei. Wir waren dieses Mal der Meinung, dass dafür nicht der richtige Zeitpunkt ist, da das Album für uns doch sehr wichtig ist und einen großen Schritt für uns bedeutet. Wir haben nur "Loosing My Religion" neu aufgenommen, weil wir hier bei der letzten CD etwas Ärger bekommen haben, da ich den Text verändert hatte. Viele Leute haben dann nachgefragt wo sie den Song herbekommen würden und wir haben uns dann dazu entschlossen ihn ohne Textveränderung als Bonustrack für die Digipack Version hergenommen.

HH: (N)Utopia ist ja in drei verschiedenen Versionen erschienen: einmal als Standard CD, einmal als Digipack Version und dann als Limited Edition mit allerlei Bonuszeug.

Stefan: Ja, da ist eine DVD mit zwei Liveshows, eine Posteflagge und weiß der Deibel was noch alles dabei...

HH: Habt Ihr Einfluss darauf, was da mit reingepackt wird oder macht das die Plattenfirma in Eigenregie?

Stefan: Nönö. Die Jungs von Nuclear Blast haben uns ein paar vorgelegt und wir haben uns dann für die beiden entschieden.

HH: Die Box ist ja auf 1000 Stück limitiert. Es gibt aber auch eine Reihe von Bands, die ihre einstmals limitierten Sachen neu auflegen und wieder auf den Markt werfen. Wie denkst Du darüber?

Stefan: Das finde ich echt scheisse und das wird es bei uns nicht geben. Ich bin selbst Sammler und würde mir echt verarscht vorkommen, wenn die limitierten Sachen irgendwann neu aufgelegt werden.

HH: Was denkst Du generell über limitierte Sachen?

Stefan: Das halte ich schon für eine gute Idee, nur sollten diese Limited Editions zum gleichen Zeitpunkt wie die normale Fassung auf den Markt kommen. Dann kann jeder für sich selbst entscheiden, was er denn kaufen will. Wenn dann die Teile aber im Abstand von zwei Monaten oder so released werden, riecht das für mich schon gewaltig nach Fanverarsche.

HH: Zur Fanverarsche kannst Du heute aber auch die Merchandise Preise zählen. Wenn man sich mal anschaut, was bei manchen Bands ein einfaches Shirt kostet, kann's dir echt anders werden. Habt Ihr Einfluss auf die Preise?

Stefan: Eher nicht. Wenn wir auf Tour sind, können wir unsere Preise schon in einem gewissen Rahmen selbst festlegen. Wir bekommen von Nuclear Blast den Preis, den so ein T-Shirt in der Produktion kostet und dann haben wir dann einen kleinen Handlungsspielraum. Normalerweise verkaufen dann aber alle Bands ihr Merchandise zum gleichen Preis. Wenn du nämlich deine Artikel billiger an den Mann bringst, gibt das nur böses Blut und die anderen haun dir einen hinter die Rübe. Solche Preise wie bei Iron Maiden finde ich allerdings schon mehr als lächerlich.

HH: Angenommen auf Euch geht jemand zu und verlangt, dass Ihr Eure Shirts für 30 Euro verkaufen sollt. Wie würdest Du reagieren?

Stefan: Da verkauf ich dann lieber gar keine Shirts und beschränke mich auf meine CDs. Da würden wir als Band nicht mitziehen.

HH: Ist bei Euch momentan eine Tour oder ein Festivalauftritt in Planung?

Stefan: Wir werden im Frühjahr auf dem Metal Camp Slovenia und auf einem dänischen Festival spielen. Für Deutschland ist hier noch nichts geplant. Dafür gehen wir im April mit Finntroll auf Tour. Hier habe ich aber noch keine bestätigten Konzerttermine vorliegen. Aber mit Finntroll wird das sicherlich lustig und wir werden wohl eine Menge Spaß haben.

HH: Beim Wort Spaß fällt mir gleich was andres ein. Einige andere Musiker haben gesagt, dass sie sofort aufhören würden, wenn ihnen der Spaß an der Sache verloren geht. Wär das für Dich auch ein Punkt an dem Du alles hinwerfen würdest?

Stefan: Auf alle Fälle! Wir leben ja nicht von der Musik. Die anderen haben nebenbei noch ihre Arbeit und ich studiere in Innsbruck. Die Musik ist und bleibt ein Hobby für uns, denn mit der Art von Musik kannst Du heutzutage nicht mehr reich werden. Wenn dann der Spaß noch weg wäre, wäre es besser aufzuhören. Graveworm raubt uns ja die gesamte Freizeit und den Urlaub den wir haben. Und ohne den nötigen Spaß an der Sache würde das ja keinen Sinn machen. Aber momentan besteht hier wirklich keine Gefahr.

HH: Wenn Du mal ein paar Jahre zurück denkst und Dich an die Anfangstage von Graveworm besinnst, hättest Du gedacht, dass Ihr eines Tages dort steht, wo Ihr jetzt steht?

Stefan: Ne, überhaupt nicht. Es ist irgendwie schon wie ein Traum, das alles erreicht zu haben, was wir bis jetzt geschafft haben - also z.B. in Wacken oder auf dem Summerbreeze zu spielen. Wir haben da eine Liste, die wir am Anfang erstellt haben, mit den Dingen, die wir mal erreichen wollten und so langsam werden die Punkte immer weniger.

HH: Dann müsst ihr mal neue drauf schreiben...

Stefan: Öh, äh, jaaaaaaa... aber da stehen noch ein paar Sachen drauf. Zum Beispiel mal in Amerika oder in Japan ein paar Konzerte zu geben.

HH: Na gut, dann hoffen wir mal, dass ihr hier auch mal eure Häckchen machen könnt. Sag mal, wann bist Du eigentlich zur Musik gekommen?

Stefan: Da war ich so 12 oder 13. Das ging an mit Bon Jovi über Iron Maiden und Sepultura. Von denen hab ich mir dann eine CD gekauft, die ich anfangs nur noch schrecklich fand, weil sie mir viel zu hart waren, aber dann ist der Funke doch noch irgendwann über gesprungen. Dann kamen so Sachen wie Cannibal Corpse und von da an war's halt um mich geschehen.

HH: Wie schaut's mit Deinen momentanen Präferenzen aus?

Stefan: Ach, das wechselt sich bei mir immer wieder ab. Momentan sind da eher die moderneren Sachen wie In Flames, Mnemic und Killswitch Engage angesagt.

HH: Gibt es irgendwas, was bei Dir überhaupt nicht aus dem Lautsprecher kommt?

Stefan: Ja gut, bei Volksmusik platzen mir die Ohren. Aber ansonsten gibt es da keine Einschränkung. Ob jetzt Pop oder Hip Hop - von Eminem hab ich mir neulich auch die CD gekauft - da gibt's eigentlich keine Einschränkung bei mir.

HH: Besteht dann auch irgendwann die Gefahr, dass man Einflüsse aus diesem ganzen Stilsammelsurium in Euren Songs wieder findet?

Stefan: Nein, das glaub ich jetzt weniger. Metal ist nun mal unsere Hauptmusik und da ist kein Platz für andere Stilelemente. Ausserdem gibt es hier auch genug Richtungen aus denen man unterschiedliche Elemente integrieren kann.

HH: Wenn man nun mal Euer neues Album betrachtet, von welcher anderen Band habt Ihr Euch Deiner Meinung nach am meisten beeinflussen lassen?

Stefan: Wenn Du da mal genau hinhörst, wirst Du merken, dass wohl Hypocrisy hier am stärksten vertreten ist. Das liegt wohl daran, dass Peter und Hypocrisy zu unseren Lieblingsmusikern gehören.

HH: Du hast vorher mal Killswitch Engage genannt. Die gehören ja mit zu den Vorreitern der NWOAHM und Metal Core Geschichte. Das scheint sich ja analog der Melodic Death Geschichte aus Schweden zu dem nächsten großen Trend zu entwickeln. Wie stehst Du zu diesem Thema?

Stefan: Das ist ja irgendwo normal. Wenn ein Stil Erfolg hat, sprießen da auch die Bands wie Unkraut aus dem Boden, aber irgendwann ist der Markt gesättigt und nur die wirklich guten Bands überleben. Alle anderen verschwinden dann auch wieder. So ist es schon im Death und Black Metal geschehen und so wird es auch im Metal Core Bereich passieren. Dann wird es wahrscheinlich auch ein paar Bands erwischen, die es verdient hätten nach oben zu kommen - aber das ist halt mal so...

HH: Machen wir mal einen kurzen Schwenk zum Thema mp3 und Filesharing. Dabei handelt es sich ja um ein viel diskutiertes Thema und mich würde Deine Meinung dazu interessieren.

Stefan: Ich halte das - vor allem für eine Band unserer Größe - für eine große Möglichkeit, denn die Chancen die Band und die Musik so über das Internet zu promoten sind einfach rießig. Von daher bin ich dem gegenüber sehr positiv eingestellt. Ich saug mir ja auch hin und wieder Songs, aber wenn mir die Scheibe letztlich gefällt geh ich ins Geschäft und kauf sie mir. Es ist einfach etwas ganz anderes die CD daheim aufzumachen, das Booklet anzuschauen und die Texte etc. zu haben, als nur irgendein File auf dem Rechner. Die Musikindustrie redet die ganze Zeit von Verlusten, aber bis jetzt hab ich noch keine Zahlen gesehen, die das alles belegen und auf das Filesharing zurückführen lassen. Alle reden von den großen Verlusten, aber woher die kommen, kann dir auch niemand sagen.

HH: Also meiner Meinung nach, kommen die roten Zahlen aus dem ganzen Geschäft mit den gehypten Eintagsfliegen im Popbusiness...

Stefan: Möglich, diese Bands haben dann zwei Hits und wer kauft sich schon eine CD mit zwei Hits und 13 mal Müll? Da stimmt dann wohl die Relation zwischen Aufwand und Ertrag nicht so ganz.

HH: Wo wir schon mal in dieser Ecke sind: Was hältst Du von Casting Shows?

Stefan: Anfangs, also zu No Angels Zeiten, war das ja noch ganz witzig, aber mittlerweile ist da die Luft schon raus. Grundsätzlich ist das ja nicht schlecht, denn auf die Art kannst du schon ein paar talentierte Musiker oder Sänger finden. Aber es ist jetzt schon langsam an der Zeit, dass sich die Herren bei den Sendern auch mal wieder was Neues einfallen lassen.

HH: Gehen wir doch mal ein wenig zurück in Eure Vergangenheit. Ihr habt ja anfangs eine Menge negatives Feedback einstecken müssen, da Euer Melodic Black Metal überhaupt nicht angenommen wurde - weder bei der Presse noch in der Szene. Hat Euch das in irgendeiner Weise beeinflusst?

Stefan: Ne, eigentlich nicht, denn wir machen heute genauso wie damals genau die Musik die uns interessiert, auf die wir Lust haben. Sicherlich nerven die ganzen Vergleiche mit Cradle Of Filth oder Dimmu Borgir irgendwann, denn wir wollen nach wie vor unser eigenes Ding machen und diese Vergleiche machen dir die Sache nicht gerade einfacher. Aber heutzutage wirst du immer gleich in eine Schublade gesteckt und uns hat das irgendwann nicht mehr interessiert. Wir machen unsere Musik, haben Spaß daran und wenn du auf einem unserer Konzerte bist, siehst du eine Menge Leute, die genauso denken und ihren Spaß haben. Das ist letztlich das, was zählt.

HH: Lass uns wieder ins hier und jetzt kommen. Vor ein paar Wochen ist ja Dimebag Darrel während eines Konzertes erschossen worden...

Stefan: Das ist schon wirklich eine scheiss Sache sowas. Da kommt irgendein Beknackter und knallt Leute um... Das sind Sachen, die nicht passieren sollten, aber dummerweise halt doch geschehen. Dimebag war eine Person, die für die Musik gelebt hat und die auf der Gitarre Sachen gemacht hat, die du sonst nie gehört hättest. So haben wir eine Person verloren, die die Szene geprägt hat.

HH: Ist das etwas, das man im Hinterkopf hat, wenn man selbst auf der Bühne steht?

Stefan: Gott bewahre! Wenn du mit solchen Gedanken im Kopf auf die Bühne gehst, dann ist es besser du hörst auf.

HH: Lass uns wieder zu erfreulicheren Sachen kommen. Wo siehst Du Dich und Graveworm in fünf Jahren?

Stefan: Puh, das ist eine gute Frage. Für mich persönlich hoffe ich, dass ich bis dahin mein Architekturstudium abgeschlossen habe. Im Bezug auf die Band hoffe ich, dass wir bis dahin immer noch Spass an der Musik haben und Konzerte spielen werden.

HH: Kommen wir nochmal schnell zum neuen Album. Wenn Du es mit einem Film vergleichen müsstest, welcher wäre das?

Stefan: Originelle Frage... (nicht bei uns *g* - JR)... ... ... X-Men

HH: ???

Stefan: Abgefahrene Typen, die kreuz und quer durch die Welt irren und keinen Plan haben. Passt irgendwie.

HH: Drei Dinge für eine einsame Insel?

Stefan: Eine Stereoanlage, eine mit mp3s vollgepackte CD und meine Freundin.

HH: Welche Insel wäre das dann?

Stefan: Irgendwo im Pazifik - Hauptsache warm is es.

HH: Dann bedank ich mich, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Die letzten Worte des Abends gehören Dir.

Stefan: Danke an alle, die uns bisher unterstützt haben. Genießt unser neues Werk und Euer Leben. Wir sehen uns auf Tour.

JR

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