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Interview

Interview mit September Murder (01.08.2013)

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Logo September Murder

Mit ihrem zweiten Album He Who Invokes Decadence fahren September Murder einen technischeren aber auch abwechslungsreicheren Kurs als auf dem Debüt Agony In Flesh. Wie sich die Lineup-Änderungen seit dem Erstling auf die neue Scheibe ausgewirkt haben und was sie mit einer Zitrone zu tun hat, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

HH: Vier Jahre sind inzwischen seit eurem Debüt Agony In Flesh vergangen, die neue Scheibe He Who Invokes Decadence ist draußen, der Sommer kommt auch langsam in Gange und die Kritiken zum neuen Album sind soweit ich das beurteilen kann überwiegend positiv... Wie ist die Lage angesichts der Situation bei euch?

Olli: Ich bin sehr froh und glücklich über die bisherige Resonanz auf unser Album. Die Scheibe kam, wie du selbst sagst, überwiegend gut bis sehr gut an und ich bin extrem heiß darauf, die Songs nun auch in Gänze live zu präsentieren.

Marcus: Ich bin ebenfalls sehr zufrieden mit der Resonanz. Wir haben alle viel Kraft in dieses Album gesteckt und es hat sich wirklich gelohnt.

HH: Seit Agony In Flesh hattet ihr zwei Line-Up-Wechsel zu verkraften. 2009 kam mit Clemens ein neuer Schlagzeuger, mit Marcus habt ihr dann auch einen neuen Bassisten an Bord. Wie hat sich das auf die Band insgesamt ausgewirkt?

Emu: Das hatte alles einen sehr starken Einfluss auf die Band, von der Art und Weise Musik zu schreiben, bis hin zum Bandempfinden. Clemens stieg damals noch während der Produktion zu Agony In Flesh ein. Wir hatten also, bevor wir uns Gedanken zum Nachfolger machten, genug Zeit uns aufeinander einzuspielen und uns kennen zu lernen. Da die Basis der Musik bisher immer zwischen mir und dem Schlagzeuger entstand, war mir das auch sehr wichtig. Als Marcus dann während der Arbeiten zu He Who Invokes Decadence dazukam, hatten wir uns vorgenommen ihn fest in den weiteren Entstehungsprozesses des Albums mit einzubinden. Wir wollten schließlich, dass er sich auch vollständig mit der Musik identifizieren kann, daher bin ich froh, dass sämtliche Bassparts des Albums aus seiner Feder stammen. Ich habe mich in der Band seit der Gründung selten so komplett gefühlt.

HH: Auf He Who Invokes Decadence geht ihr in meinen Ohren technischer und progressiver zu Werke als auf Agony In Flesh. War dies eine bewusste Entscheidung beim Songwriting?

Clemens: Nein, allerdings wollten wir das neue Material aber ganz bewusst anders klingen lassen, denn eine zweite Agony in Flesh im eigenen Plattenschrank stehen zu haben, wäre für uns wohl alle kein hinreichend befriedigendes Gefühl. Für mich persönlich waren zunächst die Akzente in Emus Gitarrenarbeit besonders interessant, die sie auf Agony fast durchweg von Vollgas-Drumming begleitet wurden. Dahingehend war mein Plan, mich der Gitarrenarbeit vor allem mit Groove anzunähern und extreme Passagen planvoll genug einzusetzen, dass sowohl für Bass und Gesang an sich, als auch für Experimente mit ruhigeren und fast minimalistischen Klängen in diesem Räderwerk genug Raum zum Greifen bleiben. Und ich denke, in diesem Raum auf der Decadence spielt sich eine Menge der von dir angesprochenen Progressivität ab!

HH: Wo seht ihr die größten Unterschiede zwischen den beiden Alben?

Emu: Mit Agony In Flesh wollten wir ein lupenreines Death Metal-Album schreiben. Das stand von Anfang an im Vordergrund. He Who Invokes Decadence sollte jedoch ein September Murder-Album werden, ein Album mit einem eigenen Sound und einer Band, die für diesen Sound steht. Als wir reifer wurden und einsahen wie viel Potential in musikalischer Entwicklung steckt, wollten wir uns dieser nicht verschließen. Wir sind schließlich Musiker und keine Szene-Hipster. He Who Invokes Decadence mag anders klingen als andere Bands, dennoch schraubt einem das Album Track für Track den Schädel ab. Das Tolle daran ist, dass wir es genau darauf überhaupt nicht angelegt haben. Diese Platte klingt, wie sie klingen wollte und sollte. Wenn der Hörer auch nur ansatzweise nachempfinden kann, wie viel Spaß wir beim Songwriting hatten, ist das das schönste Gefühl überhaupt.

HH: Wie kann man sich das Songwriting bei September Murder vorstellen? Trefft ihr euch im Proberaum und zockt drauf los oder sitzt jeder daheim im Kämmerlein und tüftelt an den eigenen Ideen?

Clemens: Es ist sicherlich eine Mischung aus beiden. Viele Ideen entstehen bereits zu Hause und gesellen sich zu denen, die sich beim gemeinsamen Ausprobieren im Proberaum ergeben, diese werden dann zu Hause wieder verfeinert usw. So entstand jedenfalls das instrumentale Gerüst von He Who Invokes Decadence, jedoch zunächst nur mit Gitarre und Drums. Marcus am Bass entpuppt sich aber seit den Studioaufnahmen mit jeder gemeinsamen Probe zunehmend als kreativer Kopf, der unseren Sound sicherlich noch um einiges bereichern wird.

Olli: Ich schreibe meine Texte im Regelfall erst, wenn ich das fertige Grundgerüst eines neuen Songs zuhause habe. Emu und Clemens erstellen dann ein Soundfile, in dem die Drums und die Gitarre einigermaßen herauszuhören sind oder wir nehmen zum Teil sogar noch ganz klassisch auf Kassette oder Handy auf, damit ich mir in Ruhe meine Gedanken machen kann.

Marcus: In meinem speziellen Fall waren die Songs soweit schon fertig. Da wir aber nichts übers Knie brechen wollten haben wir uns Gedanken gemacht wie der Bass das Material in vollständige Songs verwandeln kann. In meinen Augen hat das super geklappt.

HH: Wie der Albumtitel schon andeutet, dreht es sich textlich um Zerfall und Dekadenz. Welche Themen haben euch beim Schreiben beeinflusst?

Olli: Da sich jeder von uns viel Zeit bei dem neuen Material genommen hat, hatte ich als Textschreiber auch die Möglichkeit Ausschau nach vielen neuen Inspirationsquellen zu halten oder auf das zu achten, was mich beschäftigt. Als ich den ersten Song "Two Culprits, One Oath" schrieb, war der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in aller Munde und ohne religiöse Tendenzen einschlagen zu wollen wusste ich, dass Moral und Zerfall Kern des neuen Albums werden sollten.

HH: Inwieweit spiegelt das Artwork die Texte wieder?

Olli: Das Artwork ist die Versinnbildlichung der letzten beiden Songs "In Celebration Of Mankind's Wretchedness" und dem Titeltrack "He Who Invokes Decadence". Diese hängen in ihrer Thematik zusammen und erzählen die Konsequenz unseres - nicht immer bewusst wahrgenommenen - Werteverfalls. Wenn man selbst zum schlechten Menschen wird, ist es schwer nachfolgenden Generationen vorzuleben, es nicht zu sein. In dem Artwork sowie den beiden Songs verfolgt man den Werdegang einer Familie bis zu deren Untergang. Psychisch und physisch.

HH: Habt ihr euch als Band beim Erstellen des Artworks eingebracht oder habt ihr nur den groben Rahmen vorgegeben?

Olli: Unser Grafiker Christian Herzer und ich haben das Artwork zusammen entwickelt. Ich war maßgeblich für das zuständig, was darin vorkommt. Er war dafür zuständig, wie es umgesetzt wird.

HH: Welche Songs wurden von Fans und Kritikern bisher besonders gelobt?

Clemens: Ganz weit vorne liegen, glaube ich, "Among Vultures" und unser Doppelsong "From Adoration... To Deterrrence". Das freut mich sehr, da diese beiden Nummern sehr typisch für alles Neue in unserem Sound sind. Zudem zeigt es uns, dass die Leute zuhören und sich mit unserer Musik auseinandersetzen, was nicht unbedingt selbstverständlich ist.

HH: Hat es irgendeinen Einfluss auf euch oder euer Songwriting, wenn bestimmte Aspekte eures Schaffens besonders gelobt oder kritisiert werden? Oder ist euch das egal?

Marcus: Ich denke, dass wir alle uns recht intensiv mit Kritiken sowie Lob beschäftigen. Einen direkten Einfluss wird es nicht üben, da wir unser Ding machen. Ich finde es jedoch super, wenn Fans ganz offen sagen was sie denken. Ob es die Livesituation ist oder aber unsere Arbeit im Studio betrifft.

HH: Welche Songs sind eure Favoriten? Warum?

Olli: Mein Favorit ist "May Conviction Force Reckoning". Er ist extrem abwechslungsreich und dennoch hart. Außerdem macht er live sehr viel Spaß.

Clemens: Bei mir wechselt das von Zeit zu Zeit. Momentan freue ich mich schon sehr darauf, beim nächsten Konzert wieder das kurze, knackige "Two Culprits, One Oath" zu spielen.

Marcus: Mein Favorit ist ganz klar "Among Vultures". Dieser Song ist super groovig und wird ab der Mitte herrlich verspielt. Gerade Live ist das ein sehr anspruchsvoller Song auf den ich mich immer freue.

Emu: Bei mir ist das auch von Woche zu Woche anders. Für mich war es schön, bei unserer Release-Show in Leipzig mal das komplette Album spielen zu können. Da die Platte mit 50 Minuten verhältnismäßig etwas länger ist und die Leute meist auch gern unser altes Material hören wollen, haben wir bei den Shows nicht oft die Gelegenheit dazu.

HH: Welche Tracks kann man in kommenden Setlists erwarten?

Olli: Unser Set variieren wir eigentlich immer von Show zu Show. Logischerweise dürfen die Fans aber damit rechnen, dass sie bei den kommenden Konzerten auch alle Songs der neuen Scheibe live hören werden.

Emu: Ja, es lohnt sich also nicht nur ein Konzert zu besuchen.

HH: Wie würdet ihr eine typische September Murder-Show beschreiben?

Clemens: Viel Energie und die Musik, die wir lieben! Wer sich darauf einlässt, wird in der Regel nicht enttäuscht.

Emu: Das Live-Erlebnis ist für mich wie Spielen im Proberaum, nur mit besserem Licht. Das meine ich durchweg positiv. Wenn ich mich wohl fühle auf der Bühne, gehe ich gänzlich in der Musik auf und blende alles andere aus. Das wirkt optisch meist immer etwas verstörend auf die ersten Reihen, da wir dazu neigen, selbst einen kleinen Kellerklub in einen Hexenkessel zu verwandeln.

HH: Welche Pläne habt ihr um He Who Invokes Decadence live zu promoten? Werdet ihr auch im süddeutschen Raum spielen?

Emu: Wir haben bis jetzt einige Termine für die zweite Jahreshälfte gebucht, ich glaube aber, dass die meisten davon im mitteldeutschen, bis norddeutschen Raum stattfinden. Ich hoffe aber wir schaffen es auch noch Richtung Süden.

HH: Wenn He Who Invokes Decadence eine Frucht wäre, was wäre das und warum?

Olli: Eine Zitrone. Erst ziemlich eklig, aber irgendwie will man dann doch nochmal.

HH: Vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg für die Zukunft. Die letzten Worte gehören euch!

Emu: Habt Dank für die Einladung und vielen Dank an die Leser! Und vergesst nicht, der Underground lebt von euch Fans! Wir wünschen euch das Beste!

Cheers!
SM

Lord Obirah

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