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Interview

Interview mit Helfahrt (25.04.2010)

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Die bayerische Black-Metal-Band Helfahrt muss man im Auge behalten. Denn mit Drifa haben sie ein Album vorgelegt, das sich durchaus mit der landeseigenen Elite messen lässt. Sänger Max Marquardt erwies sich als angenehmer Interview-Partner, stand mir Rede und Antwort und plauderte über das Album, Live-Impressionen und gegenwärtige Gesprächsthemen in der Black-Metal-Szene...

HH: Hallo und beste Grüße aus der südlichsten Ecke des Freistaates. Ich nehme an, du kennst unser Magazin und hast vielleicht auch schon das Review zu Drifa gelesen. Findest du, dass das Album gut getroffen wurde?

Max: Grüß dich! Ich denke du triffst in deiner Rezension unser neues Album recht gut, was sehr zu begrüßen ist. Vor allem zu unterstreichen ist deine Meinung über den besseren
Sound im Vergleich zu Wiedergang. V. Santura von Dark Fortress und Tryptikon war diesmal für Aufnahme und Mastering zuständig - ich denke, er hat phantastische Arbeit geleistet und genau den Sound hin bekommen den wir haben wollten - nicht wie bei den beiden Vorgängeralben, bei denen der Sound zwar nicht schlecht, allerdings auch nicht unbedingt repräsentativ für uns war. Auch dein Vergleich mit norwegischen Bands der 90er Jahre als Inspiration trifft sehr gut den Nagel auf den Kopf. Also kann ich dein Review durchaus als gelungen betrachten.

HH: Freut mich zu hören! Wie sind die Reaktionen von Presse und Fans im Allgemeinen bislang ausgefallen und bist du mit dem Resultat zufrieden?

Max: Leider muss ich zugeben, dass ich nicht unbedingt derjenige bin, der Fragen wie diese beantworten sollte, da ich extrem schwer zufrieden zu stellen bin und somit nicht unbedingt repräsentativ für die Meinung der Band hinsichtlich dieses Themas stehe. Bisher kann aber sogar ich sagen, dass ich die bisherigen Reaktionen durchaus positiv finde. In den Rezensionen schneiden wir überdurchschnittlich gut ab, Freunde und Gönner unserer Musik loben uns und Kritiker beschäftigen sich eingehender mit unseren neuen Kompositionen. Ich denke ich sollte zufrieden sein. Der Rest der Band ist es zumindest.

HH: Drifa klingt meines Erachtens nach um einiges düsterer, schwerer und auch aggressiver als sein Vorgänger. Ist das Teil eines natürlichen Prozesses oder steckt vielleicht doch eine bestimmte Absicht dahinter?

Max: Wir haben noch nie Musik mit einer bestimmten Absicht gemacht. Absichtliche Kreativität gibt es nicht. Kunst kann niemals durch Zwang entstehen und Melodiefolgen oder Riffs kommen und gehen, sind abhängig von persönlichen Stimmungen und verschiedenen Lebensabschnitten. Mit Drifa fingen wir relativ kurz nach den Aufnahmen von Wiedergang an, nicht weil wir beabsichtigen alle zwei Jahre ein Album zu veröffentlichen, sondern weil wir zu dieser Zeit besonders kreativ waren. Ich kann dir nie im Vorfeld sagen, wie sich ein Song entwickelt, ob der eher düster oder eher melancholischer ausfallen wird. Wir sind wohl noch eine der letzten Bands, die tatsächlich ihre Musik zusammen im Proberaum arrangieren, ganz im Stil der alten Schule. Für mich ist ein Riff erst wirklich gut, wenn ich es Stunden lang immer wieder spiele und vor meinem geistigen Auge Bilder auftauchen. Das ist dann ein ähnliches Gefühl wie high zu sein - nur ohne Drogen. Es hat etwas davon, seinen Körper zu verlassen. Oft spielen wir Riffs in einer Endlosschleife im Proberaum, teilweise sehr lange. Hierbei entstehen wiederum Ideen und Arrangements. Ich glaube wir alle haben eine weitere Stufe der Entwicklung genommen - es ist, wie du schon eingangs erwähnt hast - ein natürlicher Prozess. Und das macht mich sehr glücklich.

HH: Weil das Album recht düster ausgefallen ist, wurde es in meiner Rezension mit dem Material euerer Namensvettern Helrunar verglichen. Kannst du mit dem Vergleich leben oder siehst du das vielleicht ganz anders?

Max: Helrunar zählen sicherlich zu jenen Bands, welche das Black Metal-Genre immens beeinflusst haben und ich habe keinerlei Einwände mit einer Band wie Helrunar verglichen zu werden. Allerdings finde ich, dass wir unseren eigenen Stil haben und dies hört man auch sehr schnell heraus. Nicht nur was die Kompositionen und Texte betrifft. Sicherlich kann ich nicht abstreiten, dass Gemeinsamkeiten vorhanden sind, es ist auch nicht das erste Mal, dass wir mit Helrunar verglichen werden. Jedoch bin ich der Meinung, dass unsere Art des Komponierens sich deutlich von Helrunar abhebt.

HH: Worum drehen sich die Stücke auf dem Album?

Max: Die Texte werden in erster Linie von mir und unserem Gitarristen Sebastian verfasst. Generell sind wir beide der Meinung, dass es den Reiz der Lyrik nimmt, wenn ich dir diese jetzt offenlege und dir genau erklären würde, um was es in Song XY genau geht und wie Textpassage YY genau interpretiert werden soll. All meine Texte sind sehr persönlich, ich benutze ab und an Schlagwörter aus der germanischen Mythologie, um bestimmte Abschnitte meiner Lyrik in Metaphern zu setzen. Hauptinspirationsquelle für das Schreiben der Texte war diesmal sehr viel Persönliches, viel selbst Erlebtes, was ich besser für mich behalte und somit lege ich jedem Leser ans Herz, sich eingehender mit meiner und Sebastians Lyrik zu befassen - manch einer wird sich vielleicht selbst in unseren Texten finden.

HH: Wir haben auf unserer Seite auch zwei Live-Berichte noch recht junger Helfahrt-Konzerte stehen, nämlich vom Wolfszeit-Festival im letzten Jahr und vom Rosenheimer Bavarian Battle 2010. Wie sind dir diese Konzerte in Erinnerung geblieben?

Max: Durchaus gut! Beide Auftritte verliefen äußerst positiv für uns, das Publikum feierte uns frenetisch und auch sonst können wir hinsichtlich der beiden Veranstaltungen selbst nichts Negatives berichten. Allerdings hatten wir bei beiden Gigs mit schweren technischen Problemen zu kämpfen. Auf dem Wolfszeit-Festival ist unserem Schlagzeuger tatsächlich der Snare-Drum-Ständer zerbröselt - sowas habe ich in meiner ganzen Karriere als Künstler noch nicht erleben dürfen. Jedoch finde ich, dass wir diese Schwierigkeiten recht gut meistern konnten - das viele Touren und die Gigs haben für Selbstsicherheit und Souveränität gesorgt. Selbst wenn wir am Vorabend mal einen über den Durst getrunken haben.

HH: Hattet ihr letztes Jahr Bedenken, auf dem Wolfszeit aufzutreten? Ich meine, die Organisatoren waren zwar bemüht, die unerwünschte Kundschaft auszugrenzen, gelingen wollte das am Ende aber doch nicht wirklich, was man besonders auf den Zeltplätzen merkte...

Max: Bedenken waren sicherlich gegeben. Hierzu muss man jedoch verstehen, dass Helfahrt keine Band ist, die sich byzantinischen Dogmen unterwirft und sich jedoch vor allem auch nicht skurrile Meinungen über etwaige politische Einstellungen anheften lässt. Wir sind eine unpolitische Band - Kunst ist keine Politik und Politik keine Kunst. Wir wurden bereits vom Veranstalter die Jahre zuvor vermehrt eingeladen das Wolfszeit-Festival zu beehren, lehnten jedoch immer wieder ab, da entweder die äußeren Umstände oder eben ungewollte politische Gegebenheiten einen Auftritt unsererseits nicht tragbar gemacht hätten, wie z.B. der Vorfall mit Taake seinerzeit! Zu schnell wird man als Black Metal-Band, wie wir es sind, in politische Richtungen gedrängt, hat sich bei den Zuhörern erst ein negativer politischer Ruf auf die Band manifestiert, ist es meistens sehr schwierig - teilweise gar unmöglich, aus diesem Malstrom der Vorwürfe auszubrechen. Credo: Der Veranstalter hat keinen Einfluss auf die politischen Ansichten und Einstellungen seines Publikums. In diesem Land herrscht Meinungsfreiheit und ich persönlich sehe es als genauso verwerflich an, Menschen anderer Überzeugung als die der allgegenwärtigen political correctness von vornherein auszugrenzen. Wir hatten ähnliche Zustände vor ca. 60 Jahren, daran muss ich nicht groß erinnern.

HH: In Punkto political correctness ist ja auch der Veranstalter des Festivals selbst in jüngster Zeit massiv in die Kritik geraten. Hast du eine Meinung, zu dem was da im Moment passiert?

Max: Wie bereits erwähnt, bin ich der Meinung, dass Politik nichts in der Kunst verloren hat. Die plötzliche Empörung über den Veranstalter aufgrund eines Fotos kann ich jedoch nicht wirklich nachvollziehen, da im Prinzip jeder über zwielichtige Vorfälle und Gäste auf dem Festival Bescheid wusste. Das war kein Geheimnis! Es war für mich persönlich vollkommen klar, dass es zu einer Eskalation der Dinge kommen würde - das berühmte Spiel mit dem Feuer eben. Mir scheint es jedoch auch so, dass heutzutage viele Bands absichtlich in politische Extreme abdriften, um so Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Purer Satanismus oder Atavismus reichen nicht mehr aus, um zu provozieren. Daher bedient man sich nun eben politischer Extreme, um die Blicke Anderer für sich zu gewinnen. Meines Erachtens eine Rechnung, die niemals aufgehen wird.

HH: Ein guter Haken unter diesem Thema! Zurück zur Musik: mit der dürftet ihr ja ganz gut den Nerv der Zeit treffen. Wo siehst du Helfahrt in zehn Jahren? Glaubst du der Hype um Pagan und Black Metal wird noch lange anhalten?

Max: Wir haben uns nie an Trends orientiert. Weder zu Beginn unseres Schaffens, noch jetzt im gegenwärtigen Augenblick. Eher im Gegenteil haben wir, wie z.B. auf Wiedergang gegen den Trend gearbeitet und Genre-untypisches Liedgut kreiert. Ich interessiere mich nicht für so genannte Hypes oder angesagte Strömungen innerhalb der Szene. Viele Bands, v.a. auch aus dem Black Metal-Bereich, benahmen sich in den letzten Jahre subaltern, änderten drastisch ihren Stil und verrieten sich somit selbst - nur um ein paar mehr Platten zu verkaufen oder um ein paar mehr Zuschauer vor die Bühne zu locken. Jetzt wo der Trend um Pagan Metal langsam am Abflauen ist, merkt man schnell, wer Musik mit Ernsthaftigkeit betreibt und wer nur Trendreiter ist. Black und Pagan Metal wird es immer geben und mit diesem Stil auch seine Anhänger. Die Einflüsse, welche von innovativen Künstlern in die Szene getragen werden, beeinflussen und formen diese Stile immer wieder und somit werden neue Trends innerhalb der Sub-Genre entstehen; und wieder sterben. Das ist der Lauf der Zeit, Omnia tempus habent!

HH: Wie erklärst du dir das nach wie vor ungebrochen große Interesse an dieser Musik?

Max: Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Musik ist für Menschen, welche Geduld und Hingabe besitzen. Nietzsche hat das bereits gut erkannt und ich glaube dass vor allem Black Metal aus dem relativ einfachen Grund ein ungebrochenes Interesse nach sich zieht, da kaum eine andere Art der Musik so viel Atmosphäre und Emotionalität vereint wie diese. Wer Geduld besitzt, sich mit Musik eingehender zu befassen, sich in ihr verliert, träumt - der ist noch am Leben.

HH: Dann bedienst du dich in deiner Freizeit auch dieses Genres oder hörst du vielleicht was komplett anderes?

Max: Mein persönlicher Musikgeschmack ist sehr breit gefächert und äußerst komplex. Von den eigenen Kompositionen abgesehen höre ich nahezu keinen Metal mehr. Ein paar alte 90er Jahre Sachen wie Fleurety oder Ved Buens Ende - ansonsten verstaubt derzeit meine Metal-CD-Sammlung. Das kann sich aber auch wieder ändern - ich mache mir da keine allzu großen Sorgen. Inzwischen höre ich viel R'n'R der 30er-60er Jahre, Acid Rock wie The Doors, Vanilla Fudge, American Folk wie z.B. 16 Horsepower, J.P. Whipple, Dixieland Jazz und wirren Kram wie Pelican oder Mono. Auch ab und an Stoner Rock wie die allmächtigen Kyuss. Man sollte sich niemals Grenzen setzen und den eigenen Geschmack durch äußere Dogmen limitieren, wie es mir oft in allen Szenen zu sein scheint. Erweitere deinen Horizont!

HH: Zurück zum aktuellen Album! Erste Live-Eindrücke von Drifa konnten die Besucher des Bavarian Battle ja schon bekommen. Wie ist es um weitere Konzerte oder Festivals in diesem Jahr bestellt?

Max: Dieses Jahr sind im Frühjahr und Sommer nur wenige exklusive Auftritte von uns zu erhaschen. Wir möchten vermeiden, zu viel Live zu spielen und wählen daher die Gigs mit Bedacht aus. Einen Blick auf unsere Website sollte der interessierte Leser riskieren, um zu erfahren wann und wo diese Auftritte stattfinden werden. Im September beehren wir das MehSuff Open Air in der Schweiz - im Oktober werden wir zusammen mit Menhir und weiteren Bands wieder auf Europa-Tournee gehen. Im Februar 2011 ist ebenfalls eine Tour geplant.

HH: Wir sind auch schon am Ende angelangt. Die letzten Worte an unsere Leser gehören natürlich dir.

Max: Führe dir unser neues Werk zu Gemüte, lehn dich zurück, rauche eine Zigarette, trinke ein Glas Whiskey und lasse dich gehen. Kauf unser Album, besuche unserer Konzerte - du wirst es nicht bereuen!

Dagger

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