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Interview

Interview mit Opeth (30.10.2009)

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Im Zuge des Summer Breeze Festivals hatten drei Redakteure Gelegenheit, in die heiligen Ebenen der Artist Area einzudringen, um ein Gespräch unter acht Augen mit Opeths Keyboarder Per Wiberg zu führen. Dabei erfuhr das marodierende HH-Team einiges über die Pläne der Progger, die Rolle des Bandleaders Mikael und die mangelnde Vorbereitung des Schriftführers dieses recht informativen Palavers.

HH: Wir freuen uns, dieses Interview zu führen. Wie geht's dir?

Per: Gut. Wir sind vor ein paar Stunden aus Schweden gekommen und dieser Auftritt ist der einzige dieses Wochenende. Nun, ist ein bisschen seltsam, da wir, wie gesagt, erst vor ein paar Stunden angekommen sind und morgen früh schon wieder abreisen.

HH: Ihr seid das zweite Mal auf dem Summerbreeze...

Per: Ja

HH: ...zuletzt wart ihr 2005 hier...

Per: richtig

HH: Das war auf dem alten Gelände in Abtsgmünd. Gibt es da Unterschiede zum jetzigen Gelände?

Per: Oh, okay, das war es, was ich gedacht habe, weil wir so lange nicht hier waren. Wir kamen und es gab erst mal Essen, dann bin ich ein wenig herumgelaufen und hab nichts wiedererkannt. Also dachte ich, sie haben vielleicht die Backstage-Area verlegt, weil nichts so aussah, wie ich es vom letzten Mal in Erinnerung hatte. Aber jetzt weiß ich die Antwort! (lacht)

HH: Es war also ziemlich überraschend?

Per: Ja.

HH: Gut, die nächste Frage interessiert viele unserer Leser. Ihr spielt auf dem Summer Breeze, wie gefällt dir dieses Festival?

Per: Nun, da unser Auftritt so spät ist, haben wir nicht viel Zeit um die Stimmung wirklich mitzubekommen. Ich meine, wir haben diesen Sommer auf vielen Metal-Festivals gespielt, und den Sommer davor auch, und auch in Deutschland. Ohne voreingenommen zu sein, oder behaupten zu wollen, dass jedes Festival gleich sei, aber es ist normalerweise die gute Atmosphäre, die Festivals auszeichnet. Und an was ich mich vom letzten Mal erinnere - es ist immerhin schon vier Jahre her - ist das auch auf dem Summer Breeze so.

HH: Ja, das ist doch eine lange Zeit.

Per: Ja. Beim letzten Auftritt hier sind lustige Sachen passiert. Die Bühnen standen sich gegenüber und da wir eine "gay"- Band sind, die auch Balladen spielt...

HH: Ich sehe das Problem...

Per: Nein, es ist kein Problem für uns. Aber anscheinend ist es eins für manche Leute. Während eines Sets spielen wir meist ein bis zwei ruhige, sanfte Songs. Und als wir die das letzte Mal spielten, stell dir das vor, war gegenüber von uns Soundcheck. Es war irgendwie witzig, du versuchst mit den Backup-Vocals einen der intimen Opeth-Momente zu untermauern, und du hörst etwas wie "oioioioioioi". Ich mag es, so etwas auszutesten, es ist spaßig.

HH: Aber es ist schon etwas traurig, wenn die emotionalen Parts von so etwas im Hintergrund gestört werden.

Per: Nun, es ist, wie es ist. Ich würde sagen, die einzige Schattenseite von vielen dieser Metal-Festivals ist, dass die Bühnen so eng zusammenstehen. Als wir letztes Wochenende auf dem Brutal Assault in Tschechien spielten, standen die zwei Bühnen direkt nebeneinander. Wenn man also den nächsten Song vorstellt, hört man von der anderen Bühne den Sound- oder Line-In-check oder was auch immer. Es nimmt das Momentum für die Band etwas raus, genauso wie die Stimmung für das Publikum. Aber abgesehen davon glaube ich, dass Festivals wirklich eine coole Sache sind.

HH: Das bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage: Bevorzugst du Festivals oder die intime Atmosphäre einer Show?

Per: Es ist ein ziemlicher Unterschied. Ich würde sagen, dass ich Club-Shows vorziehe. Ich meine, wir machen Musik, um sie zu spielen und um sie live zu spielen. Also ist es selbstredend, dass wir es vorziehen, zwei Stunden an Stelle von 45 Minuten - das ist es nämlich manchmal nur - auf der Bühne zu stehen. Es geht darum, das Beste für das Publikum zu geben, die extra zur Show kommen. Auch sind die Bedingungen, um eine wirkliche gute Show zu liefern, in Clubs oft besser. Man hat den ganzen Tag Zeit für das Feintuning des Sounds, des Lichts und allem. Andererseits ist das Spielen auf Festivals wie eine Party über den ganzen Sommer. Du siehst einen Haufen Leute, denen du sonst nicht begegnest, weil du auf Tour bist. Siehst viele Bands, gute Bands und auch gute Freunde. Beides macht viel Spaß, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, ich ziehe Club-Shows vor, weil man da das macht, was man machen sollte.

HH: Eine andere, wichtige Frage, die, wie ich glaube, viele Fans interessiert: Die Struktur von Opeth-Songs ist sehr komplex und kompliziert. Selbst wenn man eine Scheibe zwanzig Mal hört, entdeckt man immer Neues und Überraschendes. Wie bringt ihr Jungs es fertig, euch das alles zu merken und fehlerfrei zu spielen?

Per: Es ist, hmmm, ich weiß nicht. Für mich war es nie schwer, einen Opeth-Song zu lernen. Aber ich bin von Anfang an da und es ist wie Baby-Schritte. Du übst gesondert Teile eines Songs, und speziell wenn man einen neuen Song zusammenfügt, übt man einen Teil, bis man ihn richtig hat und dann fügt man erst den nächsten Part hinzu. Und so weiter. Ich glaube, es ist überhaupt keine Schwierigkeit, sich auf diese Weise einen Song zu merken. Kann schon sein, dass es sich komplex anhört, wenn man den Song in der Endversion hört, aber für uns ist es eigentlich einfach, weil wir dabei waren und monatelang daran gearbeitet haben. Es könnte auch schwieriger sein, ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, wenn man zum Beispiel Musik wie die von Tom Petty lernt, diese Art von Musik zu lernen, weil die ganze Songstruktur auf der Melodie basiert und die Harmonien sehr ähnlich sind. Und wenn du fünf solche Lieder lernen musst, kann es passieren, dass du sie einfach durcheinander schmeißt. Du weißt dann nicht mehr, welcher Teil von wo war. Es ist viel einfacher, sich Opeth-Musik zu merken, weil sie so - hm, ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Mist, nun hab ich mich verheddert. Egal, es ist einfach einfacher, weil nicht alles an der Melodie und den Texten hängt.

HH: Unterm Strich ist es also so, dass ihr emotional spielt, um in Stimmung zu kommen. Klar gibt es eine Song-Struktur, aber es ist mehr das Gefühl, das euch leitet als auf eine feste Struktur fixiert zu sein.

Per: Nun gut, ich glaube, es ist eine andere Sache zu wissen, wie man ein Stück spielen muss sowie sich an alle Teile zu erinnern, und einen Song so gut zu spielen, wie es möglich ist. Man muss sich schon anstrengen. Wenn man den Song einfach nur korrekt spielen würde, genau im Takt und so, aber kein Herzblut reinstecken würde, würde er nicht gut klingen. Ein Stück muss dynamisch und energiegeladen sein.

HH: Eine andere Frage: Mikael ist sehr präsent, sowohl in der Band wie auch gegenüber dem Publikum, er ist der Sänger und Bandleader. Wie seid ihr anderen Jungs involviert bei der Entstehung von neuem Material, wie groß ist da euer Anteil?

Per: Um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung. Normalerweise läuft es so: Er schreibt die Musik und nimmt Demos auf und...

HH: die ganze Pre-Produktions-Geschichte?

Per: Ja, so fängt es an. Normalerweise nimmt er keine kompletten Songs auf, sondern verschiedene Teile, die er uns dann vorspielt. Zuerst geht es dann darum, ob wir es mögen und gerne spielen würden, oder eben nicht. Wenn es etwas ist, das uns gefällt, dann ist es etwas, mit dem wir arbeiten können. Und um mal hier anzusetzen: Wir sind soweit involviert, dass wir entscheiden, mit was wir arbeiten wollen. Er schreibt haufenweise Sachen, und wir probieren auch viel aus im Übungsraum, und oft weiß man nicht, ob es funktioniert, bis man die einzelnen Teile gelernt und geübt hat. Erst dann kann man entscheiden, ob es gut klingt und ob man Spaß daran hätte, es zu spielen. Manchmal taugt es nichts, aber man muss es ausprobieren, sonst wüsste man es nicht.
Aber wenn es etwas ist, das wir mögen, dann haben wir in sofern Einfluss darauf, dass wir unsere Spielweise der Instrumente einfließen lassen. Ich meine, Mikael ist in erster Linie ein Gitarrist, Songwriter und Arrangeur, und ohne ihn schmälern zu wollen, würde ich doch sagen, dass ich ein besserer Keyboarder als er bin, genauso wie Mendez ein besserer Bassist ist. Was er also macht mit der Aufnahme von den Demos ist so eine Art Guide zu erstellen.

HH: Und ihr kommt dann mit unterschiedlichen Ideen...

Per: Ja, oder die Sachen, mit denen er ankommt sind gut, und man muss sie nicht verändern. Manchmal reden wir drüber: "Vielleicht sollten wir das so machen", oder "ich habe da dieses Ding, glaubt ihr, das würde funktionieren?". Aber die initiale Idee kommt normalerweise von Mikael.

HH: Es ist ja so, dass ihr eine große Anziehungskraft auf verschiedene Menschen habt, die unterschiedliche Musik hören. Es sind ja nicht nur die Metaller oder Death-Metaller, die Opeth hören, sondern es ist eine sehr weit gefächerte Hörerschaft mit fast jedem Musikgeschmack. Wie kommt das?

Per: Keine Ahnung (lacht). Wirklich, es ist sehr schwer, diese Frage zu beantworten. Ich glaube, da jeder von uns sehr interessiert an der Musik ist, an verschiedensten Arten von Musik, färbt das auf die Opeth-Musik ab. Und die Band hat es vor vielen Jahren aufgegeben, lange bevor ich bei Opeth gespielt habe, eine geradlinige Death-Metal-Band oder so etwas zu sein. Es werden zwar immer die Death- und Black-Metal-Wurzeln da sein, weil Opeth deswegen ins Leben gerufen wurde, aber es gibt eine Menge anderer Musik, die für die Band genauso wichtig ist und das ist hoffentlich das, was der Band ihren typischen, einzigartigen Sound verleiht. Aber ich denke, da die Wurzeln sowohl im extremen Metal, im klassischen Metal und 80er Metal zu finden sind, spricht sie so viele unterschiedliche Metalfans an. Es wäre dumm, wenn wir uns als Death-Metal-Band bezeichnen würde, ganz Deutschland würde uns lynchen.

HH: Vielleicht auch nicht...

Per: Nein. Aber ich denke, jeder von uns mag immer noch extremen Metal, aber da ist soviel andere Musik, die genauso wichtig ist, und die Regel für diese Band ist, keine Regeln zu kennen, würde ich mal sagen...

HH: Was sind die größten musikalischen Einflüsse für Opeth?

Per: Oh, da gibt es viel. Die ganze Musik-Geschichte. Ich bin mit klassischem Rock aufgewachsen, der damals noch Heavy Metal genannt wurde. All die klassischen Heavy Rock-Bands wie Uriah Heep, Deep Purple, Black Sabbath, Nazareth, Blue Oyster Cult; psychedelische Musik wie Pink Floyd und Zombies, 60iger Jahre Musik wie Yardbirds, all das. Und dann, in den 80igern, Bands wie Venom, Slayer, Bathory, all diese extremeren Sachen. Ich glaube, es ist ein Mischung von all dem. Ich würde also sagen, es ist eine Mischung, die hauptsächlich aus Rock besteht. Wir haben noch keine Reggae-Einflüsse bei Opeth gehabt.

HH: Könnte interessant werden...

Per: Ja, man weiß ja nie. Es gab auch noch keine Drum&Bass- oder andere Beat-Einflüsse. Man weiß es nie. Ich halte es zwar nicht für wahrscheinlich, denn meist ist es doch Rock.

HH: So, was ist momentan interessant für euch? Welche Band, welcher Song?

Per: Musikalisch?

HH: Ja.

Per: Hmmm...

HH: Oder auch Popkultur, Einflüsse aus der Kunst. Musik ist mehr als nur Musik, es könnte auch etwas anderes sein.

Per: Ja. Wir hatten Glück diesen Sommer auf allen möglichen Festivals zu spielen. Und das ist eine tolle Möglichkeit, neue Musik verschiedenster Stilrichtungen zu hören. Du bekommst die Möglichkeit, Bands und Künstler live zu sehen. Ich habe ein Menge guter Bands gesehen, ich weiß gar nicht, ob ich - hmm, da muss ich mal nachdenken... Das meiste, das ich mir angeschaut habe, waren Bands, von denen ich schon etwas kannte und die ich unter die Lupe nehmen wollte, oder Bands, die ich schon gesehen hatte und nochmals sehen wollte. Da war viel gutes Zeug dabei, wie Nine Inch Nails - sehr gut! - und große Metal-Bands letztes Wochenende, Pestilence, Testament, Faith No More, alle wirklich gut. Und auch gute neue Alben, wie das von Clutch, Strange Cousins From The West oder Dead Weather, das neue von Jack White. Auch habe ich viel 70er Musik gehört. Ich weiß es nicht, es ist immer und überall Musik.

HH: So, wie wird die nähere Zukunft von Opeth ausschauen?

Per: Wir werden bis Weihnachten auf Tournee sein. Wir werden die europäische Version von "Progressive Nation" machen, eine Tour von Dream Theater, bei der wir neben zwei weiteren Bands Support sind, eine amerikanische Band mit dem Namen Big Elf und eine kanadische, Unexpect. Diese Tour dauert sechs Wochen und geht quer durch Europa. Skandinavien, Großbritannien, überall in Deutschland, Frankreich, Schweiz und ich glaube auch Polen. Das geht bis Ende Oktober, danach fahren wir durch Australien und Japan. Ende November, Anfang Dezember ist noch nicht ganz klar, aber es könnte sein, dass ein paar ausgewählte Shows in Europa folgen. Wir haben zwar gesagt, dass wir nächstes Jahr nicht touren werden, aber es ist der zwanzigste Geburtstag von Opeth und so könnte es sein, dass es eine Geburtstagsparty gibt. Ja, warum nicht? Ein paar Shows. Aber ich weiß es nicht, wir haben noch nichts bestätigt, aber es könnte sein, dass es ein paar Auftritte nächstes Jahr gibt.

HH: Die nächste Frage muss ich stellen, weil es viele Opeth-Fans nach einem neuen Album dürstet. Ist da schon irgendwas am Start?

Per: Nein! (lacht)

HH: Also leider keine Neuigkeiten?

Per: Nein, ich weiß von nix. Du kannst gerne den Typ da drüben fragen (Anm.: Mikael Akerfeld gab ein Interview nebenan), vielleicht weiß er etwas, aber ich tu's nicht. Ich weiß nur, das er eh immerzu Musik schreibt und vielleicht kommt er damit zu uns. Aber ich habe nichts gehört. Ich glaube aber eher nicht. Eventuell hat er gerade begonnen, mit Ideen zu jonglieren. Was auch immer. Aber wir haben kein Studio gebucht, wir haben gar nichts in die Richtung unternommen. Allerdings wäre ich erstaunt, wenn wir nächstes Jahr nicht mit neuen Aufnahmen beginnen würden.

HH: Ihr ward ja auch ziemlich beschäftigt das letzte Jahr...

Per: Ja, wir waren eineinhalb Jahre auf Tournee.

HH: Das ist ziemlich lang.

Per: Ich glaube, unsere Zeit ist bald um.

HH: Eine letzte Frage, die mich persönlich interessiert: Wenn ich mich nicht täusche, wurde Watershed an zwei verschieden Orten aufgenommen.

Per: Nein.

HH: Okay, dann vergiss die Frage.

Per: Nein. Sie wurde im gleichen Studio wie Ghost Reveries aufgenommen, aber seit dieser Aufnahme haben sie ein zweites Studio gebaut. So war es uns möglich, parallel in zwei Studios zu arbeiten, auch wenn diese direkt nebeneinander liegen.

HH: Dann lag ich total falsch.

Per: Nein, du hattest recht. Nur ein klein wenig Unrecht. (lacht)

HH. Vielen Dank für das Interview!

Per: Ganz meinerseits. Danke euch!

Hannes

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