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Interview

Interview mit 69 Chambers (26.04.2009)

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Eine echte Überraschung stellte für mich das Debüt-Album War On The Inside des Schweizer Trios 69 Chambers dar. Die unkonventionelle Mischung aller möglichen Strömungen im Rock und Metal geht richtig unter die Haut. Darum bat ich Frontfrau und kreatives Haupt Nina um ein paar Hintergrundinformation zur Band und zur Entstehung ihres musikalischen Einstandes.

HH: Hi Nina! Schön, dass du dir die Zeit für ein kleines Interview nimmst - hast du die Oster-Feiertage gut überstanden?

Nina: Gerne! Von den Feiertagen inklusive schönem Wetter hab ich offen gesagt wenig mitbekommen - wir waren täglich im Übungskeller, wo wir sogar im Sommer heizen müssen. *lacht*

HH: Das lob ich mir! Euer Album War On The Inside wird in Kürze erscheinen. Was für ein Gefühl hast du bei der Sache, bist du schon aufgeregt?

Nina: In erster Linie bin ich erleichtert, dass das Album endlich rauskommt. Da steckt jahrelange Arbeit drin - vom Komponieren der Songs über die Studioaufnahmen, die anschließende Suche nach einem Label bis hin zum Release. In dieser Zeiten habe ich unzählige Höhen und Tiefen durchlebt, zumal ich das Line-up immer wieder wechseln musste und lange nicht klar war, ob jemand - und wenn ja, wer - das Album überhaupt rausbringen würde. Es schien, dass die meisten Labels - selbst jene, denen die Musik gefallen hatte - nicht wussten, wo sie die Musik einordnen sollten und sich daher marketingtechnisch die Finger daran nicht verbrennen wollten. In dieser Zeit gab es schon den einen oder anderen Moment, in dem ich starke Zweifel hatte an der Sache. Umso mehr bin ich jetzt glücklich darüber, dass ich durchgehalten habe und sich alles, auch bandintern, zum Guten gewendet hat. Klar bin ich jetzt gespannt darauf, wie die Reaktionen ausfallen, doch die liegen nicht mehr in meiner Macht. Aufgeregt bin ich vor allem hinsichtlich unserer Plattentaufe in Zürich, denn da wollen wir einschlagen wie eine Bombe.

HH: Wie sind denn die bisherigen Reaktionen der Fachpresse ausgefallen, mal von dem überschwänglichen Review bei Heavyhardes ganz abgesehen?

Nina: Erstaunlicherweise waren die Reaktionen aus Deutschland bislang sehr positiv, und auch aus England kamen gute Berichte. Aber es gab natürlich auch negative Reaktionen. Vor allem aus Norwegen und Holland. Wenn ich dem Google-Übersetzer Glauben schenken darf, liegt's vor allem daran, dass ihnen die Songs zu "poppig" sind. In einer Rezension kam der Vergleich mit Pink und No Doubt - dass das aus der Feder eines Black-Metal-Fans nicht als Kompliment gemeint ist, liegt auf der Hand. Aber es war ja auch nie mein Ziel, ein gefälliges Werk zu schaffen. Ich wollte mich weder im Pop-/Rock-Segment, noch bei der Metal-Gemeinde anbiedern, sondern einfach eine Musik schaffen, wie sie mir persönlich gefällt, und die mir beim Songwriting leicht von der Hand geht. Deshalb gibt's auf dem Album sowohl Death-Metal-Momente sowie auch akustische Stücke mit Elektronika. Mir war von Anfang an klar: Entweder man mag diese Mischung aus verschiedenen Stilelementen, oder man findet sie komplett Scheiße. Das Schlimmste wäre für mich, wenn die Platte von allen als "na ja, schon okay" beurteilt würde - mit heftigen Reaktionen in beide Richtungen kann ich hingegen ganz gut leben.

HH: Bevor wir genauer auf das Album eingehen, würde es mich noch interessieren, was es mit dem Bandnamen 69 Chambers auf sich hat...

Nina: Jaa, der Klassiker unter den Fragen... Nein, im Ernst: die Geschichte ist wenig spektakulär. Nachdem wir die Band gegründet hatten - damals waren nebst mir zwei Jungs dabei, die schon länger nicht mehr in der Band sind - liefen wir zufällig an einem Kino vorbei, wo Marilyn Chambers' 70er-Jahre-Porno "Behind The Green Doors" lief. Die Chambers war ja eine interessante Persönlichkeit: Pornostar und politisch engagierte Feministin zugleich. Nicht, dass ich mir ihr ein Beispiel nehmen möchte, aber irgendwo in unserer Diskussion über Gegensätze, Sex, Gewalt und Feminismus kam halt dieser Name zustande. Ich hätte es mir vielleicht besser überlegt mit diesem Namen, wenn ich gewusst hätte, dass ich mich acht Jahre später diesbezüglich rechtfertigen muss... *grinst*

HH: Naja, Rechtfertigung ist übertrieben, mich hat's nur interessiert. In der Porno- ähm - Promo-Information zu euerem Debüt konnte nachgelesen werden, dass du zuletzt eine Zeit lang in Amerika verbracht, dort Inspiration getankt und schließlich die 13 Stücke geschrieben hast. Möchtest du uns von dieser Reise ein wenig erzählen?

Nina: "Lange Zeit" ist wahrscheinlich etwas übertrieben, es handelt sich alles in allem um ein Jahr, wobei ich aus Visa-Gründen immer wieder zurückkehren musste. Aber die Zeit hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Ich war mit dem Gedanken dorthin gereist, mich musikalisch inspirieren zu lassen und mich einfach eine Zeitlang durchzuschlagen. In der Schweiz haben die Leute zu viel zu verlieren, und das killt sowohl Kreativität als auch die Bereitschaft, etwas zu riskieren für die Musik, die extrem viel abverlangt und letztlich höchstwahrscheinlich null Geld einbringt. Ich hatte ja auch eine gute Ausbildung und einen Job, der anständiges Geld einbrachte, aber ich hing zu wenig am Materialismus, um mich davon einschränken zu lassen. In L.A. traf ich halt viele Leute mit Idealismus, die nichts zu verlieren hatten und ihr Leben der Musik verschrieben, auch wenn sie keine Aussichten auf Erfolg hatten. Das war für mich sehr inspirierend, vor allem, weil die meisten Leute sehr hilfsbereit und unterstützend waren. Ich verbrachte dort viel Zeit mit Songwriting auf meiner akustischen Gitarre und spielte regelmäsig an "Open Mic"-Shows, wie es sie in jeder zweiten Bar in Los Angeles gibt. Viele Songideen, vor allem Refrainmelodien, sind auf der akustischen Gitarre entstanden. Gescheitert bin ich den Staaten letztlich darin, mein Visum zu verlängern und einen Job zu kriegen - also bin ich letztlich völlig pleite in die Schweiz zurückgekehrt. Aber ich bereue nichts davon.

HH: Und abgesehen vom Idealismus der Leute, die du in L.A. kennen gelernt hast - wo hast du schließlich die nötigen Eingebungen fürs Liederschreiben gefunden?

Nina: Natürlich schreib ich Lieder über Dinge, die mich beschäftigen. Allgemeine Dinge, oder persönliche Erlebnisse. Die schlechten Zeiten schreiben bekanntlich die besseren Songs - und gerade in und nach Amerika hatte ich eine schwierige Zeit, weil ich nicht wusste, wie ich über die Runden kommen sollte, und weil in der Musik kaum was lief. Klar gab es auch Liebesdinge, die mich zu einigen Songs bewogen haben. Grundsätzlich stehe ich mehr auf Songs, die melancholisch und düster sind - die haben meiner Meinung nach einfach mehr Tiefe als die fröhlichen Stücke. Was nicht bedeutet, dass ich ständig mies drauf sein muss, um Songs zu schreiben...

HH: Gibt es auch einige Bands aus den Staaten, die bei diesem Prozess hilfreich waren?

Nina: Nein, eigentlich nicht so direkt. Ich schreibe meine Songs stets allein im stillen Kämmerchen. Ich mag dabei auch keine CDs hören, um gewisse Parts für mich umzuschreiben. Es ist sicher so, dass die Musik, die ich gerade höre, unbewusst einen Einfluss auf mein Songwriting hat. Und wahrscheinlich hört man, dass ich gerne Machine Head, Slayer, Soundgarden etc. sowie auch ruhigere Singer-Songwriter-Stücke höre, aber ich verzichte bewusst darauf, einer grösseren, bekannten Band nacheifern zu wollen.

HH: Stimmt - die drei hört man definitiv raus. Wie würdest du einem Rock oder Metal-Fan letztendlich den Stil auf euerem Album beschreiben, wenn du Werbung in eigener Sache machen möchtest?

Nina: Ich denke, die Problematik, die Musik auf dem Album zu beschreiben, hast du implizit schon in deiner Frage erwähnt, als du Rock- oder Metal-Fan sagtest... Es ist weder Rock, noch Metal, sondern es oszilliert irgendwo zwischen den Extremen. Die Musik besteht aus verschiedenen Stilelementen - von Death Metal über Grunge bis hin zu Pop, und hat dennoch einen roten Faden, der sich vor allem durch eine düstere und melancholische Atmosphäre auszeichnet. Die Songs sind technisch nicht besonders anspruchsvoll, sie leben vielmehr von Stimmungswechseln und von einer knallharten Rohheit, wie wir sie auch live gut rüberbringen können.

HH: Meine Favoriten sind die beiden härteren Nummern "Return Of The Repressed" und "Judas Goat", in denen du dich auch gesanglich ein wenig aus dem Fenster lehnst. Worum geht's in den beiden Nummern?

Nina: Das sind sicher die beiden gewalttätigsten Nummern auf dem Album, und mir persönlich gefallen sie auch sehr gut. Über den Begriff "Judas Goat" bin ich zufällig mal gestolpert und ich fand ihn halt eine wunderbare Metapher für die naive Blindheit, mit der wir manchmal in unser Verderben reinlaufen. "Judas Goats" gibt es tatsächlich: es sind jene Ziegen, die in Schlachthäusern gehalten werden, um die Herde ruhig zu halten, bevor sie zur Schlachtbank geführt wird - der "Judas Ziege" bleibt dafür der Tod erspart. Und bei "Return Of The Repressed" geht es um Erinnerungen und kleine Geheimnisse, die man selber verdrängt und die einen gerade deshalb in Form eines hässlichen Antlitzes immer wieder verfolgen.

HH: Wirst du auch in Zukunft ein Quäntchen Death Metal in deinen Gesang einfließen lassen oder wartest du erst einmal die Reaktionen auf diesen kleinen Exkurs ab?

Nina: Nö, da brauch ich eigentlich keine Reaktionen abzuwarten. Ich habe damit vor ungefähr zwei Jahren angefangen, und es macht mir einfach Spaß, ab und wann ins Mikrophon zu brüllen. Solche "Exkurse" sind ein wichtiger Teil der Musik - und die Reaktionen darauf waren ja bislang ganz gut. Selber höre ich ja praktisch nur noch Death Metal. Es ist mir allerdings wichtig, alle Facetten von harter Rockmusik auf der Platte zu haben. Die neuen Songs, an denen wir gerade arbeiten, gehen tatsächlich eher in Richtung "Judas Goat" und "Return Of The Repressed", aber es wird dennoch immer die "zerbrechlichen" oder aber die "rockigeren" Stücken auf unseren Alben geben, denn meiner Meinung nach lebt unsere Musik vor allem vom stimmungsvollen Wechsel. Umso brutaler stechen dann auch solche "Growls" hervor. Abgesehen davon bin ich ja nicht die erste Frau, die Growls macht.

HH: Soviel zum Inhalt eueres Debüts und nun zur Verpackung. Auf dem Cover bist du selbst in einer Badewanne zu sehen - war das Motiv auch deine eigene Idee?

Nina: Der Fotograf, die Stylistin und ich haben lange darüber diskutiert, was wir fürs Covershooting machen wollen. Klar war: Man sollte darauf eine Frau erkennen, zumal die Weiblichkeit ja ein wichtiges Element der Musik ist. Und das Cover sollte möglichst plakativ sein. Letztlich hatte ausgerechnet die Stylistin, die ja eigentlich für die Kleider zuständig war, die Idee für das besagte Foto.
HH: ... auf dem du ja gar nichts an hast. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Nina: Ich mag es, Leute vor den Kopf zu stoßen. Dass einige Leute das Cover falsch verstehen oder als billige "Sex sells"-Strategie wahrnehmen könnten, war mir klar. Aber was solls, mir gefiel die Idee, und ich fand sie recht passend zum Albumtitel War On The Inside. Abgesehen davon habe ich kein Problem damit, meinen Körper zu zeigen - man sieht auf dem Bild ja auch nicht mehr, als wenn ein Bikini am Strand tragen würde. Also warum nicht.

HH: Hehe, der Begriff "Sex Sells" taucht ja in meinem Review auch auf, aber von billig kann gewiss nicht die Rede sein. Im Gegenteil: das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen, was mich auch gleich zur nächsten Frage bringt, die mit Sicherheit all unsere männlichen Leser besonders interessieren wird: Du bist nicht zufällig gerade Single?

Nina: Hey, wird das jetzt ein Bravo-Interview, oder was? Nein, im Ernst: nee, ich bin nicht Single.

HH: Schöner Mist! Spaß beiseite - ich kann es kaum erwarten dich und deine Truppe live zu sehen. Nach der Veröffentlichung von War On The Inside sind doch sicherlich ein paar Konzerte geplant. Kommt ihr auch nach Bayern... vielleicht sogar nach München?

Nina: Es ist tatsächlich nicht so einfach für einen Newcomer-Act aus der Schweiz, in Deutschland konzertmäßig Fuß zu fassen - das Problem ist, dass wir für Clubbetreiber einfach zu wenige Leute ziehen. Aber es ist auf jeden Fall unser Ziel, in München zu spielen. So wies ausschaut, könnte dies Ende Mai auch klappen. Und im September könnte eine kleine Europa-Tournee zustande kommen. Also, dranbleiben auf unserer MySpace-Site!

HH: Das mach ich. Ich danke dir für das ausführliche Interview und wünsche euch drei alles Gute für die Zukunft. Wenn du noch eine Botschaft an unsere Leser hast, dann scheue dich nicht, die jetzt loszuwerden.

Nina: Ich danke dir vielmals für dein Interesse an 69 Chambers und freue mich natürlich über jede Leserin und jeden Leser, die oder der sich unsere Scheibe mal reinzieht (und am liebsten auch kauft, statt gratis downloadet). Vor allem aber würden wir uns freuen, wenn das Interesse so groß wäre, dass wir live mehr Gelegenheiten in Deutschland erhielten, denn aufs Live-Spielen freuen wir uns ganz besonders.

Dagger

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