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Interview

Interview mit Holy Moses (27.11.2008)

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Wer Finished With The Dogs bis heute als bestes Release aus dem Hause Holy Moses betrachtet, durfte sich kürzlich vielleicht sogar eines Besseren belehren lassen. Das aktuelle Langeisen Agony Of Death der Kult-Thrasher um Sabina Classen entpuppte sich als absoluter Hammer. Heavyhardes sprach mit der sympathischen Frontfrau über das Wacken Open Air und beleuchtet das neue Album.

HH: Hallo Sabina, du wirst dich sicher nicht erinnern, aber 2003 waren wir in Wacken Zeltplatz-Nachbarn. Ihr seid damals ziemlich kurzfristig für Sinister eingesprungen und habt dann am Samstag als erste Band auf der Black Stage gespielt. Das ist nur so eine Vermutung, aber kann es sein, dass dieses Festival ein Schlüsselereignis für dich war? Immerhin bist du heute bei Armageddon Music aktiv und hast beim W:O:A einen festen Platz...

Sabina: Wacken war bereits seit dem 2. Wacken Open Air ein besonderes Festival für mich. Damals habe ich schon Bands auf das Festival gebucht, für die ich Management gemacht habe. Selber habe ich zum ersten Mal 1995 mit meiner damaligen Band Temple of The Absurd in Wacken gespielt und 2001 dann das erste Mal mit Holy Moses. Mit den Machern des Festivals bin ich schon seit vielen Jahren in Kontakt, da ich damals schon geholfen habe, das damals noch Underground-Festival zu unterstützen. Habe Plakate geklebt und mit meiner Adressdatei damals die erste Unterstützung geben können, Wacken auch international zu promoten. Daher ist natürlich eine besondere Verbindung vorhanden. Als die Macher dann ihr eigenes Label ins Leben gerufen haben, um die DVD des Festivals vertreiben zu können, sind sie auf mich zu gekommen, ob ich nicht fester für sie arbeiten möchte. Jetzt heißt das Label Wacken Records - und wie die Zeit vergeht - ja Wacken hat daher einen besonderen Platz in meinem Leben, da ich mit erleben durfte, wie das Festival gewachsen ist.

HH: Welcher Part fällt dir bei Organisation und Ablauf des Festivals zu? Ich weiß nur, dass du seit einiger Zeit die Pressekonferenz moderierst.

Sabina: Mit der Organisation und dem Ablauf habe ich nichts zu tun. Ja, ich moderiere für die DVD des Festivals und habe Interviews und Pressekonferenzen mit Bands gemacht. Das macht mir Spaß, und erinnert mich an meine Zeit als ich noch MOSH bei RTL moderieren durfte.

HH: Wie hat dir Wacken 2008 gefallen?

Sabina: 2008 war super, kein Regen, Sonne und ich konnte mit Holy Moses spielen. Habe mit unseren Labelkollegen von Girlschool am Donnerstag gut gefeiert und mir Iron Maiden angeschaut.

HH: Konntest du ein paar ganz besondere Eindrücke mit nach Hause nehmen - mal von deinem Auftritt am Samstag ganz abgesehen?

Sabina: Nun, Iron Maiden war der Hammer, ansonsten konnte ich nur noch live Girlschool kurz sehen und At The Gates, ansonsten war ich voll eingespannt indem ich selber moderiert oder selber Interviews gegeben habe. Das ist halt oft sehr schade, das Festival an sich gar nicht wirklich miterleben zu können. Ich habe mir aber vorgenommen, irgendein Jahr in der Zukunft einfach mal wieder nur als Fan da zu sein...

HH: Kurz nach dem Festival kam euer neues Album auf den Markt und eine Hörprobe einiger neuer Songs bekamen die Fans bereits während des Festivals - wie wurde das neue Material denn aufgenommen?

Sabina: Es ist einfach genial - in Wacken wie jetzt auch auf der Tour mit Benediction, und in der Presse wie von den Fans wird die neue CD super aufgenommen.

HH: Agony Of Death, der Titel des nunmehr zwölften Holy Moses-Albums, ist laut Promo-Sheet der medizinische Fachbegriff für den Todeskampf. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs. Kannst du uns ein wenig zu diesem Konzept erzählen?

Sabina: Das stimmt. Ich würde sagen es ist kein Konzept - Konzept heißt für mich, du hast einen Anfang zu einer Geschichte mit einem Ende, so wie es auf der New Machine Of Lichtenstein war. Agony Of Death ist ein Themenalbum. Du hast zwölf einzelne Geschichten über den Todeskampf, jedes Mal aus einer anderen Sicht.

HH: Welche Themen werden in den Songs angeschnitten und wie äußert sich die Thematik in der musikalischen Umsetzung?

Sabina: Der Opener "Imagination", ein schneller Old-School-Thrasher, soll Kraft, Energie und Leistung für den Kampf gegen den Tod geben. Deshalb steht er auch als erstes auf dem Tracklisting. Die Imagination ist die Fähigkeit, Konzepte, Ideen oder Bilder zu entwickeln oder sich an diese zu erinnern, die materiell nicht vorhanden sind. Sie ist das Vermögen, bei wachem Bewusstsein innere bzw. mentale Bilder wahrzunehmen. Die inneren Bilder ähneln Traumbildern, ihr Entstehen kann willentlich gefördert und modifiziert werden. Sie können damit Kraft gegen den Todeskampf geben, du kannst dir Stärke darüber holen. Sie entspannen dich und geben dann die Energie die du benötigst. Du baust also Energiefelder auf. Diese damit bewusst erlebten inneren Bilder werden dann Mittler zwischen Bewusstsein und Unbewusstem. Im Unbewussten steckt deine wirkliche Kraft, dich gegen das Böse zu wehren.
"Alienation" ist ein heftiger und schneller typischer Moses-Speeder mit eingängigen Shouts und genialem Solo. Es geht dabei um die Entfremdung und bezeichnet einen individuellen oder gesellschaftlichen Zustand, in dem eine ursprünglich organisch gedachte Beziehung (zwischen Menschen, Menschen und Arbeit, Menschen und dem Produkt ihrer Arbeit sowie von Menschen zu sich selbst) aufgehoben, verkehrt oder zerstört wird. Ein sehr intensiver Text in dessen Kontext argumentiert wird, dass der Mensch - durch die nur an Profit (bei Marx Mehrwert) orientierte Produktion - von seinem Produkt wie auch von sich selbst entfremdet wird. Ein weiteres Kapitel im Todeskampf zwischen dem ICH und den Gewalten.
"World In Darkness" ist ein melodiöser Ohrwurm, ein echter Hit und der Lieblingstitel von Mille (Kreator) auf dem Album: harte Nuancen mit einem eingängigen unschlagbaren Chorus und einem genialen Solo am Anfang des Songs von Ralph Santolla (Obituary), welches er auf der Tour im Januar backstage eingespielt hat. Live muss dieser Song auf die Bühne! Textlich geht es um die Ambivalenz in der Suizidvorstellung in der du mit deinem Todeskampf in Zwiespalt stehst.
Der nächste Song, "Bloodbound Of The Damned", soll verdeutlichen, dass in der Gemeinschaft, die dich liebt, die dich auffängt, du keinen Kampf verlieren kannst. Nehme die Hilfe an, die dir geboten wird, gehe gemeinsam den harten Weg. Es ist die Kraft der Gemeinschaft, egal wo man sich aufhält. Gemeinsam trotzen wir der "Agony Of Death". Mache einen inneren Vertrag gegen den Tod.
Technisch vertrackt und epischer komplexer ist "Pseudohalluzination" - ein unglaublich geiles Moses-Werk mit schönen Zitaten "Die Maschine ist zurück". Es wird klar, die Todesmaschine lebt. Sie begleitet uns auf unserem Weg des Lebens. Wir dachten den Todeskampf überwunden zu haben. Ist es nun eine Sinnestäuschung, dass die Maschine weiter lebt? Wir sehen die Maschine nicht, aber wir fühlen sie. Somit weiß der Halluzinierende, dass seine Wahrnehmungen nicht auf Sinnesreize zurückgehen, es ist eine Pseudohalluzination. Die Unwirklichkeit wird erkannt, aber mental ist die Maschine in unserem Körper und damit sichtbar.
"Angels Are In War" ist dann wieder eine schnelle Bratpfanne mit Hook-Garantie, hätten Kerry King & Co. auch nicht besser hin bekommen (grinst). Es ist die klare Kampfansage gegen die Menschen und deren Taten, diese wollen, dass du den Todeskampf verlierst. Aber wehre dich, du bist stark genug, du weißt wer du bist, du zeigst Ich-Stärke. Niemand und NICHTS wird dich runter bringen, du bist stark und genug, und hast die Energie. Die anderen werden ihren Kampf verlieren, du aber nicht!
Zu "Schizophrenia": Es geht um die Abspaltung von Seele und Körper. In diesem Todeskampf werden Gedanken von außen eingegeben, Wahn und Halluzinationen sind die Folge. Stimmen hörst du sprechen und diese können imperativ sein. Stelle dich ihnen und verliere nicht den Kampf und verbinde deine Seele wieder mit deinem Körper. Hier wurde auf geniale Weise die Stimme von Ausnahme Sänger Henning Basse (Sons Of Season, Metalium) eingebaut.
"Dissociative Disorder" ist ein Thrash-Ohrwurm der besten Sorte, mit unheimlich tiefen Wechselbädern der Gefühle, derben Shouts und mit epischem Ende. Es ist die teilweise bis vollständige Entkopplung von seelischen und körperlichen Funktionen, wenn du merkst, dass du den Todeskampf verlieren könntest. Es geht einher mit Amnesie, Fugue (Wandertrieb - Kara), Stupor (Starrezustand bei wachem Bewusstsein - Kara), Bewegungsstörungen, Krampfanfällen. Du hast Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, Ganser-Syndrom (psychiatrische Krankheit, heißt auch "Pseudodebilität" - Kara) und bis hin zu multiplen Persönlichkeitsstörungen, um den verlorenen Kampf nicht mehr fühlen zu müssen. Du koppelst dich im Gesamten ab.
"The Cave (Paramnesia)", ein harter Brecher mit ordentlich Drive und hookigem Refrain, beschäftigt sich mit Paramnesien. Das sind Erinnerungsverfälschungen, Gedächtnisstörungen. Es geht um Erinnerungen an Ereignisse, die überhaupt nicht stattfanden, die dich aber wie in einem Käfig gefangen halten. Ein durchgehender Todeskampf in deinem Kopf.
"Delusional Denial" ist eine straighte, kurze und auf-die-Mütze-Nummer. Es ist die Macht der Verwirrung, die dich deinen Todeskampf verloren erscheinen lässt. Delusional ist die Täuschung und Denial die Verneinung. Es wird dir hier etwas erzählt, was nur in der Phantasie der Eingebungsmacht vorhanden ist, aber nichts mit der gegebenen Situation zu tun hat. Sie animiert dich selber zur Konfabulation und bringt damit dein eigenes Gedächtnis durcheinander und lenkt dich somit vom eigentlichen Kampf gegen den Tod ab.
"The Retreat" sollte ein absolutes Riff- und Schlagzeug-Inferno werden. Es ist das positive Gewitter in deinem Gehirn, wenn du zur Ruhe gekommen bist. An einem Ort (The Retreat - von W. Tuke um 1800 in London gegründet, das erste private Krankenhaus, die erste Form der Psychiatrie in einer ländlichen Umgebung). Ziehe dich zurück, an einen Ort den du brauchst, mit Wald und Natur, weg von anderen dich und deine Seele tötenden Menschen. Isoliere dich und schöpfe dort die Kraft die du brauchst. Dann gehe in den Kampf gegen den mentalen Tod. Finde erst zu dir zurück, überzeuge dich von deiner eigenen inneren Kraft und dann bist du für den weiteren Weg gestärkt und bereit.
"Through Shattered Mind" stampft dann durch dein Gehirn und macht dir klar, wenn du den Kampf gegen den Tod aufgibst, dann verlierst du dein Leben. Auch wenn du dann noch nicht wirklich im physischen Sinne tot bist, so bist du es doch schon mental, denn du hast dich aufgegeben, weil du nicht mehr kämpfen willst. Mach dir das klar, höre nicht auf zu kämpfen, wehre dich gegen die Einflüsse, die dich machtlos machen wollen.
Das finale "Agony Of Death" ist ein Instrumentalstück und hinterlässt die Frage:
Hast du den Kampf gewonnen?

HH: Wow - vielen Dank für diese detaillierten Ausführungen, die klar machen, dass es sich hier nicht um irgendeine unreflektierte Betrachtung des Sensenmannes geht, zumal ja durch die Songs tatsächlich auch eine positive Botschaft transportiert werden soll.
Mich würde interessieren, ob sich der Todeskampf denn auch auf Holy Moses selbst übertragen lässt, wenn ihr euch schon so intensiv mit der Thematik befasst habt? D.h. gab es einen Punkt in der jüngsten Vergangenheit, an dem die Band vor dem Aus stand, den Kampf dann aber doch für sich entschieden hat?

Sabina: Musik machen ist immer ein Todeskampf. Du brauchst eine Menge Energie und Durchhaltevermögen um durch die Höhen und Tiefen zu gehen. Da es mein Leben ist, werde ich immer dafür kämpfen, denn es macht mich glücklich. Es ist positive Energie die ich durch die Band bekomme. Jedes nahe Aus ist immer ein Punkt für einen Neuanfang und dem haben wir mit Agony of Death wieder eine Fortsetzung gegeben.

HH: Die Liste an Gast-Musikern, die auf Agony Of Death einen Beitrag leisten durften, liest sich lange und beeindruckend. War es schwer, diese Herren für einen Gastauftritt zu begeistern?

Sabina: Das war gar nicht schwer, denn es war nicht geplant sondern ist von ganz alleine entstanden. Als wie beispielsweise im Januar mit Obituary auf Tour waren haben wir backstage an dem Material zur neuen CD weitergearbeitet. Ralph von Obituary kam in den Raum und meinte "die Songs klingen geil, ich will ein Solo drauf haben" ...und schwups hat er es eingespielt. Ähnlich ist es bei den anderen Gastmusikern auch gewesen, ohne Vorplanung einfach geschehen lassen...

HH: Gibt es noch andere Musiker, mit denen du in der Zukunft gerne zusammenarbeiten möchtest?

Sabina: ich freue mich ganz doll auf den 13. Dezember, wenn ich mit Doro auf der Bühne stehen werde...

HH: Ein echter Hingucker ist das düstere und apokalyptische Cover-Artwork geworden, in dem du selbst auch dargestellt bist. Kannst du uns etwas zu dessen Entstehungsprozess erzählen? Wurde die Band dabei involviert?

Sabina: Klar wurden wir involviert, denn die Ideen zu allem was wir machen kommen von der Band. Es zeigt ganz klar den Todeskampf - ich kämpfe vorne gegen die Maschinerie der Welt... ich könnte jetzt stundenlang darüber schreiben und reden, würde aber sicher das Interview komplett sprengen... in der Digiversion kann man das Cover noch aufklappen und du wirst einiges entdecken...

HH: Was steht für dieses Jahr noch alles auf dem Programm? Ich habe gehört, du nimmst nun klassischen Gesangsunterricht...

Sabina: das halte ich für ein Gerücht, hahahahaha, nee ich bin glücklich mit meiner Stimme, Urschrei-Therapie ist cool... und mit dieser stehen weitere Tourneen auf dem Programm. In 2009 wird es eine weitere Europatour geben, außerdem stehen Süd- und Nordamerika auf dem Programm, keine Zeit für Gesangsunterricht... hahahahaha

HH: Hast du bestimmte Ziele, die du als Musikerin noch gerne erreichen möchtest?

Sabina: Live auf der ganzen Welt unterwegs sein... und hoffentlich endlich auch in Australien spielen...

HH: Dafür wünsche ich dir alles Gute und danke dir für das Interview! Noch eine letzte Botschaft an unsere Leser?

Sabina: Vielen Dank für 27 Jahre Support - Bloodbound of The Damned

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