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Interview

Interview mit Die Apokalyptischen Reiter (10.10.2006)

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Genau am Weltfriedenstag stoppten die Reiter ihren Galopp in unserer Landeshauptstadt, um ihren aktuellen Longplayer Riders On The Storm livehaftig auf die Fans loszulassen. Bevor das Tänzchen beginnen konnte, stand mir Bassist Volk-Man noch Rede und Antwort. Dabei beantwortete der sympathisch-redselige Bassist die ein oder andere Frage bereits im Voraus, bevor ich sie überhaupt stellen konnte.

HH: Wie geht's euch nach der Hälfte der Tour?

Volk-Man: Die Tour läuft prima, die Clubs sind voll, eine super Party. Die Stimmung ist super, die Leute sind klasse und gehen bei allem gut ab. Hier im Bus ist's auch sehr entspannt. Wir kommen mit allen Bands total gut klar. Es gibt keine größeren technischen oder gesundheitlichen Probleme. Das kann man sich nur so wünschen. Das ist die erste Tour, die wir je im September gespielt haben, wir waren ja sonst immer Januar, Februar und März unterwegs. Wirklich schön, man kann nach der Show noch draußen stehen, weil's nicht so kalt ist. Schon sehr, sehr gut.

HH: Ist die Tour bisher ausverkauft gewesen?

Volk-Man: Zum Teil. Es kommt auf die Läden an. Manche Clubs sind zu klein, manche sind eher passend. Und einige sind ausverkauft. Wir sind auf alle Fälle mehr als zufrieden mit den Besucherzahlen.

HH: In dem ein oder anderen Review zu Riders On The Storm ist zu lesen, dass das Album weniger Hits wie noch z.B. Samurai hat. Stören euch solche Kommentare?

Volk-Man: Na ja, das sind ja nur Einzelmeinungen. Das ist halt eine Person, die die Platte hört und sie so einschätzt. Man ärgert sich über manche Punkte bestimmt immer, aber ich denke, wenn man gerade jetzt die neuen Songs auf Tour spielt und sieht wie die Leute abgehen, bestätigt genau das das Gegenteil. In dem Fall war das Review vielleicht einfach ein bisschen blöd formuliert gewesen.

HH: In meinen Augen ist Riders On The Storm um einiges "erwachsener" als eure bisherigen Scheiben. War dies ein bewusster Schritt?

Volk-Man: Nicht wirklich bewusst. Samurai ist eher auf Reisen entstanden, Riders On The Storm ist hier in Deutschland entstanden. Wir waren fast die ganze Zeit zu Hause und haben auch so die alltäglichen Alltagssituationen, die man halt so hat wenn man hier in Deutschland ist, sei es Nachrichten oder Zeitgeistgeschehen, direkt auf uns einströmen lassen. Wir sprechen zum ersten Mal eine direktere Sprache. Also weniger symbolisch gesprochen, sondern auch bestimmte Punkte ganz direkt aufgeschrieben. Das wirkt natürlich schon anders und für Leute auch direkter. Die Elemente, die wir früher auch schon hatten, sind einfach netter verpackt und es fließt alles besser ineinander und wirkt dadurch wahrscheinlich einfach anders.

HH: Die Reiter sind ja bekannt für ihre Bühnenshow, die einfach mitreißt. Vielleicht liegt es daran, dass euch einige als "Partyband" bezeichnen, ohne euch den nötigen Ernst entgegen zu bringen. Deswegen die Ernsthaftigkeit auf Riders On The Storm, um von diesem Partyimage wegzukommen?

Volk-Man: Nee, ich glaube auch nicht, dass wir dieses Partyimage je wieder los werden. Die Bühnenshows sind immer noch eine andere Seite als die Platten zu Hause allein zu hören. Wenn man auf ein Konzert geht, will man ja nicht das was auf der Platte ist genau vorgespielt kriegen, weil dann könnte man auch einen CD-Player auf die Bühne stellen. Live ist Unterhaltung und die Leute sollen etwas für das Geld, das sie bezahlen, geboten bekommen. Deswegen überlegen wir auch immer, wie wir unsere Shows weiter ausbauen können und mittlerweile haben wir sehr viele Showelemente dabei. Und im Bezug auf Partyband. - Wir sind halt einfach eine Band, die zeigt, dass sie Spaß auf der Bühne haben. Wir lachen auf der Bühne, holen Leute hoch zu uns und Leute die uns nur so kennen, kommen schnell auf die Idee uns als Spaßband zu bezeichnen. Ich denke das ändert sich, wenn man mal eine CD anhört und auf die Texte achtet, die teilweise sehr ernst und lebensnah sind und für uns auch sehr wichtig. Das ist wie das Leben. An manchen Tagen ist alles sehr leicht, man sitzt am Strand und macht Party und an anderen Tagen sitzt man zu Hause und denkt ernsthaft über das Leben nach und man ist trotzdem ein und dieselbe Person. Ich denke, die Reiter besitzen alle Facetten des Spektrums, was Menschsein eigentlich ausmacht. Das findet man in unserer Musik und unseren Texten wieder und ich denke, das ist der Grund, weshalb die Leute auch so eine enge Verbindung zu uns haben.

HH: Woher kommen die Inspirationen, die Ideen für die Texte?

Volk-Man: Was die Texte angeht, ist größtenteils Fuchs (Vocals) dafür verantwortlich, der auch oft auf Reisen war bzw. über das schreibt, was ihn auch persönlich bewegt. Reiter Platten sind ein musikalisches Tagebuch über einen gewissen Zeitraum und wenn man eine Platte anhört von vor vier Jahren, dann kann man Parallelen zu unserer heutigen Welt ziehen. Unsere Songs passieren nicht zufällig, sondern aus einer emotionalen Stimmung heraus. Was uns bewegt, findet sich in irgendeiner Form in Melodien oder Texten wieder. Bei der Aufnahme von Samurai in Dänemark war halt alles super und da hat uns die Sonne aus dem Arsch geschienen ha ha

HH: In "Friede Sei Mit Dir" singt Fuchs: "kämpf für eine Welt, die das Leben verdient." Wenn man sich täglich die Nachrichten ansieht, fragt man sich schon, ob sie es wirklich verdient hat....

Volk-Man: Na ja, das ist so eine Gratwanderung, manchmal verliert man echt den Glauben wenn man so sieht, was alles in der Welt passiert. Aber nichts desto trotz: die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich glaube, wenn man sich aufgeben würde und sagt, das hat alles keinen Sinn mehr, das kann ja auch nicht die Lösung sein. Es gibt sicherlich Möglichkeiten ein Zusammenleben besser zu gestalten, als es momentan ist und ich glaube, dass wir uns derzeit in einer großen Umbruchphase befinden, die es gesellschaftlich und historisch immer schon gegeben hat. Es gab und gibt halt Prozesse, die sich im Laufe der Zeit etabliert haben und man geht davon aus, dass es nun immer so sein wird. Nur sieht man mittlerweile, dass diese alten "Gesetze", auf die man jahrelang bauen konnte, sei es nun Kranken- oder Rentenversicherung, zusammen brechen. Auf einmal ist kein Geld für gar nichts mehr da und alle sind mit der Situation überfordert und keiner hat eine Antwort parat. Ich denke, für jede Generation ist in einer solchen Umbruchphase eine große Unsicherheit da, man weiß nicht, was man glauben soll und was nicht und keiner weiß eine Antwort auf diese Fragen.
Aber ich denke, unserer Generation geht es doch gut, denn wenn ich an die Generation meiner Großeltern denke, die zwei Kriege mit erlebt haben, können wir uns hier eigentlich gar nicht beschweren. Wir jammern eigentlich auf einem sehr hohen Niveau. Und wenn man wie wir sehr viel unterwegs ist und viele Länder bereist, bekommt man doch einiges von dort mit. Da will man manchmal gar nicht anfangen, darüber nachzudenken.
Aber zurück zu unserer Platte: es ist eine hoffnungsvolle Platte, die den Menschen Mut machen soll, sich nicht aufzugeben, nicht nur faul auf der Couch zu liegen. Das ist für den ein oder anderen sicherlich schwer. Der denkt sich dann vielleicht, wir haben leicht reden, wir sind ständig im Tourbus unterwegs und haben es leicht. Aber es ist nun mal das Wesen der Kunst, Sachen aufzugreifen und öffentlich zu machen. Wir können zwar nicht mit Musik die Welt verändern, geschweige denn das Rad der Zeit drehen, aber wir können zumindest die Leute zum Nachdenken anregen. Und das gelingt uns mit den Reitern, denn auf diversen Partys oder Fanclubtreffen kommen die Menschen miteinander ins Gespräch und greifen solche Themen mit auf.

HH: "Soldaten Dieser Erde" ist für mich der stärkste Song auf dem neuen Album. Darin kommt die Zeile vor "mordet ihr moralisch, ob für Islam, Größenwahn, ganz amerikanisch". Habt ihr keine Bedenken, dass ihr damit bei Moslems anecken könntet, nachdem die Mohammed Karikaturen so hohe Wellen geschlagen haben?

Volk-Man: Das Lied ist ja in keinster Weise anti-muslimisch gedacht oder gemeint. Die Frage ist vielmehr, warum es immer gegen diejenigen geht, die in der Gesellschaft eh schon mit Füßen getreten werden, ob nun im Irak, im Libanon oder in Palästina. Es gibt einfach überall eine Unterschicht, eine Mittelschicht und eine reiche Oberschicht. Aber in allen Ländern sind es die Ärmsten, die "Hurra" schreien, wenn es in den Krieg geht und opfern sich für ihr Land oder ihren Glauben auf. Das ist die zentrale Frage des Songs: warum sich Menschen für ihre Regierung verheizen lassen, obwohl sie deren Meinung evtl. gar nicht teilen. Kriege hat es schon immer gegeben und wird es leider immer wieder geben. Und es geht immer wieder nur um Macht, es geht um Geld und es geht um Herrschaft. Interessen verschieben sich, Machtgefüge verschieben sich, sei es nun bei China oder Amerika, bei Öl, Wasser oder Land. Es gibt so viele ungelöste Konflikte auf dieser Erde und überall hin werden Soldaten verschickt. Und am Ende weiß doch keiner mehr, um was es denn eigentlich gegangen ist, da zählt dann nur noch der Orden auf der Brust.

HH: Nochmal eine Frage zu "Soldaten Dieser Erde": Kennt ihr Papa Roach?

Volk-Man: Ja, die Band kenne ich auf alle Fälle...

HH: Mitten im Song, beim Break, spielt ihr ein Riff, dass schon sehr an "Last Resort" von Papa Roach erinnert. Ist euch das aufgefallen?

Volk-Man: Nee, das ist mir noch nicht aufgefallen, aber da werde ich morgen oder übermorgen mal in einen Plattenladen gehen und reinhören. Ich kenne noch keinen Song von ihnen, aber wen dem so ist... Zufälle gibt es immer wieder ha ha

HH: Ihr habt inzwischen einen enormen Fundus an Songs, aus dem ihr euer Liveset zusammen stellen könnt. Nach welchen Kriterien erfolgt hier die Auswahl, welcher Song rausfliegt und welcher in die Setlist aufgenommen wird?

Volk-Man: Oh, das ist immer eine sehr sehr langwierige Entscheidung. Das große Ziel von uns ist es jedenfalls nicht, um jeden Preis einen bestimmten Song in der Setlist zu haben. Wir wollen einfach ein stimmiges Programm haben. Wenn man wie wir heute rund 100 Minuten spielt, hat man die Möglichkeit, die Fans an die Hand zu nehmen und sie auf eine emotionale Reise zu schicken. Das heißt, man kann ihn nicht die ganze Zeit mit Death Metal zudröhnen, da ist er dann irgendwann mal platt. Andererseits kann man ihn nicht ständig von einem Extrem ins nächste jagen, also schneller Song, langsamer Song, schneller Song... Wir wollen das immer "gleitend" machen, und unter diesem Aspekt haben wir unsere Sets gestaltet, also einen heftigen Part, einen ruhigeren und einen rockigeren, tanzbaren Part. Und zu diesen Parts versuchen wir dann, die richtigen Songs zu finden. Zudem haben wir dann auch noch eine kleine Rotation im Set, damit auch wir als Musiker eine entsprechende Abwechslung haben. Mit dem Zugabenteil verhält es sich ebenso. Im manchen Clubs werden ganz bestimmte Songs gefordert. Wir haben zwar nicht alle 80 Songs auf der Pfanne, aber so 30 bis 35 Stück haben wir schon parat und spielbereit. Und wenn dann ein Song gefordert wird und er auch emotional passt, dann wird er auch gespielt.
Für diese Tour steht ganz klar Riders On The Storm im Vordergrund, denn es ist das erste Mal, dass wir eine Platte rausbringen und auch gleich darauf im Anschluss auf Tour gehen. Bislang hatten wir immer viel Zeit zwischen Veröffentlichung und Tour, z.B. kam die Samurai im September auf den Markt und die Tour war erst im März. Doch diesmal ist es anders, wir wollen einfach viele Songs vom neuen Album live spielen und die bisherigen Reaktionen geben uns recht. Die Leute kennen alle Texte, jedes Break, gehen richtig steil ab, das ist sehr sehr beeindruckend für uns. Die Leute merken eben, dass das Album nicht nur im Studio zusammen gezimmert wurde sondern dass die Songs auch live funktionieren.

HH: Ihr könntet also die Setlist kurzfristig auch umschmeißen?

Volk-Man: Theoretisch ja, aber das Grundgerüst bleibt auf jeden Fall erhalten. Ein paar Songs können wir jedoch variieren...

HH: Gibt es inzwischen einen Song, der immer wieder gespielt werden muss, der verlangt wird, den ihr selbst aber nicht mehr hören könnt?

Volk-Man: Nee... es gibt vielleicht den ein oder anderen Song, den man so oft gespielt hat, dass die Euphorie nicht mehr ganz so gegeben ist. Aber wir respektieren auch die Wünsche der Fans. Jeder hat so seine Lieblingsscheibe, mit der er die Reiter für sich entdeckte oder eben seinen Lieblingssong. Zum Beispiel hatten wir dieses Mal den Song "Instinct" gar nicht mehr auf der Rechnung, doch er wurde in mehreren Städten mehrfach gefordert, also haben wir ihn auch gespielt, auch wenn er schon recht alt ist und wir ihn dementsprechend auch schon so oft gespielt haben.

HH: Eine kurze Rückblende zum Wacken Open Air. Euch auf die kleine Partystage zu verbannen, war nicht sehr glücklich, zumal es wohl bei den Fans auch Verletzungen (Knochenbrüche usw.) gegeben haben soll. Wie empfandet ihr diesen Gig und die dortige Organisation?

Volk-Man: Also, über die Organisation kann ich nichts sagen, da lief im Gegensatz zu unserem Gig von vor drei Jahren alles reibungslos. Auch die Technik und die Crew waren sehr gut. Jedoch hatten wir schon so unsere Bedenken, auf der kleinen Partystage aufzutreten, da hätten wir schon lieber auf einer großen Bühne gespielt. Aber wir hatten dafür auch eine sehr gute Spielzeit, es war schon dunkel und wir konnten die Lightshow voll einsetzen. Aber als wir dann gesehen haben, welche Massen sich vor der Bühne drängten, wurde uns schon anders. Das war wirklich eine Schlacht! Die Security war zu unserem Gig extra verdreifacht worden. Wir konnten von der Bühne aus sehen, wie schwer die Security gefordert war. Da wurden die Surfer nur noch im Sekundentakt herunter gereicht. Und die Fans in den vordersten Reihen waren einfach nur noch eingequetscht. Das ist in diesem Moment eine ambivalente Geschichte: du bist als Band für die Euphorie und das Geschehen direkt verantwortlich, du machst die Musik und heizt den Fans damit ein und denkst dir gleichzeitig: Mein Gott, kann ich den nächsten Song überhaupt noch bringen? Weil man sieht, was da vor der Bühne abgeht. Und das ist für uns als Band keine angenehme Situation im Nachhinein zu erfahren, dass es Verletzte gegeben hat. Wir haben dann noch versucht, über den Veranstalter in Kontakt mit den Verletzten zu treten, haben aber keine Resonanz bekommen. (traurig, da will eine Band mit den Verletzten in Kontakt treten und erhält keine Unterstützung - Ray). Es war halt unglücklich, die Reiter für die kleine Party Stage zu buchen. Denn wenn man sich mit uns beschäftigt weiß man, dass es, egal wo wir spielen, immer brechend voll sein wird und das zu jeder Uhrzeit. Somit wird es wohl beim nächsten Mal klar sein, wo wir spielen werden.

HH: Themenwechsel: vor kurzem ist leider die NPD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt worden. Immer wieder hört man, dass in den neuen Bundesländern der braune Sumpf im Vormarsch ist. Was kann man deiner Meinung nach tun, um dieser Entwicklung wirkungsvoll entgegen zu treten?

Volk-Man: Meiner Meinung nach kann dies nur im Dialog passieren, weil Verbote nicht funktionieren. Eine Demokratie ist nun mal eine Demokratie und Verbote bewirken eher das Gegenteil von dem, was die Absicht dahinter war. Und eine Demokratie muss auch mit diesen Strömungen fertig werden können. Wobei ich jetzt nicht glaube, dass es nur reine Nazis sind, die diese Partei gewählt haben. Da sind bestimmt auch ein großer Teil an Wählern, denen die SPD, CDU, CSU und wie sie alle heißen am Arsch vorbei gehen und die einfach aus Protest die NPD gewählt haben, weil sie den großen Parteien eins auswischen wollen. Aber man macht es sich auch definitiv zu einfach, es nur darauf zu reduzieren. Es gibt definitiv den Nährboden (z.B. Arbeitslosigkeit) für diese Parteien, weil in Deutschland einfach zu viele Sachen einfach nicht diskutiert worden sind. Zum Beispiel das Thema Nationalgefühl und Nationalstolz, die gerade eben bei der WM etwas hoch gekommen sind, da hat doch jeder sein Fähnlein geschwenkt. Das sind doch Themen, die in Deutschland absolut tabu sind, die aber bei Feiern oder am Stammtisch diskutiert werden. Aber das macht doch auch irgendwie eine Nation aus, dass man dazu stehen will. Und diese Parteien sind hier einfach offensiver, die genau dieses Gefühl bei den Leuten ansprechen. Ich habe in Weimar schon selbst Aktionen mit erlebt, wie die NPD inzwischen agiert. Die stehen nicht nur irgendwo rum sondern machen gezielte Aktionen wie zum Beispiel einen Familientag mit Spielen, Hüpfburg und dergleichen wo ich mir denke: was geht denn hier ab??? Oder sie gehen in die Schulen und verteilen CDs, auf denen deutsches Liedgut zu hören ist. Gleichzeitig übernehmen sie die Parolen von der PDS und wettern gegen Hartz vier. Das ist definitiv ein Thema, dem sich Deutschland stellen muss, denn allein mit Verboten ist das Thema ja nicht erledigt und abgearbeitet. Da wird die NPD als eine Art Ventil von der Bevölkerung genutzt, um den Unmut raus zu lassen.

HH: Als Münchner muss ich das fragen: wart ihr schon auf dem Oktoberfest?

Volk-Man: Nein, noch nicht, evtl. nach dem Konzert...

HH: Aber um elf machen bereits die Zelte zu...

Volk-Man: Was? Dann wird das ja wieder nix... warum heißt das eigentlich Oktoberfest, wenn es doch im September ist? Ha ha ha

HH: Ihr seid nun schon recht lange dabei. Wie ist es eigentlich, bei jeder neuen Veröffentlichung immer wieder die selben Fragen gestellt zu bekommen?

Volk-Man: Das muss man einfach akzeptieren. Das ist doch genau wie auf einer Tour: nur weil ich gestern in Nürnberg eine gute Show gespielt habe, kann ich mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen, die Leute heute hier haben das gleiche Recht auf eine gute Show. Und so ist es auch bei den Journalisten: wenn er eine Frage stellt, ist er einfach neugierig und weiß die Antwort wohl einfach nicht. Aber wenn auf der Homepage die Biographie zu lesen ist und dann Fragen kommen wie: "Wie seid ihr zusammen gekommen?" oder "Wie heißt euer Keyboarder?" fragt man sich schon, ob wirkliches Interesse besteht. Eine Frage regt mich ehrlich gesagt schon auf, die lautet: "Um was geht es in euren Texten?" Da denke ich mir nur noch: Hallo? Die Texte sind auf deutsch, man kann sie verstehen und sie stehen sogar noch im Bootleg. Ein bisschen Nachdenken kann da nicht schaden, so kryptisch sind sie ja nun auch nicht formuliert.
Ich bin der Meinung, so wie sich ein Musiker auf seine Show vorbereitet, so sollte sich auch ein Journalist auf das Interview vorbereiten. Dieses Interview hier hat mir sehr gut gefallen (danke für die Blumen - Ray), da waren auch einige Fragen außerhalb der Band, aktuelle Themen und man kommt einfach ins Plaudern. Aber es gibt halt auch diese Standardinterviews, wo man genau merkt, der Typ hat bis vor ner halben Stunde von den Reitern noch nie was gehört. Der hat sich nur kurz die Homepage durchgelesen und Standardfragen überlegt, das ist dann schon recht anstrengend. Man beantwortet natürlich auch diese Fragen, weil die Leser ja nichts dafür können, dass der Journalist schlecht vorbereitet ist, aber es macht halt nicht ganz so viel Spaß. Gerade wenn die neue Platte rausgekommen ist und man mehrere Interviews an einem Tag hat. Da denkt man sich manchmal: nicht schon wieder... das ist dann auf Dauer langweilig.

HH: Abschließend bitte ich dich, die Reiter mit Farben zu beschreiben.

Volk-Man: Ganz klar: die Reiter sind herzlich, also sind sie rot, sie sind hoffnungsvoll, also sind sie grün und sie sind harmonisch, also gelb. Das sind unsere Farben.

HH: Vielen Dank für dieses Interview.

Ray

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