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Festival-Bericht
Summer Breeze 2025
mit Machine Head, Gojira, Blind Guardian, Dimmu Borgir, Gutalax, Hellripper, The Halo Effect, Destruction, Agnostic Front, Lost Society, Donots, Unleashed, Obituary, Warbringer, Randale, Vader & Suffocation
Flugplatz Sinbronn, Dinkelsbühl 13.08 - 16.08.2026
Traditionen haben so ihre Tradition. Das Summer Breeze Open Air - fester Bestandteil des persönlichen Jahreskalenders wie Weihnachten, der erste
Schnee und der alljährliche Ärger mit dem Zelt - ist eine der verlässlichsten
davon. Vier Tage, ein Flugplatz in Franken, mehr Bands als man vernünftigerweise alle sehen kann, und das gute alte Problem: Gleichzeitigkeit. Wer geht zu wem, wenn sich zwei Lieblinge überschneiden? Fragen, die den geneigten Festivalbesucher schon in den Wochen zuvor um den Schlaf bringen.
Das Lineup des Jahrgangs 2025 hat mich, ich sage es offen, schon bei der Bekanntgabe in Begeisterung versetzt, die man, nüchtern betrachtet, für eine Person meines Alters vielleicht etwas zurückhalten sollte. Man tut es nicht. Machine Head als Samstagsheadliner, Gojira und Blind Guardian im Programm, dazu eine Death-Metal-Dichte im Tagesgeschäft, die dem Nacken schon auf dem Anreiseweg Respekt einflößt. Erwartungen: entsprechend hoch. Bereitschaft zur Enttäuschung: nicht vorhanden.
Was folgt, sind die Momente, die hängengeblieben sind. Ein Streifzug durch vier Tage Dinkelsbühl, festgehalten im Zustand maximal subjektiver Begeisterung.
Mittwoch, 13.08.2025
Die Tschechen brauchen keine große Vorrede: Wenn Gutalax auf der T-Stage erscheinen, wissen alle Anwesenden, was sie erwartet. Klobürsten, Klorollen, brauner Humor - das gehört zum Konzept wie das Bier zum Summer Breeze und Petrus zum Wetter. Der Pit dreht sich im Sekundentakt, die Surfer fliegen durchs Rund und der staubige Untergrund wird ordentlich aufgewirbelt. Business as usual, und das ist auch gut so.
James McBain ist Hellripper, und Hellripper ist James McBain. Der Schotte heizt mit seinem rohen, schnellen Speed/Black Metal dem zunächst noch überschaubaren Publikum vor der Bühne ein. Wer sich auf diesen brachialen Stilmix aus Motörhead-Attitüde und frühem Black Metal einlassen kann, dürfte seine wahre Freude daran gehabt haben - und davon gibt es hier erfreulich viele. Kurz, laut, auf den Punkt.
Geballtes melodisches Todeserz aus Schweden: The Halo Effect brauchen eigentlich keine große Einleitung mehr, denn dass sich Mikael Stanne und allerlei Ex-In-Flames-Instrumentalisten zu einer gemeinsamen Supergroup zusammengefunden haben, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Was man aber immer wieder von Neuem attestieren muss: die Kapelle kann auf der Bühne genauso überzeugen wie auf Platte. Von Beginn an macht das gut gefüllte Infield klar, dass die Band beim Summer Breeze echte Fans hat - und die werden nicht enttäuscht.
Stanne ist ein Fronter, dem man gerne zusieht: dezent unterwegs, ohne Berserkerattitüde, aber mit einer Präsenz, die das Publikum in den Bann zieht. Die Gitarrenarbeit sitzt tadellos, die Melodien aus "Days Of The Lost" und dem aktuellen "March Of The Unheard" werden dankbar angenommen und textsicher mitgesungen, wo es nur geht. Spätestens bei "The Needless End" sieht man im Rund ordentlich Headbangen und das eine oder andere Mal fliegen auch Surfer nach vorne durch. Unterm Strich ein formidabler Auftritt einer Band, die sich ihren Stammplatz auf der Festivalbühne redlich verdient hat.
Wer auf dem Summer Breeze symphonischen Black Metal in seiner prächtigsten Form erleben möchte, dem sei gesagt: Dimmu Borgir bitten zum Tanz, und sie tun es mit allem, was das Genre in seiner größten Geste zu bieten hat. Das Infield vor der Hauptbühne ist brechend voll, als Shagrath und Co. die Bühne betreten - oder vielmehr: als sie in einem Meer aus Bühnennebel erscheinen, der die Sicht auf alles jenseits der ersten Reihe gründlich erschwert. Das macht aber bekanntlich nichts, denn bei Dimmu Borgir schließt man die Augen ohnehin lieber.
Der Klangteppich, der sich aus den Boxen ergießt, lässt keine Zeit für Orientierungslosigkeit. "Progenies Of The Great Apocalypse", "Puritania" und das monumentale "Gateways" entfalten ihre Wirkung mit der Effizienz einer gut geölten Kriegsmaschine, und das Publikum lässt ebenjenes klaglos über sich ergehen. Shagrath hält sich, wie man ihn kennt, im Hinblick auf Publikumskommunikation zurück, aber die Gesamtshow - Licht, Nebel, Symphonisches - ist spektakulär genug, um die Aufmerksamkeit vollständig zu absorbieren. Man muss die Band nicht unbedingt mögen, um zu attestieren: das ist großes Kino, und zwar ganz großes.
Donnerstag, 14.08.2025
Hanabie sind neu auf meiner persönlichen Landkarte, entsprechend gespannt nähere ich mich der Bühne, vor der sich eine ungewöhnlich bunte und auffallend junge Menge eingefunden hat. Die japanischen Metalcore-Damen liefern von der ersten Sekunde an Vollgas und beweisen dabei eindrucksvoll, dass Spielfreude und technisches Können sich nicht gegenseitig ausschließen. Die Songs, mal auf Japanisch gesungen, mal auf Englisch, haben allesamt Killerrefrains - und die Band hat offenkundig sehr viel Spaß in den Backen, was sich unmittelbar auf das Publikum überträgt, das von Song zu Song ausgelassener wird. Crowdsurfer, Pit und anfangs noch grübelnde Stirnrunzler, die dann doch mitmachen: Hanabie haben sich an diesem Donnerstag mächtig viele neue Fans ersungen.
Landmvrks aus Frankreich servieren ihren Melodic-Metalcore solide und ohne große Überraschungen. Das Publikum ist zufrieden, hie und da bewegen sich ein paar Körper, die Band gibt ihr Bestes. Kein Highlight, aber auch kein Ausfall - ein ordentlicher Gig für alle, die zwischen zwei größeren Acts eine entspannte halbe Stunde verdient haben.
Eine Lesson In German Thrash Metal, Teil... man verliert inzwischen den Überblick. Aber Schmier und seine Mitstreiter verlieren nie den Faden, und das ist das Entscheidende. Destruction gehören zu jenen Bands, bei denen man schlicht weiß, was man bekommt: tighte Thrash-Granaten, ein Fronter der Extraklasse und ein Publikum, das jeden Riff kennt und mitzieht als gäbe es kein Morgen mehr. Genau das liefern sie auch beim Summer Breeze 2025 ab, keine Sekunde geziert, keine Sekunde langweilig.
Schmier ist gut gelaunt, charmant prollig und weiß genau, wie man das Summer-Breeze-Volk anfasst. "Mad Butcher", "Cracked Brain" und das unausweichliche "Bestial Invasion" lassen keine Fragen offen: der Pit dreht, der Schädel nickt, die Meute singt mit. Es ist nicht das erste Mal, dass ich Destruction auf dem Summer Breeze sehe - und ich hoffe inständig, dass es nicht das letzte war. Verlässlicher geht es kaum.
Wer Agnostic Front kennt, der weiß was kommt. Wer sie noch nicht kennt, der weiß es danach. Roger Miret, seit Jahrzehnten das Herzstück der New Yorker Hardcore-Urgesteine, hat von seinem jugendlichen Furor nicht das Geringste eingebüßt - stattdessen kommt zu den Breitseiten aus der Bronx eine gewisse Würde des Urgesteins dazu, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. Das Areal vor der Bühne ist vor allem mit Langzeitfans bestückt, die jeden Text auswendig kennen.
"Gotta Go", "Toxic Shock" und "United And Strong" werden von ebenjenen mit einer Inbrunst mitgegrölt, die man sonst eher von viel größeren Bühnen kennt. Dann ist da noch Vinnie Stigma - was für ein Typ -, der wie immer überall gleichzeitig ist: stachelt an, lacht, spielt und genießt sichtlich jeden einzelnen Moment. Das ist kein Gig, das ist ein Klassentreffen der härtesten Sorte, und man freut sich ein zweites Loch in den Bauch, dabei sein zu dürfen.
Wenn es eine Band gibt, der man auf einem Festival im Jahr 2025 beim besten Willen nicht ausweichen will, dann sind das Gojira. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren von einem Geheimtipp zu einem der wichtigsten Metal-Acts weltweit entwickelt, und das Summer Breeze-Publikum vor der Hauptbühne macht eindrucksvoll klar, dass diese Entwicklung nicht unbemerkt geblieben ist. Das Infield ist gestopft voll, die Stimmung bereits vor dem ersten Ton angespannt wie eine Saite kurz vor dem Riss.
Joe Duplantier und seine Mitstreiter legen los wie besagte Feuerwehr: die Groove-Monster pulsieren durch die PA und walzen über das Publikum wie ein gut koordinierter Angriff. "Stranded", "Flying Whales" und "L'Enfant Sauvage" erzeugen Gänsehaut-Momente en masse, und man muss - bei aller Trockenheit der Beschreibung - attestieren, dass der Sound schlicht perfekt sitzt. Die Rhythmusarbeit von Mario Duplantier am Schlagwerk ist dabei eine eigene Show wert: präzise wie ein Uhrwerk, druckvoll wie ein E-Motor. Das Publikum honoriert das mit einer Energie, die in Mark und Bein übergeht. Absolutes Highlight des Donnerstags, im Festival-Gesamtranking ganz weit vorne.
Freitag, 15.08.2025
Die Finnen Lost Society um Sänger Samy Elbanna verschwenden beim Summer Breeze 2025 keine Zeit mit Höflichkeiten. Thrash Metal heißt hier: von Null auf Hundert, direkt in den ersten Song, direkt in den ersten Pit. Das Publikum dankt's, der Nacken leidet - und beides auf die beste erdenkliche Art.
LIK geben beim Summer Breeze 2025 ihr Festival-Debüt - und der Stockholmer Fünfer macht keinen Hehl daraus, dass man sich das lange verdient hat. Der Beweis folgt prompt: Swedish Death Metal, ordentlich, trocken und mit einem Groove, der das Nackenband auf die Probe stellt. Das Areal ist gut gefüllt, die Death-Metal-Gemeinde hat sich eingefunden und wird nicht enttäuscht. Songs wie "Degenerate" kommen druckvoll aus den Boxen, der Pit kreist zuverlässig und die Band macht sich ordentlich ans Werk. Kein Spektakel, aber handwerklich auf sehr hohem Niveau - das ist bei dieser Musikrichtung alles andere als eine Kleinigkeit.
Punk-Rock auf dem Summer Breeze - das klingt nach einer Gleichung, die nicht aufgehen kann. Ingo Knollmann und seine Ibbenbürener Recken lösen diese vermeintliche Widerspruchslage beim ihrem ersten Gastspiel in Dinkelsbühl auf die denkbar direkteste Art: indem sie einfach losspielen. Dann geht die Rechnung auf, ohne Wenn und Aber. Knollmanns Frontalangriff auf die gute Laune des Publikums funktioniert vom ersten Takt an einwandfrei, und wer bei "Whatever Happened To The 80s" und anderen Donots-Klassikern nicht wenigstens mit dem Fuß wippt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Das Infield ist ordentlich voll und bestens aufgelegt. Punk-Rock auf Festivalniveau: genau das, was man an einem Freitagnachmittag braucht, um den restlichen Abend zu überstehen.
Johnny Hedlund und Unleashed sind seit 1989 dabei, und dem Gutesten ist das schlicht und ergreifend egal. Nicht im negativen Sinne - nein, Hedlund gehört zu jenen Veteranen, die ihre Energie aus dem reinen, unverfälschten Spielspaß beziehen und das konsequent auf die Bühne bringen. Swedish Death Metal at its finest, kompromisslos und mit einem Tieftöner, der so wirkt, als hätte er seit drei Jahrzehnten täglich an genau diesem Gig gearbeitet.
"Where No Life Dwells" und "Execute Them All" machen das Feld vor der Bühne zum Schlachtfeld der schönsten Sorte. Wer Viking Death Metal in seiner ureigensten Form sucht - ohne Orchestrierung, ohne Konzept-Album-Ambitionen, ohne Schnickschnack - der ist hier richtig. Das Publikum gibt es ebenjenen dankend zurück mit ordentlichem Pit und lautem Beifall. Solide Vorstellung.
Die Belgier Evil Invaders haben für Grübeleien oder ruhige Momente schlicht keine Zeit eingeplant. Gitarrero Joe Evans jagt wie ein Derwisch über die Bühne und das Tempo der Band lässt kaum Luft zum Durchatmen. Für Fans von Speed Metal alten Schlags ist das ein Fest - für alle anderen ein angemessen kurzes, aber sehr intensives Erlebnis.
Blind Guardian auf dem Summer Breeze, das ist, muss man attestieren, inzwischen eine fest gesetzte Angelegenheit - und wie schon beim ersten Besuch 2022 gerät auch dieser Auftritt zu einem der stimmungsstärksten Momente des Festivals. Hansi Kürsch ist als Fronter schlicht in einer eigenen Liga: er singt, er redet, er nimmt das Publikum mit - und das Infield, das sich bis weit nach hinten gefüllt hat, hängt an seinen Lippen. Die Power-Metal-Gemeinde: vollständig mobilisiert.
Wer 2022 dabei war, dem fällt auf: Hansi hat seine berühmten Zwischenansprachen diesmal merklich gestrafft. Weniger Philosophieren, dafür mehr Musik - und das tut dem Set gut, ohne den Hansi-Kürsch-Faktor zu schmälern. Was bleibt, sind Songs wie "Imaginations From The Other Side", "Mirror Mirror" und das allgegenwärtige "Bard's Song - In The Forest", bei dem das komplette Summer Breeze in einem gewaltigen Chor antwortet. Solche Momente sind der Grund, warum man Jahr für Jahr nach Dinkelsbühl fährt. Ganz großes Kino.
Von Obituary bekommt man, was man von Obituary erwartet: stampfenden Florida Death Metal, der sofort in Mark und Bein übergeht und das Publikum in einen kollektiven Genickbruch treibt. John Tardy growlt, was das Mikro hergibt, die Band spielt tight und ohne Firlefanz - das Rund honoriert dies mit zuverlässigem Headbanging und einem ordentlichen Pit. Keine Überraschungen, keine Experimente, und das ist bei Obituary bekanntlich genau richtig so. Wer bei "Slowly We Rot" oder "Chopped In Half" noch ruhig stehen bleibt, ist schlicht fehl am Platz.
Warbringer aus Los Angeles haben für Grübeleien oder ruhige Momente schlicht nichts eingeplant. Der Thrash-Fünfer zieht sein Set durch wie eine Kettenreaktion: ein Riff zündet das nächste, der Pit dreht, der Frontderwisch brüllt. Kurz, laut, auf den Punkt.
Samstag, 16.08.2025
Man möchte meinen, Dinosaurier in Kostümen auf dem Summer Breeze - das klingt nach Kinderprogramm. Man möchte es, aber man muss feststellen: dem ist mitnichten so. Heavysaurus sind das finnische Wunder des Festivaltages. Der T-Square ist brechend voll mit einer Mischung aus kleinen Fans, die auf den Schultern ihrer Eltern sitzen, und ausgewachsenen Metalheads mit Kutten, die genauso begeistert sind. Das muss man auch erst mal schaffen.
Die Dinos liefern ordentlichen Kinderrock ab, der auch für die erwachsene Begleitung kurzweilig ist, und die Stimmung vor der Bühne ist schlicht phänomenal. Mehrere riesige Polonaisen schlängeln sich durch das Rund, der Grinse-Faktor ist außergewöhnlich hoch, und als einer der Dinosaurier von der Bühne klettert und im Publikum versinkt, ist das restlose Begeisterung von Klein und Groß gleichermaßen. Das Summer Breeze kann sich glücklich schätzen, mit Heavysaurus eine Attraktion im Programm zu haben, die man so schnell nicht vergisst. Hut ab vor so viel Spaß.
Auch Randale sind das, was man auf einem Metal-Festival nicht erwartet und dann doch sofort versteht: eine Kinder-Punk-Band, die vor der Bühne nicht nur die Kleinen, sondern auch deren Eltern und einen erstaunlich großen Teil des erwachsenen Festivalpublikums komplett einwickelt. Kurze Hosen, laute Gitarren, Texte auf Augenhöhe der Jüngsten - und trotzdem geht es ordentlich ab. Mehrere Kinder in den Schultern ihrer Eltern, Polonaise-Ansätze, kollektives Mitsingen: Randale haben das Rezept für maximale Stimmung bei minimalem Durchschnittsalter offenkundig perfektioniert. Nicht die lauteste Show des Festivals - aber mit Abstand eine der herzlichsten.
Peter und seine Polen kommen, sehen und siegen - das ist bei Vader traditionell so, und das Summer Breeze 2025 macht dabei keine Ausnahme. Was die Warschauer seit Jahrzehnten auf die Bühne bringen, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Death Metal mit militärischer Präzision und einem Groove, der einen physisch umhaut. Schon beim ersten Song ist die Messe gelesen.
Peter ist und bleibt einer der charismatischsten Frontmänner der europäischen Death-Metal-Szene. Er braucht keine langen Ansagen, kein Brimborium - ein kurzes "Are you ready for Vader?" und das Areal ist bereits in Bewegung. Songs wie "Carnal" oder das unvermeidliche "Sothis" werden vom Publikum gefeiert als wären es Volkssongs, der Pit dreht zuverlässig und die Nacken werden beansprucht. Man muss Vader schlicht attestieren: gelungener und überzeugender Gig, wie immer.
Brutal Death Metal der härtesten Sorte: Extermination Dismemberment machen keine halben Sachen. Der Gig ist kurz, extrem und polarisiert entsprechend - wer auf diese Art von Brutalität steht, hat seinen Spaß gehabt. Allen anderen sei der Gang zum Bierstand empfohlen.
Suffocation gehören zu den Gründungsvätern des Technical Brutal Death Metal und sie tragen diese Verantwortung mit angemessener Ernsthaftigkeit. Das Rund vor der Bühne ist gut besetzt, die Kenner der Zunft sind erschienen und werden mit einem Set bedacht, das keine Kompromisse kennt. "Pierced From Within", "Infecting The Crypts" und "Liege Of Inveracity" sind nach wie vor Referenzpunkte des Genres - live klingen sie noch schwerer als auf Platte. Der Pit dreht, der Nacken schmerzt, die Band spielt tight. Was will man mehr?
Es gibt Auftritte, die man im Nachhinein Freunden und Bekannten beschreibt, und die dabei unweigerlich an Glaubwürdigkeit verlieren, weil das, was man erlebt hat, zu groß ist für eine nüchterne Erzählung. Der Machine Head-Gig am Samstagabend des Summer Breeze 2025 ist solch ein Auftritt. Robb Flynn und seine Mitstreiter sind seit Jahren für brutale Live-Erlebnisse bekannt, aber was an diesem Abend auf der Hauptbühne passiert, übertrifft selbst die hochgesteckten Erwartungen des gut vorbereiteten Festivalbesuchers. Das Infield ist restlos voll.
Flynn betritt die Bühne nicht - er übernimmt sie. Mit "Imperium" gibt es direkt in der Eröffnung keine Gnade, der Sound ist auf Anschlag, die Lichtshow auf Verdunkelung und Explosion ausgelegt und das Publikum reagiert wie elektrisiert. Was folgt, ist eine Achterbahnfahrt durch drei Jahrzehnte Oakland-Metalgeschichte: "Davidian" lässt das Rund kollektiv explodieren, bei "Ten Ton Hammer" herrscht im vorderen Drittel des Infields ein Zustand, der von außen wie kontrolliertes Chaos aussieht und sich von innen wie der beste Moment des Jahres anfühlt. Die Gitarrenarbeit des Duos Flynn/Vogg ist dabei von erschreckender Präzision, der Tieftöner Jared MacEachern liefert einen Basswall, der den Brustkorb physisch bewegt.
Robb Flynn ist, man muss das so sagen, einer der besten Frontmänner, die das Heavy-Metal-Genre hervorgebracht hat. Er singt, schreit, redet, baut Brücken zum Publikum, reißt Brücken wieder ein und baut neue. Zwischen "Halo" und "Aesthetics Of Hate" nimmt er sich Zeit für eine seiner berühmten langen Ansagen - politisch, persönlich, bisweilen pathetisch, aber auf eine Art, die man ihm nicht übel nehmen kann, weil man ihm schlicht glaubt. Das Publikum hängt an seinen Lippen. Als er das Mikro sinken lässt und "Old" ankündigt, gibt es kein Halten mehr.
Den Abschluss bildet eine ausufernde Version von "Davidian", in der Flynn das Publikum dreimal die berühmte Schlusszeile wiederholen lässt - und dreimal kommt sie lauter zurück. Wer bis dahin noch irgendwelche Reserven hatte, hat sie jetzt verbraucht. Als die Band die Bühne verlässt, steht das Infield noch einen Moment lang da, als würde es begreifen müssen, was gerade passiert ist.
Das war kein Gig, das war ein Ereignis. Selten hat ein Band-Auftritt auf dem Summer Breeze derart verdient, den Abend zu beschließen. **Ganz großes Kino.**
Vier Tage, ein Flugplatz, ein strapazierter Nacken und ein Vorrat an
Erinnerungen, der für mindestens einen Winter reicht - das Summer Breeze 2025 ist Geschichte, und was für eine. Man verlässt Dinkelsbühl in jenem Zustand
angenehmer Erschöpfung, der einem sagt: ja, das war es wert. Jede Stunde
davon.
Wer das Festival auf Highlights abklopfen will, dem sei gesagt: Gojira am Donnerstagabend haben das Infield derart in Beschlag genommen, dass der Begriff "Publikum" kaum noch zutraf - das war eine Masse, die atmet und pulsiert. Blind Guardian haben am Freitagabend bewiesen, dass Hansi Kürsch und die Seinigen auf einer Festivalbühne schlicht in einer eigenen Liga spielen, mit oder ohne ausufernde Zwischenansprachen. Und Machine Head am Samstag - aber das ist oben hinreichend beschrieben worden. Wer dabei war, weiß. Wer nicht dabei war, dem kann man es nicht erklären. Man muss es erlebt haben.
Daneben haben LIK und Unleashed der Death-Metal-Fraktion am Freitag gezeigt, was handwerkliche Verlässlichkeit bedeutet. Vader haben dem Samstagnachmittag die nötige Würde verliehen. Heavysaurus und Randale haben bewiesen, dass das Summer Breeze auch als Familienfestival funktioniert - sofern die Familie Kutten trägt und Growls als Einschlafmusik akzeptabel findet.
Unterm Strich: Jahrgang 2025 - **Volltreffer**. Das Summer Breeze hat sich einmal mehr selbst übertroffen, und man darf, nein: muss attestieren, dass man im August 2026 wieder hier sein wird. Traditionen haben schließlich so ihre Tradition.
