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Festival-Bericht
Bang Your Head
mit Twisted Sister, Axel Rudi Pell, Omen, Delain, Atlantean Kodex, Europe, Grave Digger, Anthrax, Exodus, Stryper, Michael Schenker, Ektomorf, Sebastian Bach, Rob Rock, Mad Max, More, Obituary, Grave, Riot, Kissin´ Dynamite, Vain, Warlord, Accuser, Traitor, Stormwarrior, Victory & Bullet
Messegelände Balingen, Balingen 10.-12.07.2014
(Fotogalerien: Bangyourhead2014 )
Wechselnde Wetterverhältnisse! Eine Nacht im Grottental! Sternstunden der gepflegten metallischen Unterhaltung! Ein Billing, das allenthalben für Begeisterung sorgte! So, wenn ihr wissen wollt, welche von diesen vollmundigen Bekundungen wahr und welche frei erfunden sind, dann bleibt nur eines: weiterlesen.
Donnerstag, 10. Juli 2014
Back to the 80s, unter diesem Motto stand das diesjährige Bang Your Head - und das nicht nur, weil die alljährliche Versammlung der Schwarzkittelzunft auf der Hohenzollernalb sich zum 25ten Male zutrug, sondern weil Mastermind, Veranstalter und Urgestein Horscht auch noch Geburtstag feierte. Da dürfen wir selbstverständlich nicht fehlen und quälen uns am Freitag um die Mittagsstunden durch die unzivilisierten Gebiete in Schwaben, wo wir wie stets von Wegelagerern und Banditen (heutzutage oftmals in Geländewagen und Kleintransportern anzutreffen) aufgehalten werden. Aber das Wetter bessert sich zusehends, bald herrscht eitel Sonnenschein - und ebenfalls wie stets können wir obsiegen, dem zuverlässigen Gasthof Grottental den üblichen Kurzbesuch abstatten und dann in einer atemberaubenden Testfahrt über die Serpentinenstrecke dem Messegelände entgegenbrausen.
(Holgi)
In die 80er zurückversetzt fühlt sich auch der zweite Heavyhardes-Schreiberling, als er nach schier endlosen Bummelzugumsteigeaktionen endlich am Bahnhof Balingen-Süd eintrifft und schon beim Spaziergang durchs Städtle erstaunlich viele Kuttenträger zu Gesicht bekommt. Beachte: bereits am Donnerstag, um einen logistisch ideal gelegenen Zeltplatz zu ergattern, was letztlich auch gelingt. Heringe fixiert und auf Richtung Entrance, denn die Warm Up-Show hat längst begonnen. Ärgerlich ist der stolze Preis von 35 Euronen. Will einer sich das komplette Programm geben, muss dieser entrichtet werden, plus Festival- und Camping-Ticket, aber Balingen ist ja nur einmal im Jahr.
Die letzten beiden Songs der Schweden Bullet bekommen wir gerade noch mit: die inoffizielle Festivalhymne (natürlich neben Quiet Riots "Metal Health") "Bang Your Head" und "Bite The Bullet". Die Halle ist bereits gut gefüllt, die Zuschauer zeigen sich bestens aufgewärmt und die Band macht Laune auf mehr. Auch scheint der Sound bei Bullet noch in Ordnung, wenn auch nicht optimal, auf die Lokalität eingestellt zu sein, was sich beim nächsten Act jedoch schlagartig ändern soll.
Stormwarrior erwischen nämlich zunächst einen selten schlechten Start ins Set. Soundmatsch par excellence, in welchem "Iron Gods", "Thunder & Steel" und "Metal Legacy" stecken bleiben, wenn nicht gar ersaufen. Erst bei "Steelcrusader" werden die Regler so gedreht, dass die Hamburger Urgesteine einen Draht zum Publikum finden können, das die Verbesserung mit einem aus vielen Kehlen mitgegrölten Refrain zu würdigen weiß. Sänger und Gitarrist Lars Ramcke und seine Sturmkrieger geben danach bei "Heavy Metal Fire", "Heading Northe" und vor allem "Odin's Warriors" noch mal alles, um einen positiven Gesamteindruck zu hinterlassen, was den sympathischen Norddeutschen auch einigermaßen gelingt. Dennoch: kein Vergleich zum exzellenten Auftritt im Vorprogramm von Gamma Ray vor ein paar Monaten.
So liegt es bei den Hannoveranern Victory, das Steuer herum zu reißen. Die Band rund um Szeneveteran Herman Frank und Gesangsteufelchen Jioti Parchiridis liefern einen souveränen Gig mit einigen Highlights ab, wenn auch der 80s Hard Rock des Quintetts nicht uneingeschränkt den Geschmack des an diesem Abend hauptsächlich aus Traditional Metal-Anhängern bestehenden Publikums zu treffen scheint. Frenetischer Applaus hört sich anders an, vor allem nach so klasse Stücken wie dem Opener "Take The Pace", dem Klassiker "Are You Ready", "Power Strikes The Earth" oder "On The Loose". Toll in Szene gesetzt von einer ausgeklügelten Lightshow hat die Band jedoch sichtlich Spaß an ihrer Darbietung und beendet ihr Set mit dem Doppelschlag "Check's In The Mail" und "Rock The Neighbours". Starker Auftritt einer selbst zu ihren Hochzeiten stets unterschätzten Formation, aber wo blieb DER Überhit "Never Satisfied"??
Victory avancieren so zu den Gewinnern des Abends a) weil sich bei den ersten drei Grave Digger-Stücken "Return Of The Reaper", "Hell Funeral" und "Knights Of The Cross" der Sound erneut verschlechtert, b) da sich gesamtatmosphärisch gesehen ein wenig Langeweile breit macht und c) weil uns die Zugfahrt noch in den Knochen steckt und wir den Entschluss treffen, den Abend lieber bei einem gemütlichen Bierchen mit den Zeltnachbarn ausklingen zu lassen. Es mag andere Stimmen geben, aber bei allen, mit denen wir danach noch sprechen, rangieren Grave Digger nicht unter den echten Highlights des Festivals. Die sollten jedoch am Freitag folgen.
(Fuxx)
Freitag, 11. Juli 2014
Auch die Wettergötter denken sich in ihren Hallen fürs Bang Your Head stets ein spezielles Programm aus. Als wir Freitagmorgen den Kopf aus dem Zelt recken, erweist sich der Himmel als das sprichwörtliche Grau in Grau, doch sollten sich im späteren Verlauf platzregenartige Schauer mit brütender Hitze fast stundenweise in schöner Abwechslung die Klinke in die Hand geben. Kostet Energie, aber wie heißt das Headbanger's Open Air-Sprichwort gleich wieder? Genau: nur die Harten kommen in den Garten. [Ich will aber gar nicht in den Garten - Holgi].
Mit aller Härte beginnt auch das Treiben auf der Festivalbühne. Die Balinger Regionalhelden Traitor, die kurzfristig für die (deutschen!) Warrant eingesprungen sind, feuern eine Thrashgranate nach der anderen ins Publikum, wenn auch, trotz der spielfreudig aufgelegten Musiker, noch kaum Interesse bei den wenigen Anwesenden herrscht. Auch wir schauen uns die Show erst mal vom Kaffeestand aus an, sind uns aber einig, dass Traitor ihre Sache als Dosenöffner richtig gut machen. Außerdem haben sie mit der Titelwahl für ihren Trademarksong "F.U.A.D. (Fuck You And Die)" die Lacher auf ihrer Seite.
Thrashig geht's dann auch weiter. Als Accuser 1987 mit Conviction ihren ersten Rundumschlag unters Bangervolk brachten, dürften die Jungs von Traitor noch nicht mal im Kindergarten gewesen sein, doch Frank Thoms (Voc., Git.) und Co. haben über die Jahre nichts, aber auch gar nichts verlernt. Eher im Gegenteil, von Altersmüdigkeit keine Spur, und so freuen sich vor allem die Fulltime-Metaller im Publikum über solche hervorragend herunter gezockten Thrashperlen wie "Who Dominates Who", das noch zu DDR-Zeiten die Berliner Mauer anprangernde "Symbol Of Hate", "Who Pulls The Wire" oder "Sadistic Terror". Danach sind wir definitiv wach. Respekt, Respekt...
Ich mag dafür reichlich Unverständnis einstecken müssen, aber Warlord sind meiner Meinung nach schon immer ein wenig überschätzt worden. Klar, technisch versiert und songwriterisch auf gehobenem Level agieren die bereits 1981 gegründeten US Power Metaller seit eh und je. Doch auch heute springt der Funken lediglich beim von Hammerfall auf der Glory To The Brave gecoverten "Child Of The Damned" wirklich über. Dieser Song wird dafür abgefeiert. Auch "Winter Tears" und vor allem das episch getragene "Deliver Us From Evil" wissen zu gefallen, alles in allem können Warlord jedoch nicht ganz in dem Maße überzeugen wie zuvor Accuser.
Zu Davy Vain und seiner nach ihm betitelten Combo Vain mag einer stehen wie er will, Fakt ist, dass er sich mit der Platte No Respect 1989 deutlich von der schon langsam schwächelnden Glam Rock-Szene abhob und sein ureigenes Verständnis von Sleaze Metal auf derselben verewigte. Auf dem Bang Your Head erweist sich Meister Vain samt Band als gut aufgelegt und startet seinen Auftritt mit einem seiner großartigsten Tracks "Secrets". Das Material scheint leider weithin unbekannt, und so gibt es von der da und dort artig mitwippenden Bangerschaft lediglich Höflichkeitsapplaus. In einem kleinen Club dürften Vain allemal besser aufgehoben sein als auf einer Festivalbühne und solche Genreklassiker wie "Watching You", "No Respect" und das das Set beschließende "Bite The Bullet" eher zünden. Dennoch: dem Rezensenten, der am Morgen sein Vain-Shirt übergestreift hatte, und so einigen stilechten Sleazern im Publikum weiß die Show zu gefallen.
Sänger Hannes und Kissin‘ Dynamite haben allen Respekt der Welt und die sich in den letzten Jahren nach und nach einstellenden Erfolge verdient. Alle Jugendhäuser in Schwaben beackert, keine Festivaleinladung ausgeschlagen, nie an ihrem immer mit metallischen Einflüssen spielenden Glam Rock gezweifelt. Auch in Balingen finden sich einige Fans der Combo, und so erfreut sich das Rund bester Nachmittagsunterhaltung. Da wir Kissin‘ Dynamite jedoch schon zig Mal gesehen haben, steht erst mal die Visitation der Merchandise- und Essens-Stände auf dem Programm. Zwei Dinge fallen dabei auf: erstens, dass es selten ein Festival gab, an dem so viele ausgefallene und top verarbeitete Patches zu ergattern waren, und zweitens, dass für alle Non-Karnivoren der obligatorische Veggi-Stand fehlte.
Die äußerst schmackhaften Kässpätzle tun's jedoch auch, und so schlendern wir frisch gestärkt in Richtung Bühne, denn dort stehen nun die reformierten Riot (nun Riot V) auf dem Tableau. Mit dem Klassiker "Narita" finden Gesangswunder Todd Michael Hall, Gitarrist Mike Flyntz und Co. einen idealen Einstieg in ihr Set. Schnell wird deutlich, dass viele der Anwesenden auf diesen Auftritt gewartet haben, denn rasch bilden sich erste Headbang-Runden, und Stücke wie die folgenden Thundersteel-Großtaten "Fight Or Fall" und "Johnny's Back" werden nicht nur in den ersten dreißig Reihen gefeiert. Mit Nummern im Gepäck wie "Angel Eyes", "Flight Of The Warrior" (überragend), der ersten Gänsehautattacke "Bloodstreets" oder "Swords And Tequila" gerät der Auftritt zum Triumphzug und man blickt ringsum in aus dem Grinsen kaum herauskommende Gesichter. Schade, dass dann nach "Warrior" und der Muss-Zugabe "Thundersteel" schon wieder Schicht im Schacht ist und Riot das Feld räumen müssen. Da freut man sich doch, dass die Band in ein paar Tagen auf dem Headbanger's Open Air als Headliner fungiert. Subjektiv gesehen der stärkste Freitagsact - wunderbarer Auftritt.
Anschließend Thrash-Kontrastprogramm mit Exodus, denen der Wiedereinstieg von Steve "Zetro" Souza mehr als gut zu Gesicht steht. Ohne Frage: Paul Baloff wird für immer die Stimme von Exodus bleiben, doch auch die Zetro-Ära wird in die Heavy Metal-Annalen eingehen. Ohne viel Vorgeplänkel blasen Gitarrenidol Gary Holt und seine Bay-Area-Kumpanen mit "Bonded By Blood" erstmal alles weg. Überraschenderweise ist sich Souza nicht zu schade, auch Material aus den letzten Jahren stimmlich zu inszenieren und so wird "War Is My Shepherd" in einer recht neuartig wirkenden Version zum Gewinner. Gleiches gilt für die Aggro-Hymnen "And Then There Were None" und "A Lesson In Violence", und auch "The Toxic Waltz" und das finale "Strike Of The Beast" erstrahlen in neuem/alten Licht. Frischzellenkur nennt man so etwas. Exodus dürften bei diesem neu gefundenen Enthusiasmus noch einige Alben im Köcher haben. Ein wenig kurz geraten, der Gig, denkt man sich danach, jedoch höchst zufriedenstellend.
Zu diesem Zeitpunkt betritt Kollege Holgi das Gelände, an den der Stab an dieser Stelle erst mal weitergegeben wird.
(Fuxx)
Ah, wieder eine schöne Heute im Stadion-Konferenz-Schaltung! Wie fein. Endlich angekommen laufen wir ein zu den Klängen von Michael Schenker‘s Temple Of Rock, wohinter sich eine bunte Kombo verbirgt, die das ewige enfant terrible (mir war nie klar, warum gerade Elefanten so schrecklich sein sollen, aber sei's drum) Michael Schenker um sich geschart hat, um diverse Klassiker zum Besten zu geben. Neben dem ex-Rainbow-Fronter Doogie White, der in gut gelauntem Schottisch die Meute begrüßt - "It's Germany on a Friday afternoon - why aren't you at work?" - zählen dazu mit Herman Rarebell und Francis Buchholz zwei Ex-Mitstreiter einer gewissen Schlagerkombo, die in den 80ern mal einige durchaus brauchbare Hardrock-Songs ablieferte. Aber erst setzt es mal das eröffnende "Doctor Doctor" von Schenkers "anderer" Formation UFO - bekannt aus Funk, Fernsehen und mittlerweile jedem Maiden-Konzert. Musikalisch macht das Spaß, Herr White ist stimmlich in Form, und dass Herr Schenker selbst (natürlich bewaffnet mit seinem Markenzeichen, der Flying V) mit seiner schwarzen Wollmütze und spindeldürrer Statur aussieht wie der leibhaftige Untergang, das kennen wir ja. Sagen tut er nix zu uns, neue Stücke wie "When The Wild Wind Blows" vom aktuellen Scheibchen Bridge The Gap reißen nicht viel, aber dass er dann als ersten Scorpions-Song "Lovedrive" auspackt, den Titeltrack des einzigen Albums, auf dem er mit seinem Bruder Rudolf gemeinsam musizierte, das setzt einen kleinen Farbtupfer. Weiter im Takt mit dem alten Gassenhauer "Another Piece Of Meat" ("met her down at the Tokyo place, loved her pretty face", also Scorpions-Texte waren schon immer brillant), wobei mir auffällt, dass Doogie White unserem Mitautor Ray verdammt ähnlich sieht. Aus der Michael Schenker Group-Phase kommen dann "Armed And Ready" und "Into The Arena" zu Ehren, das kommt gut rüber und macht Laune, auch wenn der Meister selbst nach wie vor keinen Ton spricht. Mit "Before The Devil Knows You're Dead" zollen sie dem Altmeister Ronnie James Dio Tribut, während mich mein Mitgereister darauf aufmerksam macht, dass Basser Buchholz eine Haartracht trägt wie der unverwechselbare David Hasselhoff. Was bei genauerem Hinsehen absolut zutrifft. Das sich nun anschließende "Rock You Like A Hurricane" zeitigt zwar die besten Reaktionen, beweist aber auch, dass es wirklich besser ist, wenn Herman Rarebell am Schlagzeug bleibt und nicht ins Mikro schreit. Warum genau sie dieses Stückchen auspacken, an dem dieser Schenker gar nicht beteiligt war, bleibt offen. Nach "Rock Bottom" ist dann Schicht - ordentliche Leistung, aber auch nicht mehr.
Schnell mal übers Gelände geschlendert, und da ist alles wie gewohnt (ältere Menschen brauchen Regelmäßigkeit): die üblichen Buden, die Messehalle nebenan, alles am gleichen Platz, so muss das sein.
Aber jetzt schnell wieder zurück, denn es steht eine weitere schillernde Figur auf dem Programm: Sebastian Bierk, auch genannt Bach beehrt Balingen nach einigem Hin und Her wieder. Die aktuelle Scheibe Give ‘Em Hell trifft ja auf sagen wir mal verhaltene Reaktionen, aber das hindert den Herren nicht, mit dem seinerzeit überraschend heftigen "Slave To The Grind" gleich mal ordentlich aufs Gaspedal zu treten. Die wallende Haarpracht ist ihm erhalten geblieben, und auch wenn die Lederjacke etwas spannt, gibt der Hüne immer noch eine imposante Erscheinung ab. Gleich zu Anfang fällt immer wieder das Mikro aus, was den Meister sichtlich nervt, aber mit "Temptation" und "The Threat" bolzt er sich weiter durchs Programm. Richtig Alarm gibt es dann beim Opener des sensationellen Debuterfolgs, aber der Gesang bei "Big Guns" wirkt irgendwie seltsam stilisiert und versetzt. "Piece Of Me" geht in Ordnung, und so richtig reißen kann er dann was mit der unverwüstlichen Ballade vom jungen Ricky. Allenthalben mitgesungen und ordentlich gespielt, avanciert "18 And Life" zum besten Stück des Sets. Man sei ja in Deutschland, meint er, intoniert kurz "Balls To The Wall" und "Heidi heido heida", bevor mit "American Metalhead" von 2007 ein äußerst schwaches Beispiel für das Solo-Schaffen folgt. Das neue "Taking Back Tomorrow" zählt gesanglich ebenfalls nicht zu den Glanzpunkten - und bei "Monkey Business" gilt: der Song war und ist einfach nerviger Schrott. Sorry. [Da muss ich dann aber doch mit dem Kopf schütteln - Fuxx] Umso schöner geht es mit "I Remember You" weiter, die Nummern vom poprockigen Erstling zünden live eben immer noch bestens. Mit "All My Friends Are Dead" serviert er uns die aktuelle Single, bevor dann bei "Youth Gone Wild" endlich kollektives Mitgrölen angesagt ist. Energie hat er zweifelsohne, einige sehr gute Songs sind im Gepäck, und stimmlich bleibt alles meistens im grünen Bereich - aber hinter dem unfassbaren Erfolg der ersten Platte wird er wohl immer her sein. Vielleicht doch mal über eine Reunion nachdenken? Aber dazu wusste ein gewisser Herr Snider am nächsten Abend dann mehr zu sagen.
And now ladies and gentlemen, the main event of the evening... nein, es sind nicht 12 rounds of heavyweight boxing, die jetzt ins Haus stehen, sondern der erste Headliner. Der eigentlich keiner ist. Denn, mit allem Respekt und großem Verlaub: Axel Rudi Pell, an diesem Abend eigentlich nur ARP genannt, mag vielleicht 30 Jahre im Geschäft sein, seit 25 Jahren auf Solopfaden, aber das Format, ein Festival von der Dimension des Bang Your Head anzuführen, das hat er schlichtweg nicht, trotz ewig blonder Mähne, Sonnenbrille und weißer Stratocaster, die ihn aussehen lassen soll wie Richie Blackmore. Große Ansagen verkünden die vielleicht einzige und letzte Steeler-Reunion, und nach einer weitschweifigen Ansage betreten dann tatsächlich die Herren die Bretter, bei denen Herr Pell Ende der 80er erstmals in die Saiten griff, bevor man an den eigenen Egos scheiterte. Sänger Peter Burtz, zwischenzeitlich mal Chefredakteur eines deutschen Metal-Magazins und Comedy-Produzent (u.a. die Gerd-Show - kein Gag!), erscheint in Wuschelhaaren und Lederjacke, Gitarrist Tom Eder in einem verwaschenen Steeler-Shirt und Hut (?), Schlagwerker Jan Yildiral und die Bassisten Volker Krawczak und Roland Hag sind auch dabei und kredenzen uns gemeinsam mit ARP einen Reigen deutscher Hard Rock-Nummern - von "Night After Night" über "Rockin‘ The City" bis hin zu "Undercover Animal" ist einiges geboten, aber nach ca. 25 Minuten ist der ganze Zauber schon wieder vorbei. Das soll‘s schon gewesen sein mit der breit angekündigten Reunion? Ok, dann schauen wir mal weiter... erst mal wird umgebaut. Jeff Scott Soto und Rob Rock sind weitere Hochkaräter, die der Herr heute aufkarrt, aber so richtig spannend ist das alles irgendwie nicht. Wir schauen schnell mal in die Halle, wo Evocation derbes schwedisches Death-Gelöte zum Besten geben. Hm, auch nicht schön, dann halt weiter mit der Wahlkampfveranstaltung aus Bochum. Denn so wirkt das irgendwie, als ob jeder Sänger, Gitarrist und wer auch immer heute ran darf den guten "ARP" permanent anpreist, als wolle der demnächst König von Deutschland werden. Jeff Scott intoniert dabei durchaus fein das brauchbare "Fool Fool", bevor es gleich die nächste Umbaupause setzt. Denn nun dürfen wir die aktuelle Besetzung begrüßen, und Sänger Johnny Gioeli lässt es sich natürlich nicht nehmen, "Äääxl Ruudi" als Retter der Witwen und Waisen abzufeiern. Vom Into The Storm-Album kommt dann "Long Way To Go" zu Ehren. Das ist natürlich alles nicht schlecht, der Herr ist natürlich an seinem Instrument über alle Zweifel erhaben, aber das wirkt alles irgendwie nicht ganz rund vom Ablauf und vor allem nicht von der Größe, die permanent herbeigeredet wird. "Mystica" und "Shadow Zone" setzen die Reise fort, und auch unser nächster Abstecher in die Halle zu Grave gestaltet sich eher kurz. Bei Herr ARP sind wir bei "Too Late" angelangt - und mittlerweile echauffiert sich mein Mitreisender massiv über die Lobhudeleien und den immer wieder einsetzenden Leerlauf. Auch wenn vielleicht noch mehr Friends auftreten und anderen das zusagen mag: wir verabschieden uns bis morgen ins Grottental.
(Holgi)
Kurze Einwände von fuxxscher Seite: Axel Rudi den Slot als Headliner zu geben, darf sicher als Risikoaktion der Veranstalter angesehen werden. Natürlich sind drei Stunden eine lange, lange Spielzeit und solchen Schnick-Schnack wie das Drum-Battle hätte man sich sparen können. Dennoch sah man allen Beteiligten meines Erachtens stets an, dass sie Spaß auf der Bühne hatten und ihre Spielfreiheiten genossen. Allen voran Haudegen Graham Bonnet bei einem der Festivalmomente überhaupt "Since You‘ve Been Gone". Auch "Mistreated" war schön, genauso die beiden Pell-Hymnen "Rock The Nations" bzw. "Strong As A Rock" und artgerecht mit viel Konfetti, einem Gruß an Ronnie James Dio und "Long Live Rock N‘ Roll" die Show abzuschließen, war ebenfalls aller Ehren wert. [Also gut - Holgi]
Wir hetzen danach zum Halleneingang, um dort den Rest der Kult-Kanadier The Exalted Piledriver noch mitzubekommen. Für "Lord Of Abominations", "Metal Inquisition" und "The Executioner" hat es gerade noch gereicht. Gern lassen wir uns so zum Abschluss von Gord "Piledriver" Kirchin, wie immer gewandet in ein schier nur aus Gürteln bestehendes Sado-Maso-Kostüm und mit seinem Markenzeichen dem Stachelhelm maskiert, und seiner Freakshow verstörend Richtung Zeltplatz entlassen.
(Fuxx)
Samstag, 12. Juli 2014
Der frühe Vogel usw., und dennoch verpassen wir die NWOBHM-Heroen More. Ärgerlich! Zeugen berichten uns von einer sehr guten Show mit Hits wie "Warhead" oder "Atomic Rock". Dieses Mal genehmigen wir uns unseren Guten-Morgen-Kaffee zu den Klängen der Kalifornier Hirax und wie am Freitag zeigt sich, dass eine gesunde Portion aggressiver Thrash Metal den Schlaf aus den Gliedern bläst. Die Jungs rund um Sänger Katon W. de Pena legen eine mehr als schnelle Sohle aufs Parkett und attackieren das übernächtigte Publikum mit solchen Speedbolzen wie "Blind Faith", "Kill Switch", "Broken Neck" oder "Bombs Of Death". Äußerst respektabel wie agil De Pena noch nach all den Thrash-Metal-Jahren wirkt. Wie für Exodus und Accuser gilt auch für Hirax, dass sie momentan einen vierten oder fünften Frühling erleben. Toller Start in den Tag!
Die so geschöpfte gute Laune wissen Mad Max im Anschluss eins zu eins aufrecht zu erhalten. Wie hat sich diese Band über die Jahre doch immer wieder musikalisch gewandelt. Am heutigen Tag werden uns jedoch hauptsächlich Leckerbissen aus dem Melodic Power Metal-Repertoire serviert. Frontman Michael Voss hat die Menge von Anfang an recht gut im Griff und der Vierer aus Münster schüttelt Hits wie den klasse Opener "Burning The Stage", "Wait For The Night" und "Night Of Passion" aus dem Ärmel. Mit "Lonely Is The Hunter", bei dem erstaunlicherweise sich nicht wenige zum Mitsingen animiert zeigen, zelebrieren Mad Max kurzzeitig ihre Hard Rock-Hochphase, bevor das The Sweet-Cover "Fox On The Run" allgemeine Freude und einen gern genommenen Festival-Wohlfühl-Effekt versprüht. Back to Holgi!
(Fuxx)
Im Grottental erleben wir in sicherer Umgebung das Gewitter, das über der Hohenzollernalb niedergeht und auf den Zeltplätzen sicherlich nur begrenzt zur Freude gereicht. Als wir einlaufen, hat sich das Wetter etwas beruhigt, es ist bewölkt und im Übrigen auch spürbar voller als gestern. Liegt es nur am Wochenende, oder vielleicht auch an der Startaufstellung, die heute einige echte Highlights bietet? Man weiß es nicht, sicher ist, dass das ungarische Thrash-Kommando von Ektomorf ordentlich hinlangt. Fronter Zoltan "Zoli" Farkas gibt den finsteren Zeremonienmeister, animiert die für die Tageszeit beachtliche Menge zu diversen zum Schwabenland ja passenden Wutbürger-Gesten (Faust ausstrecken etc.) und kollektivem Hüpfen und kann mit "Show Your Fist" sogar den ersten Circle Pit verbuchen. "Fuck You All", das Slayer-Cover "I Hate You" und "Redemption" heißen die weiteren, oft an Soulfly erinnernden Knüppel - sauber, meine Herren, und eine der besten Leistungen bislang. Respekt!
(Holgi)
An dieser Stelle sind sich die Autoren erneut uneins. Es mag Geschmackssache sein, doch der von Ektomorf kredenzte Pseudo-Wir-Sind-Die-Neuen-Sepultura-Thrash markiert übers ganze Festival gesehen mit viel Abstand die langweiligste Darbietung überhaupt. Doch so blieb Zeit, um mehr Patches zu kaufen und sich seine Ladung Kässpätzle abzuholen. [Über Geschmack lässt sich - im Gegensatz zur häufig vorgetragenen falschen Auslegung dieses lateinischen Sprichwortes - eben nicht streiten - Holgi]
Ein echtes Festivalhighlight erwartet uns danach in Form von Rob Rock. Gern auch als The Voice of Rock betitelt, stellt der aus Orlando, Florida stammende Ausnahmesänger, der u.a. schon bei Impellitteri, Axel Rudi Pell [da isser ja schon wieder! - Holgi], Warrior (US) oder Avantasia (und Driver!!) mitgewirkt hat, zu jedem Moment seines Konzerts unter Beweis, dass an manchen der Zahn der Zeit eben doch nicht zu nagen scheint. Extraklasse, wie der gute Rob, flankiert von einer gut eingespielten Back-Up-Band, heute noch solche Songs wie "Slayer Of Souls", "Judgement Day" oder das Gänsehaut versprühende "Only A Matter Of Time" zu intonieren weiß. Auch in Sachen Fitness und Publikumsnähe zeigt sich der Sänger als Vollprofi, und wenn einem solche Übernummern wie "Metal Breed", "Millenian Reign" (genial) oder "I'm A Warrior" im Backkatalog zur Verfügung stehen, biegt man schnell auf die Festivalgewinnerstraße ein. So geschehen im Falle von Rob Rock, vor dessen Leistung wir artig unsere Hüte ziehen.
(Fuxx)
Dass man mit schwarz-gelben Biene-Maja-Spandex-Anzügen, Texten aus der Bibel und christlicher Message den einen oder anderen Spott einstecken muss, das dürften den Brüdern Sweet klar gewesen sein, als sie in den 80ern als Stryper die White Metal-Welle anführten und dabei kommerziell nicht unerfolgreich waren. Bibeln werfen sie keine mehr unters Volk, auch die Schnalze-Hosen bleiben seit der Reunion 2000 im Schrank, nur noch die Gitarren und Schuhe erinnern an den knalligen Look, für den sie einst berüchtigt waren. Geblieben ist der Sound - sehr sauberer, kommerzieller Ami Glam Rock, auch heute in Balingen kompetent vorgetragen und unterstützt von Michael Sweets durchaus beachtlichem Organ. Mit "King Of Kings" und "Loud And Clear" steigen sie beherzt ins Set ein, Oz Fox an der zweiten Gitarre (mittlerweile verheiratet mit dem Ex-Callgirl Annie Lobert, Gründerin des Missionswerks Hookers for Jesus - wie genial ist das denn??) sieht aus wie der offizielle Gene Simmons-Imitator, und beide sind durchaus fit geblieben. Irgendwie scheint der christliche Lebenswandel für das körperliche Erhalten wohl doch besser zu sein als das, was üblicherweise in der Szene so praktiziert wird... weiter mit "Reach Out" und "Calling On You", bevor sie dann doch tatsächlich ein Kiss-Cover heraushauen: die Party-Hymne "Shout It Out Loud" passt zwar so ganz und gar nicht zu ihrem Image, aber sei‘s drum, gut gespielt und somit in Ordnung. Das relativ neue "Marching Into Battle" allerdings entpuppt sich als weitgehend ungenießbares Zeugs, "All For One" kommt selbst für ihre Gangart arg kommerziell daher, aber "Soldiers Under Command" vom gleichnamigen Erstling packt dann doch wieder eins drauf. Keine unverzichtbare Meisterklasse, aber doch eine ordentliche Visitenkarte einer Kombo, die heute in Balingen bei weitem nicht mehr so kontrovers begutachtet wird, wie das mal der Fall war.
Atmosphärisch treffend zum Florida-Todesblei von Obituary setzt nun doch ein Sturzbach-Regen ein. Während die Amis ihr düsteres Eisen schmieden, hüllt sich mein Mitgereister in einen lustigen Poncho, und ich erwerbe Mitbringsel für die Daheimgebliebenen (geht euch gar nix an, was). Die Deather auf der Bühne dürfen sich trotz widriger Wetterbedingungen über guten Zuspruch freuen, und spätestens mit dem Alltime Classic "Slowly We Rot" sind die Freunde dieser Stilrichtung bestens bedient.
Jung war er damals, der Herr Kiske, als er den Helloween-Knaller Keeper Of The Seven Keys einsang und dabei bekannt-beliebte Nummern die "Future World" oder "I'm Alive" durch seine ausdrucksvolle Stimme prägte. Irgendwann verlor er dann mal die Lust, schimpfte bisweilen sogar über den Metal, und meldete sich immer wieder als Gastsänger irgendwo zu Wort. 2009 schließlich hob er mit Unisonic das aus der Taufe, was man gemeinhin als "Supergroup" bezeichnet, eine Formation aus den Resten anderer Bands also - mit am Start waren und sind Ex-Kürbis Kai Hansen, die Pink Cream 69-Recken Dennis Ward und Kosta Zafiriou und der Gotthard-Mann Mandy Meyer. Das sollten doch Zutaten für eine zünftige Leistungsschau des deuten Power Metal sein, oder etwa nicht? Den Einstieg nehmen sie mit "Unisonic" dann durchaus passend, Meister Kiske - kein Haar auf den Kopf, aber Sonnenbrille - schlendert in roter Lederjacke über die Bühne und wirkt - lustlos, gelangweilt, und ziemlich arrogant. Nach ziemlich lahmen Ansagen ("das ist das erste Unisonic-Konzert seit einiger Zeit, und das hört man auch... ok, jetzt kommt ein Song vom zweiten Album". Super, Michael.) Gesanglich kann er‘s noch, "Never Too Late" kommt auch daher gut rüber, und auch der Titeltrack der aktuellen EP "For The Kingdom" geht musikalisch mehr als nur in Ordnung. Nur die Manier des Shouters, sich wie seinerzeit Geoff Tate am gleichen Ort unterschwellig über das ganze Prozedere und damit auch über die Fans lustig zu machen, das stößt massiv sauer auf. Zumal man sich immer fragt, wie cool denn die alten Helloween-Nummern mit der Original-Stimme klingen könnten - was sie ja leider seit Jahren nicht mehr tun. Dazu passt es irgendwie auch, dass Herr Kiske nach "Starlight" sang- und klanglos die Bühne verlässt und auch damit deutlich dokumentiert, wie motiviert er heute hier angetreten ist. Schade.
Können sie die hier und heute bedrohte Metal-Welt retten? Wird Captain Thrash doch noch alles zum Guten wenden? Oder liefern auch die Veteranen um Scott Ian Malen nach Zahlen ab? Schon bei den ersten Takten von "Among The Living" wird die Sachlage ohne jeden Zweifel geklärt. Anthrax sind da, sie freuen sich darüber, sie haben Spaß und Lust, und sie legen alles in Schutt und Asche. Frank Bello gibt wie immer den wilden Animateur, Scott Ian mit Glatze und Rauschebart schaut intensiv-verkniffen und führt seinen berühmten Mosh-Tanz auf, und spätestens als Joey Belladonna wie ein Springteufel über die Bühne fegt, gibt's kein Halten mehr. Schon der Opener macht alles platt, fetter Sound, Spielfreude ohne Gleichen und eine Band, die live immer besser wird. "Caught In A Mosh" mäht alles nieder, und "Got The Time" setzt ein weiteres Ausrufezeichen. Mann, was ein Kontrast zu den müden Darbietungen, die wir bislang erdulden mussten! Die Begeisterung der Kombo ist ansteckend, Joey parliert gut gelaunt mit der Meute und fuchtelt mit seinem kurzen Mikroständer durch die Luft. (Anthrax-Pics) Es sei das letzte Konzert der Tour, berichtet er, und versichert glaubhaft, das sei ein echter Hochgenuss für alle Beteiligten. Vollattacke weiter mit "Indians", mit einem der fettesten War Dances seit Menschengedenken. Schade nur, dass er Kopfschmuck wohl nicht mehr ins Handgepäck gepasst hat... jetzt zieht man rechts und links ein Ronnie James Dio und Dimebag-Backdrop auf und zollt den toten Weggefährten mit dem neueren "In The End" Respekt. "Madhouse" zündet der sichtlich angeschwollenen Menge vollends den Hut an, als sich Joey einen Fotografen schnappt und sich mit der austickenden Meute ablichten lässt. So geht Kundenorientierung, Herr Kiske! Mächtig wie ein Walzwerk, wird "I Am The Law" gebührend abgefeiert - und von einem wunderbaren "Antisocial" noch berauscht, müssen wir sie leider schon verabschieden. Wow, was ein Brett. Spätestens ab jetzt hat sich die Reise nach Balingen eben doch gelohnt. Dredd rules ok - drock it.
Dass man in Balingen öfters mal auch durchaus melodischere Ansetzungen pflegt, die dann im Vorfeld kritisch beäugt werden, hat Tradition - aber auch die poppigeren Helden wussten dann immer zu überzeugen und sogar zu überraschen, wie man das bei Foreigner und vor allem Journey erleben durfte. Die Rolle des eher gemäßigten Acts fällt in diesem Jahr den Haarspray-Königen von Europe zu, und wer eine einfache "wir spielen 15x The Final Countdown"-Show erwartet, merkt nach den ersten Takten, dass die Schweden schon seit Jahren eine etwas andere Richtung eingeschlagen haben. "From Riches To Rags" und "Firebox" kommen als moderne, etwas sperrige Rocker daher, die sich als Opener (gerade nach dem Feuerwerk, das Anthrax eben abgebrannt haben) nicht unbedingt aufdrängen, aber doch einen guten Eindruck von dem geben, was Europe im neuen Jahrtausend ausmacht. Sänger Joey Tempesta (aus der berühmten alt-schwedischen Dynastie der Tempestas) wirbelt den charakteristischen weißen Mikroständer durch die Luft, posiert überzeugend so, wie das David Coverdale vor Jahren mal konnte, und Gitarrero John Norum zaubert die Riffs blitzsauber hervor. Mit "Superstitious" greifen sie dann weiter in die Vergangenheit zu der Single, die seinerzeit nicht an den Hypererfolg anknüpfen konnte, die sich aber live immer wieder als gelungener klassischer Rocksong entpuppt. Die Menge vor der Bühne fällt zwar deutlich spärlicher aus als bei Anthrax, kommt aber im Verlauf immer mehr in den Groove, der da geboten wird, und honoriert das Geschehen zusehends. Nach einem kleinen, sehr schön gebrachten "Here I Go Again"-Einsprengsel (war ich also richtig mit meiner Coverdale-Analogie...) servieren sie uns "Scream Of Anger" und dann "Wasted Time" vom Debut Wings Of Tomorrow, das mittlerweile sage und schreibe 30 Jahre auf dem Buckel hat. Mann. Back to the 80s indeed! Im Anschluss würde Joey gerne Fragen beantworten, schafft das sogar auf Deutsch ("we're ready to take your Fragen now"), aber irgendwie kapiert das keiner, also weiter im Text mit "Girl From Lebanon" und einem Schlagzeugsolo zu dem mittlerweile genau in dieser Kombination ausgelutschten Klassik-Stückchen Leichte Kavallerie von Franz von Suppe (Gruß an den Herrn Vater, der das jeden Sonntag gerne zur Vorspeise sagte...). Dankenswerterweise bleibt das zwar sinnlos, aber zumindest kurz, und wir kommen in den Genuss des feinen "Sign Of The Times". Bei "Demon Head" setzt dann allerdings leider ein wenig Leerlauf ein, und die Publikumsreaktionen bleiben überschaubar - so richtig durchschlagend sind die neueren Sachen heute nicht, was sich beim schnellen "Love Is Not The Enemy" und der schwungvollen 80er-Nummer "Let The Good Times Rock" wieder aufhellt. "Rock The Night" hebt den Stimmungspegel dann ganz gewaltig, Mitsingspielchen allenthalben, fein! Noch mehr als schon bei Michael Schenker darf darum dann gefragt werden, warum man uns denn nun eine kurze Einspielung von "Rock You Like A Hurricane" präsentiert - weil hier in Deutschland sind? "Last Look At Eden" nehmen wir dankbar mit, bevor dann endlich die Keyboard-Melodie einsetzt, die wirklich der letzte kennt und dann doch irgendwie gut findet: "The Final Countdown" beschließt einen Auftritt, der musikalisch äußerst ansprechend, von der Songauswahl fast makellos (gefehlt haben vielleicht "Carrie" und das schöne neue "New Love In Town"), aber von der Publikumsresonanz bestenfalls ordentlich war. Dennoch sind wir frohgemut, dass sie hier waren.
(Holgi)
Kurzer Zwischenruf "Atlantean Kodex sind der Hammer!" aus der Halle, in der wir uns seit etwa dem fünften Europe-Song befinden. Diese Band hat einfach das schwer zu beschreibende, doch, um aus dem Gros hervorzustechen, einfach notwendige gewisse Etwas. Die Epen der aus Vilseck stammenden Bayern sind schlicht songwriterische Meisterwerke, doch dass Nummern wie "Pilgrim", "From Shores Forsaken" oder "Heresiarch" auch live in solch einer Intensität, so emotionsgeladen funktionieren können, muss erst mal einer nachmachen. "Twelve Stars And An Azure Gown" mit voller Hingabe von allen in der Halle anwesenden Zeugen mitgesungen bedeutet einen der wunderbarsten Festivalmomente überhaupt. Schauer über Schauer laufen einem da hinab und hinauf und mit der Bandhymne "Atlantean Kodex" macht die Band jedem klar, dass der Metal 2014 durchaus in eine rosige Zukunft blicken kann. Gebannt zurück zu Holgi...
(Fuxx)
Jetzt aber flugs in die Halle, es gilt, wenigstens ein paar Minuten von Delain zu erwischen, bevor der Hauptact die Bühne stürmt! Das Vorhaben geht aber leider zuschanden, da die Kombo um Charlotte Wessels so lange für den Soundcheck braucht, bis uns das zu bunt wird und wir rechtzeitig zum Intro "It's A Long Way To The Top" wieder vor der Open Air Bühne stehen.
Denn nun steht wahrlich Großes zu erwarten: Dee Snider und Balingen, das ist eine ganz besondere Historie. Die verdrehten Schwestern waren ja abgemeldet, schon Ende der 80er tief zerstritten, das letzte Album Love Is For Suckers erschien 1987. Zur Jahrtausendwende kehrte der Gute für ein Konzert nach Balingen zurück, das trotz Wetterunbill zum Triumphzug geriet - was den Impuls gab, dass sich die New Yorker Haudegen doch wieder zusammenrauften und gemeinsam angriffen. Das taten sie unter anderem auch in Balingen 2005 und dann wieder 2010, als sie das 25jährige Jubiläum ihres größten Erfolgs Stay Hungry feierten. Insofern ist die Atmosphäre durchaus erwartungsfroh, und von guter Position aus kann man beobachten, wie sich Dee Snider schon beim Intro am Bühnenrand warmhüpft. Dann marschieren sie auf, ohne Schminke und Kostüme, aber egal, ab geht's gleich standesgemäß mit "Stay Hungry", und sofort ist klar: Twisted Sister wird groß heute. Wieder. Wie immer. Die Instrumentalfraktion steht, der Sound passt nach ganz kurzen anfänglichen Problemen, und Mister Snider gebärdet sich wie ein Wilder - er springt, schüttelt die Mähne, wälzt sich auf dem Boden, schleudert das Mikro umher, und nebenbei singt er auch noch mehr als grandios. "Shoot ‘Em Down" hält den Energiepegel hoch, und spätestens bei "You Can't Stop Rock'n'Roll" bin auch ich dann vollends aus dem Häuschen. Unfassbar, dass dieses Material so viele Lenze auf dem Buckel hat, dass die Band (wieder) so tight und sympathisch ist, und dass der Shouter den Entertainer allererster Kajüte gibt. Jetzt begrüßt er endlich die "German sick SMFs", danke für das Kompliment, und erläutert, dass Stay Hungry mittlerweile den 30. Geburtstag feiert - zu dessen Ehren man nun die live selten gespielte komplette "Horrorteria" darbietet, komplett mit "Captain Howdy" (feine Gruselshow, Snider mimt den Irren verstörend glaubwürdig) und "Street Justice". Überraschend früh schließt sich jetzt schon das Drum-Stakkato, das die ultimative Party-/Balingen-Hymne einleitet: "We're Not Gonna Take It" kann auf Konserve sowas von totgenudelt sein, live ist das immer wieder der Kracher. "Nicely sung!!", konstatiert Snider die Massenchöre, und man steigt gerne nochmal in den Refrain ein. Aber die Menge hat nicht genug - "apparently, they are not willing to take it!", feixt Snider seinen Nebenmann J.J. French an: also gut, eine dritte Runde, womit die Feier dann endgültig in den siebten Nachthimmel von Balingen steigt. Massiv! (irgendwo die TS-Pics...) Mister French schwingt dann seine übliche Rede, man spiele nur zwölf Mal im Jahr, vor neun Jahren sei man hier erstmals Headliner gewesen und aufgrund des rauschenden Erfolgs noch zusammen - deshalb komme man wirklich und ehrlich gerne nach Balingen. Das klingt überzeugend, ebenso wie die Ausführungen zu den sozialen Medien - früher sei es einfacher gewesen, schlechte Auftritte zu absolvieren, heute wisse jeder in Sekunden "if you suck". Schließlich macht man sich über die Plastik-Sängerchen in Shows vom Schlage eines American Idol (bei uns Deutschland sucht den Superdepp) lustig - 15 harte, endlose Wochen müsse man sich quälen, "15 hard weeks of banquets, TV, press, oh my God...look at Judas Priest, Iron Maiden, AC/DC - we have been here for 30 bloody years!! That's what I call dedication!" Recht hat er, deshalb geht's auch flott weiter mit "The Kids Are Back", einem meiner All Time Favourites von ihnen. Mit "I Believe In Rock'n'Roll" folgt der einzige verzichtbare Song des Abends - hier wären mit "Under The Blade" oder "What You Don't Know Sure Can Hurt You" bessere Alternativen am Start gewesen. Zu Ehren des sich nicht gerade bester Gesundheit erfreuenden Lemmy reißen sie jetzt ein krachiges Cover von "Born To Raise Hell" herunter, das von der Menge so frenetisch abgefeiert wird, dass Dee den Kameramann nötigt, das entsprechend festzuhalten. Dann fliegt eine schöne Kutte auf die Bühne, die der Meister anprobiert und kurzerhand behält - "I have a new vest!" "The Fire Still Burns" und "The Prize" laufen gut rein, und "Burn In Hell" gerät in bedrohlich roter Beleuchtung zum veritablen Horrorfest, zu dem Herr Snider seinen unverschämt gestählten Oberkörper vorzeigt. Dann gibt er wieder den unterhaltsamen Erzähler, gestern sei man in Schweden auf einem Festival gewesen, "and from the beginning I knew this would be bad, because the opening act was called Katie and her doggie". Offenkundig waren die Schweden allerdings so gelangweilt von Katie und dem Hündchen, dass die Schwestern dann begeistert empfangen wurden, und dass müsse Balingen doch toppen! Tun wir natürlich, Ehrensache, und zwar bei einem rauschhaften "I Wanna Rock", zu dem sich die ganze Band vorne versammelt, Licht aus, Spots in die Menge, "nobody knock each other off the stage, you might break a hip!" - sympathischer kann man sich nicht geben. Dann ist erst mal Schicht, die Herren verschwinden kurz, aber schon ertönt ein quengelndes "Twisted Sister, come out and plaaaayyyy...", und damit geben sie uns dann komplett den Rest. Schnell, heftig, grandios. Hinter der Bühne habe er mit vielen Bands gesprochen, die kaum noch echte Originalmitglieder haben ("and sometimes it's just the bloody drummer!!"), aber sich sooo schwer mit einer Reunion tun - das seien alles nur pussies, meint Herr Schneider und zeigt auf Basser Mark Mendoza: "for the first rehearsal, this guy showed up with a gun! I swear! If we can do it, you can do it!!" Aufgemerkt, die Herren Bach, Kiske, Hansen und wie ihr alle heißt. Sodala, jetzt ist aber wirklich alles gesagt, ein furioses "SMF" beendet das Set zusammen mit einem schönen Feuerwerk, nachdem man auch noch Veranstalter und Mastermind Horst auf die Bühne gezerrt hat. Yeah.
(Holgi)
Dem stimme ich uneingeschränkt zu (wenn ich auch die Unisonic-Version von "March Of Time" ziemlich genial fand) und begebe mich auf ein letztes Stelldichein mit Omen in die Halle. Leider werden schon überall Absperrungen hergekarrt und viele sind auf dem Heimweg, sodass es einige Zeit dauert, bis wir dort ankommen. So sehen wir nur noch einen vor Spielfreude nur so strotzenden Kenny Powell, der alles dafür tut, den gelangweilten Metal Assault-Auftritt wieder gut zu machen. Die letzten Standhaften danken es ihm und der Band und gehen zu den Schlussnummern, alle Kräfte noch mal mobilisierend, steil. Schön, dass wir es noch zu "Battle Cry" und "Die By The Blade" geschafft haben. So ziehen Omen einen würdigen Schlussstrich unter ein herrlich entspanntes, doch mit zig Highlights gespicktes Bang Your Head 2014. Vor allem die Auftritte von Riot V, Rob Rock, Twisted Sister, Atlantean Kodex, auch Accuser und Exodus sowie Vain werden noch lange nachwirken. Trotz des Balingen-typischen Wetters und steigender Preise sind wir sicher nächstes Jahr wieder dabei, wenn es heißt: "Bang Your Head!"
(Fuxx)
Fazit: nach einem eher schwachen ersten Tag rissen vor allem die beiden Hauptacts das Ruder ganz gewaltig herum und sorgten dafür, dass wir auch in diesem Jahr mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause eilten. Das ist auch gut so, immerhin haben wir schon für 2015 reserviert, da oben im Grottental.
(Holgi)
