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Festival-Bericht

Wacken Open Air

mit Scorpions, Machine Head, In Flames, Dimmu Borgir, Saxon, Volbeat, Amon Amarth, Ministry, U.D.O., Testament, Overkill, Cradle Of Filth, The BossHoss, Sacred Reich, Gamma Ray, Dark Funeral, Oomph!, Broilers, Kamelot, Napalm Death, Delain, Axel Rudi Pell, Coroner, Sick Of It All, Megaherz, Leaves' Eyes, Skyline, Gehenna, Russkaja, Santiano, Insomnium, Danko Jones, Henry Rollins, Faanefjell, Dead By April, Wölli & Die Band Des Jahres, Hone Your Sense, Kellermensch, The Falling, Amaranthe, Hammercult, Keule, Chthonic, Winterstorm, Mono Inc., Crimes Of Passion, Liquid Meat, Jim Breuer, Kobra And The Lotus, Athonite, W:O:A Firefighters, Volksmetal & Blechblos'n

Wacken, Wacken 01. - 04.08.2012

(Fotogalerien: Wacken2012 )

Ein neues Jahr, eine neue Herausforderung! Nach 23 Jahren im Geschäft sind die Macher des weltweit größten Heavy Metal-Festivals absolute Könner, Routiniers und seit vielen Jahren mit ihrer Veranstaltung nahe an einem organisatorischen Optimum gelegen. Doch es gibt einen Faktor, der bei einem Open Air stets unberechenbar bleibt und selbst den besten Profi in die Bredouille bringen kann: das Wetter.

Wacken 2012

Satte 50 Liter pro Stunde und Quadratmeter hatten das Gelände in den Tagen vor dem Festival in eine Seenlandschaft verwandelt. Die Bilder im Internet verhießen nichts Gutes. Und schließlich riefen die Veranstalter am Wochenende vor der großen Sause dazu auf, nicht bereits am Montag oder gar am Sonntag anzureisen, da die Campingplätze noch nicht befahrbar waren.

Der erste Tag

Wir sind also gespannt, was uns erwartet, als wir uns einmal mehr auf die lange Reise vom Freistaat in Richtung Norden begeben. Wir - das sind Ray, Sebbes und meine Wenigkeit, der Dagger. Kollege Fuxx reist wie gewohnt auf eigene Faust an und versorgt uns von seinem Zeltplatz aus mit Impressionen vom Festival und den gesehenen Bands.

In der Ortschaft Wacken angelangt zeugt nichts von den sintflutartigen Regenfällen der letzten Tage. Alles scheint gut getrocknet zu sein. Ein erster Schock fährt jedoch in unsere Glieder, als wir wegen Überfüllung nicht auf den gewohnten Pressezeltplatz gelassen werden. Stattdessen lotst man uns auf einen deutlich weiter entfernten Überlauf-Zeltplatz, der mit nur wenigen Dixie-Toiletten mehr als spartanisch ausgestattet ist. Auf den Komfort der letzten Jahre gilt es also zu verzichten. Das muss erst mal verarbeitet werden, dabei hilft das erste Dosenbier und schließlich noch ein Fläschchen Scotch, das in Windeseile geleert wird, ehe wir uns (entsprechend gut gelaunt) aufmachen, um das Gelände zu erforschen.

Wacken 2012

Und zu erforschen gibt es heuer einiges! Die Pläne des Festivalgeländes, die man schon vor der Anreise auf der Wackenseite im Netz herunterladen konnte, hatten offenbart, dass einiges umgestaltet wurde. So wurde die W.E.T. Stage aus dem Infield, also dem abgesperrten Bereich mit den Hauptbühnen (True Metal, Black und Party Stage), verlagert und mit der Bullhead City Stage vereint. Beide Bühnen befinden sich nun gemeinsam mit einem Wrestling-Ring im so genannten Bullhead City Circus, einem gewaltigen Acht-Pagoden-Zelt, das mit seinen 110 Metern Länge und 60 Metern Breite Raum für 10.000 Metalheads bietet. Die Vorteile: das Infield wirkt nun ohne W.E.T. Stage deutlich geräumiger, es gibt keine Soundüberschneidungen mehr mit den Hauptbühnen und die Menschenmassen werden besser verteilt. Der Nachteil: zwischen den Hauptbühnen und dem Bullhead City Circus liegen etwa 20 Minuten Fußmarsch, was ein spontanes "Hin- und Herswitchen" zwischen den Bühnen nahezu unmöglich macht. Man muss sich also genau überlegen, was man sich ansehen will und worauf man besser verzichtet.

Ebenfalls neu ist das Thrash Of The Titans Field, gleich neben dem Bullhead City Circus. Dort bekämpfen sich gigantische Roboter aus Stahl, es werden Feuershows von skurrilen Gestalten zum Besten gegeben, und auf einer Ausstellungsfläche kann man sich abstrakte Skulpturen von Metallbaukünstlern ansehen, die nachts beleuchtet werden. Sehr abgefahren, das Ganze!

Eine Konstante seit vielen Jahren ist dagegen der bayerische Biergarten mit seiner Beer Garden Stage. Dorthin verschlägt es uns nun als erstes, um das Loch in unserem Magen zu stopfen. Auf der Bühne sorgt zur selben Zeit die oberbayerische Gruppe Blechblos'n mit gänzlich unmetallischen Klängen für ein heiteres Treiben. Die acht Musikanten verwandeln aktuelle Charthits in zünftige Blasmusik und sorgen somit für originale Bierzeltstimmung. Es ist doch erstaunlich, wie textsicher sich mancher Metalhead erweist, der hier die Lieder mitgrölt. Da soll noch mal einer sagen, unsereins wäre intolerant.

Santiano

Wir verlassen dieses etwas gruselige Szenario und begeben uns zur Wackinger Stage. Diese Bühne in mittelalterlich gestalteter Umgebung gibt es nun auch schon einige Jahre. Sie bietet Raum für folkloristische Vorführungen. Um 22:45 Uhr werden hier Santiano, dem einen oder der anderen vielleicht aus der Fernsehwerbung bekannt, bereits von einer Heerschar an Metalheads erwartet. Als die fünf Seemänner dann loslegen mit ihrer heiteren Mixtur aus Shantys, Irish Folk, Pop und Schlager gerät der Raum vor der Bühne schnell zu einer Partymeile, in der alles tanzt und viele sogar die Lieder mitsingen, während Dutzende Polonaisen durch die Reihen wandern. Diesem Treiben schließt man sich natürlich gerne an, obwohl das ja wieder kein Metal ist. Egal, live funktioniert die Mucke und macht ordentlich Laune und nur darauf kommt es an!
(Dagger)

Es geht so langsam auf Mitternacht zu und somit wird es Zeit, dem wirklich Bösen in die Augen zu schauen: Mambo Kurt! Der Dauergast auf dem Wacken Open Air ist auch heute (und noch öfter in den nächsten Tagen) mit seiner Heimorgel hier und terrorisiert Fans gemütlicher Gitarrenmusik mit Hip Hop und Techno, aber auch mit Slayers "South Of Heaven" im Elka-Sound. Wie immer findet der gemeine Heavy-Metal-Fan an allem Gefallen - man ist ja unter sich - und das komplette Bullhead-Circus-Zelt, singt lauthals "I'm Loving Angels Instead". Mangels Alternativprogramm bleibt einem aber auch gar nicht viel anderes übrig, als sich von Kurt berieseln zu lassen: "I am the only one who looks Hip Hop in the eye", sagt er und feuert Dr. Albans "Sing Halleluja" ins Publikum. Grauenhaft! Immerhin macht er mit "I Was Made For Loving You" und System Of A Downs "Chop Suey!" wieder einiges an Boden gut, dennoch ist zumindest der Redakteur froh, wenn der Spuk irgendwann endlich vorbei ist. Oder doch nicht? Auf der Bühne nebenan startet gerade der Wacken-Luftgitarren-Wettbewerb, bei dem sich betrunkene Wackengäste zum Affen machen können. Da die Darbietungen aber eher wenig Unterhaltungswert bieten, leert sich das Zelt merklich und auch wir machen uns auf den Weg zurück zum Zeltplatz. Im Wackinger-Village müssen wir noch feststellen, dass sogar der Milchshake-Stand sich heute gegen uns verschworen hat und das Volk anstatt mit Manowar- und Metallica-Klassikern mit unsäglichen Beats beschallt. Wo? Wo gibt es hier eigentlich noch Metal? Und wo war jetzt eigentlich noch mal unser Zeltplatz...
(Sebbes)

Donnerstag, 02.08.2012

Es ist zwischen 7:00 und 8:00 Uhr, als eine saunaartige Hitze im Zelt den Wecker ersetzt und die mehr oder weniger müde und verkaterte Heavyhardes-Crew unter ihren schattigen Pavillon lockt. Die Sonne brennt zu dieser frühen Stunde bereits unerbittlich und man kann sich gar nicht vorstellen, dass für die kommenden Tage einige Regenfälle gemeldet sind. Zumindest jetzt lässt sich kein Wölkchen am Himmel ausmachen.

Während Ray sich wie schon in den letzten Jahren zum Treffen der Geocacher begibt, wandert der Rest einmal mehr in Richtung Biergarten. Als Bayer bzw. Franke fühlt man sich dort halt irgendwie heimisch. Um 12:00 Uhr eröffnet dann auch die bayerische Combo Volksmetal das musikalische Programm. Die sechs Jungs in der Lederhosn unterhalten mit einem schrägen Kunterbunt aus bayerischer Volksmusik und metallischen Zutaten: Quetsche und Tuba prellen auf E-Gitarre, Schlagwerk und einen schaurig prolligen Gesang in tief oberbayerischem Slang, wenn Lieder a la "Da Deifl is A Oachkatzerl", "Die Oide Goas" oder der Bierzeltklassiker "Fürstenfeld" ertönen. Viel los ist zu dieser unguten Stunde zwar noch nicht vor den Brettern, aber die wenigen Anwesenden lassen sich schon zu etwas Bewegung animieren. Trotzdem: So richtig Metal ist das definitiv nicht! Nun sind wir schon seit 17 Stunden hier in Wacken und haben noch keinen Metal gehört! Das muss nun unbedingt anders werden!
(Dagger)

Es ist halb eins und das Wacken-Infield mit den Hauptbühnen ist immer noch geschlossen. Was also tun? Lockerer Gitarrenrock von Danko Jones? Warum eigentlich nicht? Auf ins Bullhead-Circus-Zelt... Aber da wartet die nächste Überraschung: keine Gitarren! Schon wieder! So langsam frage ich mich wirklich, wo ich hier gelandet bin. Die Sehnsucht nach verzerrten Tönen steigert sich bis ins Unermessliche und was soll bitte das jetzt schon wieder? Danko Jones macht "Spoken Words"! Soll heißen, er steht alleine auf der Bühne und verbreitet eine Stunde lang hanebüchenen Käse über die Rock-Legende Kiss. Die pseudowissenschaftlichen Verschwörungstheorien des Herrn Jones sollen mir beispielsweise weismachen, dass, wenn man diverse eingebildete Zahlenkombinationen auf Kiss-Platten-Covern mit sich selbst multipliziert, davon verschiedene Quersummen nimmt, das Ganze verdoppelt und durch drei teilt, dass dann tatsächlich irgendwann das Todesdatum des verstorbenen Kiss-Mitglieds Eric Carr herauskommt. Toll, oder? Wem das nicht genug ist, der darf sich dann noch verschiedene Kiss-Songs rückwärts anhören, um geheime Botschaften wie "I Love You" zu entdecken. Schwachsinn statt Gitarrenmucke, hoffentlich macht das mal keine Schule!
(Sebbes)

Faanefjel

O.K. wieder eine Stunde rum ohne spürbaren Metalkonsum! Ähnlich einem Junkie auf Entzug krebsen wir nach Danko Jones, dessen Unsinn auch auf einer Leinwand im Freien übertragen wurde, zurück ins Zelt des Bullhead City Circus. Dort betreten um kurz nach 13.00 Uhr die norwegischen Metal-Battle-Teilnehmer Faanefjell die W.E.T. Stage und spielen - na endlich - Metal, und zwar der gröberen Gangart. Im Schatten Finntrolls erwartet die zahlreichen Schaulustigen eine urige Gratwanderung zwischen skandinavischem Volk und boshaftem Black Metal. Mit Liedern wie "Faanetrollets Vise", "Til Kamp" oder "Dirkkeglide I Jotunheimen", allesamt vom 2010er Debüt Trollmarsj, kommt die animalisch hergerichtete Truppe auch ganz gut beim Publikum an. Besonders der haarige Sänger, der etwas von einem Wolfsmenschen an sich hat, weiß mit seinem wilden Gebaren die Blicke auf sich zu ziehen und lenkt somit ein wenig vom miserablen Sound ab. Vom Keyboard, das all die folkloristischen Elemente beisteuern soll, ist nämlich nicht viel zu hören. Und auch des Wolfsmenschen Mikrofon verweigert von Zeit zu Zeit seinen Dienst. Aber sei's drum. Wenigstens haben wir Metal gehört und davon wird es heute auch noch einiges mehr geben!
(Dagger)

Dead By April

Weiter geht es mit Pop-Musik, allerdings diesmal tatsächlich mit Gitarrenunterstützung. Die Schweden von Dead By April verbreiten auf der Headbanger Stage eine massive Aufregung unter den Zwanzigjährigen im Publikum. Mit ihrer Mischung aus Schwedenmetal a la In Flames und einer Art Justin Bieber mit Synthieunterstützung rocken sich die Jungs durch ihr Set. Sänger Jimmie Strinnell - von oben bis unten tätowiert und gepierct - spielt den bösen Grunter, der immer wieder von zuckersüßen Refrains unterbrochen wird. Die sind dann aber auch wirklich so schmalzig, dass teilweise wilde Erinnerungen an New Kids On The Block und Konsorten wachgerufen werden. Aber immerhin, wenn Dead By April mal auf den Putz hauen, dann kracht es gewaltig und man wird überraschend schnell von dem treibenden Groove und den eingängigen Melodien mitgenommen. Ich freue mich, endlich verzerrte Gitarren auf die Löffel zu bekommen, und das restliche Publikum - das Zelt ist ziemlich voll - scheint ebenfalls Gefallen daran zu finden.
(Sebbes)

Wir nutzen die Zeit, um nun ein wenig durch den großen Metalmarkt zu schlendern, wo es so ziemlich alles zu kaufen gibt, was des Headbangers Herz begehrt. Die Sonne zeigt nach wie vor kein Erbarmen mit uns. Daher legen wir uns Hüte zu, die uns vor beidem schützen sollen - Regen und Sonne, was diesem Wochenende sicherlich noch von Vorteil sein wird. Zu selben Zeit macht sich Kollege Ray auf den Weg, um seinerseits das Gelände zu erforschen und die ersten Bands zu begutachten...
(Dagger)

Mein persönlicher Einstieg in das diesjährige Wacken Festival sollte Kellermensch sein, aber da sich ja auf dem Gelände so einiges verändert hat, mache ich mich schon mehr als frühzeitig auf den Weg zur neuen Location der W.E.T.Stage, die ja dieses Jahr das erste Mal außerhalb des Infields zu finden ist. Und als ob ich es geahnt hätte: eine nicht gerade kleine Schlange an Metalheads begehrt Einlass zur Zeltbühne. Doch dieser zieht sich in die Länge, denn obwohl der Andrang groß ist und die Zeltbühne mit gar reichlich Einlassmöglichkeiten ausgestattet ist, sind nur zwei Passagen geöffnet. Der Metalhead nimmt es gelassen und schiebt sich Zentimeter für Zentimeter in Richtung Eingang. Dann haben die Ordner wohl ein Einsehen und machen zusätzliche Schleusen auf, was sich prompt positiv auf die Durchlassgeschwindigkeit auswirkt.

Im Zelt angekommen geht es erst mal in Richtung Bar, um die Kehle entsprechend zu befeuchten. Parallel dazu ist auf der Headbanger Stage (die zweite Bühne ihm Zelt) gerade Wölli aus Düsseldorf am Werkeln. Der ehemalige Schlagzeuger der Toten Hosen hat sich nach seinem schweren Unfall wieder gefangen und rockt ordentlich drauf los. Hat der Gute doch schon ein paar Lenze auf dem Buckel, setzt sich seine Begleitband (Die Band Des Jahres) aus allen Altersschichten zusammen. Geboten wird guter alter Punk Rock, der gut auf der aktuellen Welle mitschwimmen kann. Nichts wirklich Neues, aber gut gezockt ist das alle mal. Die Performance von Wölli ist dem Alter entsprechend angepasst, tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Die Coverversionen von Vicky Leandros (ja, richtig gelesen... kennt die überhaupt noch jemand der jüngeren Generation???) "Ich Liebe Das Leben" und der gute alter "Ring Of Fire" sorgen für ausreichend gute Laune und auch eigene Songs wie "Alles Auf Anfang" werden mit reichlich Beifall bedacht.
(Ray)

In der kurzen Pause gestatte ich mir einen Rundblick im Zelt. Sehr geräumig und groß, bietet es für zahlreiche Bangerschaft Platz. Sehr positiv fällt die große Empore für die Rollstuhlfahrer hinter dem Mischpult auf, so etwas gab es bislang in der W.E.T. Stage noch nicht. Allerdings frage ich mich, wie diese den Weg durch den Matsch ins Zelt, wo der Boden alles andere als trocken ist, finden können.

Doch schon gehen die Lichter wieder aus und die Metal Battle Gewinner aus dem Land der aufgehenden Sonne sind an der Reihe. Hone Your Sense heißt der Fünfer und legt sich gleich mal ordentlich ins Zeug. Der Metalcore der Jungs (ohne Clean-Vocals) läuft gut rein, bietet aber nichts wirklich Neues. Das ist hier aber auch gar nicht von Nöten, denn selten habe ich eine so energiegeladene Band gesehen. Die Jungs spielen sich buchstäblich den Arsch ab und genau das kommt bei den Fans vor der Bühne mächtig gut an. Würde nicht direkt vor der Bühne fast schon knietiefer Schlamm liegen, wäre mit Sicherheit mehr los im Auditorium. So muss sich das Volk vor der Bühne aber mit Bangen "begnügen". Wie gesagt: musikalisch nichts wirklich neues, aber die Performance hat es in sich. Und die wird auch entsprechend honoriert. Hat Spaß gemacht.
(Ray)

Nun aber wieder husch husch rüber zur Headbanger Stage, denn dort beginnen gleich die Dänen Kellermensch ihr Set. Und ich muss schon sagen, dass diese Band nicht nur auf Silberling ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich ist auch das hier Dargebotene, Gehörte und Gesehene. Schon allein der Bühnenaufbau fällt aus dem üblichen Rahmen, ist das Schlagzeug doch in die rechte Ecke verbannt und der zentrale Orgelspieler dreht dem Publikum den Rücken zu. Dazu ein Bassist, der sein Instrument bequem unter der Achsel trägt. Aber das alles passt zu dem, was hier geboten wird. Kellermensch gehen regelrecht in ihrer Musik, ihrer Performance auf, durchleben jeden Song, geben sich einerseits distanziert (was sich u.a. an der fehlenden Kommunikation mit den Fans zeigt), andererseits ist ihr Set auch recht extrovertiert. Mikroständer werden durch die Gegen geschmissen, man singt auf allen Vieren (was so gar nicht zum getragenen feinen Zwirn passen will), erschafft ruhige Pole, nur um sie dann vehement nieder zu schreien. Gerade dieses Wechselspiel ist es, dem man sich kaum entziehen kann. Das sehen wohl andere genauso, den zwischen den Songs kommen immer wieder Kellermensch-Rufe hoch. Und spätestens bei "Army Ants" haben die Dänen auch den letzten Zweifler auf ihrer Seite. Sehr starker, wenn auch ungewöhnlicher Auftritt.
(Ray)

Doro bei Skyline

Während dessen eröffnet um 16:00 Uhr obligatorischer Weise die Band Skyline das musikalische Programm im Infield. Wie schon in den letzten Jahren werden hierzu Coverversionen zeitloser Rock- und Metal-Hits zum Besten gegeben, quasi um die Audienz in die richtige Stimmung zu bringen. Heuer erledigen das Rainbows "Long Live Rock 'N' Roll" und UFOs "Doctor, Doctor" sowie etwas später Manowars "Warriors Of The World" und Rammsteins "Engel". Als Gast stürmt sogleich - Trommelwirbel und Überraschung! - die energiegeladene Doro Pesch die Bühne und begrüßt uns alle in der ihr eigenen, euphorischen Art und Weise. Natürlich hat sie auch zwei Songs im Gepäck: die Wackenhymne "We Are The Metalheads" und "Raise Your Fist In The Air". Zuletzt folgt Skyline ihrer Tradition, der Verstorbenen zu gedenken. Vor zwei Jahren war das Ronny James Dio, im letzten Jahr dann Gary Moore und heuer ist es Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord, der uns vor etwa 14 Tagen im Alter von 71 Jahren verlassen hat. Im zu Ehren hören wir nun "Hush", zu dessen Klängen die Menschen überall ausgelassen zu tanzen beginnen.
(Dagger)

Zurück zum Bullhead City Circus: Eigentlich will ich raus aus dem Zelt, doch draußen geht gerade mal wieder - wie öfter an diesem Wochenende - die Welt unter, sprich es gießt wie aus Kübeln. Gut, überredet, bleibe ich halt noch hier und sehe mir die chinesischen Metal Battle Gewinner The Falling an. Auch hier haben wir es mit Metalcore zu tun. Die Band profitiert klar vom sintflutartigen Regen, der viele ins trockene Zelt treibt. Musikalisch ähnlich gelagert wie vorher Hone Your Sense, allerdings mit einer deutlich weniger energetischen Darbietung. Den Die-Hard-Anhängern ist das jedoch egal und so werden Aufforderungen wie Jump auch brav in die Tat umgesetzt. Selbst ein kleiner Pit ist zu vermelden! Nichtsdestotrotz haben mir da die Japaner besser gefallen.
(Ray)

Nach einem kurzen Schlenker über den Metalmarkt, auf dem jeder zweite Stand inzwischen Strampelanzüge und Schnuller mit Motörhead-Logo verkauft, marschiert auch der Sebbes wieder zurück ins Bullhead-Circus-Zelt, wo sich auf der W.E.T. Stage inzwischen Winterstorm austoben. Und was da von der Bühne schallt, das lässt sich tatsächlich mal hören: schneidende Gitarren, treibendes Drumming, eine klare und durchsetzungsfähige Stimme, epische Schlachtenhymnen, wie man sie von Hammerfall her kennt, und eine Prise Mittelaltermarkt. Das macht Spaß und das merkt man direkt auch an der Menge der Zuschauer vor der Bühne, von denen viele sicherlich genauso wie ich einfach hängen geblieben sind, um die angenehmen, verzerrten Gitarrenriffs zu genießen. Das ist ein gutes Zeichen und ich gehe mal davon aus, dass sich die doch noch relativ unbekannte Band Winterstorm hier und heute einen ganzen Haufen neue Freunde macht.
(Sebbes)

Amaranthe

Jetzt aber schnell hinüber zur Headbanger Stage, denn dort geht ein gewaltiges Raunen durchs Zelt, da die schwedisch-dänische Retortenband Amaranthe mit zwei Sängern und einer Sängerin die Bühne besteigt. Mit kolossalen Deathcoregrowls und "Leave Everything Behind" startet sie recht hart in ihr Set, aber wer Amaranthe kennt, weiß, dass die hübsch anzusehende Sängerin Elize Ryd kurze Zeit später quasi jeden Song mit unglaublich poppigen Refrains garnieren wird. Ähnlich wie bei Dead By April heute morgen kommt auch hier beim vorwiegend jungen Publikum die Mischung aus Gitarrenbrettern, Growls, Synthies und Radiopop extrem gut an. Leider ist der Sound nur mittelprächtig und ziemlich matschig, was gerade diesen Hochglanzproduktionen doch einiges an Klasse nimmt. Das ist dem Publikum wiederum ziemlich egal, denn dieses verausgabt sich nach allen Regeln der Kunst vor der Bühne. Zu dem gewünschten Circle Pit will es dann aber mangels Platz doch nicht kommen. Während Elize, die ein überraschend zugeknöpftes und unauffälliges, schwarzes Outfit trägt, immer mal wieder an ihrem Kaffeebecher nuckelt, reißen Amaranthe noch "Serendipity", "My Transition" und "Automatic" vom aktuellen Album Amaranthe herunter, bis es zu einem Gänsehaut-Highlight in Form der von Elize fast im Alleingang vorgetragenen Ballade "Amaranthine" kommt. Danach wird mit "It's All About Me" und "Call My Name" noch einmal Fahrt aufgenommen, bevor mit der fetten Hitsingle "Hunger" ein für die meisten Anwesenden viel zu kurzer Gig sein Ende findet.
(Sebbes)

Nach Amaranthe bleiben circa fünf Minuten, um sich durchs Wackinger Dorf ins Infield und vor die True Metal Stage zu U.D.O. durchzuschlagen. Dieser Plan wird allerdings jäh von dem in diesem Jahr typischen, feuchten Wacken-Wetter zunichte gemacht. Während ca. 4.000 Amaranthe-Fans gerade versuchen, das Bullhead-Circus-Zelt zu verlassen, merken die 1.500 Leute am Eingang, dass es draußen schüttet wie Sau, und weigern sich, auch nur einen Meter weiter zu gehen. Somit ist erst mal Stillstand und ich marschiere dann doch lieber in die entgegengesetzte Richtung zurück zur W.E.T. Stage, um mir die Metal-Battle-Gewinner 2012, nämlich die israelische Thrash-Formation Hammercult reinzuziehen. Und da hat mir doch das Wetter tatsächlich einen Gefallen getan, denn das gnadenlos harte und auf den Punkt sitzende Gitarren-Gewitter mit aggressiven Shouts, das diese junge Band hier fabriziert, zeigt, dass die Welt in Wacken - zwischen Mambo Kurt und Wrestlingbühne - doch noch in Ordnung ist. Endlich gibt es mal vernünftig auf die Fresse. Nicht zuletzt das Monstrum am Mikrofon sorgt dafür, dass diese beeindruckende zwanzigminütige Show im Gedächtnis hängen bleibt. Feine Sache!
(Sebbes)

Andere standen dagegen pünktlich vor der True Metal Stage, um sich eine Runde U.D.O. zu gönnen. Und ebenso pünktlich zum Auftritt von Deutschlands Metal-Ikone verzieht sich der Regen und Herr Dirkschneider, dessen Konterfei sich mit der Zeit immer mehr einer einzigen Knautschzone angeglichen hat, darf auf ein prall gefülltes Feld blicken, als er mit "Rev-Raptor" und "Thunderball" in sein Set einsteigt. Natürlich hat der German Tank, wie Dirkschneider gerne genannt wird, auch einige Highlights seiner früheren Band Accept im Gepäck, wie etwa "Princess Of The Dawn", "Screaming For A Love Bite" und "Head Over Heels". Die kommen beim Publikum auch richtig gut an. Für die Ballade "Dancing With An Angel" erscheint - Trommelwirbel und Überraschung! - noch einmal die gute Doro auf der Bühne und tritt mit ihrem langjährigen Musikerkollegen ins Duett. Schließlich wird die ganze Mannschaft ausgetauscht und die früheren U.D.O.Musiker Andy Susemihil, Matthias Deih und Thomas Smuszynsky geben sich die Ehre. In der Schießbude darf zudem Udos Sohnemann Sven die Felle verdreschen, worauf der Papa natürlich ganz besonders stolz ist, wie er uns wissen lässt. Ein weiterer Überraschungsgast marschiert wenig später zu "Breaking The Rules" mit großen Schritten auf das Podest: Finnlands fiesestes Metal-Monster Mr. Lordi ist schon seit etlichen Jahren mit Udo befreundet und päppelt das Geschehen nun auch optisch ein wenig auf. Nach einem grandiosen "Man And Machine" und Accepts "Metal Heart" ist dann vorerst Schluss. Als Zugabe bekommen wir "The Bogeyman" und natürlich den Metal-Evergreen "Balls To The Wall" um die Ohren. Zu Letztem gesellen sich noch einmal Doro und Lordi an Udos Seite. Ein tolles Konzert, super Sound und eine Bombenstimmung - was will man mehr?
(Dagger)

Wir schwenken mal wieder zurück zum Bullhead City Circus: Hammercult ist vorbei und vor dem Zelt schüttet es noch immer, also wieder Bühnenwechsel im Zelt. Auf der Headbanger Stage kündigt sich Keule an. Dass noch keinerlei Backdrop oder Instrumentarium auf der Bühne zu sehen ist, irritiert dann aber doch erstmal. Und der Eindruck täuscht nicht, denn Keule sind zwei Jungs aus Berlin, einer mit E-Gitarre und der andere mit einer Ukulele, die eine Art punkigen, alternativen Deutschrock kredenzen. Was man Keule allerdings zu Gute halten muss, ist, dass sie durchaus Sinn für witzige, thrashige Lyrics, welcher sich in Liedern wie "Ich Hab Dich Gestern Nacht Auf Youporn Gesehen" äußert, und eingängige Partymucke haben. Wäre ja gelacht, wenn das in Wacken nicht ankommen würde, und das tut es zur Überraschung der Protagonisten auch. Wieder kein Metal, aber durchaus eine originelle Vorabendunterhaltung.
(Sebbes)

Chthonic

Nachdem der Regen vorübergezogen ist, habe ich gar keine Lust mehr, das Zelt zu verlassen, denn die taiwanesischen Schwarzmetaller von Chthonic stehen auf dem Programm und nachdem bei Keule doch etwas mehr Raum im Zelt frei wurde, füllt sich der Platz vor der W.E.T. Stage nun wieder recht schnell. Nach einem kurzen Intro bricht der asiatische Sturm auf der Bühne in Form von "Oceanquake" los. Chthonic haben eine ungeheuerlich intensive Bühnenpräsenz, die durch den Einsatz von asiatischen Streichinstrumenten und natürlich die hinreißende Bassistin Doris (die wie immer mit unverschämt kurzem Minirock unterwegs ist) noch verstärkt wird. Aber all das unterwandert nicht die Gewalt und Macht, mit der die Chthonic-Songs über einen hereinbrechen. Und als ob das nicht genug wäre, greift während des Sets noch ein rot bemalter Olli Vänskä von Turisas mit seiner Violine in das Geschehen ein und unterstützt die wilden Schlachtenhymnen. Vor der Bühne hat sich inzwischen, obwohl überdacht, ein gewaltiger Schlammsee gebildet, der die Schuhe der Zuschauer genauso fest im Griff hat wie Chthonic ihre Besitzer. Aber jetzt ist keine Zeit zum Schuheputzen, denn Doris haucht gerade schüchtern "Ich liebe dich" ins Mikro. Gemeint hat sie wahrscheinlich "euch", also uns alle... Zumindest können wir uns darauf verlassen, dass das ernst gemeint war, denn Doris und auch die anderen Chthonics sind sichtlich überwältigt
von dem Zuspruch, den ihre nicht unbedingt dem Mainstream zuzuordnende Musik erhält. Mit dem Übersong "Takao" beenden die Taiwanesen ihre viel zu kurzen 35 Minuten auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und hinterlassen ein überglückliches Publikum.
(Sebbes)

Und zurück zur Black Stage... Bei den britischen Heavy-Metal-Altstars Saxon würde es einen ja nicht wundern, wenn sie mittlerweile in Wacken ihren Zweitwohnsitz angemeldet haben, so oft wie man sie hier zu sehen bekommt. Auch in diesem Jahr sind sie wieder mit von der Partie und starten um 20:45 Uhr mit einem mehr als deftig gezockten "Heavy Metal Thunder" in ihr 100-minütiges Konzert. Biff & Co sind gerne hier in Wacken und daher einmal mehr ausgezeichnet drauf. Das mag aber auch daran liegen, dass die Briten seit einigen Jahren schon so etwas wie einen dritten Frühling erleben, richtig starke Alben veröffentlichen und auf diversen Festivals als Headliner zu lesen sind. Dennoch liegt der Schwerpunkt heute auf den Klassikern der ersten vier Alben - die kommen eben doch am besten an und die kennt auch jeder, weswegen sie hier auch nicht alle aufgelistet werden müssen. Für eine Überraschung sorgt neben all dem Vorhersehbaren dagegen das lange nicht gehörte "Rock The Nations", das zudem mit einem Drumsolo von Nigel Glockler veredelt wird. Aber auch "Dogs Of War" bekommt man nicht alle Tage zu hören. Die Stimmung im Publikum ist ausgezeichnet! Schon zum ersten Song wurden die ersten Crowdsurfer auf den Weg gebracht und deren Zahl wächst mit jedem gespielten Titel. Zu "Motorcycle Man" entbrennen sogar zwei Circle Pits in meiner nächsten Nähe, dann wieder Crowdsurfer - man kommt gar nicht mehr hinterher! Ganz ehrlich, in Anbetracht all der jungen Fans um mich herum und dessen, wie es hier zugeht, könnte man glatt meinen, irgendwelche angesagten Jungspunde zerlegen gerade die Bühne in ihre Einzelteile. Aber dann stehen dort diese alten Herren und zeigen allen, wo die Hammer hängt. Einfach genial! Nach "Wheels Of Steel", natürlich inklusive minutenlanger Singspielchen, "To Hell And Back Again" und "Denim & Leather" leutet Nibbs Carter mit einem Bass-Solo die Zugabe ein, während er sich von einem Security-Mann auf dessen Schultern durch den Fotograben tragen lässt. Die Klaasiker "Strong Arm Of The Law", "747 - Strangers In The Night" und "Princess Of The Night" beschließen ein weiteres grandioses Konzert der Briten auf Schleswig-Holstein'schem Boden. Auf Saxon ist einfach Verlass!
(Dagger)

Volbeat

Nach Saxon steht jetzt der zweite große Headliner des diesjährigen Wacken Open Airs auf dem Programm: Volbeat. Die dänischen Elvis-Metaller sind ja inzwischen keine Unbekannten mehr in Wacken und das Motörhead-Intro "Born To Raise Hell" zeigt schon mal, auf was heute Wert gelegt wird, nämlich auf eine unglaubliche Lautstärke. Während des Openers "The Human Instrument" schauen sich Kollege Ray und ich erst mal wegen des Schalldrucks in der Magengegend verwundert an. Dann wird allerorts schnell irgendwas aus den Taschen gekramt und in die Ohren platziert, während das Leiberl lustig am Körper im Takt der Musik wabert. Was für ein Lärm!! Nachteil an den überdimensionierten Schallwellen ist natürlich, dass man fast gar nichts vom Liedgut und den Songstrukturen mitbekommt, was uns recht schnell davon überzeugt, unseren guten Platz in Bühnennähe gegen einen einzutauschen, der etwas weiter von den Boxen weg ist. Mehrere Reihen weiter hinten ist die Musik - gerade läuft "Sad Man's Tongue" - dann auch deutlich besser nachzuvollziehen und zu ertragen. Volbeat reißen im Großen und Ganzen ihre Show routiniert wie immer runter und ballern dem Volk eine Rocknummer mit Heavyattitüde nach der anderen vor den Latz, was vom kompletten Festivalgelände bis zu den Einlässen des Infields mit enormem Beifall belohnt wird. Aber auch Überraschungen in Form von Gastmusikanten haben die Dänen dabei. So darf Kreators Mille, wie auch schon auf dem Album, bei "7 Shots" am Mikro aushelfen, was natürlich sehr gut beim Wacken-Publikum ankommt, und "Evelyn" wird von Barney von Napalm Death unterstützt. Was für eine Kombination! Nach dem kongenialen "The Mirror And The Ripper" ist erst mal Ruhe im Karton. Aber was wäre ein Headliner ohne Zugaben, die es dann eingeleitet durch "A Warriors Call" auch mehrfach gibt. Nach dem Klassiker "Still Counting" ist dann aber wirklich Schluss und wer jetzt nicht taub ist, der war es wahrscheinlich vorher schon. (Sebbes)

Mono Inc.

Der erste Tag des Festivals neigt sich langsam, aber sicher dem Ende entgegen. Schließlich ist heute schon um Mitternacht Schicht im Schacht, zumindest was die Bands angeht. Also noch einmal zurück zur W.E.T. Stage, wo die Hamburger Mono Inc. den letzten Set des Tages zelebrieren. Und es haben sich nicht wenige eingefunden, als die Band einer nach dem anderen, angeführt von Schlagzeugerin Matha Mia, unter viel Beifall die Bühne betritt. Den Einstieg markiert passenderweise "This Is The Day", gefolgt von "Temple Of The Torn". Die Stimmung ist sofort prächtig und jeder Song wird von den Fans mitgesungen. Danach folgt mit dem Titelsong des neuen Albums After The War neues Material, das so einiges vom kommenden Longplayer verspricht. Als kleines Zuckerl verkündet Martin Engler (Vocals), dass es die erste Single der Band als Gratis-Download via Amazon geben wird. Also, wer sie noch nicht hat, schnell ins weltweite Netz gucken. Man sieht der Band an, dass sie, genauso wie die Fans vor der Bühne, mächtig Spaß auf Wacken haben. Aufgrund der etwas kurzen Spielzeit erscheint mir der Gig jedoch ein wenig "gepresst", z.B. bei der Percussion-Einlage von Drummerein Matha Mia am vorderen Bühnenrand, die, kaum hat sie begonnen, auch schon wieder beendet ist. Hier hat man wohl versucht, so viel wie möglich in den Set zu drücken... manchmal ist weniger aber mehr. Wie dem auch sei, das Gastspiel macht mächtig Laune und das frenetisch gefeierte "Voices Of Doom" beschließt dann zur Geisterstunden den Gig. Ein guter Ausklang dieses ersten Tages.
(Ray)

Freitag, 03.08.2012

Heute Morgen ist es nicht ganz so heiß wie gestern, so dass man auch etwas länger an der Isomatte lauschen kann. Ewig lassen wir uns jedoch sicherlich nicht Zeit, denn bereits für 12:15 Uhr wurde ein ganz besonderes Schmankerl verpflichtet, der Audienz die letzten Restchen Kater und Müdigkeit auszutreiben...

Nach dem vor ein paar Jahren gefeierten Gig von Sacred Reich geben sich die Amis erneut die Ehre. Vor großer Kulisse starten sie den Tag auf dieser Bühne und ihr Konzert mit "Death Squad" , gefolgt von "Love... Hate". Unglaublich, dass diese Songs schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben! Der Set entwickelt sich schnell zu einer Zeitreise. Und auch nach dieser langen Zeit sitzen bei vielen Fans noch die Texte, die lauthals mitgesungen werden. Jetzt teilt sich die Menge vor der Bühne und die Fans machen sich bereit für die Wall Of Death, doch Sänger/Bassist Phil Rind (wo ist sein Hals eigentlich geblieben?) macht ihnen hier charmant, aber bestimmt einen Strich durch die Rechnung. Er will bei seinem Set keine Verletzten und meint "You want a Wall Of Death??? Don't do that..." Danach folgt Klassiker, gereiht an Klassiker: "Ignorance", "The American Way", "Crimes Against Humanity", "Who's To Blame" und nicht zuletzt eine Coverversion von Black Sabbaths "War Pigs". Vor der Bühne ist mächtig was los, der Fixstern brennt vom Himmel herunter und eine mächtige Staubwolke erhebt sich inmitten eines nicht gerade kleinen Circle-Pits. Doch alles Schöne hat auch mal ein Ende, und dieses hier heißt - nicht ganz überraschend - "Surf Nicaragua". Jetzt ist aber Schluss mit der Schreibarbeit, denn jetzt geht es für den Schreiberling rund und ab in den wohlverdienten Circle-Pit.
(Ray)

Crimes Of Passion

Saxons Biff Byford hat in irgendeinem Interview gemeint, dass ich mir unbedingt die Nachwuchsrocker Crimes Of Passion anschauen soll. Was soll ich machen, wenn so eine Koryphäe der Musikgeschichte mal etwas empfiehlt?! Also verabschiede ich mich von Sacred Reich, die gerade noch auf der Hauptbühne zugange sind, und marschiere los durchs Wackinger-Dorf. Da es gerade mal ein Uhr ist und sich viele noch vom gestrigen Rausch erholen müssen, komme ich zu früh am Bullhead City Circus an und sehe noch die letzten beiden Songs von Liquid Meat, die ihren Auftritt quasi ohne Publikum absolvieren. Auch auf der Bühne ist nicht wirklich viel los, denn Liquid Meat sind eine Zwei-Mann-Kombo aus einem Schlagzeuger und einem Sänger, der nebenbei die Gitarre malträtiert - oder einem Gitarristen, der sein Instrument malträtiert und nebenbei singt. Wie auch immer, es gibt weder Bass noch Keyboards, dafür wirre Songstrukturen mit rauen Riffs, ein paar Screams und ein überzeugendes Proberaumfeeling. Noch dazu steht der Gitarrist in Lederhosn auf der Bühne, da er ein Einwohner Münchens ist oder war.
Aber ich bin ja auch wegen Crimes Of Passion hier und da sieht die Welt schon anders aus. Melodischer Hard Rock meets English Heavy Metal sozusagen. Sehr vernünftiger, ernster und erwachsener Stoff, der von den Mannen auf der Bühne und insbesondere von Sangeswunder Dale Radcliffe stimmlich und visuell zu einem Erlebnis gemacht wird. Überhaupt ist die ganze Truppe trotz immer noch nur mäßig gefülltem Zelt (wo kommen denn plötzlich die vielen Pretty-Maids-T-Shirts her?) sehr aktiv mit Posing auf und vor der Bühne beschäftigt. An Songmaterial und Darbietung gibt es für den Melodic-Metal-Fan, der es dieses Jahr durchaus schwer hat in Wacken, nichts zu meckern: Die Riffs sind kernig, die Hooks sitzen, Dale zeigt seine Haarpracht und die Band ist überaus motiviert. Daumen hoch für Biffs Empfehlung!

Während ich auf dem Weg nach draußen bin, komme ich noch an der Headbanger Stage vorbei und frage mich gerade, ob ich mir nicht noch ein paar Takte von Wüterich Henry Rollins reinziehen sollte? Aber Pustekuchen, ähnlich wie Danko Jones gestern steht er alleine auf der Bühne und erzählt Schwänke aus seinem Leben. Immerhin hat Herr Rollins, im Gegensatz zu Kiss-Verschwörungs-Danko, in seinen über fünfzig Jahren Metal-Zirkus schon so einige Höhen und Tiefen erlebt und weiß durchaus überzeugend und mit Nachdruck davon zu berichten.
(Sebbes)

Oomph!

Unterdessen im Infield sammeln wir den ollen Ray ein, der in dieser Massenkarambolage von Sacred Reichss Circle Pit doch glatt ein wenig außer Puste (komm du mal in mein Alter! - Ray) geraten ist, und wandern im Stechschritt zur benachbarten Party Stage! Dort wartet gleich im Anschluss nämlich ein Programm, das kontrastreicher nicht sein könnte. Ein Nebelhorn erklingt und auf die Bühne marschieren als Matrosen verkleidet - nein, nicht Santiano - sondern Deutschlands Elektro-Combo Nr. 2, nämlich Oomph! (wer Nr. 1 ist, wissen wir wohl alle). Mit Stücken vom Kaliber "Unzerstörbar" und "Labyrinth" hat der charismatische und durchaus etwas verrückte Sänger Dero das Publikum schnell im Griff. Zum Song "Träumst Du" und seiner Textzeile "Springst Du mit mir heut Nacht?" hüpft die Masse vor der Party Stage, was das Zeug hält. "Mitten Ins Herz" trifft auch die nächste Nummer, zu der Dero einen Moshpit fordert und so gleich selbst ins Publikum springt, um sich tragen zu lassen. "Gott Ist Ein Popstar" nennt sich der nächste Hit aus dem Hause Oomph! Zur "Seemannsrose" beginnen Tausende im Takt zu schunkeln, ehe sich wie aus heiterem Himmel ein paar Hundert Menschen auf den Boden setzen und anfangen zu rudern. Kein Witz! Und bestes Zeugnis für die geniale Stimmung in diesen Augenblicken! Die hält natürlich auch zu "Sandmann" und dem Radio-Hit "Augen Auf!", welche noch einmal Dutzende von Crowdsurfern auf den Plan rufen. Mit Monty Pythons "Always Look On The Bright Side Of Life" verabschieden sich schließlich nach einer Stunde die amüsanten Braunschweiger und hinterlassen ein zufriedenes Publikum.
(Dagger)

Kamelot

Jetzt wird es Zeit für Bombast-Metal und die Frage, wie sich denn der neue Kamelot-Sänger Tommy Karevik mit den epischen Ungetümen an Songs schlagen wird. Als er dann vor dem riesigen Kamelot-Backdrop auf der Bühne steht und lauthals "Rule The World" vom letzten Album Ghost Opera mit seiner Stimme veredelt, muss ich schon zweimal hinschauen, denn die Ähnlichkeit in der Stimme und im Äußeren zu Roy Khans ist unfassbar. Ich denke mal, dass viele gar nicht gemerkt haben, dass Kamelot den Sänger ausgetauscht haben. Das lässt auf einen unterhaltsamen Nachmittag hoffen, der dann mit "Ghost Opera" und "Center Of The Universe" seinen Lauf nimmt. Bis... ja, bis ... Was hat bis jetzt noch gefehlt? Ach ja, genau, der Regen! Und der kommt dann auch... aber wie! Wie gut, dass ich gestern in weiser Voraussicht noch ein paar Euro in einen Poncho investiert habe! Auf der Bühne ist inzwischen reges Treiben angesagt, da mehrere Roadies, während Kamelot unentwegt weiterspielen, versuchen, teure Gerätschaften mit Plastikfolien zu verpacken. Bei "The Great Pandemonium" kommt der Regen dann quasi waagerecht daher, während Keyboarder Oliver Palotai nur noch mit einer Hand die Tasten und mit der anderen einen Wischlappen bedient, was recht witzig anzuschauen ist. Weiterhin spannend ist es auch mitzuerleben, wie sichtlich stolz der neue Sänger auf sich und die trotz aller Regenmassen nicht kleiner werdende Menge vor der Bühne ist. Feuerprobe bestanden, würde ich sagen - und das, obwohl Roy Khan dank seiner prägnanten Stimme und Bühnenpräsenz sicherlich nicht einfach zu ersetzen ist. Und wie um das noch mal unter Beweis zu stellen, feuern Kamelot dann noch die Gassenhauer
"Forever", "Karma" und "March Of Mephisto" in die Menge, die nass, aber begeistert mitsingt.
(Sebbes)

Vor zwei Jahren spielten die Düsseldorfer noch auf der (damals noch kleinen) W.E.T. Stage und legten diese vor proppevollem Zelt in Schutt und Asche. Nun muss also die Party Stage dran glauben. Als Die Broilers beginnen, ist schon ordentlich was los vor der Bühne, auch wenn schlamm-/wasserlochbedingt so einige Lücken im Auditorium sind. Diese werden aber im Laufe des Sets noch gefüllt werden durch ein paar Schlammtänzer, vor denen man sich durchaus in Acht nehmen sollte... Sänger Sammy meint noch, dass es noch nie bei einem Broilers-Gig geregnet hätte, und zu Anfang schaut auch alles noch gut aus, doch jede Serie reißt irgendwann und so ist es auch heute. Mitten im Set fängt es wieder an zu schütten, doch die Fans lassen sich davon ihre Feierlaune nicht verderben. Auch die Band gibt alles und Sammy freut sich wie ein kleines Kind, als er die schlammverklebten Leiber sieht, die sich da vor der Bühne auf dem Boden tummeln und eine Schlammrutsche veranstalten. Die Band tut ihres dazu, dass die Feierwütigen was zu feiern haben und schießen ihre Mischung aus Punk Rock und Ska in Form von "In Ein Paar Jahren...", "Harter Weg", "Weckt Die Toten" oder "33 rpm" durch die PA. Sammy ist im Laufe des Gigs nicht mehr ganz nüchtern, was angesichts der sich stetig leerenden Weinflasche auch kein Wunder ist. Auch Bassistin Ines hilft hier kräftig nach. Es folgt eine Ansprache über Heavy Metal, gefolgt von einer Ska-Version von "Run To The Hills", die man so wohl noch nicht gehört hat. Die Verlegung von der kleinen W.E.T. Stage auf die große Party Stage war genau richtig, vielleicht sehen wir die Broilers ja demnächst auf einer der beiden Hauptbühnen? Verdient hätten sie es nach diesem Set!
(Ray)

Wacken unter Wasser 2012

Nach knapp einer Stunde Starkregen steht das Gelände unter Wasser! Pünktlich zum ersten Song der Thrasher Overkill verkrümeln sich jedoch die Regenwolken und allmählich füllen sich die Reihen, während die ersten beiden Songs "Come And Get It" und "Bring Me The Night" mit Trommelfell zerreißender Lautstärke aus den Boxen knallen. Bobby Blitz Ellsworth und seine Truppe ist mal wieder bestens gelaunt und diese gute Laune springt schnell auch auf uns Anwesende über. Zwar geht es aufgrund des ungewohnt schlüpfrigen Bodens unter unseren Sohlen zunächst noch recht ruhig vor der Bühne zu, doch als die ersten Riffs der "Wrecking Crew" ertönen platzt der Knoten und die ersten Circle Pits geraten schnell zur Schlammschlacht. Unter diesen Umständen bekommen Titel wie "Hello From The Gutter" und vor allem "Save Yourself" doch gleich eine ganz neue Bedeutung!

Overkill

Am Ende werden wir und unsere Stimmbänder dann noch einmal ordentlich in die Pflicht genommen beim fulminanten Finale aus "In Union We Stand", "Rotten To The Core" und "Fuck You". Sagenhaft! Mit diesem Gig haben Overkill mal wieder alle Register gezogen!
(Dagger)

The BossHoss

Nach dieser mehr als ordentlichen Schippe Metal - meine Ohren dröhnen immer noch - kann ein wenig vegetarische, also metallfreie Kost sicherlich nicht schaden. Spätestens seit ihrem Jurorenjob bei einer gewissen Casting-Show und dem zeitgleichen Erfolg ihres aktuellen Albums Liberty Of Action kennt wohl jedes Wesen hierzulande den Namen The BossHoss. In Wacken waren sie jedoch schon vor ihrem großen Durchbruch und heute kehren die sieben Berliner Cowboys zurück auf die Bretter der True Metal Stage. Die Sonne meldet sich ebenfalls zurück und siehe da: es ist auch richtig was los, als Boss und Hoss mit "Last Day (Do Or Die)" ihr Spiel eröffnen. Drei als Mexikaner verkleidete Mariachi-Trompeter komplettieren den ohnehin schon dichten Sound, den The BossHoss für dieses spezielle Publikum mit einer E-Gitarre gehärtet haben. So verbreiten ihr Country-Rock und eingängiges Liedgut der Marke "Rodeo Radio" eine prächtige Stimmung. Überall sieht man Menschen in Cowboy-Manier auf der Stelle tanzen (wie tanzen Cowboys?? - Kara) und dem Aufruf "Run Run Devil" wird sogleich Folge geleistet. Man muss ja auch in Bewegung bleiben, wenn man nicht im Schlamm stecken bleiben oder gar darin versinken will. Bei dieser ausgelassenen Party darf der aktuelle Hit "Don't Gimme That" natürlich auch nicht fehlen. Ihn gibt es - ebenfalls in deutlich härterer Variante - als Bonusbonbon zum Schluss.
(Dagger)

Das Gastspiel der Sonne ist heute nur von kurzer Dauer. Eine dunkle Wolkenwand schiebt sich gleich einem gewaltigen Raumschiff in Richtung Festivalgelände und treibt die Heavyhardes-Crew zu einer kleinen Pause in den Schutz ihres Pavillons. Dort wartet schließlich noch ein 5er-Fässla allerfeinstes und gar nicht mal so warmes Lagerbier auf seinen Endzweck. Lange dauert es auch nicht, bis eine ältere Dame von unserer guten Laune angezogen wird und doch tatsächlich wissen will, ob wir etwas Gras übrig hätten. Sie wolle das nämlich mit ihrem 16-jährigen Sohnemann rauchen! Aber wir brauchen für eine gute Stimmung keine Drogen, nein sicher nicht - nur Alkohol. Unverständlich, dass die Dame unseren Vorschlag ablehnt, ihren Nachwuchs doch eine Stunde in unsere Obhut zu geben, um ihm zu zeigen, wie man richtig trinkt. Aber so Vertrauen erweckend waren wir dann wohl doch nicht...

Nach den letzten Regengüssen gleicht das Festivalgelände einer einzigen Schlammgrube! Ob wässrig, puddingförmig oder zäh und schmierig - hier findet man Schlamm in seinen unterschiedlichsten Konsistenzen. Am heimtückischsten sind jedoch jene Plätze, an denen eine oberflächliche Schicht Hackschnitzel das falsche Gefühl von Trittsicherheit vermittelt. Aber Vorsicht! Gerade dort kann man manch ahnungslose Passanten regelrecht versinken sehen. Also Treibschlamm, getarnt durch Hackschnitzel! Wirklich sehr heimtückisch!
Dass es auch auf den Campingplätzen nicht viel anders aussieht, kann man sich ja denken. Unser werter Fuxx weilt ja seit einigen Tagen dort und gibt sogleich einen Lagebericht:
(Dagger)

Melde mich von der etwas aufgeweichten - die Untertreibung schlechthin - Basis, was soviel heißen soll, wie mitten aus dem W:O:A-Schlamm, der bereits heute Nachmittag unseren Campingplatz erreicht hat. Gekostet hat mich die Mud-Party u.a. meine Schuhe, die sich sprichwörtlich im Untergrund aufgelöst haben, sodass ich barfuß zum anderen Ende des Geländes waten musste, um mir am St. Pauli-Stand schicke Gummistiefel zu holen, die letztendlich die beste Anschaffung des Wochenendes waren. Aber dies nur am Rande.

So ist der Weg bis vor die Party-Stage schon nicht mehr ganz so weit und frisch "gebootet" macht Thrash Metal ohnehin mehr Spaß, denn auf der Agenda steht das Züricher Trio rund um Gitarrenhexer Tommy Vetterli, berühmt und berüchtigt unter dem Namen Coroner. Nach dem stimmigen Intro von "Golden Cashmere Sleeper, Pt. 1" steigen die Tech-Thrasher artgerecht mit "Internal Conflicts" von der letzten offiziellen Fullength Grin ins Set ein. Der Regen hat zur Folge, dass das Publikum vor der Bühne wohl zu 80% aus eingefleischten Fans (und natürlich dem einen oder anderen Unkaputtbaren) besteht, die der Band von Beginn an regelrecht huldigen. Ist ja auch eine ganze Weile her... 1993 (!) kam Grin heraus! Leider muss konstatiert werden, dass der Sound hier direkt vor der Bühne kaum Coroner-Ansprüchen genügt, d.h. schlichtweg zu leise und sogar ein wenig verwaschen ist, aber whatever! Sparkles! Weiter geht's mit Grin-Material in Form von "Serpent Moves" und die drei Schweizer zeigen, warum sie zurecht Kultstatus innehaben. Unglaublich, wie exakt und in welchem Tempo Vetterli die hochkomplexen Riffs aus der Tasche leiert. Und auch Mr. Ron und Marky Edelmann haben nix, aber auch gar nix über die Jahre verlernt. Mit "Masked Jackal" vom 88er-Output Punishment For Decadence kommt die Oldschool-Fraktion im Rund erstmals auf ihre Kosten, gefolgt von "Status: Still Thinking", erneut von der Grin-Scheibe, und einer extra-genialen Version von "Metamorphosis". Noch ist die Luft nicht raus, da Coroner jedoch weiterhin auf Stücke von Grin setzen ("The Lethargic Age" und zum Abschluss "Grin (Nails Hurt)") bzw. von Mental Vortex ("Semtex Revolution" und "Divine Step (Conspectu Mortis)") und dann auch schon wieder Schicht im Schacht ist, kann festgehalten werden: schön, dass wir die Schweizer noch mal sehen durften. Aber: keine einzige Nummer von R.I.P.? Hmmmmh, vielleicht haben sich die Jungs das für die kleinen Clubs aufgehoben.
(Fuxx)

Dimmu Borgir

Mit Nightwish... äh, Quatsch, Dimmu Borgir (kann man ja schon mal verwechseln) steht schon das nächste Highlight des diesjährigen Wacken Open Airs auf der Bühne. Da das auch der Band bewusst ist, haben sich die Dimmus etwas Besonderes ausgedacht und das komplette tschechische Nationalorchester samt Chor eingeladen, um sich auf der Bühne begleiten zu lassen. Und ich muss sagen, dass das akustische wie auch das visuelle Erlebnis herausragend ist. Die orchestralen Kompositionen des letzten Albums Abrahadabra funktionieren live großartig mit den Symphonikern im Hintergrund, von denen sich einige mit lustigen Corpse Paints versehen haben. "Getaways" wird, wie auf dem Album, durch die ausgesprochen wilde Djerv-Sängerin Agnete Kjolsrud unterstützt, die noch mal klarmacht, dass - abgesehen von Shagrats Grunts - das, was sich hier abspielt, nur noch schwerlich als Black Metal zu bezeichnen ist. Das manifestiert sich auch in der Kleidung der Schwarzheimer, die allesamt aussehen, als hätten sie komplett in Mehl gebadet. Aber auch das ist nicht schlimm, denn anstatt böse sind Dimmu Borgir heute vor allem eins - nämlich schön! Die Musik ist richtig schön und wird immer wieder von mehrminütigen reinen Orchesterstücken aufgelockert. Die Melodien sind schön, das Bühnenbild ist schön und wird wieder und wieder in surreales, rötliches Licht getaucht. Ja, alles ist schön bei Dimmu Borgir, wer hätte das gedacht?! Wie zur Entschuldigung hauen die Norweger gegen Ende dann doch noch ein paar ältere Stücke wie "Kings Of Carnival Creation", "Puritania" und "Mourning Palace" unters Volk.

Leaves' Eyes

Die bekomme ich allerdings nicht mehr mit, da ich noch einen Blick von den parallel auf der Party Stage auftretenden Leaves' Eyes erhaschen will. Goldkehlchen Liv Christine und ihre Mitstreiter haben ein riesiges Wikingerschiff auf der Bühne aufgebaut, das der Musik einen imposanten Rahmen verleiht. Liv selbst trägt Korsage und singt wie immer in höchsten Tönen Geschichten aus nordischen Gefilden. Während ich an der Bühne ankomme, höre ich gerade noch die letzten Takte von "Elegy", das fast nahtlos in das von Alex Krull gruntender Weise unterstützte "Temptations" übergeht. Wer es nicht weiß, Atrocitys Alex und Liv sind verheiratet und geben sich dementsprechend schön Küsschen auf der Bühne. Danach ist der fast noch nie gecoverte Mike-Oldfield-Schinken "To France" an der Reihe, der aber gerade deswegen für Freude im Publikum sorgt, bevor sich die gute Liv und ihre Kapelle mit "Froya's Theme", viel Gewinke und vielen Danksagungen von Wacken verabschiedet. Nun muss ich aber schnell meinen Körper um 90 Grad nach links drehen und 150 Meter geradeaus laufen, um schnell genug vor die True Metal Stage zu kommen, damit ich den nächsten Programmpunkt nicht verpasse.
(Sebbes)

Doch vorerst wieder ein kleiner Schwenk im Raum-Zeit-Kontinuum. Um Meister Ray auf den Fersen zu bleiben, der mal wieder ganz wo anders unterwegs ist, müssen wir den Zeiger etwas zurück drehen. Es ist nun (wieder) kurz vor 22:00 Uhr und wir befinden uns irgendwo zwischen Wackinger Stage und dem Bullhead City Circus...

Eigentlich will ich mir We Butter The Bread With Butter ansehen, also wieder auf zur Zeltbühne. Der Einlass dauert leider gewohnt lange, und so bekomme ich noch die letzten Momente von Jim Breuer auf der Headbanger Stage mit, der ja beim letztjährigen W.O.A. gute Erfolge erzielt haben soll. Angesichts dessen, was ich noch in den letzten Minuten mitbekomme, frage ich mich allerdings, was das soll. Ist das nun ein metal-spielender Comedian oder ein komödiantischer Metalhead? Zur Prime-Time (immerhin ist es kurz vor zehn Uhr) ist das Zelt nur (gutgewollt) mäßig gefüllt und die Fans vor der Bühne machen auch einen eher gelangweilten Eindruck. Mehr als abschließender Höflichkeitsapplaus springt hier nicht raus.
(Ray)

So, nun aber vor der W.E.T. Stage postiert, das Bierchen schnell geleert und... Gehenna entern die Bühne. Moment... Zeitsprung? Oder ist da eine Änderung der Running Order an mir vorbei gegangen? Nochmal die Uhrzeit gecheckt... eigentlich sollten nun WBTBWB spielen. Aber nachdem Gehenna auch auf meiner To-Do-Liste stehen, passt das gerade gut. Lange nix mehr von den Norwegern gehört, das letzte Album WW hat ja auch bereits sieben Jahre auf dem Buckel. Bei Black Metal-Gigs ist das ja immer so eine Sache: oft passiert auf der Bühne wenig bis gar nix, die Musiker zocken konzentriert ihre Songs herunter. So leider auch heute. Nach einem doomigen Einstieg nimmt die Black Metal-Maschinerie rasch an Fahrt auf. Der Sound ist auch nicht gerade optimal abgemischt, so dass vor allem die schnelleren Passagen verwaschen durch die PA kommen. Vielleicht lag es am Sound, vielleicht haben einfach zu wenige die Änderung im Ablaufplan mitbekommen, jedenfalls sind die Reaktionen vor der Bühne eher verhalten, Begeisterung sieht leider anders aus. Trotzdem ein solider Gig, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
(Ray)

Auf dem Weg über das Wackinger Village bleibe ich an der Wackinger Stage hängen, wo die Multi-Kulti-Truppe Russkaja ihren Set gerade vorbereitet. Hatte ich die Band schon am Mittwoch zumindest teilweise gesehen, ziehe ich mir nun die ganze Show rein, da mich die Truppe aus Russen, Ukrainern, Bulgaren und Wienern in ihren Bann gezogen hat. Und so ist es auch heute. Mit ihrer Mischung aus Polka, Ska, Rock und Metal wollen sie so gar nicht in eine Schublade passen, und das ist auch gut so. Auch heute wieder haben die Jungs und das Mädel auf der Bühne ihren Spaß, da geht es ihnen aber auch nicht anders als den zahlreichen Fans vor der Bühne. Egal ob "Da Mama" oder "Traktor", die Fans gehen mit. Ab diesem Punkt kannte ich den Set dann schon und fand es dann doch etwas schade, dass keine Umstellungen in der Setlist oder den Ansagen erfolgte. Das nimmt dem Ganzen ein klein wenig den Reiz, die Spontanität, den Witz. Und ich bin mir sicher, ich bin nicht der Einzige, der sich Russkaja an diesem Festival mehrfach gegeben hat. Der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch und es wird getanzt oder sich schlicht im Soge der Musik gewogen, je nach dem was Georgij Alexandrowitsch Makazaria (Vocals) an Aktivitäten vorgibt. Ein Gig, der definitiv Laune macht und dessen positiver Energie man sich kaum entziehen kann.
(Ray)

In Flames

Zurück ins Hier und Jetzt: 150 Meter gerade aus gelaufen und in günstiger Lage vor der True Metal Stage platziert. Von In Flames ist man aus den vergangenen Jahren einiges an Bühnen- und Pyroshow gewöhnt und so warte ich gespannt darauf, was sich die alten Schweden dieses Jahr für uns ausgedacht haben. Der Anfang ist schon mal gar nicht übel. Zu den Beats von "Cloud Connected" haben sich die Musiker auf einem überdimensionalen Baugerüst verteilt, welches von vorne mit einem durchsichtigen Vorhang verhängt ist und von Beamern so bestrahlt wird, dass man teilweise nicht mehr unterscheiden kann, was denn nun wirklich auf der Bühne vor sich geht und was nicht. Gerade der Effekt, als das Beamervideo das komplette Gestell in sich zusammenfallen lässt, ist bemerkenswert. Dasselbe kann ich von dem Sound, der mir zu Ohren kommt, nicht behaupten. Als bekennender In-Flames-Fan brauche ich durchaus länger, um die einzelnen Lieder zu erkennen, was sonst in Sekundenbruchteilen funktioniert. Was für ein Matsch! Selbst das großartige "Where The Dead Ships Dwell" und die ewige Hymne "Only For The Weak" sind wegen des Sounds weit von der Schlagkraft entfernt, die man von In Flames gewohnt ist. Gut, den Jungs auf der Bühne kann man dafür wohl nicht die Schuld geben... Optisch verausgaben sie sich jedenfalls redlich und rennen frohgemut von einer Bühnenseite zur anderen. Apropos optisch: Sänger Anders Friden steht doch tatsächlich mit Hemd, Weste und Krawatte dort oben, auch der Rest der Band ist adrett unterwegs und es sieht aus, als kämen sie direkt von einer Hochzeitsfeier. Wo soll das noch hinführen? Dimmu Borgir mit Orchester, In Flames mit Krawatte - in zwei Jahren bestuhlen die noch die Veranstaltung hier! Wie auch immer, In Flames ballern sich ansonsten routiniert durch ihr Set aus Ohrwürmern wie "Alias", "The Quiet Place", "System", "Take This Life" und so weiter. Pyroeffekte sind da, halten sich aber gegenüber vergangenen Jahren stark in Grenzen. Wenn der Sound passen würde, wäre das heute sicherlich ein tolles Ereignis geworden, aber so will zumindest bei mir nicht die richtige Stimmung aufkommen. Kein Vergleich mit den letzten Auftritten hier im Münchner Zenith.
(Sebbes)

Kobra And The Lotus

Kurz darauf im Bullhead City Circus: nur wenige Neugierige haben sich vor der Headbanger Stage eingefunden, um einen Blick auf die PS-starken Kobra And The Lotus zu werfen. Rein optisch wird auch richtig was geboten. Die junge Band aus Kanada legt sich mächtig ins Zeug, ganz besonders die wilde, in enges Leder gezwängte Amazone Kobra Paige mit ihrer hohen Stimme ist eine Poserin vor dem Herren. Vielleicht liegt es daran, dass in dem riesigen Zelt gerade nicht viel los ist, aber der Sound zu dieser Stunde ist eine wahre Katastrophe. Besonders der Gesang hallt dermaßen laut, dass von den Instrumenten kaum etwas Brauchbares beim Hörer ankommt. Wirklich schade drum. Der schnörkellose Heavy Metal der Kanadier könnte sicherlich Spaß machen. Zumindest erkenne ich die finale Hommage an Black Sabbath. Zu "Heaven And Hell" kann man auch trotz miserablem Klang die Mähne kreisen.
(Dagger)

Es ist schon spät, der lange Festivaltag steckt mir in den Knochen, und doch treibt es mich noch nicht zum heimeligen (???) Zelt zurück. Die Neugier zieht mich zur Party Stage hinüber, wo eine halbe Stunde nach Mitternacht noch ein Gig bevorsteht... doch wer mag das sein, so schlicht mit t.b.a. betitelt? Ein großer Set wird aufgebaut und ein großes Backdrop künden Athonite an. Noch nie etwas davon gehört, doch das heimische www weiß Rat. Dahinter steckt der deutsche Pianist David Bonk, der Stücke der Klassik eigens umarrangiert und mit E-Gitarre und Schlagzeug neu interpretiert. Pünktlich (mehr oder weniger) um halb eins morgens geht dann die Sause los. Das zentrale Element ist klar das Piano, um das sich das Schlagzeug, die Gitarre und eine Menge Streicher tummeln. Geboten werden bekannte Stücke klassischer Komponisten. Auch für's Auge wird etwas geboten, ist die Solo-Violistin doch hübsch anzusehen. Doch zurück zum Set, der meist ohne Gesang auskommt. Die Anwesenden schauen gebannt auf das, was an diesem Abend seine Live-Premiere feiert, der ein oder andere schüttelt sein Haupthaar, ein paar Hobby-Dirigenten sind auch auszumachen, ansonsten wird höflich zwischen den Stücken Beifall gespendet. Ich kann mir nicht helfen, irgendwie erinnert mich das Ganze an Rondo Veneziano, allerdings mit ein paar zusätzlichen Härtegraden. Ein netter Ausklang des Tages.
(Ray)

Aber Moment mal, ganz vorbei ist der Tag ja noch gar nicht! Mit Insomnium besteigt zu später Stunde noch eine Band die W.E.T. Stage, auf die ich und offensichtlich viele andere hier im Bullhead-Circus-Zelt sehr gespannt sind. Mit "Through The Shadows" eröffnen die Finnen ihren Reigen aus lupenreinem skandinavischem Melodeath-Metal. Es ist ein bisschen so, als würde man in der Zeit zurückspringen und noch einmal einen der ersten Auftritte von In Flames oder Dark Tranquillity, bevor sie zu Superstars wurden, besuchen. Die Lieder von Insomnium entfalten auf der in Schwarz gehaltenen Bühne eine unglaubliche Kraft und sind dabei so melodisch, dass man automatisch die Füße oder sogar noch mehr im Takt bewegt. Klasse Auftritt einer vielversprechenden Band!
(Sebbes)

Samstag, 04.08.2012

Klar: der Freitag war wohl für alle von uns ein rechter Kampf mit den "Umweltbedingungen", aber wer gen Norden fährt und die W:O:A-Verhältnisse kennt, der muss mit einer immer schön frischen Schlammpackung rechnen. Ist ja gut für die Haut! Zumindest brennt heute Vormittag die Sonne nicht ganz so erbarmungslos auf unsere Zelte, sodass man ein wenig länger dösen kann. Richtig ausschlafen ist auf einem Festival ja sowieso nicht drin. Im Laufe des Vormittags verschlechtert sich das Wetter zunehmend, ehe es schließlich wieder zu regnen beginnt und man sich schon Gedanken macht, wie es nun wohl auf dem Festivalgelände aussehen mag...

Es ist schon eine kleine Tradition, dass zum Wacken-Besuch auch ein Besuch der Wacken Fire-Fighters gehört. Leider sind auch diese dem Wettergott mehr oder weniger zum Opfer dargeboten worden, wo in den letzten Jahren prächtige Stimmung herrschte und eine Polonaise die nächste jagte, verlaufen sich heute die paar wenigen Fans in der Schlammwüste vor der Biergartenstage. Zwar wird versucht, die Band nach Leibeskräften zu unterstützen, doch so richtig Stimmung mag nicht aufkommen, da helfen auch die mehrfach geforderten "Wacken Wacken Feuerwehr" Rufe nicht mehr. Das Wetter ist halt unerbittlich hier im hohen Norden.
(Ray)

Delain

Für den Freund von Female-Fronted-Metal heißt es heute - am letzten Wacken-Tag 2012 - früh aufstehen, denn die äußerst hübsche Charlotte Wessels eröffnet mit ihrer Band Delain den Festivaltag. Vor den Genuss hat der Wackenwettergott jedoch erst mal den Regen gestellt. Und das nicht zu knapp! Mit der ersten Wolkenlücke habe ich es bis in den Backstage-Bereich geschafft, wo mich der Regen wieder eine halbe Stunde lang gefangen hält, was aber gar nicht so schlimm ist, denn auch der Auftritt von Delain verzögert sich grob um diese Zeitspanne, da das Festivalgelände noch unter Wasser steht. Irgendwann geht es aber doch im strömenden Regen los und dann hält es auch mich nicht mehr unter dem Dach der Backstage-Bar. Also den Regenponcho übergeworfen und raus auf das Quadratkilometer große Schlammfeld vor der Bühne... Und da ist sie dann wirklich, wie sie leibt und lebt: Charlotte Wessels! Ihre roten Haare sind schon von Weitem zu erkennen und fallen fast mehr auf als das riesige Backdrop mit dem Cover der aktuellen Scheibe We Are The Others. Und die Art und Weise, wie sie das Mikrofon liebkost, lässt einen doch glatt den Regen vergessen. Dabei scheint es so, als ob sie das schlechte Wetter einfach wegsingen könnte, denn im Laufe des Auftritts bricht die Wolkendecke immer mehr auf und vereinzelt durchstreifen sogar Sonnenstrahlen die fallenden Wassermassen. Dazu schallen die Töne der mitreißenden Halbballade "Sleepwalkers Dream" von der Bühne - was kann es denn Schöneres geben? Stimmt! Schnellere Songs und die kommen dann auch in Form des poppigen Stampfers "Milk And Honey" und des symphonischen "Gathering". Aber das Allercoolste an diesem Auftritt ist "Control The Storm". Als ob Petrus zuhört und nur auf diesen Song gewartet hat, schickt er die Wolken fort und lässt dem Publikum die Sonne so auf die Birne brennen, dass es gar nicht weiß, wohin mit den ganzen Regenklamotten. Klar, dass auch Delain über den plötzlichen Wetterwechsel so begeistert sind, dass das finale "Pristine" zu einem skurrilen Siegeszug über das Wetter wird. Was für ein herrlicher Auftakt für den heutigen Tag!

Gamma Ray

Garant für gute Laune ist die deutsche Heavy-Institution Gamma Ray um Ex-Helloween-Sänger Kai Hansen. Und weil dem so ist, hat die Sonne den dicken Regenwolken mal eben in den Allerwertesten getreten und prellt nun mit voller Kraft auf unsere Hüte. Passend dazu feuern Gammy Ray eine Salve ihres melodischen Speed Metals nach der anderen von der True Metal Stage auf ihre Fans ab. Neben Eigenkompositionen wie "Dethrone Tyranny", "Fight" oder "To The Metal" sind es vor allem die ollen Helloween-Klassiker "Ride The Sky" und "I Want Out", welche die Menge zu so früher Stunde in Bewegung bringen. Leider haben Gammy Ray heute nur 45 Minuten Spielzeit, so dass nach dem Bandklassiker "Send Me A Sign" schon wieder Schicht im Schacht ist. Wirklich schade! Gerade jetzt, wo sich die Nackenmuskulatur ein wenig warm gearbeitet hat...
(Dagger)

Da man dieses Aufwärmtraining nicht verplempern darf, sollte man die Gelegenheit nutzen und sich die Lauscher mal wieder so richtig durchpusten lassen. Und was ist da besser geeignet als eine gehörige Portion Grindcore? Eben, also auf auf zur Black Stage nebenan, wo Napalm Death in bester britischer Manier gehörig den Marsch blasen. Beginnt der Set noch etwas "verhalten", geht auf einmal die Sause so richtig los. Brüllwürfel Barney Greenway fegt wie ein Derwisch über die Bretter und auch vor der Bühne ist mächtig was los. Schnell wird trotz der widrigen Witterungsverhältnisse ein ordentlich großer Circle-Pit ins Leben gerufen, und wer nicht schnell genug außer Reichweite ist, findet sich inmitten schlammverkrusteter Gestalten wieder. Die Setlist ist bunt zusammen gestellt, und mit "Everyday Prox" und "Quarantined" finden sich auch neue Songs vom aktuellen Album Utilitarian wieder. Selbstverständlich darf aber auch der längste Song der Bandgeschichte, "Scum" nicht fehlen... hach, es geht doch nichts über eine ordentliche Portion Krach.
(Ray)

Wettermäßig sieht es zumindest momentan ganz "freundlich" aus, als wir nach furiosen Auftritten von Mr. Kai und Gamma Ray bzw. den Napalms in Richtung True Metal Stage pilgern, wo wir denn auch harren, auf was da kommt: nämlich Herr Axel Rudi Pell. Einstieg mit dem Intro "The Guillotine Suite" und "Ghost In Black" von der neuen Scheibe Circle Of The Oath. Und siehe da: zumindest von unserem Platz aus - direkt vor der Cocktail-Bar, sodass auch keiner zu weit laufen muss - ist der Sound für W:O:A-Verhältnisse so gut wie perfekt. Mr. Pell, wie immer ordentlich und dem Anlass entsprechend gekleidet, haut danach gleich mal einen meiner Lieblingssongs "Strong As A Rock" raus, was zur Folge hat, dass mein Adrenalin-Pegel stante pede ansteigt. Aber darauf gibt's erst mal "Before I Die" erneut vom Circle-Album, gefolgt von einem Medley aus "The Masquerade Ball", "Casbah" und "Dreaming Dead", alles erstklassige Songs für sich genommen, aber innerhalb dieses Medleys (angereichert mit einem bisschen "Whole Lotta Love") kommt der Epic-Faktor der Stücke einfach nicht zum Tragen. Natürlich kann man die Band verstehen, wenn sie mittels einer Zusammenstellung soviel als möglich vom Material vermitteln will, aber allein an der Reaktion des Publikums (zumindest hier) lässt sich ablesen, dass die Setlist, sagen wir mal, nicht ganz gelungen zu sein scheint. Daran kann auch "Mystica" nichts ändern, wenn auch der Deep-Purple-Mistreated-Moment absolut erhaben war. Nach dem Titeltrack der neuen Platte gibt's zum Abschluss und ein Stück weit auch zur Versöhnung "Tear Down The Walls" und v.a. "Nasty Reputation" - allerdings ebenfalls in gekürzten Versionen. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber mit all den genialen Gigs dieses Wochenende kann Axel Rudi Pell zumindest heute nicht mithalten.
(Fuxx)

Vor der Party-Stage ist schon ordentlich die Party im Gange, als ich endlich den inzwischen beschwerlichen Weg durch den Morast dorthin gefunden habe. Dort sind die New Yorker Hardcoreler Sick Of It All bereits in vollem Gange. Unglaublich, was diese Band da auf die Bretter legt, allen voran Gitarrist Pete Koller, der ständig unterwegs ist, die komplette Bühnenbreite zum Rennen ausnutzt oder wie ein Flummi hüpft. Die Band ist ja nun auch schon fast 30 Jahre unterwegs und hat nichts von ihrer Energie eingebüßt. Sänger Lou Koller kann wohl kaum seinen Augen trauen, wenn er ungläubig von einem Mud-Pit vor der Bühne spricht. Die Jungs geben aber auch ihr Bestes, muss ich sagen, und wen Songs der Marke "Sanctuary", "Die Alone", "Us vs. Them" oder "Scratch The Surface" nicht mitreißen, ist wohl schon nicht mehr auf dieser Welt. Die New Yorker werden jedenfalls mächtig abgefeiert, nichts anderes hat dieser Gig auch verdient.
(Ray)

Testament

Nach Sacred Reich und Overkill am gestrigen Tag bescheren uns nun Testament die nächste Glanzstunde in Sachen Old School Thrash Metal. Bei angenehmer Witterung legen die Jungs aus der Bay Area mit "Rise Up", dem Opener ihres brandneuen Albums Dark Roots Of Earth, gleich lautstark los. Und ich meine richtig laut! Leider wird dabei ein Großteil der Gitarren von den übersteuert wummernden Base-Drums regelrecht aufgefressen, sodass sich das Hörvergnügen doch etwas in Grenzen hält. Frontmann Chuck Billy ist kein Mann der großen Worte und so kloppen uns die fünf auch schon in die Jahre gekommenen Herren einen Killersong nach dem anderen um die Ohrwascheln. Das Meiste davon stammt von ihrem neuen Album, das in der Tat eine Perle nach der anderen vorweisen kann, wie es uns heute live auf den Brettern der True Metal Stage demonstriert wird. Dass es im Publikum derzeit und für Testament-Verhältnisse etwas ruhig zugeht, mag daran liegen, dass das neue Material noch nicht ganz im Bewusstsein der Fans angekommen ist. So ist es ein einsamer Crowdsurfer, der sich gen Bühne tragen lässt, bis Testament mit "Into The Pit", "Practice What You Preach" und "Over The Wall" dann doch einen Reigen an Klassikern eröffnen und die Stimmung spürbar steigt. Leider bekommen die Soundtechniker den Klang, der so matschig ist wie der Boden unter unseren Füßen, bis zum Ende des Gigs nicht in den Griff.
(Dagger)

Wir schwenken mal wieder einige hundert Meter weiter, vorbei an etlichen, im Treibschlamm (natürlich durch Hackschnitzel getarnt) halbversunkenen Metalheads, geradewegs zum Bullhead City Circus. Dorthin haben nämlich Megaherz aus unserer schönen Landeshauptstadt München den Weg gefunden. Der Raum vor der W.E.T Stage füllt sich schnell und rege, und dann geht die Show auch schon los. Mit "Jagdzeit" steigt man in den Set ein und hat eigentlich schon gewonnen. Das Zelt ist bestens gefüllt, auch wenn die Fans recht locker stehen, und die Songs werden kräftig mitgesungen. "Heuchler" und "Prellbock" folgen und passender als mit "Keine Zeit" kann man die Kürze des Sets wohl kaum umschreiben. Zum eher ruhigeren "Mann Im Mond" besteigt Sänger Lex den Wrestling Ring zwischen den beiden Zeltbühnen und ist daraus auch nicht mehr so schnell weg zu bekommen. Die Fans gehen jedenfalls sehr gut mit und lassen die Band nicht im Stich. Leider ist nach einer halben Stunde aber schon wieder Schicht im Schacht, nicht jedoch ohne dem unausweichlichen "Miststück" noch einmal zu huldigen. Diesen Song kennt wohl wirklich jeder. Souveräner Gig.
(Ray)

Cradle Of Filth

Mit etwas Verspätung erreiche ich schließlich die Black Stage, wo sich Englands Vorzeige-Schwarzwurzeln Cradle Of Filth die Ehre geben. Es ist nun etwa 19:00 Uhr und die tief stehende Sonne strahlt den Musikern mitten ins bemalte Gesicht. Kein gutes Timing für eine Black-Metal-Band. Und gerade im Fall Cradle Of Filth wird auf diese Weise jeder Anflug eines theatralischen Moments im Keim erstickt. Immerhin hüpft Giftzwerg Dani Filth in gewohnter Manier über die Bretter, während er unnötig oft und an den unmöglichsten Textstellen seinen grellen Schrei ausstößt. Irgendwie will das heute alles nicht so recht rüberkommen. Hinzu kommt noch, dass die Briten keinerlei Show-Einlagen zur visuellen Unterstützung ihres Sets präsentieren. Das alles mag dazu beitragen, dass die Stimmung im Publikum - na, sagen wir - nicht gerade am Überkochen ist. Keinerlei Wünsche lässt dagegen die Songauswahl offen. Im Querschnitt ihrer langen Diskografie bekommen wir neben neuerem Material auch Klassiker wie "Her Ghost In The Fog", "From The Cradle To Enslave", "Cruelty Brought Thee Orchids" und die uralten Stücke "Ebony Dressed For Sunset" und "The Forest Whispers My Name" zu hören. Der Klang kann im Vergleich zu Testament einen Deut verbessert werden und die neue Keyboarderin / Sängerin reißt mit ihrer Darbietung auch ordentlich was raus. Dennoch: einen Glanzpunkt dieses Festivals markiert der Auftritt von Cradle Of Filth sicherlich nicht.
(Dagger)

Zu exakt der selben Zeit drüben auf der Party Stage: Die Herren der Planung haben wohl eine schwache Minute gehabt, wie sonst ist es zu erklären, dass auf einem Festival, auf dem der Black Metal eher unterrepräsentiert ist, auch noch zwei Bands dieser Couleur zeitgleich spielen? Gut, Cradle Of Filth mag man jetzt nicht unbedingt zum "truen" Black Metal zählen, die Schweden Dark Funeral dagegen schon. Allerdings ist es auch für die eindeutig noch zu früh am Tag. Black Metal bei Sonnenschein ist einfach Krieg. Mit ordentlich Corpse Paint und in voller Montur entern die Schweden die Bühne und mit reichlich Feuersäulen geht es auch schon los. Sofort fällt der "neue" Sänger Nachtgarm auf, hatte ich die Band doch zuletzt noch mit Emperor Magus Caligula gesehen. Nachtgarm macht seine Sache jedoch sehr gut, bezieht die Fans auch mal mit ein und schaut ansonsten ebenso böse. Die Setlist reicht durch alles Schaffensperioden der Schweden, sei es nun mit "Stigmata", "The Arrival Of Satans Empire" oder "Vobiscum Satanas", die Songs brettern herrlich durch die PA. Hier und da wird mit den angesprochenen Feuersäulen auch was fürs Auge geboten, ansonsten herrscht auf der Bühne eher Statik. Der Set hätte jedoch eine spätere Startzeit verdient gehabt.
(Ray)

Amon Amarth

So, Freunde der gepflegten Abendunterhaltung, als Einheizer für die Scorpions hat das Wacken-Team die Schlachtenbummler Amon Amarth auserkoren. Passt wie die Faust aufs Auge, würde ich sagen. Also auf in den Krieg und der beginnt mit "War Of Gods" vom aktuellen Album Surtur Rising mit mörderischem Doublebase-Drumming und den warmen Growls von Sänger Johan Hegg. Der Gitarrensound ist dagegen leider wieder so matschig, dass sich die feinen Leads kaum wirklich im Klangbild erkennen lassen. Dafür ist aber eine Hitzewelle ausgebrochen... kein Regen für Amon Amarth - stattdessen Sonnenschein und Crowdsurfer, von denen es wetterbedingt dieses Jahr bisher nur wenige gab. Auf der Bühne geht die Schlacht in die nächste Runde, eine extrem gut gelaunte und siegessichere Band zelebriert Kracher von der Güteklasse "Runes To My Memory", "Death In Fire" oder "Fate Of Norns". Nach der Hälfte der Show wird das feuerrote Backdrop durch ein düsteres, blaues ausgetauscht, was das gesamte Bühnenbild mehr, als man vermuten würde, verändert. Überraschend auch, dass Sänger Johan das Publikum zum Mitsingen animieren will, wobei sich dieses sichtlich schwer dabei tut, Amon-Amarth-Texte laut zu growlen. Johan kommentiert die Versuche folgendermaßen: "Don't care if you don't know the words... It's Death Metal, nobody understands it." Klasse! Die Zugabe läutet dann mit "Twilight Of The Thunder God" und "Guardians Of Asgaard" erstmal die letzte Chance für Hobbykrieger und Headbanger ein, sich zu verausgaben, denn die nächsten beiden Stunden gehören den Skorpionen. Oder, man kann es auch so sehen, der Nacken darf ruhen, um bei Machine Head wieder fit zu sein.
(Sebbes)

Scorpions

21:45 Uhr: Die Scorpions - Headliner des heutigen Tages - lassen auf sich warten. Aber der Metaller an sich ist ja geduldig... und erfinderisch! So werden zur Überbrückung der Wartezeit im Publikum kurzerhand altbekannte Sauflieder angestimmt und sogar Titellieder aus nicht jugendfreien Fernsehserien, wie etwa Die Gummibären. 15 Minuten später ist es dann soweit und Deutschlands erfolgreichste Rockband startet mit "Sting In The Tail" in ihr fulminantes Set. Neben vielen unsterblichen Rock-Klassikern ("The Zoo", "Coast To Coast", "Dynamite" u.a.), aber auch den bandtypischen Power-Balladen "Is There Anybody There" und "The Rhythm Of Love" sind es eine grandiose Lightshow mit Videowand und die nicht enden wollenden Pyroeffekte, die eine ausgezeichnete Stimmung schüren. Man merkt einfach, dass hier ein gewisses Budget dahinter steckt. Jeder Funke und jeder Knall sitzt auf den Takt genau. Endlich ist auch der Sound tadellos abgemischt! Und die Scorpions? Die sind nicht nur ausgezeichnete Musiker, sondern auch Entertainer! So untermalen sie das Drum-Solo ihres durchgeknallten Schlagzeugers James Kottak mit einem Film, der durch ihre lange Diskografie führt und Anspielungen auf diverse Coverartworks hinterlässt, während Kottak selbst die Vorführung mit seinen witzigen Showeinlagen ergänzt. Dass es schon nach wenigen Songs angefangen hat zu regnen und mittlerweile wie aus Kübeln schüttet, stört hier vor der Bühne niemanden! Es gibt ja auch wirklich ständig etwas zu sehen. So treiben gerade ein paar knapp bekleidete Amazonen, mit funken sprühenden Instrumenten bewaffnet, ihr Unwesen auf der Bühne, als die Scorpions unter dem Schlagzeugaufbau hervorspringen und "Blackout" anstimmen. Rudi Schenker hat sich für diesen Hit ins Outfit der Figur des legendären Plattencovers von Blackout geschmissen. Dann ein ausgiebiges Gitarrensolo von Kollege Matthias Jabs, das ein Erdbeben simulieren soll und showmäßig entsprechend untermalt wird. Schließlich bekommen wir nach "Six String Sting" zum vorläufigen Finale aus "Big City Nights" die berühmte Scorpionspyramide zu sehen, bei der Klaus Meine auf den Oberschenkeln von Schenker und Jabs steht. Die Musiker verschwinden, die Lichter erlöschen, doch kurz darauf öffnet sich der Aufbau des erhöhten Schlagzeugs erneut und die verruchten Weiber von vorhin zerren eine goldene Statue der drei Musiker in Pyramiden-Pose an den Bühnenrand, um sie dann unter abermaligem Funkenflug mit Trennschleifern zu bearbeiten. Mit "Coming Home" beginnt die Zugabe, die außerdem noch die unsterblichen Hits "Still Loving You " und "Rock You Like A Hurricane" parat hält. Ein Feuerwerk stützt das Finale dieses (vorerst) letzten Open-Air-Konzerts der Scorpions.
(Dagger)

Kaum ist das Spektakel der Scorpions zu Ende, hört es auf zu regnen und das Programm auf der benachbarten Black Stage nimmt seinen Lauf. Mit mördermäßigem und einwandfrei ausbalanciertem Sound lassen uns Machine Head wissen, dass sie nach Wacken zurückgekehrt sind. Und was man in den kommenden 75 Minuten hier zu hören und zu sehen bekommt, ist nicht von dieser Welt, wie Kollege Ray bisweilen zu sagen pflegt. Bandchef Rob Flynn ist so präsent, wie eine einzelne Figur auf dieser riesigen Bühne nur präsent sein kann und hat die Menge von den ersten Takten seines Openers "I Am Hell" bis zum Ende fest im Griff. Vom neuen und von der Presse gefeierten Album Unto The Locust gibt es schließlich noch weiteres Futter für die hungrige Meute, daneben Altbekanntes, wie etwas "Imperium". Zu beidem, neuem und altem Liedgut, gehen die Fans in den ersten 30 Metern steil und stampfen - allen Widrigkeiten zum Trotz - einen Circle Pit nach dem anderen aus dem schlammigen Boden. Von diesen Bildern sichtlich bewegt, richtet schließlich Mr. Flynn das Wort an seine Audienz, zeigt sich ehrlich beeindruckt und nutzt die Gelegenheit für eine Lobpreisung der Metal-Gemeinschaft. Wertschätzung und Loyalität sind da zwei wichtige Stichworte, die er sogleich zum Anlass nimmt, ein wenig gegen die oberflächliche Pop-Kultur zu frotzeln. Schließlich ist es der Metalfan, der noch in den Plattenladen rennt und sich die CDs seiner Faves kauft, anstatt nur einzelne Lieder im Netz herunterzuladen. Und weil das so ist, landen Alben wie eben Unto The Locust hierzulande auf Platz 5 in den Albumcharts. Doch genug der Lobhudelei. Mit einer Akustikgitarre bewaffnet und von einem Spot illuminiert startet Rob Flynn in die etwas ruhigere Nummer "Darkness Within". Gänsehaut garantiert! Schließlich gibt die ganze Truppe mit "This Is The End", "Halo" und "Davidian" noch einmal Vollgas und mobilisiert die letzten Reserven ihrer Anhänger. Hammermäßig!
(Dagger)

Respekt an alle, die sich zu dieser späten Stunde noch auf die Schlammschlacht vor der Bühne eingelassen haben! Als hätten es die Veranstalter gerochen, gibt es heuer aber eine Abhilfe für gänzlich verdreckte Fans und zwar in Form von Duschkabinen im Infield, aufgestellt vom Shower-Gel-Hersteller Axe. Die Dinger haben an diesem Wochenende ihren Soll definitiv erfüllt und wurden prima frequentiert! Während sich ein Teil unserer Crew zum Schlummertrunk allmählich Richtung Zeltplatz begibt, geben wir noch mal weiter an Herrn Fuxx, der heute die Spätschicht schiebt:

Wow, ihr seht mich immer noch ganz hin und weg vom Scorpions-Gig ("Dynamiiiiiite!") und der absolut bewegenden Ansprache von Rob Flynn bzw. der Machine Head-Show, die richtig, richtig klasse war! Mittlerweile hat sich fast unsere ganze Camping-Field-Crew vor der Black Stage eingefunden - die Kanadier, die Australier, unser englischer Freund, the Spanish Loonatics und auch Mr. Frankfurt Foo und ich - denn: keiner möchte Al Jourgensen und Ministry verpassen! Der letzte Auftritt auf dem W:O:A war schon überragend und jetzt, als die Band inmitten eines Scheinwerfer-Chaos bzw. Video-Overkills ins Set einsteigt, ist dieser spezielle Ministry-Effekt sogleich wieder da. Wer Al und seine Mannen schon mal live erlebt hat, weiß von was ich spreche: da wird pure Aggression, sogar Wut, gepaart mit DER Sozialkritik schlechthin und Lautstärke, Lautstärke, Lautstärke - ein exakt aufeinander abgestimmtes Spektakel - eins zu eins auf's Publikum übertragen, was allein Ministry vorbehalten zu sein scheint. Komme auf keine andere Combo, der dergleichen live gelingt... Da wären "No W" (dankeschön, bitteschön, Herr Bush!), gefolgt von "Rio Grande Blood"... aiaiaia... nicht zu oft ins Blitzlicht schauen, geschweige denn, sich Gedanken über die Wechselwirkung zwischen Musik und Videoscreen machen; könnte zu mehr als Verwirrung führen. Mr. Al ist zwar von unserer Warte aus kaum zu sehen, seine Präsenz überzieht jedoch meines Erachtens das ganze Festivalgelände. Wer Songs wie "LiesLiesLies" oder das neue (fast Singalong-taugliche) "99 Percenters" ("1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 99 percent!!!") in der Hinterhand hat, dem gelingt so was dann eben mit einem Fingerschnippen. Bei (zu) wenig Spielzeit ist die Songauswahl optimal: "Waiting" wird gebracht, "Relapse", der Titelsong vom aktuellen Album und zum Abschluss eine grandiose Version von "Thieves". Doch dazwischen wurde es für ca. zwölf Minuten kurz mal richtig, richtig heiß, obwohl alle recht durchnässt und daher am Bibbern waren: mit dem Doppelschlag "N.W.O." und "Just One Fix" haben Ministry ein absolutes Highlight, was das ganze Wochenende anbelangt, abgeliefert! Eintauchen, Glieder zappeln lassen, Hirn einschalten... just one fix!!!! Al und seine Freunde sehe ich Montag in München noch mal, jedoch wie erwähnt: ganz, ganz starke Vorstellung von Ministry!!
(Fuxx)

Es ginge nun noch weiter im Programm, schließlich haben sich die Veranstalter ein spezielles Goodie für alle Hartgesottenen einfallen lassen, die sich nun auf ein Wiedersehen mit Toby und Edguy freuen können. Für die Heavyhardes-Crew ist aber Schicht im Schacht. Schließlich haben wir uns vorgenommen, morgen schon um 7:00 Uhr loszufahren. Es gilt mal wieder dem Stau vor dem Elbtunnel zu entrinnen. Außerdem verschlechtert jedes Fahrzeug, das vor uns den Zeltplatz verlässt, unsere eigenen Chancen dort heil und ohne Fremdhilfe herauszukommen, so tief wie der Schlamm jetzt schon die Ausfahrt erschwert. Zum Glück liegen hier keine Hackschnitzel...

Nachruf

Wacken 2010

Was soll man sagen. Das Wacken Open Air war auch in diesem Jahr wieder viel zu schnell vorbei. Natürlich konnten wir auch dieses Mal nicht überall gleichzeitig sein. Mit dem Freizeitangebot der letzten vier Tage ließe sich ein ganzes Buch füllen. Leider stünde in diesem Buch für 2012 auch ein trauriges Kapitel über einen Todesfall, ein tragisches Unglück, das sich auf den Zeltplätzen ereignete. Man kann nur hoffen, dass derartige Schatten über der friedlichen Stimmung des Events die absolute Ausnahme bleiben und sich so schnell nicht wiederholen.

Am Ende kann ein Festivalbericht wie dieser hier auch nur der Versuch sein, das Erlebte unseren werten Lesern ein wenig nahe zu bringen. Wir hoffen, das ist uns geglückt und wir freuen uns bereits aufs nächste Jahr, wenn es wieder heißt Faster, Harder, Louder. Rain Or Shine. Dann mit Deep Purple, Anthrax, Nightwish, Sabaton, Rage, Trommelwirbel und Überraschung: Doro und all jenen die noch kommen werden.
(Dagger)


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