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Festival-Bericht

Bang Your Head!!!

mit Edguy, Heaven & Hell, Hammerfall, W.A.S.P., Amon Amarth, Thunder, Dark Tranquillity, Brainstorm, Evergrey, Finntroll, Vicious Rumors, Lethal, Archer, Mystic Prophecy, Powermad, Mercenary, Amorphis, Brainstorm & Nazareth

Messegelände Balingen, Balingen 22.-23.06.2007

"Voll auf die Zwölf!" Unter diesem Motto stieg in Balingen schon die zwölfte Auflage des Bang Your Head, was mich aufgrund der hohen Anteile an Bands der alten Schule zwar als Traditionalisten immer schon mal gereizt, aber nie zu sich geholt hatte. Nachdem mich das Erdenschüttler-Billing in diesem Jahr nicht sonderlich vom Hocker reißen konnte, wandte ich den Blick dann doch erstmals gen Balingen. Ich habe es nicht bereut, es war eine klasse Sause, die es in sich hatte. Und einen aus Aschebersch hab ich auch getroffen. Was will man mehr.

Die organisatorischen Randbemerkungen kurz und knapp: Ort des Geschehens ist jeweils das Messegelände Balingen, das dank seines zumeist befestigten Untergrundes deutlich mehr Qualitäten aufweist als manch andere Schlammkuhle. Außerdem ist man nicht von der Zivilisation abgeschnitten, sondern kann schnell in die angrenzenden Märkte springen, wenn etwas fehlt (wie mir diverse Foto-Batterien - danke, Real). Man merkt deutlich, dass hier eine große Routine vorherrscht: es ist schon bewundernswert, wie punktgenau man ein solch großes Programm abspulen kann. Die Umbaupausen sind auf ein Minimum beschränkt (mit Ausnahmen, s.u.), es gibt nur eine Bühne, so dass man nix verpasst. Um 23:00 Uhr muss Schluss sein, und daran halten sich alle, so dass es keine großen Verzögerungen gibt, aber leider auch keine sehr langen Headliner-Gigs - aber man kann nicht alles haben. Zu guter Letzt: in knapp drei Stunden ist Balingen von München aus zu erreichen und somit auch nicht viel weiter als das Earthshaker. Ein Manko: der wohl bescheuertste Fotograben der Welt, der aufgrund der steilen Bühne nur Bilder im rechten Winkel nach oben erlaubt und sogar den einen oder anderen Profi aus der Journaille zur Verzweiflung treibt.

Freitag, 22. Juni 2007

Nachdem ich aufgrund diverser Interview-Verpflichtungen die ersten Kombos nicht direkt erleben kann, steige ich mit Lethal ins Geschehen ein. Die Amis waren kurz vor knapp als Ersatz für die ursprünglich geplanten Steelheart eingesprungen und machen einen hervorragenden Job. Ihr 1990er-Album Programmed stellt nach wie vor ihr größtes Pfund dar, mit dem sie auch gewaltig wuchern: fabriziert wird Power Metal mit Queensryche-Reminiszenzen allenthalten, garniert mit den herausragenden Vocals von Tom Mallicoat. Saubere Leistung, für die Lethal zu Recht sogar kleine Sprechchöre ernten.

Mit einiger Spannung wartet das noch sehr überschaubare Volk dann auf Vicious Rumours, die Rasselbande um Gitarrist Geoff Thorpe, die mit ihren vier ersten Alben in den 80ern für Furore sorgte. Nach der Reunion 2005 meldeten sich die Jungs mit dem 2006 veröffentlichten Warball zurück, und ihr schmissiger Power Metal zündet auch in Balingen überraschend gut, wenn man bedenkt, dass wir nach wie vor über krassestes Tageslicht sprechen. Visches Rummers, wie man sie immer nannte, wissen vor allem durch eine enorme Spielfreude und einen höchst motivierten, bestens aufgelegten Shouter James Rivera zu gefallen. Highlights markieren Stücke wie "Soldiers Of The Night" oder "Welcome To The Ball" von den jeweilig gleichnamigen Alben. In dieser Form sind die Herren jederzeit gerne gesehen!

Nachdem es der Wettergott nach Startschwierigkeiten immer besser meint, können Evergrey unter strahlend blauem Himmel aufspielen. Die vier Schweden präsentieren ihren melodischen Metal mit diversen Prog- und Gothic-Einsprengseln in bester Manier, passen aber irgendwie nicht zum Beach-Grill-Wetter. Tom Englund und seine Kumpane lassen sich davon nicht verdrießen, sondern werfen gut aufgelegt Nummern wie "Solitude Within" oder "Recreation" in die nun endlich größer werdende Menge. Durch den erneut sehr guten Gesang, stimmige Keyboard-Einsätze und mitreißende Gitarrenduelle können Evergrey dann bei Stücken wie "Touch Of The Blessing" oder "The Masterplan" doch noch mächtig punkten.

Mit Dark Tranquillity schreiten dann die ersten Vertreter des nach wie vor recht trendigen melodischen Todesgebolzes auf die Bretter. Mikael Stanne und seine Mannen können dabei mit Fug und Recht behaupten, gemeinsam mit In Flames und At The Gates dieses Genre geschaffen zu haben, und diese Erfahrung zahlt sich aus: obwohl sich die Schlachtenbummler vor der Bühne nach wie vor eher rar machen, präsentiert sich das Schwedenkommando in bester Laune und zelebriert seinen atmosphärisch dichten Sound in höchst überzeugender Manier. Herr Stanne grunzt und schreit sich beeindruckend durch melodische Knüppel-aus-dem-Sack-Reißer wie "The Lesser Faith", "The Reason Why" oder "Crown Of Misery". Mit "Focus Shift" verabschiedeten sich Dark Tranquillity nach einer sehr guten Vorstellung mit der aktuellen Single, die wieder von großen Taten kündet. Metalcoreler, so wird es gemacht!

Zumindest für mich steht spätestens jetzt einer der Höhepunkte des ersten Tages bevor: nachdem ich das Vergnügen hatte, die Herren von Thunder kurz vorher zu interviewen, darf man jetzt auf die Live-Qualitäten der britischen Hard Rocker gespannt sein. Immerhin sprangen sie 1990 aus dem Nichts auf die Bühne des Monsters Of Rock in Donington und waren bis Mitte der 90er eine feste Größe im Live-Geschäft. Die üblichen Split- und Reunion-Geschichten folgen. Also ist die Frage - können sie's noch? Antwort: yes, sir. Die Donnermeister ziehen ein rauschendes Hit-Feuerwerk ab, dass es nur so kracht. Klar trägt Fronter Danny Bowes mittlerweile anstelle des wallenden Haupthaars kurze graue Kopfbedeckung und sieht damit eher aus wie ein Lateinlehrer als ein Rocksänger, aber seine Entertainerqualitäten sind über jeden Zweifel erhaben. "It's our first time at Bang Your Head", sinniert er eingangs. "Let's see how you guys behave." Bestens! Aber nicht nur dicke Sprüche klopfen kann er: die stimmliche Leistung, die er hier abliefert, würde Mr. Coverdale zum Weinen über die eigenen Darbietungen bringen. Kommen die bluesigen Hardrocker auf Konserve schon gut rüber, zünden die Nummern live noch um Längen besser: vom Opener "Backstreet Symphony" vom sensationellen 1990er-Debut über neuere Stücke wie "Robert Johnson's Tombstone" steigt das Stimmungsbarometer deutlich. Auch ruhigere Momente gibt es in der Halbballade "Low Life In High Places" zu bestaunen, in der Songwriter Luke Morley die Akustische auspackt. Generell regieren aber die launigen Partystampfer vom Schlage eines "You Can't Keep A Good Man Down", das Bowes zum ausladenden Mitsingspielchen gestaltet - ohne dass es nervt! Das ist halt ein echter Ententrainer. Nachdem mit "The Devil Made Me Do It" noch ein Stück vom aktuellen Album am Start ist, fragt Bowes, wer denn die neue Scheibe besitzt. Keiner? "Buy the record! Tomorrow!!", befiehlt er uns. Ich muss gottlob nicht mehr handeln. Mit "Love Walked In" können wir uns in 90er-Power-Balladen-Feeling wohlig sonnen, bevor nach "I Love You More Than Rock'n'Roll" der Gassenhauer "Dirty Love" das Treiben der Briten beendet. Großes Kino in der untergehenden Sonne, in die sie jetzt reiten.

Reiten ist auch das richtige Stichwort für die nächste Attraktion unter der Zirkuskuppel: zwei mannshohe Schlachtenschilder mit geschwungenem "A" künden davon, was jetzt kommt. Die Horden der Nordmänner werden uns überrennen, und zwar vollumfänglich! Invaders! Recht so, auf dem Programm stehen die Wikinger von Amon Amarth. Dass es hier zumeist um heroisches Schlachtengetümmel geht, machen erst einmal zwei Hornhelmträger klar, die sich auf der Bühne plakativ die Hucke vollhauen, bevor die Langschiffe endgültig anlegen und der Beutezug losprescht. "Runes To My Memory" heißt die erste Brandbombe, die sie werfen, und man muss einfach den Hut ziehen vor diesem Schmackes, dieser schweinemäßigen Heaviness bei gleichzeitig hochgradig melodischem Geboller. Gleichzeitig entwickeln die Wikinger ihre ganz eigene Ästhetik: die Instrumentalfraktion lässt einhellig den Haarrotor kreisen, während sich Frontgrunzer Johan Hegg in voller Pracht in die Bresche wirft. Kurz gesagt: wer seine Plunze so selbstbewusst präsentiert, dem gebührt Achtung. Weiter im Text mit "Sword In My Hand" und "Killed By Fire", bei dem es derartig Pyros hagelt, dass es im Fotograben wohlig warm wird. Ohne Fehl und Tadel reiten die Jungs eine Attacke nach der anderen, wobei vor allem das hervorragende "Cry Of The Blackbirds" und "Fate Of Norns" alles ummähen. Obschon der Death der Nordmänner per se nicht unbedingt zum Klientel des Bang Your Head passt, ziehen sich mit ihrem Schwung doch immer mehr Begeisterte vor die Bühne, wofür sich Johan mit einem ordentlich gegrunzten "Danke" erkenntlich zeigt und das Trinkhorn hebt. "Ancient Sign Of Coming Storm" und natürlich "On To The Victorious March" gibt es noch auf die Mütze, bevor sich Amon Amarth vom Schlachtfeld machen. Hail, Odin!

Nachdem sich nun endlich die Dunkelheit über das Gelände senkt, kündigt sich mit drei großen Backdrops der Headliner an: mit dem Cover von Heaven And Hell führen sich die Herren Iommi, Butler, Appice und Dio standesgemäß ein. Dass die Meute Black Sabbath immer noch sehen will, zeigte schon die erfolgreiche Tournee mit einem gewissen MTV-Pausenclown namens John Osbourne als Sänger, bei der nur Stücke aus der Ozzy-Ära dargeboten wurden. Heute abend also gibt es nur Material aus der Dio-Zeit, die zwar kurz, aber meilensteinig war. Nur für einen Konzertsommer lang machen sie also noch mal gemeinsame Sache, nach den Götteralben Heaven And Hell, Mob Rules (der Mops regiert!), Live Evil und der seinerzeit untergegangenen Reunion-Scheibe Dehumanizer von 1992. Die Bühne bildet eine Klosterruine, das Licht wird düster-blau, das wuselige Intro, das auch schon Live Evil eröffnete, tönt aus den Boxen. Nun stehen die Reihen der Fans dicht an dicht: man merkt, wer hier und heute der Herr im Hause ist. Dann kommt der Marsch der Legenden, Vinnie Appice nimmt Platz, Geezer Butler sieht noch manierlich aus, und Tony Iommi wird einem englischen Landadligen aus dem 18. Jahrhundert immer ähnlicher. Zu guter Letzt entert dann noch der stimmgewaltigste Mittsechziger der Welt die Bühne, während Iommi das Riff von "Mob Rules" anzettelt. Sinn und Zweck sind bald erfüllt: man hüpft von einem Nostalgie-Moment in den nächsten, freut sich, erinnert sich. Das klappt also. Und die Darbietung an sich? Nun, dass man Vinnie Appice vor dem Gig mal fünf bis acht Espressi einflößen sollte, ist ja bekannt, und dass der Bassistenjob bei Black Sabbath nicht gerade aufreibend ist, ebenso. Dass Dio den Bühnenmeister geben kann, zeigt er jedes Jahr aufs Neue auf seinen Tourneen - er schlendert, spaziert über die Bühne, schießt böse Blicke ins Publikum, zeigt in schöner Regelmäßigkeit das Hörnchen, das er ja mehr oder weniger erfunden hat. Nur um dann sofort wieder zum höflichsten Gentleman des ganzen Business zu werden. Mastermind Iommi schließlich, um den sich die Fans und die Journaille die Hälse recken, steht am hinteren Bühnenrand und verfolgt das Treiben mit einem süffisanten Lächeln. Dass die Riffs erstklassig, messerscharf, düster-dräuend und punktgenau kommen, muss man nicht erwähnen, ebenso wenig dass die Soli atemberaubend geblieben sind. Die Stimmung, die dieser Mann mit einer einzigen Gitarre zaubert, ist unnachahmlich, das ist einer der ganz Großen. Was aber im seinem belockten Kopf vorgeht, das werden wir wohl nie erfahren. Emotion sieht anders aus.
So führen sie uns durch den bunten Reigen, den man erwarten darf: "Children Of The Sea", "Sign Of The Southern Cross", das von Holo-Effekten untermalte "Voodoo" - was sind diese Nummern genial. Immer noch, nach mehr als 25 Jahren! Dann kommt leider ein Schlaftabletten-Drumsolo, das an der wertvollen Spielzeit sägt: sie haben sowieso nur 80 Minuten, verdammt! Nachdem Appice hinter seinen Kesseln wieder aufgewacht ist, geht es weiter mit "When The Words Fall Down" und "Falling Off The Edge Of The World". Mittlerweile regnet es, Dio ist beim Verpacken der Monitorboxen in schützende Folie behilflich - als Headliner, wohlgemerkt. "Shadow Of The Wind" bringt dann eine neue Nummer, die ok geht, aber bitte keine weitere Zeit verlieren, es gibt noch so viel, was wir uns wünschen. "Die Young", genau das zum Beispiel. Und dann erzählt Dio ein wenig, dass wir alle ja eigentlich wegen eines einzigen Songs hier seien, und irgendwie stimmt das ja auch, der Song, der die Essenz der 80er-Inkarnation von Black Sabbath verkörpert, bildet den Höhepunkt: eine wunderbare Fassung von "Heaven And Hell" mit einem tausendstimmigen "Sing Me A Song, You're A Singer" hält alles, was das Line-Up versprochen hatte. Und dann ist schon Schluss, die Uhr ist unbarmherzig. Einmal lassen sie sich noch locken, für "a song that you all expect to hear, so you shall hear it": der alte Reißer "Neon Knights" bildet den Schlusspunkt des Geschehens. Weg sind sie, so schnell wie sie gekommen waren. Verdammt, wie kann denn nur die Zeit so schnell vergehen? Nie war ein Drumsolo ärgerlicher als heute. Aber gut wars, nostalgisch, dennoch frisch. Breitwandsound im Balinger Abendhimmel. Aus für heut.

Samstag, 23. Juni 2007

Tag Zwei, frisch ans Werk! Als älterer Mensch habe ich mir eine kleine Pension gesucht, ganz in der Nähe - kann ich nur empfehlen, auch nicht maßgeblich teuer als Zelten und viel, viel trockener. Beim Frühstück bin ich mit der Heimat konfrontiert und lasse mir von zwei Schlachtenbummlern aus Aschebersch berichten, wie schlecht letztes Jahr Whitesnake waren, dass sie bei Amon Amarth ein bisschen Angst hatten und dass ihnen Black Sabbath dann zu düster waren. Naja, Hauptsache es schmeckt.

So, wen haben wir denn heute. Das fröhliche Treiben eröffnen die drei Jungs von Archer, die mit ihrem melodischen Power Metal immerhin geschätzte 250 müde Nasen vor die Bühne ziehen können. In alter Tradition des Bang Your Head kann sich hier erneut eine Band präsentieren, die noch ohne Label dasteht - was der Qualität definitiv nicht gerecht wird. Also, Talentscouts, auf geht's!

Danach müssen die Teutonen Mystic Prophecy ran, die nicht zuletzt dadurch bekannt wurden, dass anfänglich noch das griechische Gitarrenwunderkind Gus G. (vier Gs in einer Reihe!!) die wendigen Finger im Spiel hatte. Mittlerweile müssen sich die fünf Herren auf ihre eigenen Stärken besinnen, und die liegen klar im Power Metal der ganz klassischen Schule. Doublebass, Flitzegitarren, fette Chöre und ein Shouter, der das schmissige "A-haaa" aus dem Effeff beherrscht. Diese Zutaten rühren sich zu einem in der Tat schmackhaften Cocktail, der mit "Evil Empires" und "Nightmares Of Demons" zünftig rüberkommt. Wie es sich für eine Metall-Kapelle gehört, heißt mindestens ein Song im Verlauf des Bandlebens "Sign Of The Cross", so auch hier. Mit Dicke-Hose-Posing und einem Gitarrero, der glatt als Slashs Bruder durchgehen könnte, lassen sie auch in Sachen Stageacting nichts anbrennen. Nach "Dark Forces" folgt mit "Savage Souls" der Titel vom aktuellen Langeisen, und der kommt zur Abwechslung mal im groovigen Mid-Tempo-Bereich daher, was der Band sehr gut zu Gesicht steht. Mehr in diese Richtung würde vielleicht mehr Variation bringen. Dennoch sehr gute Leistung am Vormittag.

Jetzt aufgemerkt: "Tanzen, Baby - jetzt ist Tanzen angesagt. Und heute abend spielt Powermad im Hurricane! Gib Gummi, Baby!!" Was haben wir das zitiert, auf diversen Weinfesten und anderen Gelagen. Wie immer hat kein Schwein verstanden was wir wollen, aber das war ja wie immer der Sinn. Die Zeilen sind aus Wild At Heart, und sagen tut das der grade freigekommene Sailor zu seiner Lula. Dann rauschen sie ab in einen Club, und dort gibt es ordentlich Knüppelmucke. Das war nicht wie heute, wo in jedem Tatort eine Krachkombo auftritt, sondern revolutionär war das damals. Was ich bis dato nicht wusste: Powermad sind keineswegs ein Kind von David Lynchs verwirrter Phantasie, nein, es gab sie wirklich, und ihr Stück "Slaughterhouse" ist es, zu dem Nicolas Cage und Laura Dern abmoshen. So richtig zu Wege brachten die Amis aber nix, sondern legten nur ein einziges reguläres Album vor: Absolute Power von 1989. Die vier Gestalten, die sich neu formiert haben und nun die Bühne entern, sehen denn auch recht spaßig aus, allesamt mit kurzen Hosen und mit einem Sänger/Gitarristen Joel DuBay, der mittlerweile als King Of Queens durchgehen würde. Die seltsame Mixtur aus Power, Thrash, Hardcore und sonstigem Metal stößt allenthalben auf Unverständnis, und auch die hohe Stimme, die nicht zum Körpervolumen zu passen vermag, wirkt nicht gerade harmonisch. Einzig und allein Jeff Litke am Bass, der holt manchmal die Kohlen aus dem Feuer, indem er uns wiederholt den Frank Bello macht. Sowieso erinnert der Sound an manchen Stellen ein wenig an die Obermosher Anthrax, ohne natürlich diese Klasse zu haben. Natürlich kommt der Wild At Heart-Track zu Ehren, und sonst auch noch Nummern, die irgendwie Kopfschütteln ernten. Ein Kuriosum zur frühen Stunde.

Bei Mercenary dagegen gilt das alte Motto: Dänen lügen nicht! Die Jungs, die zum ersten Mal in Balingen aufspielen, bieten Brachialsound auf höchstem Niveau. Zwar sind sie mit Sänger Mikkel Sandager ein wenig vom reinen Death-Sound der Anfangstage abgekommen, aber gewaltig auf die Glocke geht es hier immer noch. Bei Stücken wie "Redefine Me" punkten die Dänen mit eindrucksvollen melodischen Gitarrensalven, überzeugenden Soli und dem reizvollen Wechselspiel zwischen cleanem Gesang und Grunzereien. Man bedient sich weidlich aus dem aktuellen Dreher The Hours That Remain, und die deutschen Ansagen von Herrn Sandager künden von Großtaten wie "Soul Decision" oder "11 Dreams". Blickfang ist aber Bass-Obertier Rene Pedersen, der mit imposantem Körperbau und virtuosem Spiel alles plattmacht. So macht Ballerei Spaß!

Was man von Amorphis nicht gerade behaupten kann. Die Finnen mühen sich zwar redlich, ihren melodischen Death Metal unter die Leute zu bringen, aber irgendwie kommt die Vorstellung von Fronter Tomi Joutsen reichtlich lustlos herüber. Da nutzt auch das beste Dani Filth-Vintage-Radio-Dingenskirchens-Mikro nix, und auch fliegende Dreadlocks ersetzen nicht wahren Enthusiasmus. Solide Leistung, aber keine Begeisterung und damit auch kein Funke, der überspringen könnte. Einzig das melodisch-eingängige "House Of Sleep" kann ein bisschen was reißen. Aber nur ein bisschen.

Aber spätestens jetzt sollte die Stimmung doch steigen: die Rabauken von Finntroll schicken sich an, die Bretter zu stürmen. Zuerst bauen sie selbst noch ein bisschen auf, dann geht's mit Schmackes in die wilde Mischung aus Black, Death, Trash und Humppa. Die wilden, mit schwarzen Schmierereien im Gesicht versehenen Horden legen sich zwar mächtig ins Zeug, und ihre Folk-Metal lässt ja überlicherweise alle Tanzböden zittern - aber am helllichten Tag will die Partykeule nicht so recht kreisen. Mathias Lillmans ist denn auch etwas überrascht, fordert wiederholt Moshpits und schießt mit seinen Freunden ein fröhliches Hitfeuerwerk ab, das vor allem in den Humppa-Parts gefällt. Neben neuen Nummern wie "Häxan" gibt es natürlich altbewährte Trollkost wie "Trollhamaran" und "Trollblodet". Aber wackeln will die Bude nicht. "Wer blutet?", fragt ein Raffnix neben mir und beschreit damit die Gemütslage der meisten Angereisten, die mit den Finnen, die auf Schwedisch singen, offenbar nicht viel anfangen können. "I wanna see some action now!", ruft Lillmans kurz vor Schluss noch mal, aber so richtig reißen können sie heute nichts. Was sie selbst wohl am meisten wundert.

Im Gegensatz dazu wird bei den deutschen Power Metallern von Brainstorm die Kuh unmittelbar auf die Startbahn geschoben. Mit Andy B. Franck am Mikro haben die Schwaben einen Fronter, der stimmliche Akrobatik und Animateurskünste wunderbar zusammenbringt. Schon bei den ersten Stücken hält es ihn nicht mehr auf der Bühne, er hüpft in den Fotograben und klatscht mit den Fans in den ersten Reihen ab. Das kommt an und lässt den Pegel weiter steigen, bis den Schwaben allenthalben eine Mordsstimmung entgegenschlägt, die sie mit einer kraftvollen Darbietung belohnen. Geboten werden unter anderem Songs neueren Datums wie "Inside The Monster", wobei sich Herr Franck wiederholt als wahre Rampensau entpuppt. Der Verweis auf die kommende DVD beweist Humor, denn, so Franck, "da könnt ihr euch den ganzen Quatsch noch mal anschauen". Dass Brainstorm Scherzkekse sind, zeigt auch eine Einlage, die auch demonstriert, zu welchen Witzfiguren diverse "Die For Metal"-Kameraden geworden sind: nach mächtig Motorradsound in den Boxen eiert Franck schließlich auf einem Mini-Bike über die Bühne. Lacher allenthalben, jeder weiß wer gemeint ist. Wie schnell man zum Treppenwitz wird, wenn man das so konsequent anstellt die Herren um Meister DeMaio, ist bemerkenswert. Toller Gig, der für mächtig Laune sorgt.

Jetzt gibt's Oldie-Alarm: die zweifelsohne dienstälteste Bands des Festivals kündigt sich mit einem ausgedehnten Folk-Intro an. Als Dan McCafferty und Pete Agnew auf die Bühne schlendern, kommen gleichzeitig fast vier Jahrzehnte Musikgeschichte mit marschiert. In unseren Breitengraden dürften Nazareth nach wie vor untrennbar mit der Ballade "Dream On" verbunden sein, die sich sogar meine Schwester seinerzeit als Single gekauft hat (so richtig Vinyl und so). Hier präsentieren sie uns aber erst mal diverse Haudegen-Rocker, versehen mit der unbestechlichen Stimme von McCafferty, der zwar grauhaarig, etwas rundlich und öfters hustend ist, aber immer noch den besten Brian Johnson außerhalb von AC/DC abgibt. So geht es mit "Razamanaz" von 1973 (!) überraschend flott zu Werke, und dass die Herren ihre Lage durchaus selbstironisch sehen, macht Spaß: "This is a song from 150 years ago", sagt McCafferty in schönstem Schottisch. "I was tall and beautiful then." Der bluesige Hard Rock der Briten vermag mehr und mehr Zuhörer zu begeistern, die sich an "Going Back To Alcatraz" laben, bevor das besagte "Dream On" bestens gesungen live schön funktioniert und Zustimmung allenthalben erntet. Mit weiteren hübsch schottischen Ansagen führt uns McCafferty zu einem ihrer größten Klassiker, dem Joni Mitchell-Cover "This Flight Tonight", bevor er höchstselbst auf einem Dudelsack den alten Folk-Reißer "Loch Lomond" spielt. Dann gibt es die "andere" große Nazareth-Ballade: "Love Hurts" beschließt einen sehr erfreulichen Auftritt einer überraschend frisch wirkenden altehrwürdigen Formation.

So, und jetzt? Jetzt hat sich Mr. Lawless angekündigt, und ich bin sehr gespannt, ob das wieder eine Enttäuschung wird wie die Neon-God-Tour, auf der er lustlos ein kurzes Greatest Hits-Programm abspulte. Ich wollte ihn und W.A.S.P. ja eigentlich abhaken, aber nach einer so monumentalen Rückmeldung wie Dominator geht das leider nicht. Schweinebacke. Aber zunächst macht er seinem Ruf alle Ehre. Keine Interviews, und als Einziger (!) des ganzen Festivals leistet er sich eine große Umbaupause, die die ohnehin eng bemessene Spielzeit (75 Minuten) mehr und mehr zusammenstaucht. Man darf nur bei zwei Songs Fotos machen, alle anderen Bands erlauben drei Songs. Was soll das? Man wird den Verdacht nicht los, dass er einfach eine ungeliebte Verpflichtung runterreißt. Mit mehr als 15 Minuten Verspätung geht's dann doch los, "This Is The End" von den Doors in der Apocalypse Now-Fassung komplett mit Hubschraubersound tönt aus den Boxen. Dann springen sie hervor, Blackie wie immer in Football-Shirt und Spandex-Hosen, und werfen sich in das mittlerweile sattsam bekannte Opener-Medley aus "On Your Knees" und "Inside The Electric Circus". Das geht gut ab, keine Frage, live knallt das Material immer wieder, also sehen wir weiter. Dann geht's weiter mit "Love To Hate Me" (Schluss mit Fotos, raus raus raus), und weiter im Text mit "Love Machine". Bis hierhin also keine Veränderung, ein paar Gassenhauer, die gut kommen, und nix wie weg. "Wild Child" funktioniert live wie immer gut, aber dass Blackies Gitarre auf einmal nicht mehr zu hören ist, ist ausgleichende Gerechtigkeit: wieso brauchen sie auch als Einzige eine eigene Backline? Aber oh, was ist denn das? "We have a new album called Dominator, and we will do a couple of tracks for you." Also, ich nehm alles zurück, mit "Take Me Up" kommt ein Highlight vom neuen Album. Den Chor bringen sie live zwar nicht hin, aber das sei ihnen verziehen. Das Publikum schätzt die Novität und feuert zu mehr in dieser Richtung an. Das kommt auch in Form von "Burning Man", wobei spätestens hier ganz deutlich wird, dass im Refrain massiv mit Samples, härter gesagt Playback, gearbeitet wird. Ein gemischtes Vergnügen also. Dann greift er noch tiefer in die Klassiker-Kiste und holt uns sogar "The Idol" hervor, den quasi-Titelsong seiner bis heute unerreichten Glanztat The Crimson Idol. Na also! Das kommt richtig gut, geht aber irgendwann in einem Endlos-Solo (bei dem Blackie von der Bühne geht) ins Nirgendwo - und kostet Zeit, die man wohl nicht mit Songs füllen möchte. Natürlich gibt es auch einen Endlos-Schluss, das bringt auch ein paar Sekunden. Danach präsentieren man uns noch noch den ultimativen Schlager "I Wanna Be Somebody" - mit erträglichem Mitsingteil - und dann ist Ruhe. Nach 45 Minuten. Nettospielzeit mit gutem Willen vielleicht 40 Minuten. Oho, sie kommen ja noch mal, und sie bringen uns sogar den "Chainsaw Charlie" mit, einen der wohl besten Kracher, den sie haben. Dann noch das unentrinnbare "Blind In Texas", dann ist nach 60 Minuten die Sause endgültig vorbei. Fazit: gesagt hat er wieder nicht viel, Spaß hat es ihm wohl auch nicht gemacht. Aber wenn die alte Aggression aufblitzt, dieses Feuer, dann merkt man, wozu Blackie fähig wäre, wenn er Lust hätte. So aber bleibt man auf halbem Weg stecken, wünscht sich die doppelte Spielzeit und einen gut aufgelegten Chef. Aber das gibt's wohl in diesem Leben nicht mehr.

Ganz im Gegensatz dazu zeigen sich die heroischen Recken von Hammerfall wie stets gut gelaunt und spielfreudig. Dabei hätten sie allen Grund zur Trübsal: ihren Basser mussten sie ersetzen, Shouter Joacim Cans musste sich einer Stimmbandoperation unterziehen. Aber, wie sagt man so schön, Ruhm sei den Tapferen: sie haben sich einfach ihren Uralt-Tieftöner wieder geholt, und Meister Cans schwingt unverdrossen die hohen Töne. Mit einem zünftig heroischen Intro schmeißen sich die Schweden mit "Threshold" und "Templars Of Steel" mächtig in die Bresche, wobei die Trademarks Pyros und Posen nicht fehlen dürfen. Mit einem mächtigen Drumset gesegnet, auf dem Oscar Dronjak und seine Instrumentalfreunde heldenhaft auf und ab rasen, können Hammerfall auch optisch eine gute Figur machen - trotz der Plastikanzüge, die manch einer etwas eigenwillig finden mag. Die Fans quittieren das mit gehörigen Sympathiebekundungen - der heimliche Headliner des zweiten Tages, möchte man meinen. Mit gutem Sound und einem hervorragend aufgelegten Cans geht der Reigen mit "Renegade" und "Blood Bound" weiter. Nach einem mächtigen "Reign Of The Hammer" erinnert man uns daran, dass das Debut nun genau eine Dekade her ist. Man stelle sich das vor und erbebe in Ehrfurcht - denn immerhin haben Hammerfall den echten Metal wieder möglich gemacht. Ein wunderbares "Glory To The Brave" feiert den Moment gebührend. "The Fire Burns Forever" und "Let The Hammer Fall" heißen die weiteren Steuerknüppel, und manch einer fragt sich bange, wie viele Songtitel mit Hämmern und Fallen noch möglich sind. Nach "Crimson Thunderhammer" ist erst mal Schluss, aber sie lassen sich natürlich nicht lange bitten und bringen uns noch ein schmissiges "Hammerfall", bevor dann "Hearts On Firehammer" den Set mit beschließt und sich alle Pyromanen massivst in die Bresche werfen. Sehr schön - wie immer.

Die bange Frage war: können die Spaßbacken von Edguy der Rolle des Headliners gerecht werden? Wollen wir das mal einfach und knapp mit "Ja" beantworten. Tobi Sammet und seine Kumpane brennen genau das Feuerwerk an Hits und Späßen ab, das man von ihnen erwarten darf. Die Ansagen muss man nicht mögen, aber Schmackes haben sie, da gibt's keinen Zweifel. Fröhlich bolzen sie sich durch einen bunten Strauß von Stücken neueren Datums ("Superheroes") bis hin zu älteren, noch teutonisch-powermetallisch Nummern wie "Tears Of A Mandrake". Die Schlachtenbummler zeigen zwar nach zwei metallischen Tagen erste Ermüdungserscheinungen, aber die Fuldaer (hervorragende Vokalübung: "Fuldaer Diözesanen", einfach mal aussprechen) reißen die Lauscher und Lacher souverän auf ihre Seite. Ein würdiger Abschluss zwei ereignisreicher Tage.

Fazit: Gelungenes Billing, das Wetter spielte größtenteils mit, sogar so weit, dass ich mir die Nase etwas verbrutzelte. Aber da muss man als Krieger des wahren Metalls halt durch.


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