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Sgt. Roxx - Weapon Of Miss Distraction

Sgt. Roxx - Weapon Of Miss Distraction
Stil: Sleaze Metal
VÖ: 10. November 2009
Zeit: 78:45
Label: Eonian Records
Homepage: -
MySpace: www.myspace.com/sgtroxx

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Und da trudelt tatsächlich noch ein Päckchen ein, das den Stempel Nightmare-/Eonian Records trägt. Der Nikolaus trägt dieser Tage Lipstick n' Leather, Eyeliner und unter dem roten Rock hautenge (Schnee-)Leoparden-Fell-Spandex, denn wie schon im Falle von Strike Twice und Felony (USA) grinsen einem vom Geschenk im CD-Format ein paar Glamour-Boys entgegen, aufgestylt im original 80er-/frühe 90er-Sleaze-Look. Für Sgt. Roxx gilt das gleiche Prinzip, wie für die beiden oben Genannten: Underground-Größe von etwa 1988-1994, loyale Fanbase, erspielt auf unzähligen wilden Live-Gigs, Demos eingehackt, keinen Plattenvertrag einsacken können, Besetzungswechsel, Grunge-K.O. und nun endliche Veröffentlichung im Langrillen-Outfit. Aber mehr noch als die beiden Label-Kollegen ist es dem Sergeant gelungen, seinen Kult-Status über die Jahrzehnte aufrecht zu erhalten. Das erste Demo Push N' Squeeze (1990) der Herren Jack Adams (Voc.), Darrin Laszlo (Bass), Rob Briles (Git.), Bob O'Connor (Git., der später durch Scott "Groover" Weatherspoon ersetzt wurde) und Scot Wilson/ Gabriel Anthony (Drums) wird unter Sleaze- und Glam-Liebhabern bis heute zu horrenden Preisen gehandelt. Gut, dass mit dem Release Weapon Of Miss Distraction nun allen Fans das Liedgut der Chicagoer Indie-Glamster zugänglich gemacht wurde. Und dieses geschieht in einer alle Erwartungen übertreffenden Form, sind doch auf der Scheibe insgesamt 19 (!) Tracks zu finden, unter denen sich neben den Songs von Push N' Squeeze alle späteren Studioaufnahmen (bis 1994) tummeln, die so gut wie noch überhaupt nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben. Plus das Ganze (bis auf die späten, aber in dieser Hinsicht immer noch akzeptablen Demo-Stücke) in aufpoliertem Sound.
So startet Weapon Of Miss Distraction mit dem superben Uptempo-Sleazer "All You Need", wobei sogleich auffällt, dass der Sergeant einen recht eigenständigen Stil pflegt, der am ehesten noch zwischen early Tigertailz (Young And Crazy-Phase) und Ratt zu Reach For The Sky-Zeiten einzuordnen wäre, ordentlich Kick-Ass-Attitüde rüberbringt und durch Doppel-Axt-Attacken und Power-Vocals mit einer gehörigen Portion Sex-Appeal glänzt. Allerdings mit wenigen (zwei!) Ausnahmen, zu denen leider schon der zweite Track "Why'd You Lie" zählt, der recht simpel und unmotiviert daherkommt. Aber schon mit der im Moll-Bereich angesiedelten Halbballade "Movin' On" und dem überragenden Smasher "Push N' Squeeze" beweisen Sgt. Roxx, dass sie in der Hairspray-Oberliga spielen. Keine kitschigen Melodien, sondern erdiger, musikalisch hochklassiger Sleaze Metal, der seine Fortsetzung im Rock n' Roller "Million Dollar Girls" findet.
Die nächsten fünf Songs wurden von Kevin Cora am Schlagzeug eingespielt, schließen aber in punkto herauszuhörender Spielfreude, optimaler Abgestimmtheit der Musiker aufeinander und vor allem Energie an die ersten Stücke nahtlos an: halbverzerrt und mit tollen Gitarren- und Gesangs-Melodien ausgestattet in "Wrap Yourself", zuerst akustisch-ruhig mit Pink Floyd-Anleihen, dann Power-Balladen-mäßig in "Don't Cry", New Orleans-bluesig in "Rockin' Horse", 70s-Kiss-a-like in "Decisions" und mit reichlich Gossen-Filth versehen im Groover "Alright". Keine schwache Nummer dabei.
Noch mal Wechsel auf dem Schlagzeug-Hocker, der für den Rest der Scheibe von Gabriel "Gabie" Anthony in Anspruch genommen wird und der am ehesten als Stamm-Drummer von Sgt. Roxx bezeichnet werden kann, hatte er doch produktionstechnisch bei allen Aufnahmen die Finger im Spiel. Allerdings schwächelt nun der Sound ein wenig. Gewöhnt man sich aber schnell dran, denn an der Klasse des präsentierten Liedguts ändert sich nix: geile Melodie-Gitarren-Soli in "Without You", Singalong-Potential der Marke Tigertailz-"Love Bomb Baby" in "Thinkin' Of You", "Looks That Kill", die einen aus "Ransom" anzustieren scheinen und erhöhte Geschwindigkeit und Frickel-Jammerhaken-Solo im Kracher "(Don't Do) What Your Mama Says". In "4th Time Out" testet Adams seine stimmlichen Grenzen aus und besteht dabei auch in Höhenlagen, in denen sich sonst Steve Whiteman (Kix) oder Russ Graham (Killer Dwarfs) rumtreiben. Diese und die nächste Nummer "I Don't Know", die einen hohen Hymnen-Faktor in sich birgt, stellen beide noch mal klare Anspieltipps dar.
Da es danach noch zwei bisher nicht gehörte Live-Tracks gibt - "Psycho In The House" und "My Lady" -, von denen ersterer Groove mit schnelleren Passagen im Faster Pussy-Cat-Stil paart aber nicht ganz so rockt wie die bisherigen Stücke (obwohl?) und zweiterer fast Aerosmith-verdächtig (Soli; Wechsel Akustik-Elecric-Parts) daherkommt, und "Bread & Water" (neueren Datums) Weapon Of Miss Distraction hitverdächtig (vgl. "Signs" von Tesla) abschließt, wird vom begeisterten Rezensenten die Höchstnote gezückt. Außer "Why'd You Lie" und eventuell "Psycho In The House" wurden hier keine schwächeren Songs auf Cd gebrannt. Dieses macht zwei von 19! Am dünneren Sound von "Without You" bis "I Don't Know" konnte man wohl im Nachhinein nichts ändern, es wäre letztlich aber Frevel gewesen diese Lieder deswegen gar nicht mit auf die Scheibe zu packen. Außerdem wirkt's echt, und eingespielt worden sind die Stücke ohnehin mit aller nötigen Akribie. Eine rundum gelungene Geschichte also und eine Platte, die jeder Sleaze- und Glam-Fanatiker besitzen muss und die des Weiteren fast mit Garantie jedem Metalhead, der einmal reingehört hat und nicht mit Scheuklappen herumläuft, gefallen wird. Nur noch gut!

Fuxx

6 von 6 Punkten

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