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Special

Pressekonferenz Manowar - Geiselwind 20.02.2005

Die Könige des Metalls hatten gerufen, und natürlich kamen wir alle, um einmal mehr den einzig wahren Metal zu verteidigen. Im Morgengrauen versammelten wir uns auf der Anhöhe, in den Nebelschwaden waberten die Lichter unserer Fackeln, die Schwerter waren gezückt, und wir waren bereit, uns in das Reich der Finsternis zu stürzen... na ja, ganz so war's nicht. Der Kampf um den reinen Metal fand nicht auf einem Schlachtfeld, sondern bequem in einem Hotel-Konferenz-Zimmer um die Mittagszeit statt, anstelle von Schwertern hatten wir alle unsere Griffel gezückt und lauschten nicht dem Schlachtlärm, sondern folgten andächtig den Ausführungen von Joey de Maio und seinen Freunden. Aber heldenhaft waren wir, ich sag's Euch.

Ort des Geschehens: Geiselwind, Hotel Strohofer. Geladen hatten die Organisatoren des diesjährigen Earthshaker Festes, bei dem Manowar als Headliner auftreten werden. Anlässlich dieses Ereignisses wollten uns die Veranstalter und die Band schon mal einen Vorgeschmack auf das geben, was die Massen erwarten dürfen. Und schon mal soviel: das Gezeigte haute mich aus den Socken.

Mit halbstündiger Verspätung startete die Sache mit einer Einführung von Manuela Strohofer, die das Mikro im Auftrag der Familie Strohofer schwang. Diese Dynastie hat sich in Geiselwind bereits einen Namen als Veranstalter von Biker- und Country-Treffs sowie der beiden bisherigen Earthshaker Feste gemacht, wo sich unter anderem In Flames, Helloween, U.D.O. und Destruction die Ehre gaben. Wie uns die Dame nun eröffnete, plant man mit der Ausgabe in diesem Jahr den Start einer neuen Festival-Serie, die unter dem Motto "Hard and Heavy im Herzen Deutschlands" dem Fan vor allem value for money bieten soll. Im Auge hat man hierbei durchaus die Monsters Of Rock-Tradition, die ja in den 80ern und frühen 90ern vor allem in Süddeutschland hervorragende Events zu bieten hatte. Für die geplanten Festivals zeigt sich der Ort Geiselwind durchaus geeignet, hat man hier doch ideale Voraussetzungen: gute Autobahnanbindung, viele Park- und Camp-Möglichkeiten, die Eventhallen des Autohofs Strohofer und vor allem viel Platz für ein ordentliches Festivalgelände.

Angesetzt ist das Erdenschütteln in diesem Jahr über insgesamt drei Tage - der Donnerstag wird innerhalb der 5.000-Leute-Halle einen Special Event für die Fans bieten, der Freitag und Samstag steht dann für das eigentliche Festival zur Verfügung. Gelärmt wird jeweils von 11:00 Uhr morgens bis 1:00 Uhr nachts, was schon zeigt, dass dieses Gelände gut gewählt ist (wer's noch weiß: bei den berüchtigten Monsters '88 in Schweinfurt war um 10:00 Uhr Ruhe im Kartong). Auch danach soll's in der Halle und rund ums Gelände bis tief in die Morgenstunden weitergehen. Das freute uns, aber so langsam wollten wir auch mal aus erster Hand erfahren, was abgeht.

Ja, und dann kamen sie auch schon, die Kings, alle vier waren sie da. Band-Sprecher Joey de Maio (kleiner Tipp, Joey - im Februar vielleicht wenigstens ein T-Shirt unter der Lederjacke tragen, die besten Muckis helfen nix gegen Grippe) plauderte ausführlich und durchaus charmant über die Motivation, in Geiselwind aufzutreten. In Spanien habe es einen ähnlich Fall eines ursprünglich kleinen Festivals gegeben, das mittlerweile zum größten Event des Landes aufgestiegen sei. Zur Familie Strohofer und deren hochfliegenden Plänen sei man über den Promoter Stefan Beierlein gekommen. Joey suchte die Strohofers persönlich auf und war beeindruckt von der Überlegung, eine andere Art von Festival zu organisieren. "Wir suchen immer Aufrichtigkeit und Wahrheit, und das haben wir hier gefunden", so drückte er das wie einem echten Warrior geziemend aus. "Das Festival soll gute Qualität für's Geld bieten, es soll die Fans mit Höflichkeit und Respekt behandeln. Das Ziel ist, hieraus das größte Festival in Deutschland zu machen, mit der besten Qualität und den günstigsten Preisen. Das hat uns angesprochen."

Die Show selbst soll diesen hohen Ansprüchen natürlich auch gerecht werden. "Der Sound und die Beleuchtung werden absolut spektakulär sein. Wir wollen, dass jeder Besucher die bestmögliche Sicht hat, also werden große Videoleinwände aufgestellt. Der Sound wird so kristallklar sein wie bei einem Open Air möglich. Und der Name des Festivals ist Programm - die Erde wird beben, das verspreche ich Euch." Als besonderes Bonbon, so erzählte Joey der verzückten Schar, werden alle bisherigen Bandmitglieder von Manowar, darunter natürlich auch Ross The Boss und Rhino, mit von der Partie sein. In anderen Worten: man wird Manowar in allen Inkarnationen erleben können. Dabei verwahrte sich Joey vehement gegen das Wort Reunion: "Was wir hier machen ist keine Reunion, das ist doch nur für ausgebrannte Verlierer. Wir waren immer eine Einheit und sind immer eine große Familie geblieben. Eine Reunion heißt doch nur: wir sind pleite, wir sind am Ende, wir müssen alles zurücknehmen was wir uns jemals an den Kopf geschmissen haben, um den Fans ein letztes Mal die Kohle aus der Tasche zu ziehen. Das brauchen wir bei Manowar nicht. Wir haben uns nie im Streit von irgend jemand getrennt, es ist z.B. nie ein böses Wort zwischen uns und Ross gefallen. Deshalb ist es uns eine Freude, den Fans die Band in jedem Line-up zu präsentieren, was es bislang gab." Habe nur ich das Gefühl, dass das hier eine drastische Abkanzelung von Halford & Co. war?

Als weitere Premiere wird es am Donnerstag Abend die erste weltweite Manowar Fan Convention geben, bei der zahlreiche Gäste, darunter Cover-Zeichner Ken Kelly, vor Ort sein werden. Aber der absolute Knüller für alle Beteiligten ist sicherlich der Gastauftritt eines Weltstars: am Freitag und am Samstag wird kein Geringerer als Christopher Lee (Freunde, das ist nicht nur Saruman, das ist in erster Linie Dracula!! (Nur für so alte Säcke wie dich! - Kara)) mit auf der Bühne stehen. Am Samstag wird der britische Schauspieler bei Manowar die Erzähl-Parts von "Defender" und "Dark Avenger" übernehmen, die im Original von Orson Welles gesprochen wurden. Und schon am Freitag gibt sich Mr. Lee zusammen mit Rhapsody die Ehre, mit denen er kürzlich eine Single aufgenommen hat. Lee wird live mit der Band den Song "Unholy Warcry" zum Besten geben. Ja sauber! Da wollen sich Manowar natürlich nicht lumpen lassen: damit das alles im würdigen Rahmen stattfindet, arbeiten die Warriors für ihren Auftritt mit einem 100-köpfigen Orchester und einem ebenso starken Chor zusammen, um die klassisch angehauchten Parts auch richtig zur Geltung kommen zu lassen. Das ist doch ein Wort!

Ja, und als ob das alles noch nicht genug wäre, das Kind im Schreiberling vor Begeisterung zum Hüpfen zu bringen, kündigte Joey nun noch locker an, dass wir uns das ganze Special Guest Zeug natürlich jetzt auch noch mal direkt anhören können. Und dann, Freunde, war es soweit: Mr. Lee persönlich bog um die Ecke und setzte sich zu den Jungs vorne am Pult. Wenn dieser 2-Meter-Mann auftritt, ist Stille im Saal, mit über 80 ist Lee immer noch unbestritten eine beeindruckende Erscheinung. Ein echter Wicker Man eben. Und unterhaltsam obendrein: "Ich glaube, ich bin falsch angezogen", meinte er, als er - natürlich im schicken Anzug - in die Lederjacken-Runde blickte. Dann erklärte er: "Die Zusammenarbeit mit Rhapsody, die Aufnahme der CD und einer DVD, das ist für mich eine völlig neue Welt. Aber es ist für mich wichtig, im Leben immer wieder etwas vollkommen Neues zu tun, und dieses Gebiet ist für mich völlig neu. Aber auf der CD und auch auf der DVD ist meine Original-Stimme zu hören, auch in den Gesangsparts. Das ist keine Synchronisation! Ich habe immer wieder in meiner Karriere Platten aufgenommen und singe auch heute noch regelmäßig - wenn auch nicht diese Art von Musik." Und damit nicht der Eindruck aufkommt, dass hier irgendwas nicht echt ist, brachte uns Mr. Lee nun spontan einige Zeilen aus dem Fliegenden Holländer von Wagner zu Gehör - in lupenreinem Deutsch, versteht sich. Da bleibt dir die Klappe offen. Dann führte Lee noch aus, wie es überhaupt zum ersten Treffen mit den wilden Gesellen aus der Metal-Welt kam: "Wenn man neue Dinge ausprobieren möchte, braucht man natürlich Leute, die einen dabei unterstützen. Die Möglichkeit, die Orson-Welles-Parts bei "Defender" und "Dark Avenger" zu übernehmen, ist hierfür ein wunderbares Beispiel. Zu Rhapsody kam ich im letzten Jahr, als die Band in London im Studio war und anfragte, ob ich einen Dialog für ihren Song "The Dark Secret" sprechen könnte. Im Studio habe ich ihnen dann erzählt, dass ich gerne in so einem Umfeld auch einmal singen würde - die Jungs haben mir natürlich nicht geglaubt, dass ich das könnte. Deshalb habe ich ihnen den Iago aus Verdis Othello vorgesungen. Dann waren sie begeistert." Da sagst am besten nix mehr.

Auch jeder einzelne der Kings kam natürlich noch zu Wort - Karl Logan zeigte sich vor allem von der Möglichkeit begeistert, mit anderen Gitarristen der Band zusammenzuspielen, Scott Columbus freute sich darauf, die ursprünglichen Manowar-Drummer mal zu treffen, und Eric Adams betonte: "Deutschland ist schon fast die zweite Heimat der Band geworden. Ich freue mich riesig auf das Festival, vor allem auf das Mitwirken des Chors und des Orchesters, das haben wir in dieser Form erst selten gemacht."

Zum guten Schluss gab's dann noch eine Computeranimation der Bühne, und die ist ganz in dem Stil, wie man sich das aus dem Hause Manowar vorstellt: bombastisch, links und rechts jede Menge Platz für Orchester und Chor, eine massive Lichtanlage, und vor allem das Soundsystem, das die Erde erbeben lassen soll: "Wir haben mächtige Subwoofer. Freut Euch schon drauf", grinst Joey.

Fazit: Ziel der Veranstaltung war es, der versammelten Schreiberzunft einen ersten Eindruck zu geben, um möglichst viel positive Resonanz für das Festival zu erzeugen, damit es zum vollen Erfolg wird. Das ist geglückt: Leute, wer da nicht hingeht, der lässt sich was entgehen. Freut Euch schon jetzt auf eines der Metal-Events des Jahres. See you there!

Holgi

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