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Special

Interview mit Luck (Seasons In Black), Veranstalter des Metal Gegen Krebs

Bereits letztes Jahr hat es sich abgezeichnet, dass mein persönlicher Festivalausklang des Jahres anno 2006 nicht mehr stattfinden wird. Die Rede ist hier vom Festival Metal Gegen Krebs, welches im Spätsommer 2005 zu Grabe getragen wurde. Warum, wieso, weshalb und was es sonst noch für Gründe dafür gegeben hat, verriet mir Veranstalter Luck bei einem kleinen Plausch. Leider schlummerte die Rohfassung etwas lange auf meinem PC, so dass es erst jetzt dazu gekommen ist, das im Frühling 2006 geführte Interview online zu stellen. Aber lest selbst:

HH: Hi Luck, wie geht's denn so? Hab extra spät angerufen, damit ich nicht beim Essen störe.

Luck: Servus, das passt schon. Danke, mir geht's super. Und dir?

HH: Och, dick im Stress, wie immer ha ha. Euer Keyboarder Markus (Neumeier) hat dich hoffentlich schon mal vorgewarnt, dass ich mich etwas mit dir unterhalten will. Ich habe ihn ja auf dem Bolt Thrower Konzert getroffen, und da sind wir dann über Metal gegen Krebs ins Reden gekommen. Er meinte, das Festival war ein finanzielles Disaster. Aber lassen wir zu Beginn die finanzielle Seite außen vor. Wie zufrieden bist bzw. warst du mit dem Festival?

Luck: Also, ich habe es einfach nur geil gefunden. Du warst ja auch vor Ort und hast es selbst erlebt. Was ein Fehler war oder was nicht, stellt sich halt immer erst im Nachhinein heraus, vor allem bei den Kosten. 2004 hat das gut funktioniert und wir hätten es wohl auch bei einem Ein-Tages-Festival belassen sollen. Vielleicht waren es auch zu viele Bands, was unseren finanziellen Rahmen gesprengt hat. Aber ich werde hier keine Namen nennen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Metal gegen Krebs nicht als Firma angemeldet war, so dass wir die Mehrwertsteuer auch nicht zurück erstattet bekommen.
Aber ansonsten war ich eigentlich schon zufrieden, nur dass dann doch relativ wenig Leute vor Ort waren, hat mich genervt. Da war ich schon mächtig angefressen, kann ich dir sagen. Aber ich will mich hier nicht zu sehr aufregen über dieses Thema... Ich versteh es halt einfach nicht, da wird über mangelnde Metal-Präsenz gejammert, und dann kommt keiner. Am Preis kann es ja nicht gelegen haben, wir haben 21 Bands für schlappe 18 Euro geboten.

HH: Bei dem Preis kann man wirklich nicht meckern.

Luck: Genau, und die, die da waren, hätten auch bestimmt mehr bezahlt. Aber wir haben extra knapp kalkuliert. Und es gibt eine Menge Kosten, die bezahlt werden müssen. Allein die PA und das Zelt verschlingen da einiges. Und diese Kosten müssen erst einmal erwirtschaftet werden. Also unterm Strich übrig bleiben. Vielleicht war auch der Bierausschank in Flaschen ein Fehler, denn auf anderen Festivals wird ja meistens nur 0,4 Liter zum selben Preis ausgeschenkt, das läppert sich dann auch. Aber unsere Taktik hat 2004 wunderbar funktioniert, nur 2005 war es ein Schritt nach hinten.
Es waren einfach zu wenig Leute auf dem Festival. Aber ich habe hier extra auch kein Statement auf die Homepage gestellt, sonst heißt es hier, ich baue meinen Frust ab und schiebe meine Fehler auf die anderen. Das mache ich gewiss nicht! Ich habe genauso kalkuliert wie 2004, nur halt mit mehr Bands und auf zwei Tage verteilt. Nur mal um Zahlen in den Raum zu werfen: 2004 waren 750 zahlende Gäste da, bei nur einem Tag Festival, und 2005 waren es nur 650 zahlende Gäste, aber das bei zwei Tagen und der doppelten Anzahl an Bands. Das kann sich so natürlich nicht rechnen.

HH: Aber 2003 war das Festival ja auch schon über zwei Tage.

Luck: Ja schon, aber auch da lief es nicht so gut. Und nachdem 2004 recht gut gelaufen ist, hab ich mir gedacht, versuch es noch einmal mit zwei Tagen.
Aber wenn man z.B. von den großen Printmedien auch keine Unterstützung erhält, macht es die Sache nicht gerade leichter. Da gab es keine Vorberichte, keine Reviews, nicht einmal in den Tourdaten wurden wir erwähnt. Und wir haben wirklich an alle mehrfach Mails verschickt. Im Legacy hat es doch auch funktioniert. Aber ich habe hier meine Lehre daraus gezogen und das Metal gegen Krebs zu Grabe getragen.

HH: Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es inzwischen einfach zu viele Festivals gibt? Wenn ich an 2004 denke, da gab es zum Beispiel ein Wochenende, an dem gleich vier (!!!) Festivals stattgefunden haben.

Luck: Ja, mit Sicherheit! Vor allem wenn man betrachtet, wie diese Festivals gerade in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen kamen. 2002 gab es ja noch kein Earthshaker, das Up From The Ground war auch noch relativ klein. Da gab es doch fast nur Wacken, Bang Your Head und Summer Breeze (und das WFF – Ray). Und heute? Da gibt es an jeder Ecke ein Festival. Ich war letztes Jahr (2005) auf einigen Festivals (Rock Am Ring, With Full Force, Wacken, Summer Breeze), und als Gast kann ich nur bestätigen, dass das schon gewaltig ins Geld ging. Und wenn man schon auf einigen war, hat man doch die meisten Bands auch schon gesehen. Das war vielleicht auch unser Nachteil, dass wir dieses Jahr (2005) so spät dran waren.

HH: 2006 wird es also definitiv kein Metal gegen Krebs mehr geben? Ist es komplett gestorben oder ruht es nur?

Luck: Nein, ich werde definitiv keines mehr veranstalten, ich höre ganz auf. Ich habe 2002 einiges drauf gezahlt und dieses Jahr wieder. Und das ist ja mein privates Geld, dass ich da investiere. Da ist das Metal gegen Krebs schon ein teures Hobby geworden. Meine Idee damals war ja, wenn jeder, und ich meine jeden, etwas kürzer tritt mit dem Geld, dann kann das doch nur ein Erfolg werden. Aber leider haben dieses Jahr nicht alle diese Auffassung geteilt. Und weil wir auch relativ spät dran waren, haben wir uns nicht mehr getraut, ein reines Open Air zu veranstalten. Also musste ein Zelt her, das auch wieder ein paar Tausend Euro gekostet hat. Im Endeffekt ist also der Schuss nach hinten losgegangen.

HH: Bist du der Meinung, dass es ein Handikap war, dass ihr zwei verschiedene Locations 2004 und 2005 gehabt habt?

Luck: Das kann möglich sein, ja. In Neukirchen, wo wir 2002 und 2004 waren, haben wir vom dortigen Skilift den Strom umsonst bekommen und auch die Toilettenbenutzung umsonst. Da spart man sich doch einiges. Aber für zwei Festivaltage war das keine Option, denn es handelt sich dort um ein Naherholungsgebiet, da macht es sich nicht gut, wenn morgens die Spaziergänger kommen und überall Bierleichen rumliegen.

HH: Ich muss sagen, dass es schon irgendwie lustig war, wenn man dort in der Früh aufgestanden ist und schon die ersten Wanderer den Weg kreuzten. Dagegen hat die Wiese 2005 mehr an Festivalfeeling versprüht. Habt ihr eigentlich mit den entsprechenden Gemeinden Ärger bekommen?

Luck: Also, ich bin ja aus Neukirchen und da hat es nie Ärger gegeben. Probleme hat es nur 2003 in Viechtach mit Amon Amarth gegeben, weil die Gemeinde da wohl über die Band schlecht informiert war oder einfach keinen Bock hatte.

HH: War es eigentlich schwierig, für ein Benefiz-Festival Bands an Land zu ziehen?

Luck: Eigentlich nicht, im Gegenteil. Lacrimas Profundere oder Mystic Circle zum Beispiel sind auf mich zugekommen, ob sie auf dem Festival spielen dürften. Andere Bands kennt man halt einfach. Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie sehr die Preise der Bands schwanken, und ich spreche hier eigentlich nur von den sogenannten kleinen Bands. Die meisten sind schon zufrieden, wenn sie ihre Unkosten wieder bekommen und das war es dann. Andere wiederum haben erst hier vor Ort verstanden, um was es bei dem Festival geht und haben hier dann auf einen Teil ihrer Gage verzichtet. So etwas ist dann eine echt geile Aktion!

HH: Wenn du die Zeit zurück drehen könntest, was würdest du ändern? Was würdest du mit den Erfahrungen, die du gemacht hast, anders machen?

Luck: Auf jeden Fall würde ich nur noch einen Tag machen mit drei fetten Bands. Und ich würde es nur noch auf dem Gelände in Neukirchen machen, und zwar genau so wie 2004.

HH: Was wären denn die Wunschkandidaten?

Luck: Mein absoluter Wunschkandidat? Samael. Die sind zwar nicht so ganz massenkompatibel, aber für mich eine der besten Livebands. Rammstein wäre natürlich noch geiler, aber ob die bezahlbar wären...

HH: Wie sah es denn in der Geschichte des Festivals mit Medienpräsenz aus? Habt ihr entsprechende Berichte in den Magazinen oder Lokalzeitungen erhalten?

Luck: Die lokale Presse war super und hat uns unterstützt, ebenso die Online-Magazine, die uns über die Jahre super unterstützt haben. In den Anfangstagen hatten wir auch entsprechende Berichte in den großen Musikmagazinen, doch das ließ leider im Laufe der Zeit nach. Das lag wohl auch an der steigenden Anzahl der Festivals. Denn die können ja natürlich auch nicht über jedes kleine Festival, wo wir auch dazu zählen, einen Bericht schreiben. Dann wäre das Heft ja nur noch mit Festivalberichten voll, gerade in der letzten Zeit. Als wir angefangen haben, gab es hier in der Gegen eigentlich kein Festival. Mittlerweile gibt es ja das Earthshaker und und und...

HH: Anderes Thema: wie sieht es derzeit mit Season In Black aus?

Luck: Ganz gut, wir haben nun ein Label und die Reviews sind auch sehr positiv. Mit den Verkäufen und der Promotion sind wir ebenfalls sehr zufrieden. Auch die ein oder andere Tour ist uns angeboten worden, aber wir konzentrieren uns erst mal auf ein neues Album, das evtl. im Herbst rauskommen soll. Im Moment sind wir jedenfalls fleißig am Komponieren. Und nachdem ich das Festival nicht mehr mache, kann ich mich nun voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Die Mühen hierfür lohnen sich auf jeden Fall, schließlich haben wir ja jetzt den Deal an Land gezogen. Und es ist schon sehr geil, wenn man seine eigene CD im Plattenladen finden kann. Ich bin ja beruflich viel unterwegs und wenn ich Freizeit habe, gehe ich auch mal in die entsprechenden CD-Abteilungen und schau unter S nach. Unsere CD dann dort vorzufinden, ist einfach geil.

HH: Danke für das Interview, ich wünsche dir noch alles Gute für die Band!

Ray

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