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Live After Death - Ein Leben nach dem Tod (Chuck Schuldiner R.I.P.)

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres erreichte den Fankreis des Metals härterer Gangart die Nachricht, das Chuck Schuldiner den harten Kampf gegen seinen Gehirntumor nicht überlebt hat und am 13.12.2001 im jungen Alter von 33 verstarb. Damit verliert die Szene nicht nur einen hervorragenden Musiker, sondern auch einen Mitbegründer und Pionier der extremsten Musikformen, was Rockmusik betrifft. Schließlich wurde nach seiner Band Death eine ganze Stilrichtung benannt, die im Laufe der 90er Jahre so populär wurde, das sogar einige Alben den Sprung in die deutschen Charts schafften. Aus diesem Grunde wollen wir euch hier einen kleinen Überblick über das Schaffen dieser sehr eigenwilligen und umstrittenen Persönlichkeit geben: Einerseits als Überblick über die Entstehung der Szene, andererseits als posthume Huldigung an einen begnadeten Künstler.

Gründungszeit und frühe Werke:

Anfang 1983 gab es nicht viel, was man heutzutage noch dem "extremen" zuordnen würde; die einzige Band, denen man hier einen gewissen Status zuordnen kann, sind die Engländer Venom, die bis dahin mit "Welcome to hell" und "Black Metal" zwei für diese Zeit geradezu unglaublich radikale Alben veröffentlicht hatten. Sogar schwermetallische Urgesteine wie Slayer, Sodom, Celtic Frost bzw. Hellhammer oder Napalm Death hatten höchstens Insiderstatus und konnten (wenn überhaupt) gerade mal erste Demos vorweisen.
Zu dieser Zeit formierte sich in Florida mit Chuck Schuldiner (g), Barney "Kam" Lee (d, v) und Rick Rozz eine Formation namens Mantas, die sich zum Ziel setzte, einfach "andere" Musik zu machen. Noch im selben Jahr nahm man das Demo "Death by metal" auf, welches fünf in der Garage auf einem Cassettenrecorder aufgenommenen Songs enthielt und den Jungs in Insiderkreisen schnell einen Namen brachte...brachiale schnelle Musik mit Texten, die sich mit den dunklen Seiten der Menschheit befassten und von Nietzsche und Lovecraft inspiriert waren. Nach Streitigkeiten löste sich die Band 1984 wieder auf, um sich noch im selben Jahr unter dem Namen Death wieder neu zu formieren und das legendäre "Reign of terror"-Demo aufzunehmen, welches unter anderem den Klassiker "Corpsegrinder" enthielt und die Band an die Spitze der jungen Szene katapultierte. Das Line-Up hatte sich nicht geändert, nur wurde der Gesang hier erstmals von Chuck übernommen. Nach ersten Live-Erfahrungen nahm man das dritte Demo in Angriff, welches keinen offiziellen Namen trug, in der Szene aber als "Infernal Death" bekannt wurde und erstmals in einem Studio produziert wurde.
Kurz danach verließ Lee die Band und nach ein paar weiteren Besetzungswechseln und erfolgloser Suche nach einem Ersatzdrummer brach die Band erneut auseinander. Frustriert zog Chuck 1985 nach San Francisco um, konnte jedoch auch dort kein komplettes Line-Up versammeln und kehrte nach einem kurzen Gastspiel bei der kanadischen Band Slaughter (deren 1986 entstandenes Album "Strappado" Kultstatus besitzt, die er jedoch bald wieder verließ, weil er seine eigenen Vorstellungen dort nicht verwirklichen konnte) wieder nach Florida zurück.
Dort fand er mit Chris Reifert auch endlich einen passenden Drummer, mit welchem er sogleich im April 1986 das vierte Demo "Mutilation" aufnahm. Dieses brachte dem Duett den langersehnten Plattenvertrag mit Combat Records ein, für welche man sich auch sobald ins Studio begab, um das Debut-Album "Scream bloody gore" (nur zu zweit - der auf der Scheibe aufgeführte zweite Gitarrist John Hand stieß erst nach den Aufnahmen zur Band und verließ sie auch bald wieder) einzuspielen.

Der Schritt aus der Versenkung:

Die Reaktionen der Presse waren enthusiastisch und der Name Death stieg folglich aus dem Underground an eine breitere Öffentlichkeit empor. Nachdem man das Material nun auch auf Festivals und auf einer Tour präsentieren wollte und Drummer Chris nach Kalifornien umzog (später konnte man dessen musikalischen Künste übrigens bei Autopsy hören, wo er neben dem Schlagzeug auch für die Vocals verantwortlich war), stand Chuck erneut vor einem großen personellen Problem. Währenddessen hatten seine früheren Mitstreiter Lee und Rozz ihre eigene Formation Massacre auf die Beine gestellt, welche 1986 (also sogar noch vor Death) einen Plattenvertrag bei einem unbekannten Label ergatterte. Jedoch kam dieser nie zu einem zählbaren Ergebnis, weil der Chef dieses Labels - ein gewisser David Vincent - es vorzog, bei der zweiten Band auf diesem Label, nämlich Morbid Angel einzusteigen, wobei auch deren geplantes Debut nicht bzw. erst viele Jahre später veröffentlicht wurde. Nach der Pleite verschmolzen drei Viertel von Massacre (inclusive Rick Rozz) mit Chuck zum ersten vollständigen Line-Up von Death, welches auch 1988 das zweite Album "Leprosy" einspielte. Dieses war technisch wesentlich melodischer als der Vorgänger und zeichnete in ersten Ansätzen den zukünftigen musikalischen Weg der Band vor.
Den endgültigen Sprung an die Spitze brachte jedoch das dritte Album "Spiritual healing", dessen acht Songs ungewöhnlich lang und technisch anspruchsvoll waren, ohne jedoch - obwohl deutlich langsamer als das alte Material - an Aggressivität zu verlieren. Positiv zur Verwiklichung der Scheibe trug der Wechsel an der Rhythmusgitarre bei, die nun von James Murphy, ehemals bei Agent Steel und Hallow's Eve tätig, bedient wurde, letztlich aufgrund (laut Chuck) Rozz's Unfähigkeit, das neue Material zu spielen. Jedoch auch dieser wurde nicht alt bei Death (später etablierte sich dieser bei namhaften Bands wie Obituary, Cancer, Testament, Konkhra und veröffentlichte auch ein Solo-Album) und sehr bald durch Paul Masdival ersetzt, welchen man auch live auf Deaths erster Europa-Tournee mit Kreator sehen konnte. Dumm nur, das Chuck seine Mitstreiter beim Abflug über den Teich versetzte und sich die Band somit ohne ihren Mastermind in der alten Welt präsentieren musste, wobei kurzerhand der ehemalige Devaststion-Bassist vom Roadie zum Sänger umfunktioniert und der Sound auf eine Gitarre reduzierte wurde. Damit zog sich der wegen diverser geplatzter Promo- und Pressetermine bereits als exzentrisch geltende Schuldiner nicht nur den Unmut der Fans und der Presse zu, sondern er musste auch das Line-Up wieder neu gestalten, da sich Terry Butler und Bill Andrews nach der Tour stinksauer wieder ihrer alten Band Massacre zuwandten, um mit Kam Lee und Rick Rozz nun endlich deren Erstling "From beyond" in Angriff zu nehmen, einen absoluten Klassiker des Old School Death Metals.
Mit dem neuen Drummer Sean Reinart und dem von Sadus bekannten Steve DiGeorgio am Bass machte sich der gescholtene Held 1991 daran, sein viertes Album "Human" aufzunehmen, wobei man den technischen Stil weiter intensivierte. Mit neuer Plattenfirma und verbesserter Promotion (unter anderem wurde mit "Lack of comprehension" ein erster Videoclip gedreht) räumte die Band nun auch live in Europa entsprechend ab. Der sich auch bei den Plattenverkäufen einstellende Erfolg hinderte Schuldiner jedoch keineswegs, die Positionen des Drummers und des zweiten Gitarristen neu zu besetzen, und diesmal mit den wirklich hochkarätigen Musikern Gene Hoglan (ehemals Dark Angel, später auch bei Testament, Strapping Young Lad und Old Man's Child) und Andy LaRocque (ex-King Diamond), mit welchen er auch das fünfte Studiowerk "Individual thought patterns" in Angriff nahm. Obwohl beides erstklassige Leute an ihren Geräten, erhielt die Band dadurch immer mehr den Charakter einer Ein-Mann-Truppe mit Session-Musikern. Erneut wurde ein Videoclip gedreht, "The philosopher" und erneut räumte man in Europa live auf den Full of Hate Osterfestivals gehörig ab. Mit steigenden Verkaufszahlen und dem Deal bei Roadrunner im Rücken entstand 1995 das nächste Meisterwerk "Symbolic", welches die Musik endgültig zu einer eigenen Form von Kunst vervollkommnete. Death wären jedoch nicht Death, hätte sich vor den Aufnahmen das Line-Up nicht erneut geändert, auch hier war niemand außer Gene Hoglan von der vorigen Besetzung mehr dabei und nach weiteren personellen Differenzen legte Chuck Death für einige Zeit auf Eis und konzentrierte sich fortan auf sein Projekt Control Denied.

Projekte und neue Werke:

Dies war übrigens nicht seine erste Aktivität außerhalb von Death, jedoch dürfte es nur Insidern bekannt sein, das er auch beim ersten Album von Voodoo Cult die Gitarren einspielte. Formiert wurden diese von Philipp Boa, einem aus der Independent-Szene bekannten Musiker, der mit diesem Projekt seine metallische Ader auslebte und bei dieser Debut-Scheibe neben Schuldiner noch drei weitere bekannte Session-Musiker ihr Können zeigten, nämlich keine geringeren als der frisch bei Slayer ausgestiegenen Dave Lombardo an den Drums, Mille Petrozza von den Essener Thrash-Helden Kreator sowie Waldemar Sorychta (u.a. Despair, Tiamat) am Bass. Voodoocult nahmen noch mehr CDs auf, jedoch agiert die Hauptperson dieser Story nur bei der ersten Scheibe "Jesus killing machine".
Seine Mitstreiter bei Control Denied waren jedoch bis auf den mittlerweile zum guten Freund gewordenen Bass-Virtuosen Steve DiGeorgio nur Insidern bekannt. Eigentlich war für den Gesangspart Warrel Dane von Nevermore/Sanctuary geplant, dieser lehnte jedoch ab, so das Tim Aymar von Psycho Scream die Vocals auf dem 1997 erschienen Album "A fragile art of existence" übernahm. Stilistisch bewegt sich das Album im Bereich des progressiven Metals, melodische Vocals und technisch anspruchsvolle Strukturen paaren sich mit druckvollen Gitarren, denen jedoch bei weitem nicht so aggressiv wie bei Death.
Nach der Veröffentlichung regte sich aber bald wieder das Interesse an seiner eigentlichen Aufgabe und so machte sich Chuck an die Arbeiten zu seinem nächsten Schlag "The sound of perseverance", welches dieses mal beim deutschen Label Nuclear Blast das Licht der Welt erblickte. Auf ihm paarten sich einige der technischen Aspekte von Control Denied mit der Härte von Death und deutlich aggressiverem Gesang als auf den letzten Alben. Ihren Beitrag leisteten dieses Mal der bereits bei Control Denied aktive Gitarrist Shannon Hamm sowie der von Iced Earth und Acheron bekannte Ausnahmedrummer Richard Christy und der Bassist Scott Clendenin.
Bald darauf wird bekannt, das Chuck an einem Gehirntumor leidet und wegen der ärztlichen Behandlung, sprich Chemotherapie, vorerst alle weiteren musikalischen Aktivitäten auf Eis legen muss. Die Fangemeinde reagiert weltweit mit Bestürzung und Betroffenheit auf diese Nachricht und trotz des unermüdlichen Zuspruchs treuer Anhänger, seinem eisernen Überlebenswillen und einer zwischenzeitlichen Operation mit anfangs guten Erfolgsaussichten gewinnt die Krankheit letztlich die Oberhand und beraubt die harte Musikwelt letztlich am 13.12.2001 einer ihrer interessantesten wenn auch niemals unumstrittenen Persönlichkeiten.

Nachruf:

Nicht nur die musikalischen Leistungen auf seinen Alben mit vielen bekannten und namenhaften Größen der Szene wie Gene Hoglan, James Murphy (der übrigens selber an einem Gehirntumor erkrankt ist, von meiner Seite aus die besten Wünsche und gute Besserung!), Andy LaRocque, Steve DiGiorgio etc., sondern auch seine (bis auf seine frühen Werke) anspruchsvollen und sozialkritischen Texte bedürfen hier einer speziellen Erwähnung. Ich kann jedem Fan wärmstens ans Herz legen, sich diese mal genauer zur Brust zu nehmen, denn bei genauerer Betrachtung lassen sich auch einige Rückschlüsse auf seine einzigartige Persönlichkeit und seine gesellschaftlichen sowie zwischenmenschlichen Ansichten schliessen. Auf jeden Fall gehören sie zu den interessantesten und anspruchsvollsten lyrischen Ergüssen der gesamten Szene.
Auch wenn es klischeehaft klingen mag, Chuck Schuldiner hat sich durch seine in Form von Musik dargestellte Kunst unsterblich gemacht...dies war sein Lebensziel und trotz seines frühen Todes hat er dieses meiner Meinung nach voll und ganz erreicht!

In diesem Sinne...R.I.P. Chuck

Martin

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