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HIM - Love Metal Archives Vol. 1 (DVD)

HIM - Love Metal Archives Vol. 1 (DVD)
Stil: Gothic Rock
VÖ: 25. April 2005
Zeit: ca. 300 Min.
Label: Gun Records
Homepage: www.heartagram.com

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Wenn man im Jahr 2000 in den Musiksendern abhing, konnte es einem gut passieren, dass zwischen den Bloodhound Gangs, Korns, Blink 182s und anderen "zeitlosen" angerockten Interpreten plötzlich ein blasses, dünnes Männlein auftauchte, leidend dreinblickte und uns mit tiefschwarzgerandeten Augen wissen ließ, dass dieses Leben so der Knaller ja wohl nicht sei. Das war irgendwie anders, das blieb auch gleich hängen mit dieser zerbrechlichen Klavier-Melodie, dem unerhört variationsreichen Gesang und dem fetten Sound. Aber die Frage war angebracht, ob "Join Me", die Melancholie-Hymne des Jahrtausend-Wechsels, eine Eintagsfliege war, wonach es in der Pop-Metal-Welle dieser Zeit ja durchaus aussehen konnte, oder ob da mehr dahintersteckte.

Jetzt, fünf Jahre später, sind unsere Lieblings-Weltschmerz-Kämpfer immer noch da, und beim Rückblick auf das Werk von His Infernal Majesty wird deutlich, dass Obermajestät Ville Valo und seine Mannen aber auch gar nix gemein haben mit irgendwelchen Retorten-Wellenreitern, mit denen sie einmal antraten. Vielmehr bietet sich ein hochspannender Einblick in eine Band, die über mittlerweile fünf Alben - Greatest Lovesongs Volume 666, Razorblade Romance, Deep Shadows and Brilliant Highlights, Love Metal und And Love Said No - eine beachtliche Anzahl von herausragenden Songs geschaffen hat, die manchmal zu sehr in die kitschige Balladen-Ecke abdriftet, bisweilen auch poppige Ausflüge gemacht hat (vor allem auf dem Deep Shadows-Album), die aber auch saugut rocken kann - und die hervorragende Songs schreibt, die sich auch beim hundertsten Anhören nicht abnutzen. Guckst du hier, Amy Lee, so geht das.

Wer mit HIM irgend etwas anfangen kann, für den ist diese DVD eine wahre Offenbarung. Hier gibt es wirklich jeden Schnipsel, den man über die Finnen auftreiben konnte, angefangen von sämtlichen Videos über zahlreiche Live-Mitschnitte bis hin zu ausführlichen Interviews, einer umfänglichen Photo-Gallerie und natürlich einer Biographie.
Bei den Videos beeindruckt vor allem die durchgängige Düsternis-Atmosphäre, die den Sound von HIM gekonnt in Szene setzt. Ob bei Studio-Situationen ("Right Here In My Arms"), Live-Bildern ("Poison Girl") oder Videos mit eigener Story ("Funeral Of Hearts"), immer schwelgen die Bilder in feinster Hammer-Horror-Ästhetik mit Kunstschnee, Regen und Flimmerlicht.
Ein Highlight ist dabei die UK-Version von "Join Me", in der sich ein androgyner (oder was auch immer, das könnt ihr selbst entscheiden) Ville Vallo mit so etwa zwei Prozent Körperfett durch das Märchen von der Schneekönigin kämpft. Wunderbar, Within Temptation hätten's für ihre "Ice Queen" auch nicht besser hingekriegt. Auch technisch sind die Clips auf hohem Niveau, wie etwa "Pretending", das eine höchst bewegliche Schaukel-Kamera bringt, die auch schon U2 bei "Elevation" benutzten. Dass die poppigen Anflüge ("In Joy And Sorrow" - hier sieht Ville mal wieder aus wie der Doud persönlich, um da hin zu kommen, müsste Kate Moss abnehmen) glücklicherweise der Vergangenheit angehören, zeigen Clips neueren Datums wie "Funeral Of Hearts" oder "Buried Alive By Love", die ordentlich losmarschieren und den HIM-Sound der ersten Alben wieder aufnehmen. Eine Konstante ist dabei der Drummer, der in jedem Video sein Shirt variiert - einmal Venom, einmal Motörhead. Abwechslung muss schließlich sein.

Dass die Finnen auch Live eine gute - na oder sagen wir mal ordentlich blasse und deprimierte (?) - Figur machen, beweisen dann die ausführlichen Live-Mitschnitte, die Ville und seine Jungs bei unterschiedlichen Stationen zeigen: von den Anfängen bei Viva Overdrive 1998 über die großen Arena-Shows (Rock am Ring 2001), Hallenkonzerte in Berlin (2000) und Hamburg (2003) bis hin zu Gigs von der letztjährigen Tournee (Tavastia Live 2004, ein Neujahrsauftritt in Helsinki). Hier ist die Qualität natürlich entsprechend der Zeit und Dimension des Auftritts - aber HIM wissen immer durch Präsenz, technische Versiertheit und - aufgemerkt! - eine Portion Selbstironie zu überzeugen, so etwa wenn Ville in bester Mötley Crüe-Manier auf ihn geschleuderte Damenunterwäsche am Mikroständer ausstellt und sich bei den schreienden Girlies mit einem "Thank you darlings" verabschiedet.

Ganz große Perlen verstecken sich allerdings in den Extras, die wirklich bemerkenswertes Material hervorkramen. Da gibt es z.B. das definitiv allererste Video der Mannen, die Cover-Version von "Wicked Game" (der Chris-Isaak-Song aus David Lynchs Wild At Heart) im Video von 1996 - Finnen im heimischen Wald, kann man nur sagen! Aber mein Favorit ist ein Mitschnitt vom Provinssirock-Festival 1999, bei dem HIM mit Hingabe den "Rebel Yell" von Altmeister Billy Idol schmettern. Es gibt wohl kaum jemand, der stimmlich ans Original heranreichen und den "little dancer" mit schwingenden Timbre so richtig beschwören kann - Ville hat's drauf. Hut ab.

Die DVD kommt übrigens komplett in Widescreen-Format und einem druckvollen Dolby-Digital-2.0-Sound. Wem das alles noch nicht reicht, für den gibt's eine Special Edition mit Bonus-DVD, die bislang unveröffentlichtes Material von den Video-Drehs zu "Buried Alive By Love", "Sacrament", "Solitary Man" und "And Love Said No" enthält. Das einzige, was an dieser Mega-Packung nicht passt, ist der Erscheinungstermin: das wirkt natürlich nur halb so gut im Sommer mit munter Sonnenschein. Man stelle sich einen trüben Herbstnachmittag oder noch besser eine geschlossene Schneedecke vor, man selbst sitzt drinne vor dem prasselnden Kaminfeuer. Da gehört der Love Metal von HIM dazu, nicht an den Strand zum Beachvolleyball. Aber der nächste Winter kommt ja bestimmt.

Holgi

6 von 6 Punkten

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