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Scorpions - Humanity - Hour I

Scorpions - Humanity - Hour I
Stil: Heavy Rock
VÖ: 25. Mai 2007
Zeit: 49:05
Label: Sony BMG
Homepage: www.the-scorpions.com

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Neues aus Hannover wartet auf den Redakteur, der sich noch gut an die Anfänge seines rockenden Werdegangs mit dem Quintett aus Niedersachsen erinnern kann. Wir schreiben das Jahr 1982, Accept waren Underground und für einen Popcorn-, Bravo- und Pop/Rocky-Leser noch weit entfernt, ich kaufe mir von meinen letzten Taschengeldreserven im Kaufhof am Rotkreuzplatz für damals sauteure knappe 18 Deutschmarks ein Album mit diesem kongenialen Cover, das den Künstler Helnwein mit Besteckgabelzinken über den Augen schreiend darstellt. Dass ich nur einen Song ("No One Like You") aus dem Radio von Bayern 2 (!) kannte, störte nicht im Geringsten, hatte ich doch mit Highway To Hell, The Number Of The Beast und Creatures Of The Night ebenfalls blindlings Juwelen eingesackt. Alben für die Ewigkeit sozusagen. Doch zurück zu der Scheibe namens Blackout, die mich mit Cover, geilem Textblatt und dem Scorpions-Knäuel-Bild und natürlich der alles wegblasenden Mucke für Wochen zum härtesten Nietenpickelträger werden ließ. Eine Gitarrenwand sondergleichen, die jeden Gitarren- und speziell Gibsonfreund vor Freude an die Decke gehen ließ. Der Boom an Flying V- und Explorer-Gitarren im Hardrocksektor war danach ungebrochen, so schrieb anno dunnemal das Musik-Fachblatt meines Vaters. So was musste der infizierte Nachwuchsschredder einfach haben. Leider hat es zu mehr als Beatles- und Stones-Begleitung nie gereicht.

25 Jahre später sitze ich nun vor dem Computer, höre das neue Werk Humanity - Hour I und freue mich, dass die Mannen um Nasal-Klausi nichts verlernt haben. Was hatte ich im Vorfeld der Veröffentlichung Schiss, dass es sich um ein Weichspüleralbum handeln würde. Namen wie Desmond Child oder Marti Fredriksen und Eric Bazilian (The Hooters) als Co-Songschreiber und Produzenten zeugen nicht unbedingt von angezogenem Härtegrad. Dazu kam noch die Aussage, dass es sich um ein Konzept der Menschheit und das Sein derselben drehen würde. Weia, die Scorps auf dem Intellekttrip, so mein erster Gedanke. Aber nach dem ersten Hören tief durch geatmet und sich zufrieden zurück gelehnt. Der Sound des sechzehnten Studioalbums ist extrem frisch und modern ohne überzüchtet zu klingen. Die Gitarren sind etwas tiefer gestimmt, James Kottak verdrischt die Snare und den Rest seines Schlagwerks einwandfrei und präzise wie schon zu Kingdom Come-Zeiten. Basser Pawel fingert effektiv seinen Viersaiter ohne wirkliche Glanzpunkte zu setzen. Das muss er ferner nicht, denn die Klasse liegt in den starken und bis ins Detail ausarrangierten Songs. Profimucke von Profis mit Gespür für die jeweils richtige Dosis Härte, Melodie und Harmonie.

Der Einstieg "Hour I" bleibt gleich beim ersten Durchlauf im Schädel hängen. Der Song gefällt mit seiner fiesen Grundausrichtung und den hämmernden Riffs. Mit "The Game Of Life" und dem rockigen "We Were Born To Fly" schließen sich zwei nach Singleauskopplung schreiende Songs an, Schunkelrefrains inklusive, aber ohne Schmalz und Zucker.
"You're Lovin' Me To Death" und "321" fangen mit postgrunge-mäßig riffenden Gitarren an. Nach der ersten Strophe geht es gottgleich in mitsingbare Choruszeilen rein, die Burschen haben nichts von ihrem Gespür für zauberhafte Melodien und harte Riffs verloren. In eine ähnliche Kerbe schlagen die von Matze Jabs mitgeschriebenen "We Will Rise Again" und "The Cross". Effiziente Licks und Breitwandgitarren im Einklang nebeneinander, so muss das sein! Dass man auch pop-rockend unterwegs ist und das Hitradio exzellent mit gutem Stoff versorgen kann, zeigen uns das eingängige "Love Will Keep Us Alive" mit tollem Gesang und dezenten Streichereinsätzen oder das nachdenklich klingende "Your Last Song". Eine richtige Schmalzballade fehlt dieses Mal, was mich umso mehr freut, war ich bis auf "Holiday" und "When The Smoke Is Going Down" nie ein großer Fan von Sekretärinnen-Blues der Marke "Send Me An Angel" oder dem grauenhaften Wechselwind aus dem Osten. Einzig das vom Piano getragene Stück "The Future Never Dies" hat ein bisserl sentimentales Lagerfeuerfeeling, aber zum Glück gibt es ja für solche Angelegenheiten die Skiptaste.
Mit dem in den Strophen ruhigen "Humanity", das ansonsten fein durchs Öhrchen kracht und die Geigen teilweise sanft erklingen lässt, wird eine Scheibe abgeschlossen, zu der man den Scorpions nur gratulieren kann. Formidables Songwriting auf gleich bleibend hohem Niveau und eine astreine Gesangsarbeit kreieren zusammen mit dem modernen Sound eine Scheibe mit Dauerrotationscharakter.
Rudi, Matze und Klausi ist nach Unbreakable wiederum ein stimmiges erfrischendes Kleinod gelungen, dass deutlich zeigt, dass Alter bei Musik keine Rolle spielt. Gut gemacht, Jungs. Ich freue mich auf die kommenden 23 Menschlichkeitsstunden oder wie viele es auch immer werden mögen. Bleibt uns in dieser Verfassung noch lange erhalten.

Siebi

5 von 6 Punkten

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