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Mötley Crüe - Carnival Of Sins

Mötley Crüe - Carnival Of Sins
Stil: Heavy Metal
VÖ: 05. Mai 2006
Zeit: CD1 55:20 - CD 2 53:30
Label: SPV
Homepage: www.motley.com

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Reunions sind immer so eine Sache - vor allem dann, wenn die Beteiligten gar nicht versuchen, das Ganze mit irgendwelchem Salbadern über neugefundenes Feuer und musikalische Weiterentwicklung zu rechtfertigen, sondern überhaupt keinen Hehl daraus machen, dass es nur darum geht, noch mal den großen Reibach zu machen. So geschehen im Falle der alten Herren von Mötley Crüe, die auf ihren Solo-Pfaden ja leidlich (Vince Neil Band) oder weniger (Brides Of Destruction, das Projekt von Basser Nikki Sixx) erfolgreich waren und nun offensichtlich im Zuge der Rückkehr der Helden vergangener Tage (Sabbath, Priest, die Liste wird immer länger) auch Morgenluft witterten. Nach der Anthologie Red White and Crüe, die außer zwei lahmen neuen Songs altes Material bot, und dem Box-Set für Ultra-Komplettisten, Music To Crash Your Car To, machten sich die ehemaligen Bürgerschrecke und Mädchenschwärme mit einer gigantischen Produktion namens Carnival Of Sins in den USA auf die Straße. In Deutschland gaben sie sich nur für einen kurzen Abstecher bei Rock am Ring die Ehre, und das, was man da am heimischen Fernseher verfolgen konnte, war gar grauslich: das klang wie eine schlechte Crüe-Cover-Band. Also ein Beitrag aus der Abteilung "Braucht kein Mensch?"

Immer langsam. In der lobenswerten Konzertstrecke, die 3sat an jedem Silvestertag/abend sendet, kam zu neujährlich früher Stunde dann auch ein Eckchen der Show zu Ehren, da allerdings aufgezeichnet in da USA. Dort klang das schon deutlich besser, ja überraschend wuchtig kamen sie daher, zwar immer noch sichtlich gezeichnet von ihren Eskapaden, aber wie das wandelnde Tattoo Tommy Lee da die Felle bearbeitet, das Gesicht a(r)schfahl geschminkt, und Nikki Sixx den irren Lumpenmann macht, das war auf einmal richtig mitreißend.
Große Spannung also jetzt bei der Doppel-CD, die die Show in ihrer ganzen akustischen Pracht ins Wohnzimmer bringt - was gleich den ersten Malus zeigt: Crüe-Shows lebten immer von der schieren Dekadenz, dem Bombast, der da abläuft, und was in der kurzen Stunde in 3sat da zu sehen war, das war absolut abgedreht und vor allem nicht jugendfrei (recht so). Das fehlt hier leider, aber was in jedem Fall aus den Boxen faucht, ist das im positiven Sinne dreckigste Stück Musik, das die Crüe seit ewigen Zeiten geliefert hat. Aber - bei dieser Kombo steht und fällt alles mit der Songauswahl. Den ewig genialen, unverwüstlichen Hammerstücken des punkigen Debüts Too Fast For Love und dem Folgewerk Shout At The Devil, einer der prägendsten Metal-Scheiben der 80er überhaupt, stehen ja immerhin das lauwarme Opus Nr. 3 Theatre Of Pain und dann die grottigen Amirock-Machwerke Girls Girls Girls und Dr. Feelgood gegenüber - von der Spätphase, als die Crüe mit ständigen Besetzungswechseln zur Selbstparodie wurde, wollen wir gar nicht reden. Und genau an dieser Front scheint Klarheit zu herrschen, denn CD 1 bringt von einem krachigen, gewaltig inszenierten "Shout At The Devil" ab einen bunten Reigen der Klassiker, wie er schöner nicht sein könnte. Von ihrem Geniestreich haben die Herren fast alle Stücke im Gepäck - hätte man noch "Knock 'Em Dead Kid" und "Danger" aufgenommen, hätte die erste CD einfach Mötley Crüe Performs Shout At The Devil heißen können. Vom ersten wuchtigen Bassdrum-Gepolter über den wummernden Bass und die punktgenau sitzende, immer noch wunderbar sägende Gitarre von Mick Mars drückt einem ein Sound entgegen, der alles platt macht - und wieder klingt wie eine Garagenband, aber dieses Mal ist das passend. So war die Atmosphäre, als sie Anfang der 80er erstmals aus einer Bar in L.A. stolperten, nicht umsonst springt einen die Gitarre bei Too Fast For Love an wie eine Kreissäge - sie schaffen es wirklich, nicht wie die ausgelaugten Glam-Rocker der Feelgood-Ära, sondern wie die jungen Wilden der Anfangszeit rüberzukommen. Und da macht es auch gar nicht so viel aus, dass Vince Neil, der immer noch singt wie ein wütendes Baby, immer die Hälfte verschluckt und die Texte mehr andeutet denn komplett rezitiert - bei "Too Young To Fall In Love", "Ten Seconds To Love" oder "Looks That Kill" bleibt kein Auge trocken. Das wütende Debüt kommt mit dem Titelsong, der dynamischen Ballade "On With The Show" und natürlich dem göttlichen, einzigen "Live Wire" zu Ehren, das immer noch hämmert wie am ersten Tag (allerdings leider ohne Kuhglocken). Live geht sogar das langweilige "Girls Girls Girls" in Ordnung, und "Wild Side", der einzig gute Song von diesem Album, bringt's immer noch. Fazit CD 1: ganz großes Kino.

Dann die bange Frage - wie geht's nun weiter? Kommt der gleiche Abstieg wie in der Bandhistorie? Kurz und gut - nein, denn die Herren lassen sich auch für CD 2 etwas einfallen und bringen eine ganze Serie hübscher Balladen aus der späteren Phase an den Start - "Don't Go Away Mad (Just Go Away)", "Without You" und natürlich das feine "Home Sweet Home". Damit die Glam-Zeit nicht ganz vergessen ist, darf auch noch "Dr. Feelgood", "Same Ol' Situation" und "Kickstart My Heart" nicht fehlen - aber damit haben sie sich wenigstens die besten Sachen herausgepickt ("sky dive naked from an aeroplane" - und das haben sie vermutlich sogar gemacht...). Die neuen Songs kann man auch live getrost vergessen ("Sick Lovesong") oder sich recht nett gefallen lassen ("If I Die Tomorrow"), aber dafür zieht der Karneval der Sünden mit einem wunderbaren "Helter Skelter" noch mal an uns vorüber, bevor mit "Anarchy In The UK" endlich aus ist.

Was sagt man dazu? Ein Unterfangen, das zunächst nur auf Naserümpfen stieß, räumt monstermäßig ab. Eben wie die Crüe zu ihren besten Zeiten. Spaßfaktor 10 - bei mir rotiert derzeit nix Anderes. Auf der vollgültigen CD, die mir leider nicht vorlag, gibt's übrigens noch die Videos zu "Too Fast For Love" und "Dr. Feelgood". Ach ja - die DVD gibt es schon seit Januar. Die ist noch schöner. Denn dabei hüpfen wir auf unserer Couch und rufen alle: Come now children of the beast, be strong and shout at the devil.

Holgi

6 von 6 Punkten

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