Review
Firtan - Helios

VÖ: 02. Oktober 2026
Zeit: 63:27
Label: AOP Records
Homepage: www.facebook.com/Firtanofficial
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Mit ihrem fünften Studioalbum Helios schlägt die Baden-Württemberger Band Firtan ein neues Kapitel auf. Erstmals sind die Lyrics zur Gänze in englischer Sprache verfasst und der Term Pagan Metal, wie er in der Vergangenheit gerne im Bezug mit Firtan verwendet wurde, will 2026 im Grunde gar nicht mehr zu deren Musik passen. Helios basiert weniger auf heidnischem Brauchtum, sondern verfolgt vielmehr eine Art philosophischen Ansatz, welcher sich um den Prozess von Selbstfindung und Erleuchtung rankt. Um diesen Vorgang abzuschließen hat der Mensch innere und äußere Kämpfe auszutragen - einem Kampf im Kleinen mag es zunächst auch gleichkommen, sich mit Helios zu befassen!
Der Einstieg in das Werk wird dem geneigten Hörer nämlich sicherlich nicht leicht gemacht. Bei gerne exzessiven Spielzeiten heißt es gerade während der ersten Albumhälfte oft "Spielfluss Ade", wenn sich Wahnsinn, Melancholie und Verzweiflung zu gekeiften, geflüsterten oder klar gesungenen Versen quasi die Klinke in die Hand drücken. Der progressive Mix aus Black und Death Metal lebt von seiner Unvorhersehbarkeit und bekommt durch Klara Bachmairs Violinenspiel einen prägnanten Stempel aufgedrückt. Kompaktere Nummern wie "Wide Open Eye" oder "The Form Revealed" bringen Geradlinigkeit ins Geschehen, während der Titeltrack, von Schwermut getragen, eine Art Durchdringung hin zu Tempo und Vehemenz erfährt. Als kompositorisches Meisterstück sei jedoch der knapp zwölfminütige Longtrack "The Hierophant Way" ins Feld geführt. Auf den hymnischen Auftakt mit dezenten Emperor-Vibes erfindet sich dieser Song immer wieder aufs Neue, wenn er zwischen Black Metal, bedrohlich-zähflüssigen Doom-Death-Passagen und hübscher Folklore pendelt, um zwischendurch doch wieder zu seinem Ursprung zurückzufinden.
Als ob das Album in seiner Gesamtheit den eingangs genannten Prozess der Erleuchtung auch musikalisch zum Ausdruck bringen möchte, kehrten nach dem kompositorischen Kraftakt von "The Hierophant Way" mit "Shadows Of A Dawn Unborn" Ruhe und Schönheit ein. Man meint förmlich die wärmenden Sonnenstrahlen zu spüren, wenn die folkloristische Akustikballade durch zarte Melodien von Violine und gezupfter Gitarre sowie von Klaras angenehmem Gesang all die turbulenten Kapitel dieses Albums auf einen Schlag hinter sich lässt. Die Doppel-LP und das Mediabook enthalten zudem den Bonustrack "Man Of Iron", der diesen Pfad konsequent fortsetzt, nur dass dieses Mal Frontmann Phillip Thienger die schöne Seite seiner Stimme zum Besten gibt und trotz ruhigem Ambiente auch die Stromgitarren eine dezente Rolle zu spielen haben.
Helios macht es dem Hörer sicherlich nicht immer leicht, doch es lohnt sich, dieser gut einstündigen Odyssee seine Aufmerksamkeit zu schenken. Ob sie uns nun zur Erleuchtung führt, erfahren wir womöglich erst nach mehreren Durchläufen, die man dem Album aber in jedem Fall zugestehen sollte.


