Review
Iskald - Curse Of The Mind

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Acht Jahre sind seit Inhostinga, dem letzten Iskald-Studioalbum verstrichen, dennoch scheint sich die zuletzt wahrgenommene Entwicklung der Band fortzusetzen. Vom Duo zum Quintett erweitert, setzen die Norweger verstärkt auf komplexeres Songwriting als es noch zu Beginn ihrer Diskografie der Fall war. Progressive Black Metal trifft im Fall von Curse Of The Mind die Marschrichtung Iskalds wohl besser als die bislang weitläufig vertretene Verwendung des Terms Melodic Black Metal.
Das ist an sich nichts Schlechtes, dennoch beginnt meine persönliche kleine Misere mit dem neuen Album bereits bei Einstieg. "Cures Of The Mind - Invocation I" ist eine von vier aufsteigend nummerierten, weitgehend instrumentalen Kompositionen, die einleiten, verbinden und abschließen sollen. Atmosphärisch, nachdenklich oder schwermütig verfasst, sind sie alle zu lang für Intro oder Interludium, jedoch zu kurz für eigenständige Songs. Sie dienen jedoch einem übergeordneten Großen und Ganzen, einem inhaltlichen Konzept über die nordisch-mythologische Welt Helheim, die von Iskald nicht nur als Örtlichkeit, sondern als eine Art geistiger Zustand begriffen werden will.
In vier "regulären" Songs wird dieser philosophische Ansatz mit überlangen Spielzeiten zum Ausdruck gebracht. Vielschichtig, mal erhaben, mal destruktiv, mal rockig vorantreibend fordert das Material den Hörer zur Konzentration. Aufkeimender Spielfluss wird dabei gerne zertreten wie ein zartes Pflänzchen, das sich mühsam durch eine vereiste Schneedecke gekämpft hat.
Ohne die Dichte an Ideen und den kompositorischen Anspruch dieses Albums herabwürdigen zu wollen, ergeht es mir mit Curse Of The Mind am Ende ähnlich wie einst mit Mayhems Grand Declaration Of War und anderen Black-Metal-Alben, die im frisch geborenen neuen Jahrtausend repräsentativ für eine gewisse Orientierungslosigkeit des Genres standen: ich finde auch nach mehreren Durchläufen keinen richtigen Zugang.
Eine Evolution hin zu immer anspruchsvollerem Songwriting hat für mich als Konsument bislang nur in wenigen Fällen funktioniert. Bei Curse Of The Mind scheint sich der Titel zu bewahrheiten, wenn der Eindruck entsteht, dass hier im Dienste des erdachten Konzepts zu sehr mit dem Kopf und zu wenig aus dem Bauch heraus gearbeitet wurde. Ein bisschen mehr Iskald aus der eigenen Frühphase hätte dem Material sicherlich gutgetan.


