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Konzert-Bericht

Myrath & Reverend Hound

Backstage, München 25.09.2016

Es ist eine unumstößliche Wahrheit, dass Vorgruppen unnötig sind und bestenfalls dazu führen, dass man nicht rechtzeitig zur Sportschau wieder daheim ist. Aber Wahrheiten haben es sprichwörtlicherweise nun einmal an sich, dass es Ausnahmen gibt, die die Regel dann bestätigen. Ein eben solcher Fall bot sich uns im Falle von Myrath - wer diese Kombo im Vorprogramm von Symphony X erleben durfte, der zeigte sich beeindruckt und harrte auf mehr. Nachdem die Herrschaften das in Form einer eigenen Headliner-Tournee dann auch liefern, steigen wir auf den fliegenden Teppich und machen uns auf in exotische Gefilde...

Die liegen wieder einmal im Münchner Backstage, jenem mittlerweile leider bedrohten Biotop für die Konzertszene, die hoffentlich demnächst eine neue Heimat findet. Denn er wäre ein Jammer, wenn solche Ansetzungen wie heute Abend keine Stätte mehr finden würden: vielleicht kleine, aber in jedem Fall kleine Auftritte, die auch der lokalen Landschaft eine Chance geben. Wie etwa den Münchner Lokalmatadoren von Reverend Hound, die heute Abend eröffnen und das vor einer schon durchaus achtbaren Anzahl von Sympathisanten tun dürfen. Die Herrschaften servieren einen bunten Mix aus Thrash, Hard Rock, Power Metal und allem was Spaß macht - Nummern wie "Runaway Train", "Destroyer" (auf der auf den Bühnenboden geklebten Setlist als "Zerstäuber" bezeichnet, man hat also auch Humor) oder "Hell Is Here" machen Laune. Mit Maiden-Bass und Maiden-Shirt versieht Markus Brendel die Gesangsdienste mehr als achtbar, und seine Aussage, dass er das nur aushilfsweise mache, weil der eigentliche Mikroschwinger Wolfgang Gräbner verhindert sei, erntet massive Unterstützung aus dem Publikum. Das besteht, wie wir bei Augenscheinnahme feststellen, weitgehend aus den gleichen Schlachtenbummlern, die sich auch Symphony X kredenzten - weniger klassische Metaller als vielmehr auch der Sozialpädagogik-Student. Vor allem die holde Weiblichkeit ist zahlreich vertreten, was Gender-Forscher Sebbes zu erklären weiß: "Das sind die Musikvideos! Das ist auch was für Frauen!" Nun, dann sind wir doch mal gespannt, einstweilen feuern Reverend Hound noch ihren "Heavy Metal Thunderstorm" unters Volk, was dann mehr als kurzweilige 30 Minuten beendet. Reife Leistung, Jungs!

Nach einer kurzen Umbaupause, in der sich der Backstage-Club immer weiter füllt, entsteht wohlige Vorfreude: statt des permanenten Rotlichts gibt es eine echte Lightshow, gefolgt von einer handfesten Überraschung. Zu den Klängen eines leicht orientalisch angehauchten Intros betritt eine in wallende Gewänder gekleidete Schöne die Bühne und schüttelt definitiv deutlich mehr als nur ihr Haar für uns. Nein, wir kommen in den Genuss einer astreinen Bauchtanz-Einlage, womit das mit der frauenorientierten Optik doch wieder ein wenig fraglich wird. Zu dieser Holden später mehr, denn jetzt springen unsere Freunde aus Tunesien endgültig auf die Bretter und steigen mit "Believer" (im Übrigen auch zu bestaunen mit aufwändigem Video) beherzt in ihr Set ein. Sofort wird klar, was den Reiz der Kombo ausmacht: hier trifft melodischer, aber anspruchsvoller Power Metal a la Kamelot auf die proggige Raffinesse von Dream Theater, alles gewürzt mit einer gehörigen Prise Exotik in Form von orientalischen Tonfolgen, die aber niemals das Geschehen überlagern. Technisch sind die Kollegen auf allererster Ebene, da brilliert Saitenhexer Malek Ben Arbia an der sieben-saitigen Gitarre ein ums andere Mal mit kräftigem Riffing und melodischen Soli, da bringt Tieftöner Anis Jouini seinen sechs-saitigen Bass (da ist wohl keiner mit der handelsüblichen Ausstattung zufrieden, kann das sein?) als vollgültigen Soundbaustein ins Geschehen ein, und Keyboarder Elyes Bouchoucha webt einen feinen Klang-Teppich um alles herum. Aber Blickfang ist und bleibt natürlich der einzig wahre Bülent Ceylan-Doppelgänger Zaher Zorgati, der neben herausragender stimmlicher Inszenierung und mehr als nur passablen deutschen Sprachkenntnissen auch optisch für den Frauenappeal der Kombo verantwortlich sein dürfte. Sei's drum, wir lauschen dem Wechselspiel aus Melodie, Komplexität und Exotik geschlechterübergreifend, zu den Klängen von "Get Your Freedom Back" und "Storm Of Lies" wächst die Begeisterung allenthalben, so dass einige Landsleute eine Tunesien-Flagge entrollen, während sich Herr Zorgati von jeglicher Gewalt und Terrorismus distanziert. So einfach kann Völkerverständigung sein!

Zur Nummer "The Unburnt", die dem Charakter Daenerys Targaryen (bitte nach einer Maß aussprechen!) aus der TV-Endlos-Fantasy-Mittelalter-und alles-Saga Game Of Thrones gewidmet ist, betritt dann erneut die hüftschwingende Grazie die Szene und liefert sich ein feines Tanzduell mit den Akteuren. Weil die Dame so nett war, die während des Konzertes in realtime stattfindenden Aktivitäten von Kühles Zeug auf diversen sozialen Netzwerken zu honorieren, können wir ausführen: wir wohnen hier einer Darbietung der portugiesischen Bauchtänzerin/Model/Makeup-Künstlerin Kahina Spirit (ein in Portugal gängiger Familienname) bei, die einerseits direkt dem Elben-Land entstiegen scheint, andererseits in wechselnden Kostümen eine mehr als gute Figur macht. Diese Art der basisdemokratischen Ansprache aller Publikumsschichten vermögen wir nur zu begrüßen. Mit "Forever And A Day" servieren sie uns dann ein Lichtstakkato ganz im Stile von Metallicas "One", bevor wir ein wenig darüber philosophieren, dass mit ganzen 14 Euro Einlassentgelt hier wirklich einiges an Gegenwert zu konstatieren ist - "da gibt's nichts zu Meckern!", stellt Preisanalyst Sebbes fest. Meister Zorgati outet sich einstweilen als Kölsch-Trinker, revidiert dies aber sofort, als man ihm ein ordentliches König Ludwig kredenzt. Nun, so führt er aus, gehe es um Fiction and War, das kenne man ja leider aus dem Nahen Osten und auch aus Tunesien, das sei schlimm, und man fühle sich wie im Belagerungszustand, weshalb man ein Stück "Under Siege" betitelt habe. Beim anschließenden "Endure The Silence" (auch hierzu kann man ein schönes Video bestaunen) geht dann noch mehr die Post ab, Meister Zorgati schnappt sich sogar die Tunesien-Fahne und hüllt sich hinein, während Frau Spirit in passendem Rot erneut einen optischen Leckerbissen liefert. Wer sagt da noch, orientalische Kunst sei schwierig? In eben diesem Geiste eröffnet man uns dann noch ein virtuelles Wüstenzelt: Zorgati kommt zu uns auf den Club-Boden, wir setzen uns alle hin, und wie ein mythischer Geschichtenerzähler führt er uns durch das feine "Nobody's Lives", bevor er händeschüttelnd und schulterklopfend wieder die Bühne erklimmt. Wenn das mal keine Sympathie-Punkte gibt! Kurze Pause, dann weiter im Takt mit "Merciless Times", und jetzt gibt es wohl kein Halten mehr: der Shouter kraxelt sogar auf die kleine Empore hoch, wo einige Spezialgäste (in Tracht!) das Geschehen verfolgen, man macht ein paar Selfies, und mit "Beyond The Stars" (Dio-Anklänge allenthalben) geht die Sause schließlich in die letzte Runde. Music with love, das verspricht man uns auch weiterhin zu machen. Wenn das so stimmig klingt, mit solcher Freude vorgetragen wird und so schmackig rüberkommt, dann können wir das nur lobend hervorheben. Frau Spirit darf auch gerne wieder kommen.

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