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Konzert-Bericht

Steel Panther & Sleekstain

TonHalle, München 06.02.2014

Entgegen dem hübschen alten Filmtitel, der besagt, die Götter müssten verrückt sein, bin ich zur Überzeugung gelangt: die Götter müssen es gut mit mir meinen. Denn nachdem ich, ganz gemäß dem Motto an Dantes Höllentor, schon alle Hoffnung hatte fahren lassen, den wahrlich großen Ereignissen beizuwohnen, wendete sich das Schicksal nicht nur unerwartet zu meinen Gunsten, sondern hielt eine ganz besondere Sternstunde für mich bereit.

Das kam so: einmal, einmal im Leben will man spontan sein und sagt komm, war nix mit Gästeliste, also pilgerst du halt einfach direkt hin, wird ja wohl noch was zu haben sein an Tickets. Und? Pustekuchen. Das Internet (das deutsche - Erklärung siehe unten) sagt schon am Nachmittag: ausverkauft, keine Abendkasse!! Offenbar erfreuen sich die Hollywoodlander von Steel Panther einer stetig wachsenden Fangemeine. Man hätte es ja ahnen können, vor zwei Jahren bei Rock im Park war der durchaus beachtliche Platz vor der Alternastage proppenvoll bei ihrem Auftritt, und das am hellichten Tag. Trotzdem versuchen wir halt mal Glück, gewogene und weise Personen raten dazu - und siehe da, gegen jede Chance ergattere ich in der beträchtlichen Schlange vor der Tonhalle im Kunstpark ein Ticket. Empore, Mist, aber egal, Hauptsache drin. Aber damit nicht genug, eine verirrte Seele fragt mich doch tatsächlich, ob ich nicht mein Empore-Ticket gegen einen Arena-Platz tauschen möchte. Äh, ja...und so marschieren wir dann aber flugs ganz nach vorne und erfreuen uns bester Aussichten. In jeder Hinsicht, denn das Publikum wimmelt nur so von Spandex-Hosen, kajalbestifteten Augen (Weiblein und Männlein), und Perücken mit falschen Vokuhilas from hell. Die ganz eigene Mischung aus Metal und Comedy, die Steel Panther pflegen, mundet dem Volk offenkundig bestens.

Aber zunächst heißt es macht auf der Bühne Licht für Sleekstain, und meine übliche Tirade gegen Vorgruppen spare ich mir jetzt mal: die vier Jungs servieren ordentliche 80er-Kost irgendwo zwischen frühen Guns'n'Roses und Skid Row, sind entsprechend gekleidet, und Nummern mit vielsagenden Titeln wie "Baby" oder "Call Me God" gehen durchaus in Ordnung. Nach 30 Minuten ist Schicht in diesem Schacht, und die Spannung steigt durchaus merklich an. Kurzer Blick zurück auf die Empore - Glück gehabt, da oben sieht man dank querlaufender Beleuchtungskabel und Entfernung so gut wie gar nichts.

Das wäre jammerschade, denn was Steel Panther kurz danach hier abliefern, ist wie stets allererster Kajüte. Wer sich einen Klassiker wie "The Number Of The Beast" als Intro erlaubt, der beweist Mumm, aber Michael Starr und seine Freunde dürfen das. Denn vom ersten Song "Eyes Of A Panther" ab geht es zur Sache, dass es nur so eine Art hat. Das Ganze darf man getrost als Gesamtkunstwerk bezeichnen: Meister Starr macht fast schon unheimlich originalgetreu den David Lee Roth (nebst parodistischem Van Healing-T-Shirt), Gitarrero Satchel und Basser Lexxi präsentieren vollkommen unentschuldbare und deshalb wundervolle "Frisuren", die während des gesamten Gigs mit Blick in den Spiegel durch gefühlte zehn Dosen Haarspray nachtoupiert werden, und wie überhaupt man sich als männliches Wesen in solche Hosen zwängen kann, bleibt mir verschlossen. Satchels Star-Wars-Shirt ("Join the dark side! We have cookies!") fällt da schon fast aus dem Rahmen... aber die Panther zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie den Haarmetal a la Ratt, Poison und Mötley Crüe nicht einfach veralbern, sondern durch zackige Songs zelebrieren, und so schießen sie mit "Tomorrow Night" und "Asian Hooker" gleich zwei weitere Granaten hinterher. Dann gibt es erst einmal zehn Minuten stand up comedy vom Feinsten. Die (natürlich nur gespielte) Dumpfbacke Satchel schwadroniert darüber, dass München ja seine Lieblingsstadt sei - "you say that in every city", kommentiert Michael - und darüber, welch tolle Bands aus Deutschland seien: "Scorpions, Accept - and David Hasselhoff!" Dann glänzt man mit neu erworbenen Deutsch-Kenntnissen ("Unsere Sängerin ist fett!", "do you like to suck Schwanzes?"), bevor sie einem der ganz Großen in der Vielweiberei den wunderbar ironischen Tribut zollen. Ja, wollen wir nicht alle ein bisschen sein wie Tiger Woods...? Nun beginnt der wunderliche Reigen von Ansehnlichkeiten, für die üblicherweise höhere Eintrittsgelder zu entrichten sind: nach Aufforderung der Kombo lassen sich diverse Damen aus dem Publikum nicht lange bitten, erklimmen die Bühne und lassen die Allgemeinheit bereitwillig an ihren schönen Formen teilhaben. Im Klartext: es wird alles rausgehängt was da ist, zum Entzücken von Band und Menge. Erstere schwingt sich mit "Party Like Tomorrow Is The End Of The World" und "Let Me Cum" weiter durch ihr Set, wobei das Material vom neuen Album All You Can Eat naturgemäß nicht ganz so zündet wie die bekannten Kracher. Satchels Solo macht wie immer Laune, er begibt sich wie gewohnt in einen divenhaften Streit mit Lexxi, und Drummer Sticks wird attestiert, er sehe mit 58 und einer künstlichen Hüfte doch noch ganz gut aus. Lexxi schließlich liefert mit seiner Dankesrede ("I wanna thank the guy who invented makeup, and also the guy who invented mirrors, that's awesome dude") ein Juwel der Kleinkunst, bevor er schließlich ein "hair solo" abzockt - wobei ihm Michael und Satchel jeweils die Frisur hochpusten. Man muss es gesehen haben. Die neue Single "The Burden Of Being Wonderful" macht Laune, bevor man die Bühne erneut mit Weibsvolk überrennen läßt. "Check it out, this one looks like a German Miley Cyrus! So she's called...Cyrusberger!" - Satchel scheint heute kaum zu bremsen, auch in seinen Technik-Kenntnissen: "Hey guys, do you have the internet here in Germany? Yeah? Is that like also connected to the American internet?" Dass das alles hier aber nicht nur Spaß ist, wird beim Reißer "Death To All But Metal" klar, wo es zu einem durchaus beachtlichen circle pit kommt. Insgesamt scheint das ja eigentlich erledigte Gerammel wieder zurück zu sein, wie wir ja schon bei Powerwolf feststellen durften - aber ganz vorne lässt sich das einigermaßen ertragen. "Community Property", die Ballade mit dreckigem Text, gibt es sowohl normal als auch einer spaßigen Schnellversion, bevor dann "17 Girls In A Row" und "Party All Day (Fuck All Night)" den fröhlichen Reigen beschließen. Ganz ganz großes Kino aus Hollywood, Freunde, krachige Songs, intelligente Hommage, und einfach nur ein Heidenspaß. Bestens, immer gerne wieder!

Setlist Steel Panther:
Eyes Of A Panther
Tomorrow Night
Asian Hooker
Just Like Tiger Woods
Party Like Tomorrow Is The End Of The World
Let Me Cum In
Guitar Solo
Turn Out The Lights
Gloryhole
The Burden Of Being Wonderful
Gold Digging Whore
It Won't Suck Itself
Death To All But Metal
Community Property
17 Girls In A Row Play Video
Party All Day (Fuck All Night)

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