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Festival-Bericht

Bang Your Head Festival

mit Accept, Saxon, Iced Earth, Lordi, Thunder, At The Gates, Stratovarius, Pretty Maids & Rage

Messegelände Balingen, Balingen 12.-13.07.2013

Samstag, 13.07.2013

Nachdem wir nach einigem Herumirren die nächtliche Eingangstür gefunden haben und nach ausgiebiger Plauderrunde das Frühstück mal so ganz knapp verpennen ("schi habe jeds aber ned scho lang geschlafe, oder?" meint die Oma am nächsten Tag so gegen Mittag... äh, doch...), verabschieden wir uns von der wie immer vorzüglichen Gastronomie auf der Hohenzollernalb und rollen wieder Richtung führender Discounter-Kette. Von dort aus führt (nach stilechtem Frühstück aus dem Kofferraum heraus) uns ein kurzer Fußmarsch direkt vor der Hauptbühne zu Morgana Lefay, deren melodischer Power Metal teilweise schon heftig ins Gebüsch brettert. Die Stimmung ist für die frühe Zeit am Tag schon ordentlich, die Schweden um Sänger Charles Rytkönen legen sich ins Zeug - ordentliche Leistung.

Warrel Dane, Jeff Loomis und Jim Sheppard touren mittlerweile wieder mit jener Kombo durch die Lande, die sie vor ihrem Hauptbetätigungsfeld Nevermore unterhielten: Sanctuary beehren diverse Festivals mit Besuchen, bevor es ein neues Album zu bestaunen geben soll. In der mittlerweile doch recht brütenden Hitze von Balingen serviert Mister Dane vor einer beachtlichen Zuschauermenge im schickem (naja) Cowboy-Hut Songs der beiden Alben Refuge Denied und Into The Mirror Black - "Die For My Sins" oder "Battle Angels" werden vermischt mit "some new songs". Der teilweise mit Thrash-Elementen garnierte melodische Metal der Herren gefällt durchaus, so dass der eine oder andere bedauert, als Herr Dane kommentiert, man müsse nun gehen und ein Flugzeug nach Tschechien erwischen (dort spielten sie nämlich am nächsten Tag bei den Masters Of Rock).

Rage mausern sich zu einem Dauergast auf Festivals im Allgemeinen und Balingen im Besonderen - Peavy Wagner und Victor Smolski lassen auch dieses Mal nichts anbrennen und zünden ein Feuerwerk von feinem Material aus deutschen Landen. Etwas heiß sei es hier, stellt der voluminöse Fronter treffend fest (ist halt auch blöd in schwarzem Kittel), und ungewöhnlich, da man seit Monaten nur mit Orchester im Studio am Werkeln sei. Dennoch zimmern sie Stückchen wie "Cleansed By Fire", "From The Cradle To The Grave" oder "Straight To Hell" fröhlich ins Gebälk. Das goutiert die Menge sichtlich und geht steil, und als nach dem obligatorischen "Soulchaser" Schicht ist, meint Peavy noch, das sei jetzt ein hartes Stück Arbeit gewesen. Stimmt. Für uns auch!

Zumindest bei mir steigt jetzt die freudige Erwartung, denn die Briten von Thunder gehörten schon 2007 in Balingen zu meinen absoluten Favoriten. Nach einem zwischenzeitlichen, glücklicherweise kurzlebigen Split sind die Herren wieder auf der Spur und erfreuen Balingen erneut mit einem bunten Blumenstrauß bluesiger, einprägsamer Hymnen. Gleich zu Anfang schießen sie ihr größtes Hitgeschoss "Dirty Love" ab, Sänger Danny Bowes gibt eine Rampensau mit Stil - witziges Herumtanzen und äußerst britische Ansagen inklusive ("Good Afternoon! Are you gonna sing? Are you gonna dance? You promise?"). Die Songauswahl ist wie immer erste Kajüte, der Sound passt exakt zum warmen Spätnachmittag - groovige, hooklastige Nummern wie "River Of Pain" oder "Higher Ground" gehören exakt hier und jetzt auf diese Bühne. Mit einem mehrfachen "splendid" und "fabulous" angekündigt (fast mag man denken, gleich stolpert Hugh Grant herein und will eine Hochzeit oder einen Todesfall feiern), feiert die Menge "Backstreet Symphony" gehörig ab. Der folgende Song sei über "sex and masturbation", referiert Danny, deswegen sei er "for all you wankers": "The Devil Made Me Do It" macht wie immer gehörig Laune und Party-Feeling, ebenso wie "You Can't Keep A Good Man Down", zu dem Herr Bowles die Menge erfolgreich zum massiven Mitmischen animiert. "I Love You More Than Rock'n'Roll" setzt dann einen würdigen Schlusspunkt unter eine gewohnt freudige Leistung der sympathischen Briten. Wäre absolut jammerschade, wenn sie sich getrennt hätten. Aber wirklich!

Der große Zuspruch und auch Zulauf, den Thunder genießen konnten, wird den Pionieren des melodischen Death Metal nicht zuteil. Das Götheborg-Abrisskommando von At The Gates kann die Ehre des "wer hats erfunden?" für sich beanspruchen, heutige Größen wie Arch Enemy oder Amon Amarth wären undenkbar ohne die Herren, aber so richtig reinhauen vermag das hier und heute, bei einer ihrer sporadischen Reunion-Festival-Shows, leider nicht. Der Sound ist zwar mächtig, Brecher wie "Terminal Spirit Disease" oder "Under A Serpent Sun" sind zwar kompromisslos, aber dann doch, man entschuldige die Formulierung, irgendwie eintönig. Die Menge vor der Bühne lichtet sich auch deutlich, man kann relativ einfach in die vorderen Reihen gelangen, was kurz vorher noch schwerlich möglich gewesen wäre. Die Jungs nehmen's gelassen und fahren mit "Captor Of Sin" ein weiteres Brett auf, das sie dem verstorbenen Jeff Hanneman widmen. So geht es weiter durchs melodische Todesmetall, das mag für Genre-Freunde sicher achtbar sein, die breite Masse in Balingen reißt es nicht vom staubigen Boden auf. Wir prüfen flink, ob die britische Institution Raven in der Halle vielleicht eine Alternative sein kann, aber trotz der gut gefüllten Halle treibt uns der doch etwas arg gewöhnungsbedürftige Gesang von John Gallagher und nicht sonderlich gute Sound wieder hinaus auf die Steppe.

Dort harren schon Iced Earth auf ihren Einsatz, und auch diese Kollegen beehren uns ja schon zum wiederholten Male. Das weite Rund ist mit einem Schlag wieder bestens gefüllt, was zeigt, dass der klassische Metal der Amis besser nach Balingen passt als schwedisches Todesblei. Hatte er beim letzten Ausritt noch Original-Sänger Matt Barlow im Gepäck, der wieder von Ripper Owens übernommen hatte, fährt Gründer und Cheffe Jon Schaffer nun Stu Black am Mikro auf. Gekleidet sind sie alle in eine eher seltsame Jeans/Leder-Kombi, die wohl true und retro aussehen soll - naja, das mit dem Affen und der Seife kennt man ja in Sachen Geschmacksfragen. Musikalisch fahren sie allerdings das volle Brett auf und starten mit "Dystopia" und "Dark Saga" kraftvoll ins Set. Schaffer (der es irgendwie geschafft hat, dass seine Haare nicht mehr grau, sondern schwarz sind, Respekt!) schaut finster wie üblich drein und feuert seine Riffs präzise ins Volk, aber als er den wieder mal am Bühnenrand sitzenden Horst entdeckt, hellt sich die Miene auf, und man begrüßt sich durchaus herzlich. "Pure Evil" und "Burning Times" ballern frohgemut weiter, die Menge honoriert das Geschehen zunehmend. Zu "V" trägt Shouter Black dann die mittlerweile leider hinlänglich bekannte Guy Fawkes-Maske - wir nehmen zu Gunsten des literarisch bewanderten Schaffer mal an, dass er den Hintergrund in Alan Moores Comicroman V For Vendetta kennt und nicht nur ungefragt Symbole übernimmt wie diverse Freds aus so genannten Occupy-Bewegungen. Nach "A Question Of Heaven" und "Anthem" folgt mit "Watching Over Me" eine atmosphärische Ballade, die offenkundig für einen tödlich verunglückten Freund Schaffers entstanden ist. Sehr fein. Nachdem Stu Black mit "Iced Earth" dann den Abschluss des Sets verkündet, regen sich diverse Missfallens-Bekundungen - und mit was? Mit Recht, denn es würden noch gut zehn Minuten Spielzeit zur Verfügung stehen, und so richtig pünktlich angefangen hat man auch nicht. Das kapiert wohl auch die Band irgendwann und schiebt mit "The Hunter" noch eine Nummer nach, womit die Menge dann auch befriedet ist. Gute Leistung, hat mir besser gefallen als der letzte Auftritt der Kollegen.

Nun, sehr verehrte Damen und Herren, the main event of the evening - und das sind nicht twelve rounds of heavyweight boxing, aber so etwas Ähnliches. Die Wiederkunft der Solinger Stahlschmiede darf wohl mit Fug und Recht zu den beeindruckendsten Comebacks der Szene gezählt werden, im Gegensatz zu den müden Auftritten von Judas Priest und anderen Herrschaften haben Accept mit Blood Of The Nations ein Götteralbum vorgelegt und in Balingen schon 2011 ausführlich dokumentiert, warum sie einmal die erfolgreichste deutsche Metal-Band überhaupt waren und den teutonischen Stil entscheidend geprägt haben. Das Nachfolgeopus Stalingrad erreicht die Qualität des Vorgängers zwar nicht ganz, aber davon lassen sich die Herren nicht verdrießen und feuern uns mit "Hung, Drawn And Quartered" und "Hellfire" gleich zwei Nummern von dieser Scheibe um die Ohren. Formal alles wie gehabt - Wolf Hoffmann erweist sich wieder als coolste Socke im Gitarrenuniversum und schüttelt sich die Riffs grinsend, entspannt, aber messerscharf aus der Hüfte, Peter Baltes malträtiert seinen Bass wie ein Uhrwerk, früher-Kurzzeit-und jetzt Dauermitglied Herman Frank sieht zwar nach wie vor aus wie der Tod auf Rädern, aber füllt alle Hooks und teilweise auch Solo-Parts zuverlässig aus. So ist denn die Meute auch vom ersten Ton begeistert, und als dann als dritter Beitrag mit "Restless And Wild" gleich eine der definierenden Band-Hymnen in rostfreiem Glanz erstrahlt, wird deutlich, dass auch heute Abend wieder alles in beste Ordnung geht. Mark Tornillo hat sich den Accept-Sound mittlerweile gänzlich angeeignet und überzeugt erneut mit einem passenden, aber dennoch eigenen und nicht nur Udo-kopierten Organ. "Losers And Winners" setzt den Reigen fröhlich fort (irgendwann kriege ich noch raus, was sie da zum Schluss rufen, Hans Sachs kann es nicht sein auch wenn es so klingt!), mit "Stalingrad" setzt es dann den Titeltrack vom neuen Werk, und wie bei Sabaton darf auch hier die Frage erlaubt sein, ob solche gewichtigen Themen wirklich passend zum Feiermodus hier sind. Aber nun gut. Vollgas auf die Mütze dann mit "Breaker", brutal, technisch anspruchsvoll - herausragend. Mit "Shadow Soldiers" wird die aktuelle Scheibe ein viertes und letztes Mal bedacht (für Accept-Standards nur Durchschnitt, wie mein Mitstreiter betont), aber mit "A Bucketful Of Hate" knallt es dann wieder ordentlich. "Bulletproof" groovt wieder schön, und das anschließende Duell, in dem sich Hoffmann und Baltes um die schnellsten Melodie-Läufe auf Gitarre und Bass (!!) bewerben, zeigt, dass eine Solo-Einlage doch auch spannend sein kann. "Pandemic" überzeugt wieder als überragender Mid-Tempo-Stampfer, aber das schleppende Riff, das danach "Princess Of The Dawn" durchzieht, steht erneut über allem. Ein Song für die Ewigkeit und exakt für solche Momente gemacht. "Up To The Limit" feuert die Stimmung weiter an, und der erste Speed-Metal-Song der Geschichte macht alles platt - nach "Fast As A Shark" ist dann aus. Zunächst. Denn natürlich gibt es noch ein bisschen Klassik-Unterricht, den uns Herr Hoffmann mit "Metal Heart" ausgiebig erteilt. Dann hauen sie uns noch das wunderbare "Teutonic Terror" um die Ohren, aber "Balls To The Wall" sieht dann nun wirklich jede noch zur Regung fähige Figur in Balingen auf den Füßen und die Fäuste schütteln. Auf Wiedersehen von Horst, Feuerwerk, aus is.

Auch wenn der ganz große Coup im Billing fehlte (Cinderella! Black Sabbath! Ratt! Alice Cooper! Nur um mal ein paar Kandidaten zu nennen, die passen würden...), gefiel das Bang Your Head einmal mehr durch seine ganz eigene Atmosphäre und die guten Vorstellungen vor allem der beiden Headliner. Deshalb werden wir auch nächstes Jahr dabei sein - gerne auch wieder im Grottental. Denn das ist sogar ein bisschen näher als Nuschplinge.

Holgi

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