12 Headbänga online
21.01.2018 EMP Persistence Tour 2018
24.01.2018 Thunder
24.01.2018 Batushka
24.01.2018 Algiers
25.01.2018 Hämatom
25.01.2018 Grizzly
26.01.2018 Reason 2 Rock
MinReviews (9945)
MinNavigation
MinKommentare
MinArtikel des Tages
Review:
Hearse

Interview:
Enter Chaos

Live-Bericht:
Dream Theater

Video:
Noctem
MinRSS RSS
MinAtom Atom
MinIn eigener Sache

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

Valid RSS

Valid Atom 1.0

 

Konzert-Bericht

Iron Maiden & Voodoo Six

Festhalle Frankfurt, Frankfurt 11.06.2013

Menschen aus meiner Generation (herrje wie klingt denn das??) erinnern sich gerne an einen Werbeslogan, der besagte, für die Zigarette einer gewissen Marke gehe man meilenweit. Für teerhaltige Suchtmittel tue ich das zwar bestimmt nicht, und eigentlich auch für wenig anderes. Aber im Leben gibt es Momente, in denen man nicht viel Entscheidungsspielraum hat - und wenn die Möglichkeit besteht, einen der erhebendsten Momente der Konzertkarriere nochmals und vielleicht sogar ein bisschen besser zu erleben, dann nimmt man auch weite Wege auf sich.

Wo wie wir anno 1988 furchtlos nach Franken ins beschauliche Schweinfurt, aus Funk und Fernsehen bekannt als pig city, pilgerten, um die beste Band der Welt zu bestaunen, so machte sich der Schreiberling dann eben auf an die Mainmetropole, da der Tross und Meister Harris und seine Freunde leider nicht in unserer schönen Stadt Halt machte. Da gilt dann die Sache vom Berg und dem Propheten (passt ja irgendwie bei "Can I Play With Madness", oder?), denn nichts anderes war geboten als eine Setlist zum Niederknien: zum 25. Jubiläum der Seventh Tour-Gastspielreise kredenzen uns Iron Maiden in diesem Jahr einen Reboot der seinerzeitigen Show, natürlich angereichert um die eine oder andere Überraschung, die es wirklich in sich hat. Nachdem, wie in dieser Postille schon mehrfach festgestellt, diese Kombo Jahr für Jahr an Qualität gewinnt und live längst in einer ganz eigenen Liga kickt, bestand schlichtweg keine andere Option als dabei zu sein. Auch wenn andere Herren anderer Meinung sein wollten.

Eine lange Anreise kann auch vorteilsbehaftet sein - sehr gut durchgekommen, daher früh vor Ort, direkt zum Einlass, und endlich durfte ich mal am Spurt in die vorderen Reihen teilnehmen (kein Witz, man rennt hinein, und die Ordner rufen vergeblich hinterher "nicht rennen!"...), so dass ich den besten Platz im Hause erwischte - im Pit direkt vor dem ersten Wellenbrecher. Da nimmt man dann gerne die anschließende Wartezeit in Kauf und wird beim Gedanken daran, dass das alles verdammt lange her ist damals auf den Mainuferwiesen, dass wir alle älter geworden sind und vor allem um einiges besser aussehen, immer hibbelischer. Damit scheine ich nicht alleine zu sein: immerhin ist die Festhalle, der größte Austragungsort Frankfurts, gleich zweimal hintereinander ausverkauft, sprich 2x 12500 Leute lassen sich diese Sternstunde nicht entgehen.

Aber zuerst heißt es wieder einmal eine Vorgruppe durchleiden, Voodoo Six heißt es dieses Mal, und die Kollegen zimmern einen weitgehend schmerzfreien, bluesigen Hard Rock. Das ist ok, aber als Opener hat man hier einfach keine großen Chancen etwas zu reißen. Haken dran.

Jetzt kann es aber nicht mehr lange dauern, das Gedränge vorne wird größer, schnell noch ein Wasser gekippt, die Spannung steigt, gleich sind sie da - und dann ertönen die ersten Klänge von "Doctor Doctor", das die Herren ja seit geraumer Zeit als Eröffnungsmelodie auserwählt haben. Anschnallen, meine Herren, es geht dahin. Licht aus, seven deadly sins, seven ways to win... wir waren dabei und wir sind wieder dabei, und ab diesem Moment ist einfach nur alles gut, es gibt keinen besseren Platz der Welt an dem man jetzt sein kann und muss. Die Keyboards setzen ein, Jubel brandet auf als Nicko hinter die Drums einsteigt (wie üblich sieht man ihn dann die nächsten zwei Stunden nicht mehr), was kommt weiß sowieso jeder der nicht unter einem Stein lebt - auf den Videoleinwänden läuft das atmosphärische Intro, die Bühne ist eine Eislandschaft, und mit der langersehnten Explosion steigen sie in "Moonchild" ein. Noch besser als erwartet kocht ab der ersten Sekunde die ganze Halle (und die ist nicht klein!), und das mit Recht. Maiden haben mittlerweile eine Bühnenpräsenz wie kaum eine andere Formation, das Material glänzt absolut zeitlos und begeistert einfach nur. Abends wird die ARD (!) erstaunt berichten, es sei doch bemerkenswert, dass diese Kombo, die im Radio nicht stattfindet, die Festhalle zweimal ausverkauft und die Schlachtenbummler zu Songs, die teilweise deutlich mehr als 25 Jahre auf dem Buckel haben, in vollständige Verzückung geraten. Dieses Maiden-Gefühl ist eben nicht teil- und erklärbar: egal in welche Schaffensphase sie greifen, wenn man mit den zweistimmigen Harmonieläufen, dem markanten Bass, den literarisch angehauchten Texten und dem exaltiert-opernhaften Gesang etwas anfangen kann, dann ist man für immer, egal ob mit 15 oder 45, berauscht hiervon. Zumal sie auch heute Abend wieder in Bestform sind, wie immer in den letzten Jahren.

Die Bühne ist getaucht in eisblaues Licht, der Sound knallt, Bruce hämmert im langen Mantel hoch erhoben auf den hinteren Aufbauten in die Luft, Steve blickt wie immer mit kurzer Hose und jede Textzeile mitbellend finster drein, Adrian gottlob mit anderer Jacke als damals, Herr Gers (der einzig verzichtbare) führt seinen affigen Veitstanz auf, und Dave war offenbar bei einem alten Schulkollegen beim Haareschneiden und hat eine lustige Prinz Eisenherz-Frisur. Bevor man alles in sich aufgesogen hat, neigt sich "Moonchild" mit Stakkato-Drums schon dem Ende zu. Überragend. Bitte machen Sie einen Bereich von zwei Metern zum Huldigen frei. Einer der wenigen auf Hit gemachten Songs, "Can I Play With Madness", geht als Geschoss Nummer zwei in Ordnung, aber so richtig zur Sache geht es dann wieder beim Klassiker "The Prisoner". Das Zeug kann tausendmal gehört und in den 90ern auch totgenudelt worden sein: seit der Metal 2000-Tour und der Rückkehr des mächtigen Bruce wird alles rehabilitiert, leuchtet alles heller als je zuvor.

Auch das Messerriff von "2 Minutes To Midnight" sägt wieder alles in Grund und Boden, bevor dann die erste handfeste Überraschung harrt: mit "Afraid To Shoot Strangers" packen sie ein Stück aus, das live lange nicht im Repertoire war, aber vielleicht gerade deswegen zu den ersten veritablen Schiebe-Attacken vorne führt. Hallo, lange nicht gesehen so was... aber nachdem mein Vordermann höflich fragt "Sehen Sie was?" und dafür von allen Seiten Schelte erntet (schön hessisch "also uffem Medal-Konzerd sachd mer ned Sie!!"), passt alles wieder bestens. Ein Brecher vor dem Herren, von dem gesetzteren Anfang bis hin zum Schweinsgalopp-Mittelpart. Weiter dann Klassiker-Alarm mit dem unverwüstlichen "Trooper" (Bruce im 19. Jahrhundert-Armee-Frack schlingt dem Herrn Gers die englische Fahne um den Hals) und auch bei ihrem Signatur-Song "The Number Of The Beast" - gesanglich live wie immer ein Minenfeld, aber die Angereisten retten die Nummer, denn dass hier "666" zu brüllen ist, weiß selbst der uninteressierteste Beobachter. Ok, alles herausragend, aber jetzt eine echte Perle - auf den ständig passend zum Song wechselnden Backdrops erscheint Eddie als irrer Orgelspieler, und Bruce informiert uns: "The Phantom - of - the Opera!!" Unfassbar. Genial. Brillant. Das erste Stück, das seinerzeit alle Maiden-Trademarks hatte, viel Geballer, viel Melodie, unterschiedliche Rhythmen, klar unterscheidbare Songparts, vom Gehoppel des Anfangs bis hin zum unvergleichlichen Melodieteil. Das erste Mal, dass ich das live erleben durfte, und mit einer solchen üppigen Pyro-Untermalung ("let's have some schweinshaxen", meint ein gut gelaunter Bruce) - übrigens 33 Jahre jung, der Song, liebes ARD. Sagenhaft. Für Fans.

Die gleich hinterher geschobene ultimative Mitsing-Hymne "Run To The Hills" versetzt die Halle dann in eine gemeinschaftliche Ekstase, keiner sitzt mehr, nicht mal im zweiten Rang, und spätestens als hier Eddie seinen ersten Auftritt als Soldier Blue, als US-Kavallerie-Soldat hat, gibt es kein Halten mehr. Aber das nächste Sahnestückchen lauert schon: "Wasted Years" zeigt, wie begnadet sie auch in dieser Phase waren, das berühmte Gitarrenstakkato am Anfang, und ein Refrain für die Ewigkeit, bei dem Adrian wie gewohnt stimmgewaltig unterstützt. Ein Blick nach hinten zeigt, dass sich Hinsetzen eh nicht mehr lohnt für die Rangbewohner, man bleibt einfach am besten stehen. Den Kernstück der ganzen Aufführung bietet dann "Seventh Son Of A Seventh Son", wohl ihr progressivster Ausritt, lang, episch, atmosphärisch, mit einem riesigen Mystik-Eddie hinter dem Schlagzeug wie seinerzeit, und Bruce mit witzig-gegelten Haaren a la Mr. Crowley. Pyro-Effekte allenthalben, Feuerwerks-Explosionen, ein bedrohlich-finsterer melodischer Mittelteil, und dann die ausladenden Solo-Einlagen der Herren bis hin zum krachigen Ende. Wunderbar. Und nachdem es wie immer angenehmerweise keine Zeitschinderei wie Schlagzeug- oder Gitarrengeknödel gibt (wer kann denn das außer diesen Herrschaften noch von sich behaupten?), geht der Reigen fröhlich weiter mit dem lange nicht gehörten "The Clairvoyant", damals wie heute ein Stimmungsgarant allererster Kajüte. Schon bei der letzten Gastspielreise avancierte das nun folgende "Fear Of The Dark" zum Highlight, und auch heute entfaltet dieses Stück seine ganze Schönheit und Härte (auch wenn die Rammelei mittlerweile fast grenzwertig wird da vorne, ich dachte das gibt's nicht mehr...) - die ganze Festhalle sichert dem Zeremonienmeister Bruce euphorisch zu, man habe Angst vor der Dunkelheit, und so muss das sein, liebes Feuilleton der SZ, die das nie verstehen wird. Beim abschließenden Titelsong kommt Eddie Nummero Drei zum Vorschein, gestaltet wie das Cover der Seventh Son-Scheibe, und sogar das vorgezeigte Herz pulsiert fröhlich im Takt. "Iron Maiden is going to get you, Frankfurt" - in der Tat. Wherever you are.

Ohne viel Federlesens geht es immer weiter, der Backdrop zeigt Eddie in einem Fliegercockpit, und von den Leinwänden flimmern Schwarz-weiß-Aufnahmen von Winston Churchill. "We will fight on beaches..." und jetzt werde ich fast emotional. Eine ihrer Sternstunden, von mir letztmalig live gesehen 1984 (!!!) bei der World Slavery Tour. Und kaum sind schlappe 27 Jahre rum, heißt es wieder run, live to fly... "Aces High" ist für mich die Inkarnation des technisch wie textlich zutiefst anspruchsvollen Heavy Metal, die Band brilliert bei diesem Meisterstück, und in eine Fliegerhaube gekleidet liefert Bruce auch gesanglich eine astreine Darbietung. Für mich der beste Moment des ganzen Abends. Danke. "The Evil That Men Do" hält die Messlatte weiter hoch, bevor dann "Running Free" mit drei Akkorden für ein Halleluja einfacher, aber wirkungsvoll den Abend beschließt.

Hat sich der lange Weg also gelohnt? Nun ja, eventuell kam ja zwischen den Zeilen durch, dass es mir leidlich gefallen hat. Sofort wieder!! Irgendwie weiß man langsam nicht mehr, welche Setlist man sich noch wünschen könnte. Im Grund genommen ist das irgendwie auch egal. Denn es gilt, ohne jede auch nur irgendwie zu entschuldigende Ausnahme: Maiden rules.

Setlist Iron Maiden:
Doctor Doctor (UFO song)
Moonchild
Can I Play With Madness
The Prisoner
2 Minutes To Midnight
Afraid To Shoot Strangers
The Trooper
The Number Of The Beast
Phantom Of The Opera
Run To The Hills
Wasted Years
Seventh Son Of A Seventh Son
The Clairvoyant
Fear Of The Dark
Iron Maiden
---
Churchill's Speech
Aces High
The Evil That Men Do
Running Free
Always Look On The Bright Side Of Life

1 KommentarHolgi

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de