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Konzert-Bericht

Sepultura & G'schmach

Free And Easy Festival

Backstage, München 30.07.2012

Das Free And Easy Festival im renommierten Backstage-Party-Areal hat schon was. Wie der Name schon sagt: frei und einfach geht es zu, im besten Sinne des Wortes. Punkt 1: koschd nix! Und zwar ohne irgendwelche Haken, Raumbenutzungsgebühren, Abfallentwertungspauschalen oder sonstiges Kleingedrucktes. Punkt 2: Einfach auch, weil man z.B. im Biergarten Mitgebrachtes (jaja, oder auch Gekauftes, hätte man auch können, is aber ned cool) Grillgut zubereiten und gemütlich zu sich nehmen kann. Dazu noch eine Maß (und no oane...), und so lässt sich es doch aushalten, wenn man auf eine Kombo wartet, über deren Qualitäten der nicht existente Eintrittspreis nicht hinwegtäuschen darf: denn auch wenn die Gründungsbrüder Max und Igor Cavalera längst anderweitig werkeln und mit der Cavalera Conspiracy vielleicht näher am Original dranne sind, garantieren die Kollegen, die nach wie unter dem Namen Sepultura unterwegs sind, immer noch ein Thrash-Feuerwerk vom Derbsten. Daher ist das Areal für einen Montag Abend sehr gut gefüllt, aber bevor wir zum kollektiven Ausrasten in die Halle einschwenken, genießen wir noch einen Leckerbissen der ganz besonderen Art.

Denn im bunten Paket darf man sich heute auch noch über einen immer gern genommenen Besuch der drei höchst respektablen jungen Herren von G'schmach freuen, und dass ein Gastspiel dieser Kombo aus dem weltbekannten Murnau am Staffelsee immer eine Reise wert ist, das ist treuen Lesern unserer Postille ja bestens bekannt (und nein ich verrate nach wie vor nicht was beim letzten Mal alles so passiert ist, das könnt ihr schön vergessen). Nach eigenem Bekunden kredenzen G'schmach (für alle Zugroasten: langsam, gemächlich) "Bayerisch, kabarettistisch angehauchtes Lagerfeuer-Musik-Theater unter besonderer Berücksichtigung des bayerischen Reinheitsgebotes", und eben jenes passt ganz hervorragend zum lauen Sommerabend.

Im Biergarten des Backstage, mit lustiger Liegestuhlbestuhlung (Deutsch ist wunderbar! Jeder darf Kettenwörter bilden!!) und Discokugeln, steigen die Herren Franzi (Gesang, Gitarre), Martl (Gesang, Gitarre) und Ampi (Gesang, Sitzkisteaufdermanauchtrommelnkann) mit "Geht's Da Guat" von STS in ihr Set ein, das wie gewohnt aus Klassikern der deutsch-österreichischen Schrammelmusik-Schule besteht, sprich also Liedgut von eben STS, Ambros, Fendrich und Konsorten enthält. Aber bleibt bei mir, ihr Hartfels-Anhänger, denn das ist wieder richtig gut. Denkt sich auch eine doch beachtliche Schar von Zuhörern, die den entspannten Schmäh der drei den Wüterichen von Warbringer vorziehen, die zeitgleich die Halle zerlegen. Vielleicht liegt es ja auch am Wasserpfeifenqualm, den der Waldschrat neben mir produziert, aber die beschwingte Fröhlichkeit springt sofort über, der saubere Akustik-Klang und fein abgestimmte Harmoniegesang passen perfekt zusammen. Conferencier Ampi führt augenzwinkernd durchs Programm ("mei mir hörn hald einfach a Stund Bayern 1 und spielen des dann, des kann a jeder"), das mit "Oider Liedersänger", der sogar mir aus Kindertagen bekannten "Blume Aus Dem Gemeindebau" und der "Mamma" des Kollegen Ambros seinen Verlauf nimmt. An der Bar versammelt sich mittlerweile zunehmend Laufkundschaft, die nun in den auserlesenen Genuss einer Eigenkomposition kommt. "Wir haben uns fünf plus eine Minute für das Lied Zeit genommen, weil es fünf Minuten eh schon dauert", das dürfte untertrieben sein, denn "Was der deheiratst, des brauchsd der ned derorbaidn" (oder wie auch immer ihr das schreibt) ist ein echtes kleines Sahnestückchen, mit coolen Rockabilly-Vibes und einem hintersinnig-satirischen Text über die gar nicht unverbreitete Grundthese "Schönheit vergeht, Hektar besteht" (für Stadtmenschen setze anstelle Hektar "vermietete Immobilie in München Bestlage"). Nach dem Südtiroler Heldenepos "Da Hofer" schließt sich das einzige englischsprachige Stück an, die Monkees kommen mit "Daydream Believer" zum Einsatz, also so ganz abwegig mit Bayern 1 scheint das ja nicht zu sein... nachdem man sich über den "monsunartigen Applaus" gefreut hat und Herr Ampi sogar erfolgreich in Bruce Dickinson-Hallowed Be Thy Name-Manier die Masse (ok Menge) dirigiert, lassen sie sich wenigstens zu einer Zugabe verleiten: das spaßige "Haute Volee" vom damals sogar noch brauchbaren Fendrich beschließt das leider viel zu kurze Gastspiel der Kollegen. Dass es nur 40 Minuten waren: schade. Dass wir dabei waren: sehr schön. Gerne wieder.

Durch tatkräftige Unterstützung eines Mittelsmannes ergattere ich nun gerade noch eine Zugangsberechtigung zur Halle, die eigentlich längst proppenvoll ist, und platziere mich gerade noch rechtzeitig, bevor das brasilianische Thrash-Unwetter losfegt. Klar ist es eine legitime Frage, ob das alles mit dem einzig verbliebenen Urmitglied Xisto Pinto Jr. am Bass überhaupt noch unter dieser Flagge segeln sollte, aber sobald Fronter Derrick Green (der nach gut informierten Kreisen dem Soundcheck von G'schmach lauschte und denselben mit einem wohlwollenden "fuck" honorierte) in den Klassiker "Beneath The Remains" einsteigt, ist das zumindest heute nebensächlich. Die Halle schäumt förmlich über, die Luft ist eh zum Schneiden, und im Pit ist kollektives Durchdrehen angesagt. Alexander Kisser feuert die Riffs mit messerscharfer Präzision ins Rund, und nach dem zweiten Steuerknüppel "Refuse/Resist" begrüßt Meister Green die Meute mit einem gut gelaunten "Servus!" (was er sich zweifelsohne auch von den soundcheckenden Oberbayern abgeschaut hat). Man beginne hier den zweiten Teil der Welt-Tournee für das nach wie vor aktuelle Album Kairos, informiert uns der Gute, bevor man uns den Titeltrack kredenzt. So pflügen die Herren sich gepflegt durchs südamerikanische Unterholz, Green bangt, hüpft, brüllt was das Zeug hält, donnert bei den Percussion-Abschnitten gerne auch selbst auf ein eigens hingestelltes kleines Drumkit, und stachelt die tobende Menge zu immer neuen Begeisterungsbekundungen an. Nebenbei demonstriert er passable Deutsch-Kenntnisse ("was trinkst du? Bier? Weißbier? Gut!"), und der Groove fährt hammerhart ins Tanzbein, als es mit "Sepulnation" und "Arise" weiter Klassiker-Alarm gibt. Und dann ist irgendwann leider sus, Schluss, vorbei. He, aber Momenterl, Kollegen, da fehlt doch noch was? Ok, sie kommen nochmal raus, und eins müssen wir noch abwarten, dann geht es endgültig zur Sache: "I want to see everybody moving to this one, everybody!" Na, den Gefallen tun wir ihm gerne, denn "Roots Bloody Roots" ist eine derartige Abrissbirne dass es nur so raucht. Schon allein für diesen Song gebührt ihnen immerwährender Ruhm, hier kommt textlicher Anspruch, musikalische Innovation (oder hatte schon jemand vorher Tribal-Elemente eingebaut? Also. Ruhe.) und brachiale Energie in einer Sternstunde zusammen. Dann gilt jedoch das Motto von Paulchen Panther, und es ist für heute wirklich Schluss.

Wenn man bedenkt, dass diese Sause keinen Cent gekostet hat, muss man voll des Lobes sein, denn keiner der Beteiligten sparte an Spielfreude oder Einsatz. Und wenn man eine solche formidable Kombination von hoffnungsvollen Newcomern wie Sepultura und Mega-Acts von internationalem Ruhm wie G'schmach (oder wars andersrum? Ach egal) erhaschen kann, dann ist das doch ein gelungener Abend.

Setlist Sepultura:
Beneath the Remains
Refuse/Resist
Kairos
Relentless
Dead Embryonic Cells
Convicted In Life
Dialog
Attitude
What I Do!
Choke
Mask
Septic Schizo / Escape To The Void
Sepulnation
Subtraction
Just One Fix (Ministry cover)
Territory
Inner Self
Arise
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Ratamahatta
Roots Bloody Roots

Holgi

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