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Konzert-Bericht

Iced Earth & Fury UK

Backstage, München 08.12.2011

(Fotogalerie)

Wenn Winterfrost und Schnee schon auf sich warten lassen, dann soll es wenigstens auf der Bühne schön kalt werden und wer würde das wohl besser hinbekommen als die nicht tot zu bekommenden, amerikanischen Power-Metaller Iced Earth. Der Beginn ist um 19:30 Uhr angesetzt und als ich gerade die S-Bahn an der Friedenheimer Brücke verlasse, denke ich noch: "Verdammt, das schaffe ich wieder nicht!" Nach Ankunft am Ort des Geschehens stelle ich aber fest, dass auf der Bühne noch gar nichts los ist. Verdutzt schauen ich und auch andere verloren durch die Halle, bis sich das Rätsel letztendlich löst: White Wizzard, die Antimetalcoreler aus L. A., sind aus "finanziellen Gründen" abgesprungen und somit liegt es an den Engländern von FuryUK, das Vorprogramm alleine zu bestreiten.

FuryUk
Na, denn mal los... Um kurz vor acht Uhr verdunkelt sich die Halle und FuryUK betreten in ihrer minimalistischen Drei-Mann-Besetzung die Bühne, wobei sie vom Publikum erstmal etwas zögerlich beäugt werden. Doch schon nach den ersten Takten lupenreinen, klassischen Metals wird klar, dass FuryUK sich, trotz ihrer recht jungen Jahre, dem traditionellen Heavy Metal der 80er Jahre mit gewaltigen Anleihen bei den bekannten NWOBHM-Vorreitern verschrieben haben - was bei dem hier anwesenden Publikum, von dem viele wohl schon die originale britische Metalwelle mitgemacht haben, sehr gut ankommt. Sänger und Gitarrist Chris Appleton wirkt auf den ersten Blick zwar etwas schüchtern, weiß aber durchaus am Mikrofon mit einer starken und markanten Stimme und an der Klampfe mit sauber intonierten Powerchords und Flitzefinger-Pentatonik-Solos zu überzeugen. Da hat einer seine Tonleitern wahrlich gelernt! Neben dem gummiartig umherspringenden Bassisten ist der Schlagzeuger, der während des Sets wirklich alles gibt und auch Zeit für ein fettes old-schooliges Drum-Solo bekommt, mit seinem überlangen Bart eindeutig ein Blickfang und lustiger Farbklecks in der Band. Auch wenn musikalisch alles passt, merkt man doch, dass FuryUK noch am Anfang ihrer Karriere stehen und die Bühne noch nicht so souverän verteidigen, wie man das von einer Iced-Earth-Vorband erwarten würde. Der Wegfall von White Wizzard hat hier durchaus eine erhebliche Lücke hinterlassen. Nichtsdestotrotz machen die Engländer ihre Arbeit erstaunlich gut und erspielen sich mit jedem Lied einen größeren Kreis applaudierender Zuschauer. Und wer sowieso auf klassischen Metal zwischen Dio und frühen Metallica steht, sollte die Jungs definitiv mal im Auge behalten.

Iced Earth
Jetzt aber zu unserem Freund Jon Schaffer und seiner Bande. Nach längerer Kunstpause starten Iced Earth mit "Dystopia", dem Opener des neuen und gleichnamigen Albums, erwartungsgemäß in ihr Set. Und?! Ja, das Ganze klingt ziemlich gut! Das freut mich umso mehr, da ich in den letzten Jahren immer mal wieder enttäuscht von den Iced-Earth-Performances (Stichwort Studiomusikertruppe) oder von nervigen, überlangen Gettysburg-Patrioten-Schmonzetten war. Aber heute ist alles anders, die Stimmung auf der Bühne ist spitze, was man schon daran merkt, dass Jon am laufenden Band grinst und merklich Freude am Gitarremalträtieren hat. Genau dies tut er auch und feuert mit der ihm so ganz eigenen Präzision ein messerscharfes Riff nach dem anderen ins Publikum. Weiter geht es mit "Burning Times", der Feuertaufe für den neuen Mann am Mikro. Kann Stu Block (Ex-Into Eternity) dem bis dato einzig wahren Iced-Earth-Sänger Matt Barlow das Wasser reichen?

Iced Earth
Ja, er kann! Die Scheibe Dystopia hat ja schon Parallelen in den Gesangsstilen der beiden erkennen lassen, aber wie gut Stu diesen alten Gassenhauer rüberbringt, ist überraschend und richtig erfrischend. Herrlich! Wie oft fragt man sich, wieso man den ganzen Metal-Zirkus jahrelang mitmacht: dauernd auf Konzerte gehen, Headbangen, immer zu viel Alkohol, die langen Haare, Hals- und Kopfschmerzen am Tag danach und so weiter... Aber mit dieser Darbietung von Jon und Stu ist alles sofort wieder vergessen. Die knackigen Riffs in Kombination mit der gewaltigen Stimme generieren genau das Gänsehautgefühl, das man schon 1998 hatte, als Something Wicked This Way Comes das Licht der Welt erblickte. Das Publikum ist entzückt und man kann sich nun ohne Sorgen auf eine Reise durch Vergangenheit und Gegenwart des Iced-Earthschen Backkatalogs begeben, die sowohl ganz alte Knaller ("Angels Holocaust", "When The Night Falls"), unsterbliche Gassenhauer ("Stand Alone", "The Hunter", "Damien") als auch Einiges vom aktuellen Dystopia-Werk ("Anthem", "Dark City", "Days Of Rage", "V") mit sich bringt. Aber auch die Era Tim Owens wird, wenn auch nur mit einem einzigen Song - "Declaration Day" - bedacht. Aber auch das schüttelt Stu aus der Westentasche, als hätte er es schon immer gesungen. Dazu kommt, dass er auch mit dem Publikum gut umgehen kann. Immer mal wieder das F-Wort durch die Halle brüllen, schön fragen, ob alle Spaß haben, und sich brav bei jedem fürs Kommen bedanken. All das klingt von ihm weder aufgesetzt noch deplatziert und kommt sehr ehrlich und authentisch an. Klar, Stu ist nicht Matt, aber er ist erstens da und zweitens macht er einen tollen Job und drittens hat er wieder Schwung in die Kapelle gebracht, was Matt mit seinem letzten kurzen Intermezzo nicht geschafft hat. Was will man mehr? "Watching Over Me" singen? Sicher, und das dürfen auch alle Anwesenden, bevor die Jungs die Bühne verlassen. Natürlich lassen sich Iced Earth auch heute nochmal auf die Bühne betteln, was dem Publikum den Monumentalsong "Dantes Inferno" beschert, der gerade auch durch Jons atmosphärische Spracheinlage für einen weiteren Höhepunkt dieses Abends sorgt. Und was fehlt jetzt noch? Klar, die Bandhymne "Iced Earth", mit der sich die gut gelaunten Amerikaner frohen Mutes für dieses Jahr von München verabschieden.

Iced Earth
Wow, was für ein Abend! Zwar hätte eine etwas bekanntere Vorband als FuryUK der Veranstaltung noch eine weitere Dimension hinzufügen können (wie etwa Annihilator 2007), aber trotzdem Hut ab, Herr Schaffer und Herr Block haben gezeigt, dass Iced Earth noch lange nicht zum alten Eisen gehören und dass von der Band in der Besetzung, wie sie heute hier aufgetreten ist, noch viel zu erwarten ist. Hoffen wir mal, dass wir diesmal etwas länger Freude an dieser Konstellation haben werden. Meinen Segen haben sie...

Iced Earth

Setlist Iced Earth:
Dystopia
Burning Times
Angels Holocaust
Slave To The Dark
V
Stand Alone
When The Night Falls
Damien
Dark City
The Hunter
Anthem
Declaration Day
Days Of Rage
Watching Over Me
---
Dante's Inferno
Iced Earth

Sebbes

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