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Konzert-Bericht

Swallow The Sun, Insomnium & Omnium Gatherum

Orangehouse, München 11.12.2009

Bei nasskaltem Wetter zeigten sich an diesem Dezembertag schon erste Vorboten des Winters. Gut, dass es zum Ausgleich umso wärmender Konzerte wie dieses gibt. So rief das Finnen-Triple um Headliner Swallow The Sun und deren Gäste Insomnium sowie Omnium Gatherum zum Stelldichein bei einer Prise melodischen Death Metals und schweren Death Dooms.

Pünktlich um 19:30 Uhr öffneten sich die Pforten des Orangehouse. Nach dem obligatorischen neugierigen Check des Merchandisings wurde erstmal eine Gerstenkaltschale im Glas (!) geordert. Das in orange getünchte Etablissement brachte ad hoc Wohnzimmergefühl auf. Es scheint für kleine intensive Events genau der richtige Platz zu sein. Ferner um den Finnentross, der heute hier Station machte, gebührend abzufeiern.

20:30 Uhr, etwas Nebel und ein stimmungsschwangeres Intro. Danach steht das Sextett Omnium Gatherum auf der Bühne und steigt mit "Nail" vom 2008er Werk The Redshift gleich in die Vollen ein. Immer-noch-Neusänger und Wollmützenträger Jukka Pelkonen, der seit guten drei Jahren und zwei Scheiben den Frontmann mimt, macht auf dicke Hose-Metaller und versucht immer wieder, das noch etwas reservierte Auditorium zu begeistern. Mehr als Höflichkeitsapplaus stellt sich aber, bis auf drei, vier vollends mitgehende hartgesottene Banger, nicht ein. Der Mann am Mikro stellte mit seiner x-fachen Preisung der Pommesgabel den einsamen Weltrekord im "böse Beelzebub geben" auf. Wirkte gelegentlich pedantisch aufgesetzt, war aber dennoch auf eine spezielle Art unterhaltsam. Die beiden Gitarristen Vanhala und Pikka rifften und solierten sich den Allerwertesten ab, was vor allem bei den hochmelodischen Soli begeisterte. Was aber auch am gut abgemischten Sound an diesem Abend lag, denn sowohl Gesang als auch Instrumente kamen differenziert genug, aber dennoch mit Schmackes aus den Boxen. Mit "Son's Thoughts" verabschiedeten sich Omnium Gatherum artig vom Publikum, das zwar nicht am Ausrasten, aber dafür gut angewärmt war.

Zeit für ein weiteres Hopfen- und Malzgetränk, somit gut gelaunt ins Rund gesehen und gefreut, dass sehr viele Banger den Weg ins Orangehouse an diesem Freitagabend gefunden haben. Für Münchner Verhältnisse eine kleine Sensation. Der Großteil war etwa um die 20 Jahre alt oder jünger. Im harten Sektor des Metal braucht man sich um den Fan-Nachwuchs keine Gedanken machen. Gut so und dran bleiben!

Weiter ging es im Programm mit Insomnium und es hatte den Anschein, dass die Meute nur auf die vier Burschen gewartet hat. Von der ersten Sekunde, wo Fronter Niilo Sevänen die Bühne betritt, herrscht kollektives Durchdrehen. Die Fans hängen förmlich an den Lippen des wuchtigen Mannes mit der sympathischen Ausstrahlung. Bis zum Tresen wurde jeder Fan mitgerissen, das Orangehouse bebte und zitterte. So muss das live sein. Die Musiker wurden von der feiernden Horde umso mehr angestachelt und trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Niilo glänzte zwischen den Songs mit deutschen Ansagen, die den Sympathiebonus nochmals um eine Schraubendrehung anzogen. Mit einer Dreiviertelstunde Spielzeit wurde ein kurzer Abriss über die bisher vier erscheinen Alben geboten. Egal, welcher Song gespielt wurde, es herrschte immer der gleiche Lärmpegel vor der Bühne. Der melodische Death Metal mit einigen Ausflügen in amorphis'sche Melodie- und Melancholielandschaften verfehlte auch beim Rezensenten nicht seine Wirkung. Nach neun Songs und der Zugabe "Devoid Of Caring" war Schicht im Schacht, der Schweiß ran literweise bei Band und Fans, die Gesichter strahlten um die Wette, was will man mehr? Ganz einfach, es wird Zeit für eine Headlinertour in unseren Breitengraden.

Heidewitzka, wie wollen Swallow The Sun das Gebotene noch toppen? Wird verdammt schwer und wurde es auch, denn in der stilistischen Ausrichtung hob sich der Headliner doch gewaltig von seinen Vorbands ab. Doomiger zäher Death Metal und ein Sänger mit einem Bewegungsradius eines Bierdeckels zeugten von eher statischer, mehr in sich gehender, Musik. So war es mehr ein Hörvergnügen für diejenigen, die dem langsamen schweren Sound etwas abgewinnen konnten. Der Löwenanteil der Zuhörer war noch vom Auftritt Insomniums elektrisiert, sodass die Stimmung gut, aber bei weitem nicht mehr so ausgelassen war. Was soll man sagen? Mir gefallen Swallow The Sun auf Scheibe ausgesprochen gut, jedoch ist man nach einer guten halben Stunde in live und Farbe so weit, dass sich die Songs nicht allzu groß unterscheiden. Kurz gesagt, ein Sättigungsfaktor stellt sich ein. Irgendwie mehr Kopfhörer-Mucke denn live abgehender Spaßbringer. Wer wegen Miko Kotamäki und seiner instrumentierenden Band kam, wurde dennoch nicht enttäuscht. Neue Fans zu gewinnen dürfte dagegen etwas schwieriger gewesen sein.

So endete um kurz nach Mitternacht ein feines Package aus Suomi, in dem Insomnium ganz klar die Gewinner des Abends stellten, aber ebenso Omnium Gatherum und Swallow The Sun ihren Fans einiges bieten konnten. Zumindest wanderte keiner der Fans enttäuscht ab und man konnte noch im nahe gelegenen Sunny Red die Aftershowparty bei gepflegter Metalmucke mit teils anwesenden Musikern genießen, bevor es hieß, in die eisige Dezembernacht zu entschwinden und sich ins warme Bettchen zu begeben.

Siebi

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